{"id":5639,"date":"2026-04-07T23:35:24","date_gmt":"2026-04-07T21:35:24","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5639"},"modified":"2026-04-07T23:35:24","modified_gmt":"2026-04-07T21:35:24","slug":"die-macht-der-liebe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-macht-der-liebe\/","title":{"rendered":"Die Macht der Liebe"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Die Macht der Liebe<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mythisches M\u00e4rchen von Marion Wolf<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>In Afrika gl\u00fchte das Land. Der Boden war durch die lange Trockenheit spr\u00f6de geworden. Tiefe Furchen lechzten nach Regenatzung. Der Wind trieb die letzten knackenden Baumgerippe \u00fcber den Karst. Unbarmherzig brannte die Sonne auf die blank ger\u00f6stete Erdkruste. \u2018So kann das nicht weitergehen\u2019, japste der Erdgeist in der Tiefe. \u2018Seit Millionen Jahren liege ich nun schon hier &#8211; aber so gottserb\u00e4rmlich vertrocknet war ich noch nie.\u2019<\/p>\n\n\n\n<p>In der n\u00e4chsten Neumondnacht erhob er sich \u00e4chzend und schlich davon. Schwerf\u00e4llig stapfte er s\u00fcdw\u00e4rts, immer weiter, bis zum Kap der Guten Hoffnung. Dort hauste sein Vetter, der Sturmriese. Der schlief in einer Diamanth\u00f6hle und tr\u00e4umte seinen n\u00e4chsten Untaten entgegen. \u201eWach auf\u201c, rief der Erdgeist, \u201eDu musst mich zum Nordmeer bringen!\u201c \u201eSo weit?\u201c g\u00e4hnte der Sturmriese, was willst Du denn am Rand der Arktis?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch will zur G\u00f6ttin der Eisberge.\u201c \u201eOhoo, das ist ein weiter Weg! Den ganzen Atlantik hoch &#8211; aber das macht Spa\u00df, so eine lange Reise! &#8211; &#8211; Vielleicht ruhe ich mich in Alaska aus und kehre erst zu Vollmond wieder zur\u00fcck. Da werden die Leute staunen, wenn ich pl\u00f6tzlich den Atlantik peitsche, und am Kap der Guten Hoffnung nur ein leichtes Fr\u00fchlingsl\u00fcfterl weht!\u201c Und damit erhob sich der Sturmriese von seinem grau funkelnden Lager, kroch aus seinem Felsloch, reckte sich und streckte sich bis zur dreifachen Gr\u00f6\u00dfe, band seine Strau\u00dfenfederfl\u00fcgel von dem tausendj\u00e4hrigen Mammutbaum vor seiner H\u00f6hle los und schnallte sie auf seinen R\u00fccken. Dann beugte sich der gro\u00dfm\u00e4chtige Herr der L\u00fcfte zu seinem gebrochenen Erdvetter hinab, h\u00fcllte ihn sorgf\u00e4ltig in ein Gewand aus Spinnweben, nahm ihn vorsichtig in seine starken Arme und schwang sich mit kr\u00e4ftigen Fl\u00fcgelschl\u00e4gen in die H\u00f6he. Dreimal umkreiste er zum Abschied sein Kap, dann flog der Sturmriese gen Westen \u00fcbers weite Meer.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Mitte des Ozeans drehte er gen Norden, schaltete seine Propellersporen ein und raste als Wirbelsturm der Arktis entgegen. Sch\u00fctzend legte er seine Arme um die vertrockneten Runzeln des Erdgeistes und dr\u00fcckte ihn sanft an seine Brust. Als der junge Morgen nahte, ragten die ersten Eisberge aus der schwarzgrauen See. Der Sturmriese schaltete die Propeller ab und segelte in die Tiefe. Stumm und kalt trieben die Eisberge im Nordmeer umher. Mit weit ausholenden Fl\u00fcgelschl\u00e4gen setzte der Sturmriese \u00fcber sie hinweg. Immer weiter n\u00f6rdlich flogen sie. Und als die Morgenr\u00f6te ihre rosigen Schleier \u00fcber den Horizont breitete, lag unter ihnen eine wei\u00dfe Insel. Langsam schwebte der Herr der L\u00fcfte hinab und landete auf einem weichen Teppich aus tausenden von rosa schimmernden Schneekristallen.<\/p>\n\n\n\n<p>Inmitten der Insel lag die G\u00f6ttin der Eisberge. Ihr K\u00f6rper war aus blauem Eis und strahlte eine unnahbare K\u00e4lte aus, die jedes Wassertr\u00f6pfchen in der Luft sofort gefrieren lie\u00df. Unz\u00e4hlige klitzekleine Eiskristalle umrieselten die goldenen Strahlen der aufgehenden Sonne, glitten auf dem spiegelblanken K\u00f6rper der Eisg\u00f6ttin ab und bildeten ein Bett aus Pulverschnee \u00fcber dem schwarzen Vulkangestein des Inselgrundes.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir sind da\u201c, fl\u00fcsterte der Sturmriese seinem Vetter zu. \u201eSch\u00f6n\u201c, raunte der runzlige Freier, \u201edann bringe mich zu ihr.\u201c Feierlich schritt der Herr der L\u00fcfte \u00fcber den knirschenden Schneeteppich und legte den hei\u00dfen afrikanischen Erdgeist in die eisigen Arme seiner arktischen Braut. Da begann ihr Eis im Innern zu bersten und an der Oberfl\u00e4che weichte sie auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Die ersten Erdkr\u00fcmel mischten sich mit dem halbweichen Matsch zu einem s\u00e4migen Brei. Noch wollten die d\u00fcrren Erdfasern die Feuchtigkeit nicht annehmen, jeden Moment schien der eisige Schlamm wieder gefrieren zu wollen: Da entstr\u00f6mte dem Erdgeist all die Glut der afrikanischen Sonne und seine Braut schmolz dahin.<\/p>\n\n\n\n<p>Langsam begannen die trockenen Fasern seines Erdk\u00f6rpers die k\u00fchle Feuchtigkeit zu trinken. Je l\u00e4nger er aber in ihren Fluten badete, umso geschmeidiger wurde seine Gestalt. Die tiefen Furchen gl\u00e4tteten sich und er wurde saftig und stark, wie keimende Erde sein soll. Die G\u00f6ttin der Eisberge aber schmolz weiter und der Erdgeist verlor seine Fasson. \u201eHohee\u201c, rief er, \u201esoll ich als Schlammbank enden?\u201c \u201eOh nein\u201c, hauchte sie in den letzten Z\u00fcgen, \u201eaber wir m\u00fcssen vollst\u00e4ndig verschmelzen, wenn die Insel gr\u00fcnen soll.\u201c \u201eMeine Hitze ist verbraucht\u201c, st\u00f6hnte er, und zerfloss mit ihr zu Morast. Auch das Eis war weg geschmolzen und nun lagen sie auf fruchtbarer Lava.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter dem por\u00f6sen Vulkangestein tobte eine hei\u00dfe Feuersbrunst. Das \u00fcbersch\u00fcssige Wasser drang in die Tiefe und verdampfte. Nebel stiegen auf, gefroren in der arktischen Luft und bildeten niedliche Eisw\u00f6lkchen. Zur\u00fcck blieb warme, feuchte Erde. Tausende unscheinbarer Samen quollen in diesem Bett, bis sie vor Wohlbefinden platzten. Dann bohrten sie ihre Wurzeln tief in die Erde und trieben ihre K\u00f6pfchen dem Licht entgegen. Neugierig schoben sie ihre Keimbl\u00e4tter ins Freie, wo sie der arktische Wind empfing. Aus der unersch\u00f6pflichen W\u00e4rme ihres Saatbeetes aber sch\u00f6pften sie soviel Kraft, dass sie abh\u00e4rteten und pr\u00e4chtig gediehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der Sturmriese von seinem Ausflug nach Alaska zur\u00fcckkehrte, staunte er Eiskl\u00f6tze: Wo einst die G\u00f6ttin der Eisberge blau und kalt auf ihrem erloschenen Vulkanberg gethront hatte, breitete sich gr\u00fcnes Grasland aus. Der rote Mohn \u00f6ffnete gerade seine Bl\u00fcten und \u00fcber dieser Inselidylle schwebten liebliche Schneewolken. \u201eOhoo\u201c, br\u00fcllte der Sturmriese seinem afrikanischen Gevatter zu, \u201eDu hast Dich hier ja pr\u00e4chtig verj\u00fcngt! &#8211; Kommst Du nun wieder mit in die Heimat?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWas soll ich da?\u201c erwiderte der Erdgeist, \u201emeine Br\u00fcder w\u00fcrden mir sofort allen Lebenssaft absaugen und die \u00c4quatorsonne w\u00fcrde mir alsbald den sch\u00f6nen gr\u00fcnen Pelz vergilben. Nein, nein, ich habe hier einen guten Platz gefunden, hier will ich verweilen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber sieh\u2019 Dir die lieblichen Eist\u00f6chter an. Sie warten schon ungeduldig darauf, ihre Hochzeitsreise zu beginnen! Nimm sie statt meiner mit zur\u00fcck ins hei\u00dfe Afrika und bringe sie meinen verdurstenden Br\u00fcdern als Br\u00e4ute, damit auch die Heimat wieder gr\u00fcn und lebend werde.\u201c &#8211; \u201eHohaaa, hohooo, das nenn\u2019 ich klug!\u201c rief der Herr der L\u00fcfte. \u201eDann lebe wohl, Erdenvetter, das soll wahrlich meine sch\u00f6nste Reise werden: Als Brautf\u00fchrer \u00fcber den Atlantik, hohaaa, hohooo&#8230;\u201c Dann blies er aus vollen Backen und die kristallgeschm\u00fcckten Br\u00e4ute glitzerten in der Arktissonne.<\/p>\n\n\n\n<p>Lange w\u00e4hrte die Reise gen S\u00fcden. Aus dem fr\u00f6hlich dahintanzenden Schneepuder wurden tr\u00e4ge, nassgraue Wolkenb\u00e4uche, die gar bitter \u00fcber den Verlust ihrer kalten Sch\u00f6nheit jammerten. Als sie schlie\u00dflich auch noch kostbare Regentropfen in den Ozean weinten, rief der Sturmriese ganz aufgebracht: \u201eHollaaa, meine Damen, nicht so eilig, der Ozean hat genug Wasser!\u201c Dann plusterte er ihre schweren R\u00f6cke auf und jagte sie mit solcher Geschwindigkeit durch die Atmosph\u00e4re, dass am Horizont nur noch Wolkenfetzen dahinflogen. Gegen Abend gelangten sie an die Elfenbeink\u00fcste. Da drehte der Sturmriese seine Wirbelwinde an, wickelte die Wolkenschleier um seine ausgestreckten Finger &#8211; und schon harrten wieder drei dicke, schwere Regenwolken ihrer Bestimmung.<\/p>\n\n\n\n<p>Als die Nacht hereinbrach, flog der Herr der L\u00fcfte mit seinen feuchtbauchigen Begleiterinnen \u00fcber die d\u00fcrre afrikanische Erde in Richtung Osten. Die Sterne am Himmel zwinkerten Beifall, als er die erste Braut einem Berg verm\u00e4hlte, in dessen Inneren ein ausgetrocknetes Quellbecken nach Wasser lechzte, um ein ver\u00f6detes Flussbett zu speisen. Die zweite Braut h\u00e4ngte er in die Dornenzweige eines d\u00fcrren Teborak, der neben einem versiegten Brunnen einsame Wache hielt. Die dickste Wolke nahm der Sturmriese mit zu dem gewaltigen Erdloch, das der ausgewanderte Erdgeist hinterlassen hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Mond zog \u00fcber den Horizont. Staunend besah er sich das gute Werk des Luftgewaltigen, segnete seine heilsamen Taten und verschwand schmunzelnd um die zweite Morgenstunde. Die Welt schlief ein. Die Nachtk\u00e4lte zog \u00fcbers Land und dr\u00fcckte die weinenden Wolkenbr\u00e4ute in die verkrusteten Arme ihrer scheintoten Gemahle.<\/p>\n\n\n\n<p>Des Morgens spitzte die Sonne \u00fcber dem Orient hervor und traute ihren Augen nicht: Aus dem Adrar In Uzzal schl\u00e4ngelte sich ein neuer Fluss. Am Tin Azeraf bl\u00fchten die B\u00e4ume und im Tschad funkelte wieder ein tiefer dunkler See.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Kap der Guten Hoffnung aber tanzte ein kleiner Wirbelsturm und Diamanten glitzerten wie Freudenfeuer durch die Sonnenfluten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Dieses M\u00e4rchen wurde mir von Marion Wolf&nbsp; zur Verf\u00fcgung gestellt.<br>Das Copyright dieses M\u00e4rchens liegt bei der Autorin:&nbsp;<a href=\"http:\/\/dichterseele.beepworld.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">http:\/\/dichterseele.beepworld.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Kopieren in andre Webseiten oder Foren ist nicht gestattet.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Afrika gl\u00fchte das Land. Der Boden war durch die lange Trockenheit spr\u00f6de geworden. Tiefe Furchen lechzten nach Regenatzung. Der Wind trieb die letzten knackenden Baumgerippe \u00fcber den Karst. 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