{"id":5665,"date":"2026-04-08T00:17:09","date_gmt":"2026-04-07T22:17:09","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5665"},"modified":"2026-04-08T00:17:10","modified_gmt":"2026-04-07T22:17:10","slug":"der-kleine-mohr-und-die-goldprinzessin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-kleine-mohr-und-die-goldprinzessin\/","title":{"rendered":"Der kleine Mohr und die Goldprinzessin"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Der kleine Mohr und die Goldprinzessin<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Richard von Volkmann-Leander<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es war einmal ein armer kleiner Mohr, der war kohlschwarz und nicht einmal ganz echt in der Farbe, so dass er abf\u00e4rbte. Abends war sein Hemdkragen stets ganz schwarz, und wenn er seine Mutter anfasste, sah man alle f\u00fcnf Finger am Kleid. Deshalb wollte sie es auch nie leiden, sondern stie\u00df und schuppte ihn stets fort, wenn er in ihre N\u00e4he kam. Und bei den anderen Leuten ging es ihm noch schlimmer.<br>Als er vierzehn Jahre alt geworden war, sagten seine Eltern, es sei h\u00f6chste Zeit, dass er etwas lerne, womit er sich sein Brot verdienen k\u00f6nne. Da bat er sie, sie sollten ihn in die weite Welt hinausziehen und Musikant werden lassen; zu etwas anderem sei er doch nicht zu gebrauchen.<br>Doch sein Vater meinte, das w\u00e4re eine brotlose Kunst, und die Mutter wurde gar ganz \u00e4rgerlich und erwiderte weiter nichts als: &#8222;Dummes Zeug, du kannst nur etwas Schwarzes werden!&#8220;<br>Endlich kamen sie \u00fcberein, er passe am besten zum Schornsteinfeger. Also brachten sie ihn zu einem Meister in die Lehre, und weil sie sich sch\u00e4mten, dass er ein Mohr war, so sagten sie, sie h\u00e4tten ihn gleich schwarz gemacht, um zu sehen, wie es ihm st\u00e4nde.<br>So war nun der kleine Mohr Schornsteinfeger und musste tagaus, tagein in die Essen kriechen. Und die Essen waren oft so eng, dass er Angst hatte, er bliebe stecken. Doch er kam stets gl\u00fccklich wieder auf dem Dache heraus, obschon es ihm oft so war, als wenn Haut und Haare h\u00e4ngenblieben. Wenn er dann hoch oben auf dem Schornstein sa\u00df, wieder Gottes freie Luft atmete und sich die Schwalben um den Kopf fliegen lie\u00df, wurde ihm die Brust so weit, als sollte sie ihm zerspringen. Dann schwenkte er den Besen und rief so laut Ho-i-do! Ho-i-do! wie&#8217;s die Schornsteinfeger zu tun pflegen, dass die Leute auf der Stra\u00dfe stehenblieben und sprachen: &#8222;Seht einmal den schwarzen Knirps, was der f\u00fcr eine Stimme hat!&#8220;<br>Als er ausgelernt hatte, befahl ihm der Meister, er solle in seine Kammer gehen und sich waschen und ganz fein und noble anziehen. Er wolle ihn freisprechen, dann w\u00e4re er Geselle.<br>Da \u00fcberkam den armen kleinen Mohr eine Todesangst, denn er sagte sich: &#8222;Nun wird alles herauskommen!&#8220; Und das geschah auch; denn als er in seinem besten Staate wieder in die Meisterstube eintrat, wo schon Lehrlinge und Gesellen sich versammelt hatten, war er immer noch sehr schwarz, wenn auch hier und da etwas Helles durchschimmerte, wo er sich das Schwarze in den Essen abgescheuert hatte. Da merkten alle mit Entsetzen, wie es mit ihm stand. Der Meister erkl\u00e4rte, Geselle k\u00f6nne er nun nicht werden, denn er sei ja nicht einmal ein ordentlicher Christenmensch; die Lehrjungen aber fielen \u00fcber ihn her, zogen ihm die Kleider aus und trugen ihn in den Hof. Dort legten sie ihn trotz alles Str\u00e4ubens unter die Plumpe, plumpten wacker darauf und rieben ihn mit Strohwisch und Sand, bis ihnen die Arme lahm wurden. Als sie endlich gewahr wurden, dass trotz aller M\u00fche gar wenig abging, stie\u00dfen sie ihn unter Scheltworten zur Hoft\u00fcr hinaus.<br>Da stand er nun mitten auf der Stra\u00dfe, hilflos und wie ihn der liebe Gott geschaffen, der arme kleine Mohr, und wusste nicht, was anfangen. Da kam durch Zufall ein Mann vorbei, der besah ihn sich von oben bis unten, und als er merkte, dass er ein Mohr war, sagte er, er sei ein vornehmer Herr und wolle ihn in seinen Dienst nehmen. Er solle nichts weiter zu tun bekommen, als hinten auf seinem Wagen stehen, wenn er mit seiner Frau spazieren f\u00fchre, damit man gleich s\u00e4he, dass vornehme Leute k\u00e4men.<br>Da besann sich der kleine Mohr nicht lange, sondern ging mit, und anfangs ging alles gut. Denn die Frau des vornehmen Mannes mochte ihn gut leiden, und wenn sie an ihm vorbeiging, streichelte sie ihn jedes Mal. Das war ihm in seinem Leben noch nie begegnet. Eines Tages jedoch, da sie auch wieder spazieren fuhren und er hintendrauf stand, erhob sich ein furchtbares Unwetter, und der Regen floss in Str\u00f6men. Als sie wieder nach Hause kamen, sah der vornehme Herr, dass es hinten schwarz vom Wagen herabtr\u00f6pfelte.<br>Da fuhr er den kleinen Mohr barsch an, was das hei\u00dfen solle. Der erschrak heftig, und weil ihm nichts Besseres einfiel, so antwortete er, die Wolken w\u00e4ren ganz schwarz gewesen, da h\u00e4tte es gewiss auch schwarz geregnet.<br>&#8222;Larifari&#8220;, erwiderte der vornehme Herr, der schon merkte, woran&#8217;s lag, nahm das Taschentuch, leckte zum \u00dcberfluss am Zipfel und fuhr damit dem kleinen Mohr \u00fcber die Stirn. Da war der Zipfel schwarz.<br>&#8222;Dacht&#8216; ich mir&#8217;s doch gleich&#8220;, rief er aus, &#8222;du bist ja nicht einmal echt! Das ist eine h\u00fcbsche Entdeckung! Such dir einen anderen Dienst. Ich kann dich nicht gebrauchen!&#8220;<br>Da packte der arme kleine Mohr weinend seine Siebensachen zusammen und wollte gehen. Doch die Frau des vornehmen Mannes rief ihn noch einmal zur\u00fcck und sagte: es sei recht schade, dass ihr Mann es gemerkt h\u00e4tte, denn sie wisse es schon lange. Freilich, ein gro\u00dfes Ungl\u00fcck sei es, ein Mohr zu sein, und besonders einer, der abf\u00e4rbe. Doch er solle nicht verzagen, sondern brav und gut bleiben, dann w\u00fcrde er mit der Zeit noch ebenso wei\u00df werden wie die andern Menschen. Darauf schenkte sie ihm eine Geige und einen Spiegel, in dem solle er sich jede Woche einmal besehen.<br>So zog denn der kleine Mohr in die Welt hinaus und wurde Musikant. Einen Meister, der ihn vorspielte, hatte er freilich nicht. Doch er horchte auf das, was die V\u00f6gel sangen und was die B\u00fcsche und B\u00e4che rauschten, und spielte es ihnen nach. Nachher ward er inne, dass die Blumen im Walde und die Sterne in der dunkeln Mitternacht auch ihre besondere Musik machten, wenn auch eine ganz stille, die nicht jedermann h\u00f6rte. Das war schon viel schwerer nachzuspielen. Doch das Schwerste lernte er zu allerletzt: so zu spielen, wie die Menschenherzen pochen. Er war wohl schon sehr viel die Kreuz und die Quer umhergewandert und hatte vielerlei erlebt, ehe er das lernte.<br>Und es ging ihm auf seiner Wanderschaft zuweilen gut, meistenteils aber schlecht. Wenn er abends in der Dunkelheit vor irgendeinem Hause haltmachte, ein sch\u00f6nes Lied spielte und um Herberge f\u00fcr die Nacht bat, lie\u00dfen ihn die Leute wohl ein. Sahen sie aber am andern Morgen, wie schwarz er war und dass man nicht gut tat, sich mit ihm einzulassen, weil er abf\u00e4rbte, so regnete es spitze Redensarten oder wohl gar P\u00fcffe. Deshalb verlor er aber den Mut nicht, sondern dachte an das, was die Frau des vornehmen Mannes zu ihm gesagt hatte, und fiedelte sich weiter von Stadt zu Stadt und von Land zu Land. Jeden Sonntag zog er den Spiegel hervor und sah nach, wie viel abgegangen war. Viel war&#8217;s freilich nicht von einem Sonntag zum andern, denn es sa\u00df sehr fest, aber doch etwas: und als er f\u00fcnf Jahre gewandert war, sah man \u00fcberall die Grundfarbe durchschimmern. Gleichzeitig war er ein solcher Meister auf der Geige geworden, dass, wo er hinkam, jung und alt zusammenstr\u00f6mte, um ihm zuzuh\u00f6ren. \u2013<br>Eines Tages kam er in eine wildfremde Stadt, in der herrschte eine goldene Prinzessin; die hatte Haare von Gold und ein Gesicht von Gold und H\u00e4nde und F\u00fc\u00dfe von Gold. Sie a\u00df mit einem goldenen Messer und einer goldenen Gabel von einem goldenen Teller, trank goldenen Wein und hatte goldene Kleider an. Kurz alles war golden, was an ihr und um sie war. Im \u00dcbrigen war sie jedoch \u00fcber die Ma\u00dfen stolz und hochm\u00fctig, und obschon es ihre Untertanen w\u00fcnschten, dass sie sich einen Prinzen zum Mann n\u00e4hme, weil sie meinten, Weiberregiment tauge nichts auf die Dauer, war ihr doch keiner sch\u00f6n und vornehm genug.<br>Jeden Morgen lie\u00dfen sich etwa sechs Prinzen als Freier bei ihr melden, die abends zuvor mit der Post angekommen waren. Denn weit und breit sprach man von nichts als von der Goldprinzessin und von ihrer Sch\u00f6nheit.<br>Die sechs Prinzen mussten sich dann der Reihe nach vor ihrem Throne aufstellen, und sie besah sich dieselben von allen Seiten. Zuletzt r\u00fcmpfte sie jedoch jedes Mal die Nase und sagte:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Der erste ist budlich,<br>Der zweite ist schmudlich,<br>Der dritt hat kein Haar,<br>Der viert ist nicht gar,<br>Der f\u00fcnft ist perplex<br>Und miesrig der sechst!<br>Die Kur ist aus.<br>Jagt mir alle sechse zur Stadt hinaus!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Alsbald erschienen zw\u00f6lf riesige Heiducken mit mannslangen Birkenreisern und trieben die ganze Gesellschaft zur Stadt hinaus. So ging es schon seit Jahren alle Tage. \u2013<br>Als der kleine Mohr vernahm, wie wundersch\u00f6n die Prinzessin war, konnte er an weiter gar nichts denken. Er ging nach ihrem Palaste, setzte sich auf die Treppenstufen, nahm die Geige zur Hand und fing an, sein bestes Lied zu spielen. Vielleicht sieht sie zum Fenster heraus, dachte er, dann bekommst du sie zusehen.<br>Es w\u00e4hrte nicht lange, so befahl die Goldprinzessin ihren drei Kammerm\u00e4dchen nachzusehen, wer drau\u00dfen so sch\u00f6n spiele. Da brachten sie die Nachricht, es w\u00e4re ein Mensch, der habe eine so absonderliche Gesichtsfarbe, wie sie dergleichen noch nie gesehen. Und die eine behauptete, er sei mausgrau; die zweite, er sei hechtgrau, und die dritte gar, er w\u00e4re eselsgrau.<br>Darauf meinte jene, das m\u00fcsse sie selber sehen, sie sollten den Menschen heraufholen.<br>Da gingen die Kammerm\u00e4dchen abermals hinunter und f\u00fchrten ihn herauf, und als er die Prinzessin erblickte, die wirklich \u00fcber und \u00fcber von Gold war und wie die Sonne gl\u00e4nzte, war er erst so geblendet, dass er die Augen zumachen musste. Als er sich aber ein Herz fasste und die Prinzessin ordentlich ansah, da wusste er sich nicht weiter zu helfen; er warf sich vor ihr auf die Knie nieder und sagte:<br>&#8222;Allersch\u00f6nste Goldprinzessin! Ihr seid so sch\u00f6n, wie Ihr es gar nicht wisst! Und wenn Ihr es wisst, so seid Ihr noch hunderttausendmal sch\u00f6ner. Ich bin ein kleiner Mohr, der immer wei\u00dfer wird; und das Lied, das ich gespielt habe, ist noch lange nicht mein allersch\u00f6nstes. Einen Mann m\u00fcsst Ihr durchaus haben; und wenn Ihr mich heiraten wollt, werde ich so vergn\u00fcgt, dass ich mit gleichen Beinen \u00fcber den Tisch springen will!&#8220;<br><br>Als die Prinzessin dies h\u00f6rte, machte sie zuerst ein Gesicht wie die G\u00e4nse, wenn&#8217;s wetterleuchtet, denn \u00fcberm\u00e4\u00dfig klug war sie gerade nicht, trotz aller ihrer Sch\u00f6nheit, und dann fing sie so laut zu lachen an, dass sie sich die H\u00fcften mit den H\u00e4nden halten musste. Und die drei Kammerm\u00e4dchen meinten, sie m\u00fcssten auch mitlachen, und auf einmal traten noch die zw\u00f6lf Heiducken herein, und wie sie sahen, wer vor der Goldprinzessin kniete, schlugen auch sie ein Gel\u00e4chter auf, dass es durch die ganze Stadt schallte.<br>Da befiel den kleinen Mohr ein ungeheurer Schrecken, denn er merkte wohl, dass er etwas Dummes gesagt hatte. Er nahm seine Geige, riss die T\u00fcr auf und sprang mit drei S\u00e4tzen die Treppe hinab. Dann lief er, ohne sich umzusehen, durch die Stra\u00dfe, querfeldein bis in den n\u00e4chsten Wald. Dort warf er sich todm\u00fcde ins Gras nieder und weinte, als wenn er fortschwimmen wollte. \u2013<br>Doch endlich ward er wieder ruhig und sagte zu sich selbst: Wenn der Kutscher betrunken ist, gehen die Pferde durch! Bist du klug oder bist du dumm? Die Goldprinzessin wolltest du heiraten? Ganz dumm bist du! Da darfst du dich nicht wundern, wenn die Leute dich auslachen.<br>Damit hing er sich die Geige wieder \u00fcber den R\u00fccken, pfiff sich eins und wanderte weiter und zog wie zuvor von Stadt zu Stadt und von Land zu Land. Und von Jahr zu Jahr wurde er immer wei\u00dfer, und die Leute gewannen ihn immer lieber, denn die Lieder, die er sich ausdachte, wurden immer sch\u00f6ner, und kein Mensch konnte sich mit ihm auf der Geige messen. Und als er gro\u00df und ein Mann geworden war, sah er ganz wei\u00df aus, ja selbst wei\u00dfer und reiner als die meisten anderen Leute. Niemand wollte glauben, dass er fr\u00fcher ein Mohr gewesen sei.\u2013<br>Es trug sich zu, dass er auch einmal in einen Flecken kam, wo gerade Jahrmarkt war. Da sah er eine Bude mit einem roten Vorhang, der war fr\u00fcher einmal neu gewesen, jetzt aber zerlumpt und voller Flecke. Davor stand ein w\u00fcster Gesell mit einer bunten Jacke, der stie\u00df in die Trompete und rief, die Leute m\u00f6chten doch eintreten, es w\u00e4ren die gr\u00f6\u00dften Wunder der Welt zu sehen: ein Kalb mit zwei K\u00f6pfen, das zweimal fr\u00e4\u00dfe und blo\u00df einmal verdaute, ein Schwein, das die Karten legen und wahrsagen k\u00f6nnte, und die hochber\u00fchmte, wundersch\u00f6ne Goldprinzessin, um die sich alle M\u00e4nner gerissen h\u00e4tten.<br>&#8222;Das kann doch nicht deine Goldprinzessin sein?&#8220; sagte er, ging jedoch trotzdem hinein.<br>Da war es ihm, als solle er vor Schreck in die Erde sinken; denn sie war es wirklich. Aber das Gold war fast \u00fcberall ab, und er sah, dass sie nur von Blech war.<br>&#8222;Heiliger Gott!&#8220; rief er aus, &#8222;wie kommst du hierher und wie siehst du aus?&#8220;<br>&#8222;Was ist denn?&#8220; erwiderte sie, als wenn gar nichts w\u00e4re. Nachdem sie sich jedoch \u00fcberlegt, dass er sie gewiss schon fr\u00fcher einmal gesehen, wie sie noch ganz golden war, f\u00fcgte sie zornig hinzu: &#8222;Glaubst du etwa, dass man ewig h\u00e4lt, du alberner Laffe? Zupf dich an deiner eigenen Nase!&#8220;<br>Da h\u00e4tte er beinahe laut aufgelacht, denn er sah, dass sie ihn nicht erkannt. Doch sie tat ihm viel zu leid, und so fragte er nur leise, ob sie denn gar nicht wisse, wer er sei. Er w\u00e4re der kleine Mohr, den sie vorzeiten einmal so sehr ausgelacht h\u00e4tte.<br>Nun war die Reihe an ihr, ganz still zu werden und sich zu sch\u00e4men, und unter vielem Schluchzen erz\u00e4hlte sie, wie erst an ein paar Stellen und dann fast \u00fcberall das Gold heruntergegangen sei; wie sie das ihren Untertanen lange verborgen und wie diese es endlich doch gemerkt und sie fortgejagt h\u00e4tten. Nun z\u00f6ge sie auf den Jahrm\u00e4rkten umher, habe es aber satt, und wenn er noch so d\u00e4chte wie fr\u00fcher, wollte sie ihn gern heiraten.<br>Darauf erwiderte er sehr ernsthaft, er bedaure sie zwar von Herzen, sei aber schon viel zu verst\u00e4ndig, um eine Blechprinzessin zu heiraten. Er hoffe bestimmt, noch einmal eine viel bessere Frau zu bekommen wie sie. Damit ging er zur Bude hinaus und lie\u00df die Blechprinzessin stehen, die vor Wut beinahe platzte und ihm, w\u00e4hrend er ging, fortw\u00e4hrend nachrief: &#8222;Mohrenjunge, Mohrenjunge! kohlschwarzer Mohrenjunge, der abf\u00e4rbt!&#8220; und \u00e4hnliches. Doch niemand wusste, wen sie damit meinte, da er ja l\u00e4ngst auch nicht ein T\u00fcpfchen Schwarzes mehr an sich hatte.<br>Er ging daher sittsam weiter, ohne sich auch nur umzusehen, und war froh, dass er in seinem Leben nie wieder etwas von der abscheulichen Person erfuhr. Eine Zeitlang setzte er noch sein altes Wanderleben fort; als er aber fast die ganze Welt gesehen hatte und anfing, des Umherziehens m\u00fcde zu werden, da traf es sich, dass der K\u00f6nig von seinem Spiel h\u00f6rte und ihn rufen lie\u00df. Ein Lied nach dem andern musste er ihm bis in die sp\u00e4te Mitternacht vorspielen, und zuletzt stieg der K\u00f6nig von seinem Thron, umarmte ihn und fragte, ob er sein bester Freund werden wolle. Als er dies bejahte, lie\u00df ihn der K\u00f6nig in seinem goldenen Wagen durch die Stadt fahren und schenkte ihm ein Haus und so viel Geld, dass er sein Lebtag daran genug hatte. Und eine Frau bekam er auch. Zwar keine Prinzessin und noch weniger eine \u00fcber und \u00fcber goldene, aber eine Frau, die ein goldenes Herz hatte. Mit der lebte er vergn\u00fcgt und hochgeehrt bis an sein sp\u00e4tes Ende.<br>Die Blechprinzessin aber ward von Tag zu Tag unscheinbarer, und als das letzte bisschen Gold abgegangen war, wurde sie so viel hin und her geworfen, dass sie lauter Buckel und Dellen bekam.<br>Zuletzt kam sie zu einem Tr\u00f6dler. Dort steht sie noch heute in der Ecke zwischen allerhand Tand und Kram und hat Zeit zu bedenken, dass vielerlei abgeht im Leben, H\u00fcbsches wie H\u00e4ssliches, und dass alles darauf ankommt, was drunter ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der kleine Mohr und die Goldprinzessin Richard von Volkmann-Leander Es war einmal ein armer kleiner Mohr, der war kohlschwarz und nicht einmal ganz echt in der Farbe, so dass er abf\u00e4rbte. Abends war sein Hemdkragen stets ganz schwarz, und wenn er seine Mutter anfasste, sah man alle f\u00fcnf Finger am Kleid. 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