{"id":5699,"date":"2026-04-08T02:15:05","date_gmt":"2026-04-08T00:15:05","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5699"},"modified":"2026-04-08T02:15:06","modified_gmt":"2026-04-08T00:15:06","slug":"die-abenteuer-des-maurers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-abenteuer-des-maurers\/","title":{"rendered":"Die Abenteuer des Maurers"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Die Abenteuer des Maurers<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es lebte einmal in Granada ein armer Maurermeister, der alle kirchlichen und staatlichen Feste feierte, sich an Sonntagen, wie vorgeschrieben, jeder k\u00f6rperlichen Arbeit enthielt, ja sogar noch den heiligen Montag in Ruhe und beschaulicher Einkehr verbrachte. Trotz dieser seiner gro\u00dfen Fr\u00f6mmigkeit wurde er aber immer \u00e4rmer, und schon konnte er f\u00fcr seine vielk\u00f6pfige Familie kaum mehr das t\u00e4gliche Brot beschaffen. Eines Nachts nun weckte ihn der laute und energische Schlag des T\u00fcrhammers aus dem ersten Schlaf. Eiligst lief er zur Haust\u00fcr, \u00f6ffnete und sah einen langen, mageren, fast skelettartig wirkenden Geistlichen vor sich.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbH\u00f6rt, guter Freund\u00ab, sagte der unbekannte Priester leise zu dem erschrockenen Mann, \u00bbwie man mir sagt und wie ich selbst beobachtet habe, seid Ihr ein guter Christ, dem man trauen kann. Wollt Ihr f\u00fcr mich heute in der Nacht noch eine gut bezahlte, kleine Arbeit ausf\u00fchren?\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbAber freilich, sehr gern, hochw\u00fcrdigster Pater; immer vorausgesetzt, dass der Lohn der Anstrengung entspricht.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbMacht Euch dar\u00fcber keine Gedanken. Mit Eurem Lohn werdet Ihr bestimmt zufrieden sein, allerdings bestehe ich darauf, dass Ihr mit verbundenen Augen zur Arbeitsst\u00e4tte geht und so auch wieder in Euer Haus zur\u00fcckkehrt; ich selbst werde Euch f\u00fchren.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Dem Maurer kam die Geschichte zwar etwas seltsam vor, doch Talar und Geldangebot zerstreuten alle seine Bedenken, und ohne weiter zu fragen, gab er seine Zustimmung.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Geistliche zog ihm also eine dunkle Kapuze \u00fcber den Kopf und f\u00fchrte ihn dann kreuz und quer \u00fcber holprige G\u00e4sschen, krumme Wege und ausgetretene Stiegen l\u00e4ngere Zeit in der Stadt herum, bis sie vor einem Haus haltmachten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Priester holte einen Schl\u00fcssel hervor, \u00f6ffnete dann, wie es dem Maurer schien, einen schweren Torfl\u00fcgel. Sie traten ein, laut fiel das Portal zu und wurde von innen wieder verriegelt. Sie gingen nun durch einen langen, laut hallenden Korridor, durch S\u00e4le und enge Gem\u00e4cher und blieben schlie\u00dflich irgendwo stehen. Nun wurde dem Maurer auch die Kapuze vom Kopf genommen. Er befand sich in einem&nbsp;<em>patio,&nbsp;<\/em>dem Innenhof eines Geb\u00e4udes, der vom Schein einer einzigen schwachen \u00d6lfunzel nur sp\u00e4rlich beleuchtet war. In der Mitte stand grau das trockene Becken eines alten maurischen Springbrunnens, unter welches der Handwerker von dem geistlichen Herrn aufgefordert wurde, ein kleines Gew\u00f6lbe zu mauern. Steine, M\u00f6rtel und Handwerkzeuge standen bereit. Er konnte also sofort mit der Arbeit beginnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Maurer schaffte die ganze Nacht, doch trotz seines Eifers konnte er das Werk nicht vollenden. Unmittelbar vor Tagesanbruch gab ihm der Priester ein schweres Goldst\u00fcck, zog ihm wieder die Kapuze \u00fcber und f\u00fchrte ihn zu seiner Wohnung zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbSeid Ihr bereit wiederzukommen, um die Arbeit fertig zu stellen?\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbGern,&nbsp;<em>senor padre&nbsp;<\/em>vorausgesetzt, dass ich wieder ebenso gut bezahlt werde! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbGut, um Mitternacht werde ich Euch wieder abholen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Diesmal arbeitete der Handwerker, bis das Gew\u00f6lbe kunstvoll vollendet war.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbHelft mir nun\u00ab, sagte der Priester zum Maurer, \u00bbdie Leichen heranholen, die in diesem Gew\u00f6lbe begraben werden sollen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Dem Maurer str\u00e4ubten sich die Haare; schwankenden Schrittes folgte er seinem geheimnisvollen F\u00fchrer in ein entlegenes Zimmer des Hauses und erwartete, zerst\u00fcckelte menschliche K\u00f6rper zu finden, die er nun einmauern sollte, um so vielleicht jede Spur eines Verbrechens oder Familiendramas aus der Welt zu schaffen. Erleichtert atmete er daher auf, als der&nbsp;<em>padre&nbsp;<\/em>in eine Ecke deutete, wo drei, vier gro\u00dfe Kr\u00fcge standen, die, wie er sich kurz darauf \u00fcberzeugen konnte, sehr schwer waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur mit M\u00fche schleppten beide M\u00e4nner die Amphoren bis zu ihrem unterirdischen Bestimmungsort. Der Priester schob hier den geheimnisvollen Schatz in das Gew\u00f6lbe, das der Maurer gleich darauf verschlie\u00dfen musste. Sein Auftraggeber befahl ihm, es mit Fliesen abzudecken und jedes Zeichen der vorgenommenen Arbeit zu verwischen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit verbundenen Augen kam der brave Handwerker wieder auf die Stra\u00dfe und lief mit seinem unbekannten Begleiter durch viele Stra\u00dfen und Gassen, bis sie endlich vor der Stadt waren. Dort blieben sie stehen. Der Priester dr\u00fcckte seinem Helfer zwei Goldst\u00fccke in die Hand und sagte: \u00bbWarte hier, bis die Glocke des Doms zur Fr\u00fchmesse l\u00e4utet, dann nimm die Kapuze ab und gehe zu deiner Frau und den Kindern. Tu es ja nicht fr\u00fcher, denn es w\u00fcrde dir sonst schlimm ergehen. \u00ab Der d\u00fcrre Geistliche verschwand und lie\u00df den Maurer allein. Dieser wartete getreulich, dem Auftrag entsprechend, und vertrieb sich die Zeit damit, dass er die Goldst\u00fccke von einer Hand in die andere warf und klingen lie\u00df. Als endlich der laute Morgenruf der Glocke erscholl, riss er schnell die Binde von den Augen und fand sich am Ufer des&nbsp;<em>Genil,&nbsp;<\/em>von wo er ohne Zeitverlust nach Hause eilte.<\/p>\n\n\n\n<p>Er lebte vierzehn Tage hindurch mit seiner Familie bei Wein und gutem Essen, in Saus und Braus, vom Ertrag der Arbeit dieser zwei N\u00e4chte und war nachher wieder so arm und hungrig wie vordem.<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings war er etwas arbeitsscheu, betete aber viel und feierte alle Tage des Heiligenkalenders mit einer r\u00fchmenswerten Fr\u00f6mmigkeit und Ausdauer durch Jahr und Tag. Kein Wunder, dass seine Kinder zerlumpt herumliefen und einer Bande von Zigeunern glichen. So sa\u00df er eines Tages in erbaulichem Selbstgespr\u00e4ch vor seiner H\u00fctte, als ein alter Granadiner B\u00fcrger vorbeikam, der wegen seines Reichtums an Geld und H\u00e4usern, aber auch wegen seines Geizes, wohlbekannt war.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Reiche schaute den armen Maurer unter den zottigen Augenbrauen hervor argw\u00f6hnisch an und sprach dann: \u00bbMan sagt mir, lieber Freund, dass Ihr sehr arm seid.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDie Wahrheit ist nicht zu leugnen; man sieht es mir wohl nur zu deutlich an, senor. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbAlso nehme ich an, dass Euch ein Auftrag willkommen ist, und Ihr preiswert arbeiten werdet. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbGewiss billiger, mein Herr, als irgendein anderer Maurer in Granada.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDann seid Ihr mein Mann! Ich habe in der Innenstadt ein altes, verfallenes Haus, dessen Erhaltung mich mehr Geld kostet als es wert ist, denn niemand will darin wohnen. Ich muss es daher mit m\u00f6glichst geringen Kosten zusammenflicken und ausbessern. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Der Maurer wurde darauf in ein gro\u00dfes, verlassenes Haus gef\u00fchrt, das dem Einsturz nahe war. Er und der Besitzer gingen gemeinsam durch mehrere leere Hallen und muffige Zimmer, beschauten sich W\u00e4nde und Decken und schritten dann auf den offenen Innenhof hinaus. Dort fiel der Blick des Handwerkers auf einen alten Brunnen in maurischem Stil. Er meinte, sich an diesen Ort erinnern zu k\u00f6nnen, und wie im Traum sah er die Geldkr\u00fcge, das Gew\u00f6lbe und den hageren Priester wieder vor sich.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit etwas belegter Stimme fragte er den Begleiter: \u00bbSagt Herr, wem geh\u00f6rte dieses Geb\u00e4ude in fr\u00fcheren Jahren?\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDie Pest \u00fcber ihn!\u00ab rief voll Zorn der Hausbesitzer aus.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbEs war ein alter, geiziger Pfarrer, der nur an sich selbst dachte und keinem Menschen etwas schenkte. Er hatte weder Verwandte noch Freunde, und als er starb, dachten alle, er habe sein Verm\u00f6gen der Kirche vermacht. M\u00f6nche, Priester und Nonnen kamen in Scharen, um den bei ihm erwarteten Schatz in Empfang zu nehmen. Doch sie fanden so gut wie nichts. Lediglich einige wenige Dukaten in einem zerschlissenen, alten Beutel. Ich kaufte das Haus, verdammt sei der Tag, an dem mir der Gedanke kam, denn der alte Kerl geht hier noch immer um, zahlt keine Miete, verdirbt mir die besten Gesch\u00e4fte, ohne dass ich etwas dagegen unternehmen k\u00f6nnte, weil man ja einen Toten bekanntlich nicht vor Gericht verklagen kann. Wie die Leute behaupten, h\u00f6rt man im Schlafzimmer des Priesters die ganze Nacht das Ger\u00e4usch von Geld und Gold, das gez\u00e4hlt wird. Dann wieder vernimmt man im Hof lautes Klagen, St\u00f6hnen und Seufzen, als sei jemand elend dran. M\u00f6gen nun diese Geschichten wahr oder erfunden sein, sie haben mein Haus in Verruf gebracht, und ich finde keinen Mieter, der darin bleiben m\u00f6chte. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbIch verstehe\u00ab, sagte der Maurer beherzt, \u00bbwarum lasst Ihr mich nicht zinsfrei in diesem Haus wohnen, bis Ihr einen besseren Mieter findet? Ich halte Euch das Geb\u00e4ude in Stand und Ordnung! Auch werde ich den unruhigen Geist des Toten bannen, denn ich bin ein frommer Christ, dem selbst der leibhaftige Teufel in Gestalt eines Geldsackes nichts anzuhaben vermag.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Gern nahm der alte Geizhals das Angebot des braven Maurers an. Am gleichen Tag zog dieser noch mit Kind und Kegel ein und erf\u00fcllte jederzeit getreulich seine Pflichten, wie er es versprochen hatte. Nach und nach brachte er sein neues Heim wieder in seinen fr\u00fcheren Zustand, machte es wohnlich und gef\u00e4llig anzusehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bald h\u00f6rte nun auch das Klimpern des Goldes auf, das man fr\u00fcher im Zimmer des verstorbenen Priesters geh\u00f6rt hatte. Ein Wunder war geschehen, denn nun klang das Geld und Gold Tag und Nacht leise aber nachdr\u00fccklich in den Taschen des in das Haus eingezogenen Maurers.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Mann wurde \u00fcberraschend schnell wohlhabend, was alle Leute von Granada m\u00e4chtig wunderte. Mit der Zeit war er gar einer der reichsten M\u00e4nner weit und breit. Gro\u00dfe Summen schenkte er der Kirche und ihren Priestern und Nonnen, wohl um sein christliches Gem\u00fct zu beruhigen. Das Geheimnis des Gew\u00f6lbes und die Geschichte des Herkommens seines Reichtums aber verriet er erst auf dem Sterbebett seinem Sohn und Erben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Abenteuer des Maurers Es lebte einmal in Granada ein armer Maurermeister, der alle kirchlichen und staatlichen Feste feierte, sich an Sonntagen, wie vorgeschrieben, jeder k\u00f6rperlichen Arbeit enthielt, ja sogar noch den heiligen Montag in Ruhe und beschaulicher Einkehr verbrachte. 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