{"id":5777,"date":"2026-04-09T02:39:12","date_gmt":"2026-04-09T00:39:12","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5777"},"modified":"2026-04-09T02:39:13","modified_gmt":"2026-04-09T00:39:13","slug":"kinderschnack","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/kinderschnack\/","title":{"rendered":"Kinderschnack"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Kinderschnack<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hans Christian Andersen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Drinnen bei dem reichen Kaufmann war eine Kindergesellschaft, reicher Leute Kinder und vornehmer Leute Kinder; der Kaufmann war ein gelehrter Mann, er hatte einst das Studentenexamen gemacht, dazu hatte ihn sein ehrlicher Vater angehalten, der von Anfang an nur Viehh\u00e4ndler gewesen wahr, aber ehrlich und betriebsam; der Handel hatte Geld gebracht, und die Gelder hatte der Kaufmann zu mehren gewusst. Klug war er, und Herz hatte er auch, aber von seinem Herzen wurde weniger gesprochen als von seinem vielen Geld. Bei dem Kaufmann gingen vornehmen Leute ein und aus, wohl Leute von Gebl\u00fct, wie es hei\u00dft, als von Geist, auch Leute, die beides hatten oder keines von beiden. Diesmal war eine Kindergesellschaft dort und Kindergeschw\u00e4tz, und Kinder sprechen frei von der Leber weg. Unter anderem war dort ein wundersch\u00f6nes kleines M\u00e4dchen, aber die Kleine war ganz entsetzlich stolz, das hatten die Dienstleute in sie gek\u00fcsst, nicht die Eltern, denn dazu waren die gar zu vern\u00fcnftige Leute; ihr Vater war Kammerjunker, und das ist was gar Gro\u00dfes, das wusste sie.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ich bin ein Kammerkind!&#8220; sagte sie. Sie h\u00e4tte nun ebenso gut ein Kellerkind sein k\u00f6nnen, jeder kann selber daf\u00fcr gleich viel; und dann erz\u00e4hlte sie den anderen Kindern, dass sie &#8222;geboren&#8220; sei, und sagte, wenn man nicht geboren sei, k\u00f6nne man nichts werden; das n\u00fctze einem nichts, dass man lesen und flei\u00dfig sein wolle; wenn man nicht &#8222;geboren&#8220; sei, k\u00f6nne man nichts werden. &#8222;Und diejenigen, deren Namen mit &#8217;sen&#8216; endigen&#8220;, sagte sie, &#8222;aus denen kann nun ganz und gar nichts werden! Man muss die Arme in die Seite stemmen und sie recht weit fern von sich halten, diese &#8217;sen! &#8217;sen!&#8220; Und dabei stemmte sie ihre wundersch\u00f6nen kleinen Arme in die Seite und machte den Ellenbogen ganz spitz, um zu zeigen, wie man es machen sollte; und die \u00c4rmchen waren gar niedlich. Es war ein recht s\u00fc\u00dfes M\u00e4dchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch die kleine Tochter des Kaufmanns wurde bei dieser Rede gar zornig; ihr Vater hie\u00df Petersen, und von dem Namen wusste sie, dass er auf &#8222;sen&#8220; endigte, und deshalb sagte sie so stolz, wie sie konnte: &#8222;Aber mein Vater kann f\u00fcr hundert Taler Bonbons kaufen und sie unter die Kinder werfen! Kann dein Vater das?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Nein, aber mein Vater&#8220;, sagte das T\u00f6chterlein eines Schriftstellers, &#8222;kann deinen Vater und deinen Vater und alle V\u00e4ter in die Zeitung setzen! Alle Menschen f\u00fcrchten ihn, sagt meine Mutter, denn mein Vater ist es, der in der Zeitung regiert!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Und das T\u00f6chterlein schaute gar stolz dabei aus, als wenn es eine wirkliche Prinzessin w\u00e4re, die stolz ausschauen muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber drau\u00dfen vor der nur angelehnten T\u00fcr stand ein armer Knabe und blickte durch die T\u00fcrspalte. Er war so gering, dass er nicht einmal mit in die Stube hinein durfte. Er hatte der K\u00f6chin den Bratspie\u00df gedreht, und die hatte ihm nun erlaubt, hinter der T\u00fcr zu stehen und zu den geputzten Kindern, die sich einen vergn\u00fcgten Tag machten, hineinzublicken, und das war f\u00fcr ihn recht viel.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Wer doch einer von ihnen w\u00e4re!&#8220; dachte er, und dabei h\u00f6rte er, was gesprochen wurde, und das war nun freilich so, um recht missmutig zu werden. Nicht einen Pfennig besa\u00dfen die Eltern zu Hause, den sie h\u00e4tten zur\u00fccklegen k\u00f6nnen, um daf\u00fcr eine Zeitung zu halten, geschweige denn eine solche zu schreiben, mitnichten! Und nun noch das Allerschlimmste: seines Vaters Name und also auch der seinige endigte ganz und gar auf &#8222;sen&#8220;, aus ihm konnte denn somit auch ganz und gar nichts werden. Das war zu traurig! Doch geboren war er, schien es ihm, so recht ordentlich geboren, das konnte doch unm\u00f6glich anders sein. Das war nun an diesem Abend.<\/p>\n\n\n\n<p>Seitdem verstrichen viele Jahre, und w\u00e4hrenddessen werden Kinder zu erwachsenen Menschen. In der Stadt stand ein pr\u00e4chtiges Haus, es war angef\u00fcllt mit lauter sch\u00f6nen Sachen und Sch\u00e4tzen, die Leute wollten es sehen, selbst Leute, die au\u00dferhalb der Stadt wohnten, kamen in die Stadt, um es zu sehen. Wer von den Kindern, von denen wir erz\u00e4hlt haben, mochte wohl jetzt dieses Haus das seinige nennen? Ja, das zu erraten, ist nat\u00fcrlich sehr leicht! Nein, nein, es ist doch nicht so sehr leicht. Das Haus geh\u00f6rte dem kleinen, armen Knaben, der an jenem Abend hinter der T\u00fcr gestanden hatte; aus ihm wurde doch etwas, obgleich sein Name auf &#8222;sen&#8220; endigte &#8211; Torwaldsen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und die drei anderen Kinder? Die Kinder des Blutes, des Geldes und des Geisteshochmutes, ja, eins hat dem anderen nichts vorzuwerfen, sie sind gleiche Kinder &#8211; aus ihnen wurde alles Gute, die Natur hatte sie gut ausgestattet; was sie damals gedacht und gesprochen hatten, war eben nur Kinderschnack.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kinderschnack Hans Christian Andersen Drinnen bei dem reichen Kaufmann war eine Kindergesellschaft, reicher Leute Kinder und vornehmer Leute Kinder; der Kaufmann war ein gelehrter Mann, er hatte einst das Studentenexamen gemacht, dazu hatte ihn sein ehrlicher Vater angehalten, der von Anfang an nur Viehh\u00e4ndler gewesen wahr, aber ehrlich und betriebsam; der Handel hatte Geld gebracht, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5758,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[88,85],"tags":[],"class_list":["post-5777","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-hans-chr-andersen","category-maerchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5777","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5777"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5777\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5778,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5777\/revisions\/5778"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5758"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5777"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5777"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5777"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}