{"id":5725,"date":"2026-04-08T02:59:06","date_gmt":"2026-04-08T00:59:06","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5725"},"modified":"2026-04-08T02:59:06","modified_gmt":"2026-04-08T00:59:06","slug":"der-metzgergesell","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-metzgergesell\/","title":{"rendered":"Der Metzgergesell"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Der Metzgergesell<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Johann Wilhelm Wolf<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Eines armen Sauhirten Sohn hatte die Metzgerei gelernt, weil er h\u00f6her hinauswollte als sein Vater und nicht zufrieden damit war, die Stelle von dem Alten zu erben. Da der Junge nun ausgelernt und es zu etwas Rechtem in seinem Handwerk gebracht hatte ging er hinaus auf die Wanderschaft. Als er noch nicht weit von seinem Ort weg war und \u00fcber eine gro\u00dfe Halde ging, sah er einen gefallenen Ochsen am Wege liegen und f\u00fcnf Tiere dabei stehen die ihn untereinander teilen wollten und nicht einig dar\u00fcber werden konnten. Das war aber erstlich eine Biene, zweitens ein Fuchs, dann noch ein Windhund, ein Falk und ein L\u00f6we; die gingen ihm entgegen und baten ihn er sollte ihnen aus der Not helfen. Da zog er sein gro\u00dfes Schlachtmesser, zerlegte den Ochsen ordentlich nach der Handwerksregel und teilte dann die St\u00fccke unter die f\u00fcnf Tiere aus. Die Biene bekam den Kopf um hinein zu bauen, und also ein jedes nach seiner Art dasjenige Teil, welches sich am besten f\u00fcr es schickte.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Metzger ging nun wieder seines Weges, w\u00e4hrend sich die Tiere \u00fcber das Fleisch hermachten; er war aber kaum tausend Schritte gegangen, so kam der Windhund hinter ihm hergelaufen, holte ihn ein und sprach, er solle noch einmal mit ihm umkehren zu den Andern. Als sie wieder hinkamen, wo die Tiere waren, da sprachen sie alle, sie h\u00e4tten vergessen, sich bei ihm zu bedanken, Geld h\u00e4tten sie keins, aber das wollten sie ihm verleihen, dass er die Gestalt von einem jeden der f\u00fcnf Tiere annehmen k\u00f6nnte, so oft er sich in Gedanken dazu w\u00fcnschen wollte. Das war er zufrieden, bedankte sich und nahm den Weg zwischen die Beine. \u2013 Nicht lange darnach kam er in das gro\u00dfe K\u00f6nigreich Sizilien und als er gerade zum Stadttor der Hauptstadt hineinging, h\u00f6rte er einen Ausrufer verk\u00fcndigen, dass jeder des Todes sein solle, der einen Apfel von des K\u00f6nigs Granatb\u00e4umen hole. Denn es waren nur zwei solcher B\u00e4ume im Land, die standen vor des K\u00f6nigs Fenster und er hielt gro\u00dfe St\u00fccke darauf.<\/p>\n\n\n\n<p>Weil nun nichts so gut schmeckt, als das Verbotene, so dachte der Metzgerbursch gleich in seinem Vorwitz, er m\u00fcsse die Granat\u00e4pfel versuchen, ob sie wirklich so gut seien. Also w\u00fcnschte er sich, dass er ein Falk w\u00e4re und bei dem blo\u00dfen Gedanken schon war es geschehen. Er schwang sich in die Luft, flog auf einen von des K\u00f6nigs Granatb\u00e4umen, fra\u00df von den \u00c4pfeln und schaute zum Fenster hinein. Drinnen in dem Schloss sa\u00dfen sie gerade an der Tafel und hatten vor sich Gesottenes und Gebratenes stehen; als ihm das in die Nase kam, wollten ihm die \u00c4pfel nicht mehr schmecken. Da ward sein Vorwitz so gro\u00df, dass er zum Fenster hineinflog, ein gebratenes Huhn von der Sch\u00fcssel nahm und wieder damit hinauswollte. Doch des K\u00f6nigs T\u00f6chterlein schlug schnelle den Fensterfl\u00fcgel zu, und nun war er gefangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das sollte ihm aber zum Gl\u00fcck gereichen, denn die Prinzessin lie\u00df ihrem Vogel Nichts zu leide tun, sondern hing ihn in einem sch\u00f6nen Bauer in ihrer eignen Schlafkammer auf. Die Nacht nun, da sie im Bette lag und schlief, flog er als Biene durch das K\u00e4figgitter, trat dann in Menschengestalt zu ihrem Lager und umarmte und k\u00fcsste sie auf ihren roten Mund. Die K\u00f6nigstochter fuhr aus dem Schlaf empor und schrie nach H\u00fclfe \u2013 doch bis der alte K\u00f6nig mit seinem Hofstaat hereingelaufen kam, sa\u00df er schon wieder als Falk in seinem Bauer, hatte den Kopf unterm Fl\u00fcgel und tat, als ob er schliefe, also dass der K\u00f6nig glaubte, die Prinzessin h\u00e4tte nur getr\u00e4umt und sie t\u00fcchtig ausschalt wegen ihrer \u00c4ngstlichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Kaum waren die Anderen wieder weg, so w\u00fcnschte er sich wieder zur Biene, kroch aus dem K\u00e4fig und trat als Mann zu der K\u00f6nigstochter und k\u00fcsste sie wiederum. Anfangs wehrte sie sich seiner, getraute aber nicht zu schreien; bald jedoch, als sie merkte, dass er ihr Nichts zu Leide tat, wurden sie eins miteinander und blieben wonneseelig beisammen bis zum Morgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Also war er heimlich mit der Prinzessin verm\u00e4hlt und lebten sie zusammen fast ein Jahr lang, ohne dass jemand im Hause dessen gewahr wurde. Endlich trug es sich zu, dass die Prinzessin einen Knaben gebar und nun war die Sache freilich nicht mehr zu verheimlichen. Sie gestand ihrem Vater Alles. Der K\u00f6nig war anfangs sehr erz\u00fcrnt, doch was war noch zu machen? Es war zu sp\u00e4t, um es zu \u00e4ndern, also gab er seinen Segen dazu, lie\u00df das Paar ordentlich trauen und ernannte den Schwiegersohn zu seinem Nachfolger.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der K\u00f6nigstochter hatte es aber eine eigene Bewandtnis, denn der junge Erbprinz ward nun ernstlich verwarnt, nicht mit seiner jungen Frau in den Wald spazieren zu fahren. Sonst \u00fcberall hin, aber im Wald w\u00fcrde der Wind sie hinwegf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber lachte der Metzgerbursch; seine Neugierde und sein Vorwitz lie\u00dfen ihn auch nicht eher ruhen, als bis er in dem Walde war. Sie fuhren ganz vergn\u00fcgt unter den gr\u00fcnen B\u00e4umen her. Da kam es aber mit einem Male heran wie ein starker Sturm, und eh&#8216; er sich&#8217;s versah war seine Frau von dem Wind aus dem Wagen gehoben und hinweggef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWiederhaben muss ich sie\u00ab sprach er, \u00bbsie mag stecken wo sie will.\u00ab Also lie\u00df er die Kutsche leer nach Hause fahren, verwandelte sich in einen Windhund und lief so schnell er konnte davon, in der Richtung, in der er sie hatte verschwinden sehen. Er lief und lief bis ihn die Beine nicht mehr tragen wollten, und gelangte endlich vor einen Berg. Den betrachtete er auf und ab, konnte aber in der glatten Felsenwand kein Tor und keine T\u00fcr finden, nur einen ganz engen Riss sah er endlich zwischen dem Gestein. Da w\u00fcnschte er sich wieder die Bienengestalt und kroch so in die dunkle Felsenspalte und immer tiefer in den Berg hinein. Als er aber ganz darinnen war, nahm er die Gestalt des Falken wieder an und flog hinab bis in die unterste Welt. Die Stelle, wo er niederkam bezeichnete er sich vorsichtig mit einem Stein, um den Weg auch wieder hinauf zu finden und lief dann als Windhund weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Da er ein gutes St\u00fcck gelaufen war, kam er vor ein wundersch\u00f6nes Schloss, es war aber rings sowohl mit starken Toren verschlossen, dass er anfangs nicht wusste hineinzukommen; nur einen freien Eingang gab es, das Schl\u00fcsselloch n\u00e4mlich; durch das kroch er denn auch in Bienengestalt hinein. Wer aber drinnen in dem wundersch\u00f6nen Schlosse sa\u00df das war Niemand Anderes als seine liebe Frau, da nahm er seine nat\u00fcrliche Gestalt an und ging zu ihr. \u00bbBist du\u2018s oder bist du\u2018s nicht?\u00ab sprach er. \u00bbIch bin es\u00ab sagte sie, \u00bbaber ich bin hier in eines Riesen Gewalt, der kommt einmal bei Tag und einmal bei Nacht, jedes Mal um elf Uhr und dann muss ich ihm den Kopf krauen bis um zw\u00f6lf.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Es dauerte nicht gar lang so kam der Riese nach Haus. Der Metzgerbursch aber verwandelte sich schnell wieder in die Biene und setzte sich auf den Tisch unter die Brod Krumen. \u00bbWie kommt das Tier herein?\u00ab sprach der Riese und schlug darnach, doch die Biene war flinker, als er. Da brummte der Riese etwas in den Bart, legte sich dann hin, mit dem Kopf in den Scho\u00df der K\u00f6nigstochter und lie\u00df sich den Kopf von ihr krauen bis um zw\u00f6lf Uhr.<\/p>\n\n\n\n<p>Als er wieder fortgegangen war, gab der Erbprinz seiner Frau einen guten Rat und sprach also zu ihr: \u00bbWenn er wiederkommt, so stelle dich, als ob du schliefest und wenn er dich dann weckt, so erz\u00e4hle ihm, du h\u00e4ttest einen schlimmen Traum gehabt. Fragt er dann weiter nach dem Traum, so erz\u00e4hl&#8216; ihm, es sei dir im Schlafe vorgekommen, als w\u00e4r er gestorben und du w\u00fcsstest nicht, wie du herauskommen solltest aus dem Schloss.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Also wie er geraten tat sie am andern Tage und es gelang wohl, denn da sie der Riese nach ihrem Traum fragte, fing sie an zu weinen, erz\u00e4hlte ihm, was sie im Schlafe f\u00fcr einen Schrecken ausgestanden h\u00e4tte \u00fcber seinen Tod und fragte ihn, ob sie denn all ihr Lebtag hier in dem Schlosse m\u00fcsse gefangen bleiben, wenn er wirklich einmal sterben sollte?<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbEi du N\u00e4rrin\u00ab sprach er, \u00bbich kann ja gar nicht sterben. Aber bei dem K\u00f6nig von Sizilien ist ein Drache mit drei K\u00f6pfen, wer den erschl\u00e4gt kann auch mich totschlagen, sonst Keiner, und von selber sterbe ich nicht.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Das merkte sich der Prinz, der als Biene zuh\u00f6rte, und freute sich, dass er nun das Geheimnis heraus hatte; die junge Frau musste dem Riesen wieder eine Stunde lang den Kopf im Scho\u00df krauen, dann ging er hinweg. Da sprach der Prinz zu ihr, er sei nun fest entschlossen, den Drachen in Sizilien aufzusuchen; sie nahm mit vielen Tr\u00e4nen Abschied von ihm und er kroch dann als Biene zum Schl\u00fcsselloch hinaus wie er hereingekommen war. Drau\u00dfen ward er zum Windhund und lief bis an den Stein, den er sich zum Zeichen hingelegt hatte, ward dann zum Falken und flog hinauf und kroch zuletzt wieder als Biene aus der Felsenspalte hervor.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach Sizilien war es weit; er musste lange wandern, \u00fcber Strom und Meer, \u00fcber Berg und Tal bis er hinkam. Als er sich nun erkundigte, wie es mit dem Drachen eigentlich aussehe, erfuhr er, dass er allerdings drei K\u00f6pfe hatte und dass ihm jeden Tag, Morgens um 9 Uhr, des K\u00f6nigs Schweineherde musste vor die Stadt getrieben werden, damit er sich neun St\u00fcck davon auslesen konnte. Es waren aber jetzt in dem ganzen Land nur noch 36 St\u00fcck Schweine und Alles hatte Angst, dass der Drache anfinge Menschen zu fressen, wenn er sein richtig Futter nicht mehr bek\u00e4me. Da ging der Metzgerbursch vor den K\u00f6nig und bat sich die Erlaubnis aus, dass er des anderen Tages die Schweine hinaustreiben d\u00fcrfte. Das erlaubte der K\u00f6nig gern und versprach noch dazu die H\u00e4lfte seines K\u00f6nigreichs und seine Tochter zur Frau, wenn er das Unget\u00fcm aus der Welt schaffen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Punkt 9 Uhr des anderen Morgens war der fremde Hirt mit den Schweinen vor dem Tor und gleich darauf kam auch schon der Drache, hatte wirklich drei K\u00f6pfe, einen immer schrecklicher als den andern und schrie den Prinzen an: \u00bbDu Sauhirte, gib\u2018 mir neun von deinen besten S\u00e4uen.\u00ab \u00bbKeine neun Sauborsten\u00ab sprach der Metzger, verwandelte sich in einen L\u00f6wen und riss dem Drachen in einem Nu ein Haupt herunter, dass er mit schrecklichem Geheul davon lief. Als der Prinz heim kam ward er freudig vom K\u00f6nig empfangen. \u00bbWeil du dem Drachen einen Kopf abgehauen hast, sollst du ein gro\u00df Fass voll Wein haben.\u00ab Am zweiten Tage war er wieder Punkt 9 Uhr mit seiner Herde vor dem Thor; der Drache lie\u00df auch nicht auf sich warten, kam noch trotziger einher, als des Tages zuvor und fuhr ihn mit lautem Gebr\u00fcll an.- \u00bbDu Sauhirt, gib mir achtzehn von deinen besten S\u00e4uen!\u00ab \u00bbNoch keine achtzehn Sauborsten\u00ab sprach der Metzgerbursch, ward zum L\u00f6wen und riss dem Drachen auch das zweite Haupt herunter. \u00bbMorgen kommen wir wieder zusammen!\u00ab br\u00fcllte das Unget\u00fcm und lief davon.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie kamen wieder zusammen am anderen Tage, aber der Drache verlor seinen letzten Kopf und hatte nun ein f\u00fcr alle Mal den Appetit nach Schweinefleisch verloren. Der Metzgergesell oder der Prinz, wie ihrs haben wollt, sollte nun auf der Stelle mit des K\u00f6nigs Tochter kopuliert werden. \u00bbNichts f\u00fcr ungut\u00ab sprach er, \u00bbaber ich habe schon eine Frau; sie sitzt tausend Stunden von hier in dem Berg.\u00ab Darnach erz\u00e4hlte er dem K\u00f6nig Alles, wie es sich mit ihm zugetragen und wie er jetzt sich wieder den weiten Weg suchen m\u00fcsse nach dem verwunschenen Schlosse in der Erde drin.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWillst du meine Tochter nicht\u00ab sagte der K\u00f6nig, \u00bbso will ich dir einen Wagen schenken, um hinzufahren zu deiner Frau\u00ab und hie\u00df ihn alsbald aus der Remise ziehen. Eine eigene Bewandtnis hatte es mit der Kutsche, die der Prinz zum Geschenk bekam; denn auf der rechten Seite steckte eine Peitsche, wenn man die auf die linke Seite her\u00fcber steckte so fing der Wagen an zu fahren, als wenn tausend Pferde daran gezogen h\u00e4tten, bis man die Peitsche wieder hin\u00fcbersteckte auf die rechte Seite, dann stand er mit einem Schlage still und man konnte aussteigen.<\/p>\n\n\n\n<p>So war es dem Erbprinzen ein leichtes, wieder an den verzauberten Berg zu kommen \u2013 schon am zweiten Tage war er dort, kroch als Biene hinein, flog als Falke hinab, lief als Windhund zum Schloss, kam wieder als Biene hinein zu seiner Frau und ward bei ihr zum Menschen. Als aber der Riese wieder heimkam, so verwandelte er sich nicht mehr in die Biene vor ihm, sondern in den L\u00f6wen und riss ihm das Haupt von den Schultern ab. Nun war sie erl\u00f6st und fuhr mit ihrem Manne in dem Zauberwagen zuerst nach Hause zu ihrem Vater, dann aber auf Besuch zum K\u00f6nig von Sizilien.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Metzgergesell Johann Wilhelm Wolf Eines armen Sauhirten Sohn hatte die Metzgerei gelernt, weil er h\u00f6her hinauswollte als sein Vater und nicht zufrieden damit war, die Stelle von dem Alten zu erben. Da der Junge nun ausgelernt und es zu etwas Rechtem in seinem Handwerk gebracht hatte ging er hinaus auf die Wanderschaft. 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