{"id":5729,"date":"2026-04-08T03:05:03","date_gmt":"2026-04-08T01:05:03","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5729"},"modified":"2026-04-08T03:05:03","modified_gmt":"2026-04-08T01:05:03","slug":"der-mueller-und-die-fuechsin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-mueller-und-die-fuechsin\/","title":{"rendered":"Der M\u00fcller und die F\u00fcchsin"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Der M\u00fcller und die F\u00fcchsin<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es gab in einer Zeit einmal einen M\u00fcller, der in seiner M\u00fchle sa\u00df und den Weizen und die Gerste des Dorfes mahlte und Mehl draus machte. Dieser M\u00fcller sieht nun an einem fr\u00fchen Morgen, als er eben aus dem Bett aufgestanden ist, dass die S\u00e4cke mit dem Weizen und der Gerste auf den Boden ausgesch\u00fcttet und durcheinandergemischt sind. Da wurde ihm bedr\u00fcckt zumute, und dann schwor er sich, dass er den, der ihm diesen Streich gespielt hatte, totschlagen wolle.<\/p>\n\n\n\n<p>Das geschah nun drei Tage lang hintereinander. Am vierten Tag schlief er die ganze Nacht nicht, sondern war auf der Lauer, um den Schuldigen zu erwischen. Da kriegt er um die Mitte der Nacht zu sehen, dass eine F\u00fcchsin kommt, die vorsichtig in seine M\u00fchle geht und anf\u00e4ngt, den Weizen und die Gerste durcheinanderzumischen. Der M\u00fcller packt sie, greift nach einem Kn\u00fcppel und gibt der so viel Schl\u00e4ge, dass er selber dabei m\u00fcde wurde, sie zu verhauen. Und so setzte er sich wieder hin, um sich etwas auszuruhen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die F\u00fcchsin aber begann nun, ihn zu bitten: \u00bbSchlag mich nicht tot, M\u00fcller! Dann will ich auch zum K\u00f6nig gehen, um ihm zu sagen, er soll dich zum Mann seiner Tochter machen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>T\u00fcr heraus. \u00bbWas gibt&#8217;s?\u00ab fragt er. Man sagt ihm: \u00bbEine F\u00fcchsin ist hier, die dir einen Besuch machen will.\u00ab &#8211; \u00bbLasst sie hereinkommen!\u00ab sagt der K\u00f6nig.<\/p>\n\n\n\n<p>Die F\u00fcchsin tritt also ein, sie beginnt mit den Verbeugungen. \u00bbWas willst du?\u00ab fragt sie der K\u00f6nig. \u00bbMein K\u00f6nig, ich bin gekommen, um dir einen Vorschlag in Heiratssachen zu machen.\u00ab Der K\u00f6nig, der sich sehr wundert, fragt sie: \u00bbWas f\u00fcr einen Heiratsvorschlag denn?\u00ab &#8211; \u00bbDas ist so, mein K\u00f6nig! &#8211; Es gibt einen Sohn vornehmer Leute, der so reich und so sch\u00f6n ist, dass jeden Tag Beauftragte in Heiratssachen von T\u00f6chtern der Vornehmen und von Prinzessinnen aus anderen L\u00e4ndern zu ihm unterwegs sind und ihn aufsuchen, aber er will kein Jawort geben. Ich, die ich das alles mitansehe, hab nun gedacht, warum soll den eigentlich eine fremde K\u00f6nigstochter bekommen, warum nicht unsere K\u00f6nigstochter?\u00ab &#8211; \u00bbUnd wo ist denn \u00fcberhaupt dieser Sohn vornehmer Leute?\u00ab fragt der K\u00f6nig. \u00bbEr ist au\u00dferhalb deines K\u00f6nigreichs. Seine Reicht\u00fcmer aber sind gr\u00f6\u00dfer als die jedes anderen K\u00f6nigs. \u00ab &#8211; \u00bbUnd wie k\u00f6nnte ich glauben, dass, was du mir sagst, auch Wahrheit ist?\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da holte die F\u00fcchsin die Schl\u00fcssel hervor, die sie auf eine Kette aufgereiht hatte, die zeigt sie und sagt zum K\u00f6nige: \u00bbDas sind die Schl\u00fcssel seines Hauses! Ich hab sie bei mir, denn ich bin seine Vertrauensperson.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Der K\u00f6nig \u00fcberlegte es sich nun. Dann wendet er sich der F\u00fcchsin zu und spricht zu ihr: \u00bbAlso gut! Bring ihn mal her, und dann wollen wir mal sehn. Wenn das Wahrheit ist, was du sagst, werden wir weiter wissen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Fort rennt die F\u00fcchsin. Sie l\u00e4uft zu dem M\u00fcller und spricht zu ihm: \u00bbSchnell, komm: Wir wollen zum Palast gehen, ich will dich verheiraten.\u00ab \u00ad \u00bbNa du dumme F\u00fcchsin, sprich doch vern\u00fcnftig!\u00ab \u00ad \u00bbJa so ist&#8217;s wirklich\u00ab, sagt sie darauf zu ihm, \u00bbkomm mit, so wie du da bist!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Der wollte nicht recht, er sagt zu ihr, man w\u00fcrde sie alle beide aufh\u00e4ngen. \u00bbKomm mit\u00ab, erwidert ihm aber die F\u00fcchsin, \u00bbund hab gar keine Angst!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Wege sagt er dann zu ihr: \u00bbWenn das also stimmen sollte, was du sagst, und ich bekomme die K\u00f6nigstochter, so will ich dich wie meine Mutter behandeln, und wenn du einmal verendest, will ich goldene Totenspeise f\u00fcr dich bereiten. Wie aber k\u00f6nnte ich in diesen Kleidern dorthin gehen?\u00ab &#8211; \u00bbDu\u00ab, spricht sie zu ihm, \u00bbsollst \u00fcberhaupt dort nichts sprechen, lass nur mich reden.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Sie kommen am Palast an. Die W\u00e4chter kannten die F\u00fcchsin schon und lie\u00dfen sie daher eintreten. Und kaum hatte sie den K\u00f6nig erblickt, so brach sie in Weinen aus. \u00bbMein K\u00f6nig! &#8211; Ach, was uns zugesto\u00dfen ist: das Schiff, mit dem wir gekommen sind, ist untergegangen, und all die guten Dinge, die der Br\u00e4utigam f\u00fcr dich und die Braut mitgebracht hatte, gingen verloren. Nur unser Leben haben wir gerettet. Und ein M\u00fcller hat dann seine Kleider hergegeben und der Br\u00e4utigam sie angezogen und ihm seine \u00fcberlassen, die durchn\u00e4sst waren. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da weist der K\u00f6nig seine Diener gleich an, man solle ihm k\u00f6nigliche Kleider geben, dass er sich ankleiden k\u00f6nne. Und da er auch noch sch\u00f6n war, verlor die K\u00f6nigstochter schon den Verstand, als s sie ihn zu sehen bekam. Schlie\u00dflich wurde also k\u00f6nigliche Hochzeit gefeiert, und der M\u00fcller lie\u00df sich mit der F\u00fcchsin zusammen im Palast nieder.<\/p>\n\n\n\n<p>Als mehrere Monate danach vergangen sind, spricht aber der K\u00f6nig: \u00bbJetzt wollen wir doch einmal ins Haus des Schwiegersohnes gehen!\u00ab &#8211; \u00bbMit Freuden, mein K\u00f6nig!\u00ab ruft die F\u00fcchsin, sie springt nur so herbei. \u00bbWann brechen wir auf?\u00ab &#8211; \u00bbIch werde meinem Gefolge sagen, es soll sich fertig machen, und dann brechen wir in drei Tagen auf.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Der M\u00fcller h\u00f6rt es, und er sinkt in tr\u00fcbe Gr\u00fcbelei. \u00bbDu, F\u00fcchsin! Was machen wir Jetzt? Wo soll ich die jetzt hinf\u00fchren &#8211; in die M\u00fchle vielleicht?\u00ab &#8211; \u00bbLass nur\u00ab, sagt sie zu ihm, \u00bbdamit werd ich schon fertig, so wie ich fertig gekriegt hab, dich mit vierzig vorget\u00e4uschten Schl\u00fcsseln zu verheiraten.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Die drei Tage gingen herum, und sie brachen also auf &#8211; der K\u00f6nig mit seinem Jungverm\u00e4hlten Schwiegersohn und seiner Tochter und seinem ganzen Gefolge. Die F\u00fcchsin lief schon voraus, um ihnen den Weg zu zeigen. Sie waren schon ziemlich weit gegangen und aus seinem K\u00f6nigreich herausgekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da erblickt die F\u00fcchsin mit einem Mal eine unendlich gro\u00dfe Wiese, auf der Tausende von K\u00fchen und Schafen weideten. Ganz au\u00dfer Atem rennt sie zu den Hirten und spricht zu ihnen: \u00bbAch, arme Kerle, ihr tut mir leid! Seht ihr das Heer da unten, das kommt?\u00ab &#8222;Das sehen wir\u00ab, sagen die Hirten ganz erschrocken. \u00bbDie kommen her, um euch totzuschlagen &#8211; euch genauso wie euren Herrn. Wo ist euer Herr?\u00ab &#8211; \u00bbIn seinem Schloss\u00ab, erwiderten die Hirten. \u00bbAlso damit ihr gerettet werdet &#8211; ihr tut mir ja leid -, m\u00fcsst ihr, wenn der _K\u00f6nig kommt und euch fragt: &gt;Wem geh\u00f6rt all dieses Vieh?&lt;, sagen: &gt;Deinem Schwiegersohn, K\u00f6nig!&lt; und dann tut euch der K\u00f6nig nichts B\u00f6ses an!\u00ab &#8211; \u00bbNur das brauchen wir zu sagen?\u00ab fragen die Hirten. \u00bbJa\u00ab, antwortet ihnen die F\u00fcchsin, \u00bbich werde auch dabeisein, um es ihnen auch zu sagen. \u00ab &#8211; \u00bbAlso &#8211; in Ordnung\u00ab, sagen darauf die Hirten.<\/p>\n\n\n\n<p>Und als dann der K\u00f6nig mit seinem Gefolge herankam, blieben alle stehen und fragten die F\u00fcchsin: \u00bbWem geh\u00f6rt dies ganze Vieh?\u00ab \u00bbDeinem Schwiegersohn, mein K\u00f6nig!\u00ab &#8211; \u00bbDeinem Schwiegersohn!\u00ab riefen auch die Hirten. \u00bbSehr sch\u00f6n\u00ab, sagte der K\u00f6nig und ging weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Die F\u00fcchsin rannte wieder voran &#8211; und erblickt dann ein Feld voller Pferde. Sie geht wieder zu den M\u00e4nnern, die die Pferde h\u00fcteten, und sagt ihnen das gleiche. Als der K\u00f6nig in die N\u00e4he kommt, fragt er wieder die Leute, und sie antworten wie aus einem Mund: \u00bbDeinem Schwiegersohn, K\u00f6nig!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Noch einmal rennt die F\u00fcchsin voraus und erblickt eine gro\u00dfe Herde Truthennen, und auch dort geschieht das gleiche und ebenso vor den H\u00fchnergehegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann erblickt die F\u00fcchsin in einer Waldlichtung, in einer Gegend, wie man sie nur ertr\u00e4umt, ein gro\u00dfes Schloss. Sie l\u00e4uft hin und erblickt einen Drachenmenschen &#8211; der schl\u00e4ft mit offenen Augen. Sie weckt ihn, fragt: \u00bbWarum liegst du dort?\u00ab Da erhebt sich das Menschenungeheuer, erblickt die F\u00fcchsin und fragt sie, warum sie ihn geweckt h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDreh dich um und guck dir das Heer an, das kommt &#8211; ich habe geh\u00f6rt, die sind darauf aus, dich totzuschlagen und bin gekommen, dir zu helfen.\u00ab &#8211; \u00bbWas kann ich da machen?\u00ab fragt der Drachenmensch ganz erschrocken. Sie antwortet ihm: \u00bbUm dich retten zu k\u00f6nnen, musst du dich verstecken! \u00ab &#8211; \u00bbWo?\u00ab fragt er sie. \u00bbDenen komm ich nicht mehr zuvor.\u00ab Die F\u00fcchsin zeigt ihm den Brunnen und spricht zu ihm: \u00bbSchnell, steig in den Brunnen hinunter, ich mach ihn dann zu. \u00ab Das Menschenungeheuer klettert in den Brunnen hinunter, die F\u00fcchsin verschlie\u00dft ihn von oben.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann l\u00e4uft sie schnell zum K\u00f6nig, um ihn ins Schloss seines Schwiegersohns zu f\u00fchren. Das war so gro\u00df, dass von dem ganzen Gefolge jeder sein eigenes Zimmer bekam &#8211; abgesehen von den Gem\u00e4chern mit den Sch\u00e4tzen. Dort verweilten sie ziemlich lange. Und als der K\u00f6nig zum Aufbruch r\u00fcstete, sagte er seiner Tochter, dass sie die F\u00fcchsin &#8222;Mutter nennen sollte, denn w\u00e4re die nicht gewesen, h\u00e4tte sie nicht solch einen Mann bekommen &#8211; jung, sch\u00f6n und ganz \u00fcber alle Ma\u00dfen reich.<\/p>\n\n\n\n<p>Der M\u00fcller jagte nun in den W\u00e4ldern, die dem Menschendrachen geh\u00f6rt hatten und nun ihm geh\u00f6rten, denn das im Brunnen verschlossene Menschenungeheuer war vor Wut und Schmerz zerplatzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Eines Tages sagt nun die F\u00fcchsin zu sich selber: &gt;Ich will doch mal die Verreckte spielen, um zu sehen, ob der wohl die goldene Totenspeise f\u00fcr mich macht!&lt; Als der M\u00fcller also eines Tages von der Jagd wiederkommt, sieht er, dass seine Frau verweint ist. \u00bbWas hast du?\u00ab fragt er sie. \u00bbAch\u00ab, sagt sie unter Schluchzen und Schlucken zu ihm, \u00bbdie Mutter ist gestorben.\u00ab Und sie zeigte auf die F\u00fcchsin, welche die Verreckte spielte.<\/p>\n\n\n\n<p>Da ruft der M\u00fcller: \u00bbPack sie an der Pfote und schmei\u00df sie zum Fenster raus!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Das bekommt die F\u00fcchsin zu h\u00f6ren. Sie steht wieder auf: \u00bbHe, he M\u00fcller, aber, aber &#8230; !\u00ab ruft sie, \u00bbdas also war die goldene Totenspeise, die du f\u00fcr mich machen wolltest? jetzt geh ich zum K\u00f6nig, um dem zu sagen, wer du eigentlich bist.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da fing der M\u00fcller an, ihr nach dem Munde zu reden, damit auch ja seine Frau nicht merkte, dass er kein Sohn vornehmer Leute ist. \u00bbDas kommt ja noch in Ordnung\u00ab, redet er ihr zu, \u00bbwenn du einmal verendest, erricht ich dir ein Grabmal und lasse auch goldene Totenspeise f\u00fcr dich bereiten und auf dein Grabmal lass ich schreiben: &gt;Hier liegt die gerissenste F\u00fcchsin der ganzen Welt begraben&lt;.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Und als die F\u00fcchsin dann nach Jahren wirklich verendete, errichtete er ihr wirklich ein Grabmal und lie\u00df auch goldene Totenspeise f\u00fcr sie bereiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Und Kinder und wieder Kinder kamen dann,<\/p>\n\n\n\n<p>die Nachbarschaft f\u00fcllte sich mit ihm.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der M\u00fcller und die F\u00fcchsin Es gab in einer Zeit einmal einen M\u00fcller, der in seiner M\u00fchle sa\u00df und den Weizen und die Gerste des Dorfes mahlte und Mehl draus machte. 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