{"id":5731,"date":"2026-04-08T03:07:34","date_gmt":"2026-04-08T01:07:34","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5731"},"modified":"2026-04-08T03:07:34","modified_gmt":"2026-04-08T01:07:34","slug":"muellers-toechterlein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/muellers-toechterlein\/","title":{"rendered":"M\u00fcllers T\u00f6chterlein"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>M\u00fcllers T\u00f6chterlein<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>M\u00e4rchen aus Tirol<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Des M\u00fcllers T\u00f6chterlein war ein keckes M\u00e4dchen und h\u00e4tte es wohl auch mit M\u00e4nnern aufgenommen. Einmal musste es, w\u00e4hrend die anderen Bewohner in der entlegenen Kirche waren, im einsamen H\u00e4uschen zur\u00fcckbleiben, um es zu h\u00fcten. Das M\u00e4dchen sperrte sich brav ein, und weil ihm das Alleinsein so langweilig vorkam, wartete es mit Sehnsucht auf die Ankunft der \u00fcbrigen, die doch nicht lange mehr ausbleiben konnten. Als sie so durchs Fenster sah und auf die Kirchg\u00e4nger harrte, sah sie von weitem drei wilde M\u00e4nner daherkommen, die gar verd\u00e4chtig aussahen. Die M\u00e4nner gingen gerade auf das M\u00fcllerhaus zu, als ob es sich so geh\u00f6rte, besichtigten alles und jedes und klopften endlich an die Haust\u00fcre.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Maria, so hie\u00df das M\u00e4dchen, gefiel der ganze Handel nicht, und sie h\u00e4tte sich beinahe gegruselt, doch bald hatte sie sich gefasst, hielt sich mausestille und \u00f6ffnete nicht. Da fiel ihr ein, dass auch aus dem Keller eine Hintert\u00fcre auf die Stra\u00dfe f\u00fchrte, und dass in derselben ein gro\u00dfes Lugloch sei. Gleich vermutete sie, die drei wilden M\u00e4nner k\u00f6nnten dort hereinkommen, holte sich ein Beil und ging in den Keller hinunter. Sie war noch nicht lange auf der Lauer, als einer von den dreien das Schieberl beiseite schob und durch die \u00d6ffnung hereinzukriechen versuchte. Maria, die stramm hinter der T\u00fcre sich verbarg, war nicht faul und hieb mit einem Streich dem Einbrecher den Kopf ab, dass er weit von dannen kugelte, packte dann gleich den Rumpf und zog ihn zu sich herein.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der erste so durch die Luke hinein verschwunden war, glaubten die beiden andern, es sei dem ersten gelungen, in den Keller zu steigen, und der zweite machte sich an die Reihe. Er steckte seinen Kopf durchs Loch hinein, und die kecke Maria stand hinter der T\u00fcre bereit und machte es ihm wie dem ersten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der dritte wollte auch hinein, allein Maria war dieses Mal zu voreilig, denn kaum hatte sein Kopf zum Loche hineingeguckt, als sie mit dem Beile losschlug und ihm nur eine kleine Wunde beibrachte. Er zog rasch den Kopf zur\u00fcck und wusste nun, wie es seinen zwei Kameraden ergangen war. Ohne zu s\u00e4umen eilte er mit blutigem Kopfe zu seinen Kameraden, den R\u00e4ubern, in den Wald zur\u00fcck und lie\u00df sich dort die Wunden heilen.<\/p>\n\n\n\n<p>Maria war nach diesem Besuche nicht mehr lange allein, denn bald war der Gottesdienst vorbei, und die Kirchg\u00e4nger kamen nach Hause. Mit pochendem Herzen und doch mit Freude eilte sie ihnen entgegen und erz\u00e4hlte ihren Leuten, was sich zugetragen hatte. Alle wunderten sich \u00fcber die Geistesgegenwart des M\u00e4dchens und konnten seine Tat nicht genug loben. Die zwei erschlagenen R\u00e4uber wurden dann dem Gerichte ausgeliefert und unter dem Galgen begraben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Felder waren seit dieser Begebenheit zweimal fahl und wieder gr\u00fcn geworden, als eines Morgens ein schmucker M\u00fcllergeselle in die M\u00fchle kam und sich dort um einen Dienst erkundigte. Dem Meister gefiel der wache Bursche, und er nahm ihn als Gesellen an. Der neue M\u00fcller arbeitete sehr flei\u00dfig und hatte sich bald das Zutrauen und die Liebe aller Bewohner der M\u00fchle erworben.<\/p>\n\n\n\n<p>Man hatte vor ihm kein Hehl, und alle Geheimnisse und Geschichten der M\u00fchle, somit auch die Tat der Tochter, wurden ihm, wenn nicht heute, so doch morgen mitgeteilt. Maria selbst erz\u00e4hlte ihm von jenem Besuche \u00f6fters mit der gr\u00f6\u00dften Freude und nur, wenn sie vom Dritten zu sprechen kam, unterdr\u00fcckte sie eine gewisse Furcht und Angst nie ganz: \u00bbDen, der mir so durchkam, f\u00fcrchte ich noch immer\u00ab, gestand sie \u00f6fters. Der Geselle l\u00e4chelte dann und schob dann auch zuweilen das rote H\u00e4ubchen, das nie von seinem Kopfe kam, etwas in die Runde. Oft erz\u00e4hlte er auch, was er f\u00fcr ein reicher M\u00fcllersohn sei und wie viele Gr\u00fcnde sein Vater besitze. Maria glaubte alles und gewann nach und nach den Gesellen so lieb, dass er ihr \u00fcber alles ging, und er behauptete auch, dass er die Maria recht lieb habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Es dauerte nicht mehr lange, und er hielt bei dem M\u00fcller um die Hand der Tochter an, die ihm der Meister nicht versagte. Einige Tage vor der Trauung wollte er seine Braut auf den Bschau f\u00fchren, und ihre Eltern hatten nichts dagegen einzuwenden. Der Geselle f\u00fchrte die liebe Maria nun eines Tages weiter, und sie war voll Freude, dass sie ihre k\u00fcnftige Heimat bald sehen sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Weg f\u00fchrte sie durch einen Wald. Wilde Rosenhecken, riesige Farnbl\u00e4tter und altersgraue Tannen standen nur in dieser Wildnis, sonst sah man nichts, und keines Menschen Tritt schlug an das Ohr der Wanderer.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie sie so einsam, allen Menschen ferne, durchs Dickicht wanderten, stand der Geselle pl\u00f6tzlich stille, ma\u00df das M\u00e4dchen mit wildem Blick, zog das rote H\u00e4ubchen ab und fragte: \u00bbKennst du dieses Zeichen?\u00ab Dabei deutete er auf die Schramme, die ganz jener glich, die sie dem wilden Manne beigebracht hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbJesus Maria!\u00ab entfuhr der Kehle der armen, bleichen Dirne, die vor Schrecken fast zusammensank.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbZwei meiner Kameraden hast du get\u00f6tet, und gegen mich hattest du schon das Beil erhoben, daf\u00fcr soll dir der Tod nicht ausbleiben\u00ab, fuhr ihr Begleiter weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Maria flehte und weinte, allein es half alles nicht, und er schleppte und zerrte sie weiter, wie ein Tier, das man zur Schlachtbank f\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie waren nicht mehr lange gegangen, als der R\u00e4uber bei einem Hause halt machte. Als sie nun dort standen, st\u00fcrzten viele, wilde Kerle aus der T\u00fcr, hie\u00dfen ihn willkommen und fragten, ob die es sei. Er nickte, und alle frohlockten und f\u00fchrten das Paar in die Stube, in der ein gro\u00dfer, gro\u00dfer Ofen stand. Der H\u00e4userin wurde nun befohlen, recht stark einzuheizen, denn man wolle einen guten Braten bereiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wirtschafterin feuerte nun ein, und dann brachte sie den polternden R\u00e4ubern Wein und Gesottenes und Gebratenes, an dem sich die b\u00e4rtigen Waldmenschen g\u00fctlich taten. Maria aber h\u00e4ngten sie am hei\u00dfen Ofen an und lachten, wenn sie sich vor Hitze wie ein Wurm kr\u00fcmmte. Schon glaubte sie, vor Hitze vergehen zu m\u00fcssen, als ein Bote mit der Nachricht kam, dass im Walde Kaufleute sich verirrt h\u00e4tten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie auf einen Zauberschlag standen nun alle auf, st\u00fcrzten die Gl\u00e4ser aus und eilten aus der Stube.<\/p>\n\n\n\n<p>Die alte H\u00e4userin und die ge\u00e4ngstigte Maria waren nun allein zu Hause. Da bat des M\u00fcllers T\u00f6chterlein die Alte, sie solle ihr doch zur Flucht behilflich sein, sie w\u00fcrde ihr daf\u00fcr ewig dankbar sein, und Tr\u00e4nen, so hell und klar wie der Morgentau, purzelten \u00fcber die roten, feinen Wangen des M\u00e4dchens so zahlreich, dass eine die andere schlug.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Alte erbarmte sich endlich des jungen Blutes, band Maria los und eilte mit ihr fort, denn, w\u00e4re sie allein zur\u00fcckgeblieben, so w\u00e4re es um sie geschehen gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die H\u00e4userin und des M\u00fcllers T\u00f6chterlein gingen nun stille durch den Wald, um dem Tode zu entrinnen und das Freie zu suchen. Sie hatten aber kaum die H\u00e4lfte des Weges zur\u00fcckgelegt, als sie die R\u00e4uber von Ferne daherkommen und l\u00e4rmen h\u00f6rten. Was war nun zu tun, wenn sie nicht beide den R\u00e4ubern in die H\u00e4nde fallen wollten? Maria war gleich entschlossen, sie sah in der N\u00e4he einen gro\u00dfen, hohen Baum, und den kletterte sie, so behende wie ein Eichk\u00e4tzchen, hinauf. Die Alte war auch nicht faul und folgte dem M\u00e4dchen, und so schwebten beide auf den schwankenden \u00c4sten droben, die sich unter ihnen auf und nieder bogen. Indessen waren die zweiundzwanzig R\u00e4uber bis zu dem Baume gekommen, lie\u00dfen sich am Fu\u00dfe desselben nieder und hielten Rast. Zur Kurzweil verabredeten sie, wie sie des M\u00fcllers Tochter im Ofen braten w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die beiden auf dem Baume droben h\u00f6rten jedes Wort und gerieten in eine solch gro\u00dfe Furcht, dass der Angstschwei\u00df, vom Baume niedertropfte.<\/p>\n\n\n\n<p>Als die R\u00e4uber dies Tropfenfallen h\u00f6rten, f\u00fcrchteten sie einen nahen Regen, griffen hastig nach ihren Waffen und eilten spornstreichs nach Hause.<\/p>\n\n\n\n<p>Kaum hatten die Fl\u00fcchtigen dieses gesehen, als sie eiligst herunterstiegen und, ohne sich jemals umzusehen, durch den Wald eilten, bis sie die Lichtung erreicht hatten. Auch dort rasteten sie noch nicht, sondern eilten dem n\u00e4chstgelegenen Dorfe zu, in dem Bekannte der Maria wohnten. Zu diesen nahmen sie ihre Zuflucht und erz\u00e4hlten ihnen alles. Die Sache wurde nun im Dorfe gleich laut, die Bewohner desselben scharten sich zusammen und eilten bewaffnet dem Waldhause zu. Sie fanden die R\u00e4uber alle beisammen und brachten sie bis auf den letzten um.<\/p>\n\n\n\n<p>Maria aber kam mit ihrer Begleiterin noch am selben Tage zu ihren Eltern zur\u00fcck, und die alte H\u00e4userin lebte bei ihnen, bis sie starb.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00fcllers T\u00f6chterlein M\u00e4rchen aus Tirol Des M\u00fcllers T\u00f6chterlein war ein keckes M\u00e4dchen und h\u00e4tte es wohl auch mit M\u00e4nnern aufgenommen. Einmal musste es, w\u00e4hrend die anderen Bewohner in der entlegenen Kirche waren, im einsamen H\u00e4uschen zur\u00fcckbleiben, um es zu h\u00fcten. 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