{"id":5781,"date":"2026-04-09T02:54:29","date_gmt":"2026-04-09T00:54:29","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5781"},"modified":"2026-04-09T02:54:30","modified_gmt":"2026-04-09T00:54:30","slug":"die-kluge-bauerntochter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-kluge-bauerntochter\/","title":{"rendered":"Die kluge Bauerntochter"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Die kluge Bauerntochter<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gebr. Grimm<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es war einmal ein armer Bauer, der hatte kein Land, nur ein kleines H\u00e4uschen und eine einzige Tochter. Da sprach die Tochter: &#8222;Wir sollten den Herrn K\u00f6nig um ein St\u00fcck Rodeland bitten.&#8220; Da der K\u00f6nig von ihrer Armut h\u00f6rte, schenkte er ihnen ein Eckchen Rasen, den hackte sie und ihr Vater um und wollten ein wenig Korn und dergleichen Frucht darauf s\u00e4en. Als sie den Acker beinahe umgestochen hatten, so fanden sie in der Erde einen M\u00f6rsel von purem Gold. &#8222;H\u00f6r&#8220;, sagte der Vater zu dem M\u00e4dchen, &#8222;weil unser Herr K\u00f6nig ist so gn\u00e4dig gewesen und hat uns diesen Acker geschenkt, so m\u00fcssen wir ihm den M\u00f6rsel daf\u00fcr geben.&#8220; Die Tochter aber wollte es nicht bewilligen und sagte: &#8222;Vater, wenn wir den M\u00f6rsel haben und haben den St\u00f6\u00dfer nicht, dann m\u00fcssen wir auch den St\u00f6\u00dfer herbeischaffen, darum schweigt lieber still.&#8220; Er wollte ihr aber nicht gehorchen, nahm den M\u00f6rsel, trug ihn zum Herrn K\u00f6nig und sagte, den h\u00e4tte er gefunden, ob er ihn als eine Verehrung annehmen wollte. Der K\u00f6nig nahm den M\u00f6rsel und fragte, ob er nichts mehr gefunden h\u00e4te. &#8222;Nein&#8220;, antwortete der Bauer. Da sagte der K\u00f6nig, er sollte nun auch den St\u00f6\u00dfer herbeischaffen. Der Bauer sprach, den h\u00e4tten sie nicht gefunden; aber das half ihm so viel, als h\u00e4tt&#8216; er&#8217;s in den Wind gesagt. Er ward ins Gef\u00e4ngnis gesetzt und sollte so lange da sitzen, bis er den St\u00f6\u00dfer herbeigeschafft h\u00e4tte. Die Bedienten mussten ihm t\u00e4glich Wasser und Brot bringen, was man so in dem Gef\u00e4ngnis kriegt; da h\u00f6rten sie wie der Mann als fortschrie: &#8222;Ach, h\u00e4tt ich meiner Tochter doch gehorcht. Ach, ach, h\u00e4tt ich meiner Tochter doch gehorcht!&#8220; Da gingen die Bedienten zum K\u00f6nig und erz\u00e4hlten, dass der Gefangene immer schrie: &#8222;Ach, h\u00e4tt ich meiner Tochter doch gehorcht!&#8220; und wollte nicht essen und trinken. Da befahl er den Bedienten, sie sollten den Gefangenen vor ihn bringen, und da fragte ihn der K\u00f6nig, warum er also fortschrie: Ach, h\u00e4tt ich meiner Tochter doch gehorcht! &#8222;Was hat eure Tochter denn gesagt?&#8220; &#8211; ,,Ja, sie hat gesprochen, ich sollte den M\u00f6rsel nicht bringen, sonst m\u00fcsst ich auch den St\u00f6\u00dfer schaffen.&#8220; &#8211; &#8222;Habt ihr eine so kluge Tochter, so lasst sie einmal herkommen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Also musste sie vor den K\u00f6nig kommen, der fragte sie, ob sie denn so klug w\u00e4re und sagte, er wolle ihr ein R\u00e4tsel aufgeben; wenn sie das treffen k\u00f6nnte, dann wollte er sie heiraten. Da sprach sie gleich, ja, sie wollt&#8217;s erraten. Da sagte der K\u00f6nig: &#8222;Komm zu mir, nicht gekleidet, nicht nackend, nicht geritten, nicht gefahren, nicht in dem Weg, nicht au\u00dfer dem Weg, und wenn du das kannst, will ich dich heiraten.&#8220; Da ging sie hin und zog sich splitternackend aus, da war sie nicht gekleidet und nahm ein gro\u00dfes Fischgarn und setzte sich hinein und wickelte es ganz um sich herum, da war sie nicht nackend und borgte einen Esel f\u00fcrs Geld und band dem Esel das Fischgarn an den Schwanz, darin er sie fortschleppen musste, und das war nicht geritten und nicht gefahren. Der Esel musste sie aber in dem Fahrgeleise schleppen, so dass sie nur mit der gro\u00dfen Zehe auf die Erde kam und war das nicht in dem Weg und nicht au\u00dfer dem Weg. Und wie sie so daher kam, sagte der K\u00f6nig, sie h\u00e4tte das R\u00e4tsel getroffen, und es w\u00e4re alles erf\u00fcllt. Da lie\u00df er ihren Vater los aus dem Gef\u00e4ngnis und nahm sie zu sich als seine Gemahlin und befahl ihr das ganze k\u00f6nigliche Gut an.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun waren etliche Jahre herum, als der Herr K\u00f6nig einmal auf die Parade zog; da trug es sich zu, dass Bauern mit ihren Wagen vor dem Schloss hielten, die hatten Holz verkauft. Etliche hatten Ochsen vorgespannt, etliche Pferde. Da war ein Bauer, der hatte drei Pferde, davon kriegte eines ein junges F\u00fclichen, das lief weg und legte sich mitten zwischen zwei Ochsen, die vor einem Wagen waren. Als nun die Bauern zusammenkamen, fingen sie an, sich zu zanken, zu schmei\u00dfen und zu l\u00e4rmen. Der Ochsenbauer wollte das F\u00fcllen behalten und sagte, die Ochsen h\u00e4tten&#8217;s gehabt, und der andere sagte nein, seine Pferde h\u00e4tten&#8217;s gehabt, und es w\u00e4re sein. Der Zank kam vor den K\u00f6nig, und der tat den Ausspruch, wo das F\u00fcllen gelegen h\u00e4tte, da sollte es bleiben. Also bekam&#8217;s der Ochsenbauer, dem&#8217;s doch nicht geh\u00f6rte. Da ging der andere weg, weinte und lamentierte \u00fcber sein F\u00fcllchen. Nun hatte er geh\u00f6rt, dass die Frau K\u00f6nigin so gn\u00e4dig w\u00e4re, weil sie auch von armen Bauersleuten gekommen w\u00e4re. Er ging zu ihr und bat sie, ob sie ihm nicht helfen k\u00f6nnte, dass er sein F\u00fcllchen wieder bek\u00e4me. Sagte sie: &#8222;Ja, wenn Ihr mir versprecht, dass Ihr mich nicht verraten wollt, so will ich&#8217;s Euch sagen. Morgen fr\u00fch, wenn der K\u00f6nig auf der Wachtparade ist, so stellt Euch hin, mitten in die Stra\u00dfe, wo er vorbeikommen muss, Nehmt ein gro\u00dfes Fischgarn und tut als fischet Ihr, und fischt also fort und sch\u00fcttet das Garn aus, als wenn Ihr&#8217;s voll h\u00e4ttet&#8220;, und sagte ihm auch, was er antworten sollte, wenn er vom K\u00f6nig gefragt w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Also stand der Bauer am andern Tag da und fischte auf einem trockenen Platze. Wie der K\u00f6nig vorbeikam und das sah, schickte er seinen Laufer hin, der sollte fragen, was der n\u00e4rrische Mann vorh\u00e4tte. Da gab er zur Antwort: &#8222;Ich fische.&#8220; Fragte der Laufer, wie er fischen k\u00f6nne, es w\u00e4re ja kein Wasser da. Sagte der Bauer: &#8222;So gut als zwei Ochsen k\u00f6nnen ein F\u00fcllen kriegen, so gut kann ich auch auf dem trockenen Platze fischen.&#8220; Der Laufer ging hin und brachte dem K\u00f6nig die Antwort; da lie\u00df er den Bauern vor sich kommen und sagte, das h\u00e4tte er nicht von sich, von wem er das h\u00e4tte, und er sollte es gleich bekennen. Der Bauer aber wollt&#8217;s nicht tun und sagte: Gott bewahr! er h\u00e4tt&#8216; es von sich. Sie legten ihn aber auf ein Gebund Stroh und schlugen und drangsalten ihn so lange bis er&#8217;s bekannte, dass er&#8217;s von der Frau K\u00f6nigin h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der K\u00f6nig nach Hause kam, sagte er zu seiner Frau: ,,Warum bist du so falsch mit mir? Ich will dich nicht mehr zur Gemahlin. Deine Zeit ist um, geh wieder hin, woher du gekommen bist, in dein Bauemh\u00e4uschen.&#8220; Doch erlaubte er ihr eins, sie sollte sich das Liebste und Beste mitnehmen, was sie w\u00fcsste, und das sollte ihr Abschied sein. Sie sagte: &#8222;Ja, lieber Mann, wenn du&#8217;s so befiehlst, will ich es auch tun,&#8220; und fiel \u00fcber ihn her und k\u00fcsste ihn und sprach, sie wollte Abschied von ihm nehmen. Dann lie\u00df sie einen starken Schlaftrunk kommen, Abschied mit ihm zum trinken. Der K\u00f6nig tat einen gro\u00dfen Zug, sie aber trank nur wenig. Da geriet er bald in einen tiefen Schlaf, und als sie das sah, rief sie einen Bedienten und nahm ein sch\u00f6nes wei\u00dfes Linnentuch und schlug ihn da hinein, und die Bedienten mussten ihn in einen Wagen vor der T\u00fcr tragen, und sie fuhr ihn heim in ihr H\u00e4uschen. Da legte sie ihn in ihr Bettchen, und er schlief Tag und Nacht in einem fort, und als er aufwachte, sah er sich um und sagte; ,,Ach Gott, wo bin ich denn?&#8220;, rief seine Bedienten, aber es war keiner da. Endlich kam seine Frau ans Bett und sagte: ,,Lieber Herr K\u00f6nig, Ihr habt mir befohlen, ich sollte das Liebste und Beste aus dem Schloss mitnehmen. Nun habe ich nichts Lieberes und Besseres als&nbsp;dich; da hab ich dich mitgenommen.&#8220; Dem K\u00f6nig stiegen die Tr\u00e4nen in die Augen und er sagte: ,,Liebe Frau, du sollst mein sein und ich dein&#8220;, und nahm sie wieder mit ins k\u00f6nigliche Schloss und lie\u00df sich aufs neue mit ihr verm\u00e4hlen, und da werden sie ja wohl noch auf den heutigen Tag leben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die kluge Bauerntochter Gebr. Grimm Es war einmal ein armer Bauer, der hatte kein Land, nur ein kleines H\u00e4uschen und eine einzige Tochter. 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