{"id":5677,"date":"2026-04-08T01:35:47","date_gmt":"2026-04-07T23:35:47","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5677"},"modified":"2026-04-08T01:35:47","modified_gmt":"2026-04-07T23:35:47","slug":"die-mandelkoerbchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-mandelkoerbchen\/","title":{"rendered":"Die Mandelk\u00f6rbchen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Die Mandelk\u00f6rbchen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Johann Wilhelm Wolf<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Ein Bauer hatte drei S\u00f6hne, die mussten t\u00fcchtig arbeiten und ihrem Vater Geld verdienen helfen. Eines Tages schickte er sie in den Wald zum Roden, aber anstatt zu arbeiten, spielten die zwei \u00e4ltern mit Glickern. Als es gegen Mittag ging, wollten sie schnell noch ein wenig nachholen, doch da brach dem einen die Hacke und dem andern die Axt. Da standen sie nun und lamentierten, denn sie wussten wohl, dass es Schl\u00e4ge geben werde, wenn sie nach Hause k\u00e4men. Als sie so weinten, kam ein Greis daher, der fragte: \u00bbIhr Buben, was fehlt euch?\u00ab Da klagten sie ihm ihr Leid und er sprach: \u00bbIhr k\u00f6nnt drei W\u00fcnsche tun, die sollen euch also bald erf\u00fcllt werden, aber gebt Acht und seid nicht zu rasch, damit ihr euch das rechte w\u00fcnscht.\u00ab \u00bbIch w\u00fcnsche mir eine neue Hacke\u00ab, rief der \u00c4lteste sogleich und da lag die Hacke vor ihm. \u00bbIch w\u00fcnsche mir eine sch\u00f6ne Frau\u00ab, sprach der Zweite und da kam sie schon daher. \u00bbIch w\u00fcnsche mir ein Schloss mit einem Garten, worin ein Mandelbaum steht; wer von dessen Fr\u00fcchten isst, der muss sofort gesund werden\u00ab, sprach der Dritte, welcher der J\u00fcngste war, und da stand das Schloss schon da. Jetzt zog die ganze Familie zu dem J\u00fcngsten, der Vater und die zwei \u00c4ltesten.<\/p>\n\n\n\n<p>Als sie so eine Zeitlang in dem sch\u00f6nen Schloss gewohnt hatten, wurde des K\u00f6nigs Tochter krank und kein Arzt konnte sie wieder gesund machen. Da lie\u00df der K\u00f6nig ausrufen, wer die Prinzessin vom Tode errette, der solle sie zur Gemahlin haben. Als das der Bauer h\u00f6rte, dachte er gleich an den Mandelbaum, brach ein K\u00f6rbchen voll frischer Mandeln ab und gab es seinem \u00e4ltesten Sohn, dass der es in das Schloss des K\u00f6nigs trage. Der nahm es und ging der Stadt zu. Unterwegs begegnete ihm ein graues M\u00e4nnchen, das frug ihn: \u00bbWas hast du in deinem K\u00f6rbchen?\u00ab \u00bbNichts\u00ab, sagte der Junge und das M\u00e4nnchen sprach: \u00bbIst es nichts, dann bleibt es nichts.\u00ab Der Junge lachte und ging weiter und kam in das Schloss zum K\u00f6nig und gab ihm das K\u00f6rbchen, das mit einem reinen, wei\u00dfen T\u00fcchlein verdeckt war. \u00bbMein Vater l\u00e4sst gr\u00fc\u00dfen und hier w\u00e4ren die Mandeln um die K\u00f6nigstochter damit gesund zu machen\u00ab sprach er und der K\u00f6nig war \u00fcber die Ma\u00dfen froh und deckte das T\u00fcchlein auf \u2013 aber das K\u00f6rbchen war leer. Da wurde der K\u00f6nig blitzb\u00f6se, warf den Jungen vor die T\u00fcr und lie\u00df ihm von seinem Kammerdiener f\u00fcnfundzwanzig \u00fcberz\u00e4hlen. Damit konnte er nach Hause gehen, als er aber heimkam, da gab ihm sein Vater noch einmal f\u00fcnfundzwanzig, so dass er im Ganzen f\u00fcnfzig hatte und die Mandeln und das M\u00e4nnchen und den K\u00f6nig in Grund und Boden hinein verw\u00fcnschte. Das war auch ein schlechter Botenlohn.<\/p>\n\n\n\n<p>Am andern Morgen sprach der zweite Sohn, er wolle es schon besser machen, und der Vater f\u00fcllte ihm das K\u00f6rbchen mit Mandeln und er zog ab. Nicht weit von der Stadt kam das graue M\u00e4nnchen auch zu ihm und frug: \u00bbWas hast du in deinem K\u00f6rbchen?\u00ab \u00bbNichts!\u00ab sagte der Junge unwirsch, und das M\u00e4nnchen sprach: \u00bbGut, dann sollst du auch nichts haben.\u00ab Der Junge spottete dem M\u00e4nnchen nach und lachte und ging in die Stadt zum K\u00f6nig und bot ihm das K\u00f6rbchen mit dem wei\u00dfen T\u00fcchelchen verdeckt, indem er sagte: \u00bbEinen sch\u00f6nen Gru\u00df vom Vater an den Herrn K\u00f6nig und hier w\u00e4ren die Mandeln um die Jungfer Prinzessin gesund zu machen.\u00ab \u00bbLa\u00df einmal sehn\u00ab, sagte der K\u00f6nig und hob das T\u00fcchlein auf \u2013 und das K\u00f6rbchen war leer. \u00bbWas?\u00ab rief der K\u00f6nig, \u00bbwillst du mich auch zum Narren halten? wart, du sollst lernen, was frische Mandeln sind!\u00ab Und er lie\u00df den Kammerdiener kommen und der gab dem Jungen f\u00fcnfzig Mandeln um die Ohren, aber die waren so bitter, dass sie ihm das Wasser in die Augen trieben. \u00bbWie schmeckten die?\u00ab frug der K\u00f6nig. \u00bbSchlecht!\u00ab rief der Junge und lief nach Haus, und da kriegte er von seinem Vater noch f\u00fcnfzig dazu. Das machte zusammen hundert und war ihm mehr als zu viel.<\/p>\n\n\n\n<p>Der J\u00fcngste war zwar nicht so sch\u00f6n von Angesicht, wie seine zwei Br\u00fcder, doch er hatte ein Herz, das war umso viel sch\u00f6ner. Der sprach am andern Morgen, er wolle es auch versuchen mit den Mandeln, vielleicht habe er mehr Gl\u00fcck. \u00bbThu&#8217;s\u00ab, sprach der Vater, \u00bbaber wenn du wieder kommst, wie deine Br\u00fcder, dann schlag ich dich butterweich.\u00ab \u00bbIn Gottes Namen\u00ab, sprach der J\u00fcngste und der Vater machte ihm ein K\u00f6rbchen voll Mandeln zurecht und legte ein wei\u00df T\u00fcchlein drauf und der Junge machte sich auf den Weg. Bald begegnete ihm das M\u00e4nnchen und frug ihn, was er in dem K\u00f6rbchen habe? \u00bbMandeln um die K\u00f6nigstochter gesund zu machen\u00ab sprach er. \u00bbWillst du vielleicht ein paar haben, es kommt nicht darauf an, denn ich habe doch genug.\u00ab \u00bbIch danke dir\u00ab, sprach das graue M\u00e4nnchen. \u00bbWeil du aber so gut bist, so will ich dich belohnen. Wenn du mit diesem Pfeifchen pfeifst, dann hast du Alles, was dein Herz begehrt.\u00ab Mit den Worten reichte das M\u00e4nnchen ihm ein Pfeifchen und fort war&#8217;s.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Junge ging jetzt in die Stadt und grade auf das Schloss zu und zum K\u00f6nig. \u00bbEinen sch\u00f6nen Gru\u00df vom Vater und hier w\u00e4ren die Mandeln, womit ich die Prinzessin gesund machen kann\u00ab, sprach er und bot dem K\u00f6nig sein K\u00f6rbchen. Der K\u00f6nig deckte es auf und da lagen die sch\u00f6nsten Mandeln drin, die man mit Augen sehen kann und lachten ihn ordentlich an. Er ging gleich damit zur Prinzessin und kaum hatte sie eine gegessen, da wurde ihr schon wohler und als sie drei gegessen hatte, da war sie schon halb gesund. Jetzt wollte der j\u00fcngste sie auch zur Frau haben, aber der K\u00f6nig sprach: \u00bbNein, noch nicht, du musst erst drei Aufgaben erf\u00fcllen, wenn du das vollbringst, dann ist die Hochzeit.\u00ab Das sagte er aber, weil ihm der J\u00fcngling als Schwiegersohn nicht gefiel. Dieser frug, was das sei? Da sprach der K\u00f6nig: \u00bbDrau\u00dfen steht ein Maa\u00df Hirse, die lasse ich jetzt s\u00e4en und du musst bis morgen alle K\u00f6rner zusammenlegen, so dass das Maa\u00df wieder ganz voll ist.\u00ab Das betr\u00fcbte den J\u00fcngling Anfangs, doch er erinnerte sich bald seines Pfeifchens und dachte, das m\u00fcsse ihn retten. Er lie\u00df den Hirsen ruhig s\u00e4en, setzte sich auf den Acker und pfiff. Da krabbelte ihm etwas am Bein, das war der Ameisenk\u00f6nig und der sprach: \u00bbWas befiehlst du, das ich tun soll?\u00ab \u00bbSei so gut und lies die Hirse zusammen\u00ab, sprach der J\u00fcngling, und da erteilte der Ameisenk\u00f6nig seine Befehle und ehe es Abend wurde, war das Maa\u00df Hirse wieder voll, so dass kein K\u00f6rnchen daran fehlte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das \u00e4rgerte den K\u00f6nig, darum machte er die zweite Aufgabe viel schwerer. Er ging mit dem J\u00fcngling ans Meer und warf einen Schl\u00fcssel hinein, wo es gerade am allertiefsten war. \u00bbDen Schl\u00fcssel sollst du mir wiederschaffen!\u00ab sprach er zum J\u00fcngling; \u00bbund wenn du das nicht kannst, dann bekommst du meine Tochter nicht.\u00ab \u00bbIch will sehn, ob ich&#8217;s kann\u00ab, sprach der J\u00fcngling, und setzte sich ans Meer, und als es Abend war, da pfiff er auf seinem Pfeifchen. Alsbald regte sich&#8217;s im Wasser und ein Fisch mit einer Krone auf dem Kopf schaute aus dem Wasser und sprach: \u00bbIch bin der Fischk\u00f6nig, was befiehlst du, das ich tun soll?\u00ab \u00bbSei so gut und la\u00df mir den Schl\u00fcssel holen, den der K\u00f6nig ins Meer geworfen hat\u00ab, sprach der J\u00fcngling. Da lie\u00df der K\u00f6nig alle Fische zusammen kommen und gab ihnen auf, den Schl\u00fcssel zu suchen, und wer ihn br\u00e4chte, der bek\u00e4me ein gutes Trinkgeld. In Einem Augenblicke schossen die Fische auseinander und bald kam einer aus der tiefsten Tiefe herauf und hatte den Schl\u00fcssel im Maul und gab ihn dem Fischk\u00f6nig, und der gab ihn dem J\u00fcngling, welcher sich freundlich daf\u00fcr bedankte.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun \u00e4rgerte sich der K\u00f6nig erst recht und sann von neuem, um etwas noch viel Schwereres auszusinnen. Es dauerte auch nicht lange, da hatte er&#8217;s gefunden. Er lie\u00df den J\u00fcngling kommen und sprach: \u00bbWenn du nun auch hundert Schafe einen Monat lang auf&nbsp;<em>einem<\/em>&nbsp;Fleck weidest, ohne dass sie magerer oder fetter werden und ohne dass du eines von ihnen verlierst oder dass ihrer mehr werden, dann bekommst du meine Tochter ganz gewiss.\u00ab Der Fleck war aber so klein, dass die hundert Schafe kaum darauf stehen, vielweniger ordentlich darauf weiden konnten, und au\u00dferdem war das Gras sehr d\u00fcnn ges\u00e4et. Doch das \u00e4ngstigte den J\u00fcngling nicht; er trieb die Schafe hinaus und abends herein und pfiff lustig dazu, lie\u00df sie gar \u00fcbers Stadtthor springen, wenn es geschlossen war und im Schlosshof aufmarschieren, wie ein halbes Bataillon Soldaten, so dass jedermann seine Freude daran hatte. Mitunter verlief sich wohl eins, oder es starb eins, doch das tat nichts, denn sobald er pfiff, warf ein anderes ein Junges, welches alsbald wuchs und so gro\u00df ward, wie die andern. Dazu lernten die Schafe jeden Tag sch\u00f6ner tanzen, so dass sie es am Ende des Monats trotz dem besten Tanzmeister verstanden. Kurz der J\u00fcngling brachte auch diese Aufgabe zu Stande und da konnte der K\u00f6nig, wie sehr er sich auch \u00e4rgerte, doch nichts weiter einwenden und musste ihm seine Tochter zur Frau geben. Die Heirat aber wurde sehr pr\u00e4chtig gefeiert und der J\u00fcngling war gl\u00fccklich f\u00fcr sein Leben lang. Als er sp\u00e4ter K\u00f6nig wurde, machte er seinen Vater zum Minister und gab auch seinen Br\u00fcdern hohe Stellen, so dass sie alle gut versorgt waren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Mandelk\u00f6rbchen Johann Wilhelm Wolf Ein Bauer hatte drei S\u00f6hne, die mussten t\u00fcchtig arbeiten und ihrem Vater Geld verdienen helfen. Eines Tages schickte er sie in den Wald zum Roden, aber anstatt zu arbeiten, spielten die zwei \u00e4ltern mit Glickern. 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