{"id":5571,"date":"2026-04-07T03:01:39","date_gmt":"2026-04-07T01:01:39","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5571"},"modified":"2026-04-07T03:01:39","modified_gmt":"2026-04-07T01:01:39","slug":"die-loreley","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-loreley\/","title":{"rendered":"Die Loreley"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Die Loreley<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Vom Loreleyfels herab t\u00f6nt oft eine wunderholde Frauenstimme, deren s\u00fc\u00dfer Gesang alle bezaubert, welche ihn vernehmen. Den jungen Schiffern aber wird dieser Gesang nicht selten verderblich, indem sie um seinetwillen vergessen, auf den Strudel zu achten, der am Fu\u00dfe des Felsens gar t\u00fcckisch sein Wesen treibt und alles verschlingt, was in seinen Bereich kommt. Darum wird denn auch die holde s\u00fc\u00dfe Stimme von alt und jung gef\u00fcrchtet, und wundersame Sagen gehen von der Jungfrau, der sie angeh\u00f6rt, im Munde des Volkes.<\/p>\n\n\n\n<p>Einige erz\u00e4hlen: Die Jungfrau Loreley sei ein sterblich M\u00e4dchen gewesen und die Tochter eines edlen Ritters, dessen Burg auf dem Felsen thronte, der jetzt noch nach dem M\u00e4dchen benannt wird. Ein junger, sch\u00f6ner Ritter warb um das junge, sch\u00f6ne Fr\u00e4ulein und gewann ihre Liebe und das Jawort ihres Vaters. Der Verm\u00e4hlungstag war schon bestimmt, und der Ritter fuhr noch einmal den Rhein hinauf nach seiner Burg, um dort selbst alles zum Empfang seiner Braut bereiten zu lassen. Aber der Ritter kehrte nicht wieder, denn er war falsch- und treulos und jagte schon wieder einer andern Jungfrau nach.<\/p>\n\n\n\n<p>Vergebens harrte Loreley, als der bestimmte Tag ihrer Verm\u00e4hlung anbrach, vom fr\u00fchen Morgen an des Geliebten. Fort und fort blickte sie vom hohen S\u00f6ller der Burg hinab, stromaufw\u00e4rts. \u00bbDas mag mein Liebster sein\u00ab, rief sie freudig, als sie das erste Schifflein erblickte, so mit dem Strom schwamm &#8211; aber ihr Liebster war nicht auf dem Schifflein.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDas wird mein Liebster sein\u00ab, rief sie um Mittag, als sie wieder ein zierlich geschm\u00fccktes Fahrzeug gewahrte, und rascher schlug ihr Herz, &#8211; aber sie hatte sich get\u00e4uscht &#8211; ihr Ritter war wieder nicht auf dem Schifflein.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDas muss mein Liebster sein\u00ab, rief sie angstvoll, als sie gegen Sonnenuntergang den dritten Kahn gewahrte. Aber ihr Ritter war auch diesmal nicht dabei. Da erfasste wilder Schmerz das Herz der Jungfrau, Verzweiflung verwirrte ihre Sinne, und als der Mond \u00fcber die jenseitigen Berge aufging und sie noch einen Kahn gewahrte, in welchem nur ein Mann sa\u00df, da rief sie trotzig: \u00bbDas soll mein Liebster sein!\u00ab Aber auch diesmal war es nicht ihr Liebster, sondern nur ein armer Fischer, der bei n\u00e4chtlicher Weile seine Netze auswerfen wollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Da riss die Loreley jammernd sich ihren Brautkranz aus den goldigen Locken, warf ihn, ihren treulosen Liebsten verw\u00fcnschend, in die Flut und st\u00fcrzte sich nach, also ihr Leben endend.<\/p>\n\n\n\n<p>Der alte Vater starb vor Jammer, und ein Unwetter zerst\u00f6rte die Burg, dass kein Stein mehr davon sichtbar blieb, Loreley aber muss als Geist auf dem Felsen umgehen, und ihr Gesang verlockt das treulose Geschlecht der M\u00e4nner, bet\u00f6rt ihre Sinne und l\u00e4sst sie dann zugrunde gehen in dem Strudel, der entstand, als Loreley sich hinabst\u00fcrzte in das feuchte Grab.<\/p>\n\n\n\n<p>So lautet die erste Sage von der Loreley.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einer andern heiteren Sage ist Loreley eine Undine, und wie alle ihres Geschlechts, ein liebensw\u00fcrdiges, launisches Kind, das nur hin und wieder etwas zu leichtsinnig und unbedacht verf\u00e4hrt, wenn es scherzt, so dass daraus ohne ihre Absicht allerlei Unheil entsteht. So war es denn einstmals geschehen, dass ein edler Junker, der einzige Sohn eines m\u00e4chtigen Rheingrafen, als er auf dem Rheine fuhr und das wunderbare Singen der Loreley h\u00f6rte, davon so hingerissen wurde, dass er den Schiffern befahl, sie sollten ihn hinfahren nach dem Felsen. Umsonst war alles M\u00fchen der erschrockenen Schiffer, ihn von diesem Befehl abzubringen. Sie mussten endlich gehorchen und fuhren nach dem Felsen hin. Doch bevor sie ihn noch ganz erreicht hatten, konnte der Junker dem gewaltigen Zauber nicht mehr widerstehen. Er sprang aus dem Kahn auf einen Vorsprung des Felsens, doch hier glitt sein Fu\u00df aus auf dem nassen Steine, er st\u00fcrzte in den Rhein und die Wellen begruben ihn. jammernd brachten die Schiffer dem alten Rheingrafen die Nachricht, dass sein Sohn durch die b\u00f6se Kunst der Loreley-Hexe &#8211; als wof\u00fcr sie die Undine hielten &#8211; verlockt und sein Grab in den Fluten des Rheins gefunden habe. Der alte Rheingraf zerriss bei dieser Kun e sein Gewand und raufte sich das Haar, dann aber versammelte er seine Reisigen und befahl ihnen w\u00fctend, den Loreleyfelsen zu umstellen und die verruchte Hexe tot oder lebend zu fassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Reisigen zogen aus und umstellten den Fels, von dessen h\u00f6chsten Gipfel herab sie das Lied der Loreley klingen h\u00f6rten. Der Anf\u00fchrer der Reisigen und einige seiner Gef\u00e4hrten schlichen hinauf, und wie sie um eine Felsecke bogen, da sahen sie die Loreley dasitzen, im wasserblauen, durchsichtigen Gewande, reich geziert mit k\u00f6stlichem Geschmeide, das im Abendscheine funkelte und blitzte. Mit goldenem Kamme k\u00e4mmte sie ihr goldiges Haar und sang immerfort dazu.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbAm Himmel gl\u00fcht der Abendschein, tief unten murmelt Vater Rhein geheimnisvolle Kunde. Auf luft&#8217;ger H\u00f6he froh und frei singt ihre Weise Loreley: Loreley! Loreley Es ist die Weihestunde.<\/p>\n\n\n\n<p>Du holder Schifferknabe du, was horchst du meinem Liede zu und schaust nur in die H\u00f6he? Ein Zauber webt in dieser Nacht, nimm vor Bet\u00f6rung dich in acht, Loreley! &#8211; Loreley! Sonst weh dir &#8211; Knabe &#8211; wehe!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Als der Anf\u00fchrer der Reisigen solches h\u00f6rte, gab er seinen Leuten ein Zeichen, und alle brachen hinter dem Felsen hervor und standen drohend vor der Jungfrau.<\/p>\n\n\n\n<p>Loreley aber erschrak nicht im geringsten, sondern blieb ruhig sitzen, und l\u00e4chelnd die rauhen M\u00e4nner anblickend, fragte sie: \u00bbWas wollt Ihr?\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDich wollen wir fangen, tot oder lebendig\u00ab, entgegnete der Anf\u00fchrer, \u00bbdenn du bist eine b\u00f6se Zauberin, hast den edlen Sohn unsers edlen Rheingrafen ermordet.\u00ab Da lachte die Loreley laut auf, erhob sich rasch, trat an den j\u00e4hen Rand des Felsens, klopfte in die kleinen wei\u00dfen H\u00e4nde und sang hinab in den Rhein:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbVater! Deine Rosse geschwind sende, dass sie tragen dein Kind, Loreley! Loreley!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da brauste es tief unten gewaltig, und zwei ungeheure wei\u00dfe Schaumwellen, anzusehen wie Rosse, b\u00e4umten sich empor, hoben auf ihren R\u00fccken die reizende Undine, welche neckisch lachte, und trugen sie hinab in den Rhein.<\/p>\n\n\n\n<p>Da merkten die ausgesandten M\u00e4nner, dass Loreley keine Hexe und Zauberin, sondern eine Undine sei, und als sie zur\u00fcckkehrten, um ihrem Herrn diese M\u00e4r zu bringen, fanden sie daheim zu ihrer gr\u00f6\u00dften Freude und Verwunderung den jungen Rheingrafen frisch und gesund. Es war ihm nichts B\u00f6ses widerfahren, als dass die neckische Wasserfee ihn drei Tage lang hatte auf dem Grunde des Rheins liegen lassen, um seine Liebesglut ein wenig abzuk\u00fchlen in dem kalten Wasser. Aber nicht alle jungen Burschen kamen so leichten Kaufs davon wie der junge Rheingraf, und noch heutigen Tages geschieht allj\u00e4hrlich mindestens an einem, was Heine singt:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDen Schiffer im kleinen Schiffe erfasst es mit tiefem Weh! Er schaut nicht die Felsenriffe; er schaut nur die Wasserfee.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube, die Wellen verschlingen am Ende noch Schiffer und Kahn; und das hat mit ihrem Singen die Loreley getan.\u00ab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom Loreleyfels herab t\u00f6nt oft eine wunderholde Frauenstimme, deren s\u00fc\u00dfer Gesang alle bezaubert<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5572,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[95],"tags":[],"class_list":["post-5571","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-legende"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5571","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5571"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5571\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5573,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5571\/revisions\/5573"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5572"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5571"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5571"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5571"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}