{"id":5565,"date":"2026-04-07T02:44:04","date_gmt":"2026-04-07T00:44:04","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5565"},"modified":"2026-04-07T02:44:04","modified_gmt":"2026-04-07T00:44:04","slug":"das-singende-springende-loeweneckerchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/das-singende-springende-loeweneckerchen\/","title":{"rendered":"Das singende springende L\u00f6weneckerchen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Das singende springende L\u00f6weneckerchen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gebr. Grimm<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es war einmal ein Mann, der hatte eine gro\u00dfe Reise vor, und beim Abschied fragte er seine drei T\u00f6chter, was er ihnen mitbringen sollte. Da wollte die \u00e4lteste Perlen, die zweite wollte Diamanten, die dritte aber sprach: &#8222;Lieber Vater, ich w\u00fcnsche mir ein singendes springendes L\u00f6weneckerchen (Lerche).&#8220; Der Vater sagte: &#8222;Ja, wenn ich es kriegen kann, sollst du es haben&#8220;, k\u00fcsste alle drei und zog fort. Als nun die Zeit kam, dass er wieder auf dem Heimweg war, so hatte er Perlen und Diamanten f\u00fcr die zwei \u00e4ltesten gekauft, aber das singende springende L\u00f6weneckerchen f\u00fcr die j\u00fcngste hatte er umsonst allerorten gesucht, und das tat ihm leid, denn sie war sein liebstes Kind. Da f\u00fchrte ihn der Weg durch einen Wald, und mitten darin war ein pr\u00e4chtiges Schloss, und nah am Schloss stand ein Baum, ganz oben auf der Spitze des Baumes aber sah er ein L\u00f6weneckerchen singen und springen. &#8222;Ei, du kommst mir gerade recht&#8220;, sagte er ganz vergn\u00fcgt und rief seinem Diener, er sollte hinaufsteigen und das Tierchen fangen. Wie er aber zu dem Baum trat, sprang ein L\u00f6we darunter auf, sch\u00fcttelte sich und br\u00fcllte, dass das Laub an den B\u00e4umen zitterte. &#8222;Wer mir mein singendes springendes L\u00f6weneckerchen stehlen will&#8220;, rief er, &#8222;den fresse ich auf.&#8220; Da sagte der Mann: &#8222;Ich habe nicht gewusst, dass der Vogel dir geh\u00f6rt; ich will mein Unrecht wieder gutmachen und mich mit schwerem Golde loskaufen, la\u00df mir nur das Leben.&#8220; Der L\u00f6we sprach: &#8222;Dich kann nichts retten, als wenn du mir zu eigen versprichst, was dir daheim zuerst begegnet; willst du das aber tun, so schenke ich dir das Leben und den Vogel f\u00fcr deine Tochter obendrein.&#8220; Der Mann aber weigerte sich und sprach: &#8222;Das k\u00f6nnte meine j\u00fcngste Tochter sein, die hat mich am liebsten und l\u00e4uft mir immer entgegen, wenn ich nach Haus komme.&#8220; Dem Diener aber war angst und er sagte: &#8222;Muss Euch denn gerade Eure Tochter begegnen, es k\u00f6nnte ja auch eine Katze oder ein Hund sein.&#8220; Da lie\u00df sich der Mann \u00fcberreden, nahm das singende springende L\u00f6weneckerchen und versprach dem L\u00f6wen zu eigen, was ihm daheim zuerst begegnen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie er daheim anlangte und in sein Haus eintrat, war das erste, was ihm begegnete, niemand anders als seine j\u00fcngste, liebste Tochter: die kam gelaufen, k\u00fcsste und herzte ihn, und als sie sah, dass er ein singendes springendes L\u00f6weneckerchen mitgebracht hatte, war sie au\u00dfer sich vor Freude. Der Vater aber konnte sich nicht freuen, sondern fing an zu weinen und sagte: &#8222;Mein liebstes Kind, den kleinen Vogel habe ich teuer gekauft, ich habe dich daf\u00fcr einem wilden L\u00f6wen versprechen m\u00fcssen, und wenn er dich hat, wird er dich zerrei\u00dfen und fressen&#8220;, und erz\u00e4hlte ihr da alles, wie es zugegangen war, und bat sie, nicht hinzugeben, es m\u00f6chte auch kommen, was da wollte. Sie tr\u00f6stete ihn aber und sprach: &#8222;Liebster Vater, was Ihr versprochen habt, muss auch gehalten werden: ich will hingehen und will den L\u00f6wen schon bes\u00e4nftigen, dass ich wieder gesund zu Euch komme.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Am andern Morgen lie\u00df sie sich den Weg zeigen, nahm Abschied und ging getrost in den Wald hinein. Der L\u00f6we aber war ein verzauberter K\u00f6nigssohn und war bei Tag ein L\u00f6we, und mit ihm wurden alle seine Leute L\u00f6wen, in der Nacht aber hatten sie ihre nat\u00fcrliche menschliche Gestalt. Bei ihrer Ankunft ward sie freundlich empfangen und in das Schloss gef\u00fchrt. Als die Nacht kam, war er ein sch\u00f6ner Mann, und die Hochzeit ward mit Pracht gefeiert. Sie lebten vergn\u00fcgt miteinander, wachten in der Nacht und schliefen am Tag. Zu einer Zeit kam er und sagte: &#8222;Morgen ist ein Fest in deines Vaters Haus, weil deine \u00e4lteste Schwester sich verheiratet, und wenn du Lust hast hinzugehen, so sollen dich meine L\u00f6wen hinf\u00fchren.&#8220; Da sagte sie ja, sie m\u00f6chte gern ihren Vater wiedersehen, fuhr hin und ward von den L\u00f6wen begleitet. Da war gro\u00dfe Freude, als sie ankam, denn sie hatten alle geglaubt, sie w\u00e4re von dem L\u00f6wen zerrissen worden und schon lange nicht mehr am Leben. Sie erz\u00e4hlte aber, was sie f\u00fcr einen sch\u00f6nen Mann h\u00e4tte, und wie gut es ihr ginge, und blieb bei ihnen, solang die Hochzeit dauerte, dann fuhr sie wieder zur\u00fcck in den Wald. Wie die zweite Tochter heiratete und sie wieder zur Hochzeit eingeladen war, sprach sie zum L\u00f6wen: &#8222;Diesmal will ich nicht allein sein, du musst mitgehen.&#8220; Der L\u00f6we aber sagte, das w\u00e4re zu gef\u00e4hrlich f\u00fcr ihn, denn wenn dort der Strahl eines brennenden Lichts ihn ber\u00fchrte, so w\u00fcrde er in eine Taube verwandelt und m\u00fcsste sieben Jahre lang mit den Tauben fliegen. &#8222;Ach&#8220;, sagte sie, &#8222;geh nur mit mir: ich will dich schon h\u00fcten und vor allem Licht bewahren.&#8220; Also zogen sie zusammen und nahmen auch ihr kleines Kind mit. Sie lie\u00df dort einen Saal mauern, so stark und dick, dass kein Strahl durchdringen konnte, darin sollt er sitzen, wann die Hochzeitslichter angesteckt w\u00fcrden. Die T\u00fcr aber war von frischem Holz gemacht, das sprang und bekam einen kleinen Ritz, den kein Mensch bemerkte. Nun ward die Hochzeit mit Pracht gefeiert, wie aber der Zug aus der Kirche zur\u00fcckkam mit vielen Fackeln und Lichtern an dem Saal vorbei, da fiel ein haarbreiter Strahl auf den K\u00f6nigssohn, und wie dieser Strahl ihn ber\u00fchrt hatte, in dem Augenblick war er auch verwandelt, und als sie hineinkam und ihn suchte, sah sie ihn nicht, aber es sa\u00df da eine wei\u00dfe Taube. Die Taube sprach zu ihr: &#8222;Sieben Jahr muss ich in die Welt fortfliegen; alle sieben Schritte aber will ich einen roten Blutstropfen und eine wei\u00dfe Feder fallen lassen, die sollen dir den Weg zeigen, und wenn du der Spur folgst, kannst du mich erl\u00f6sen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Da flog die Taube zur T\u00fcr hinaus, und sie folgte ihr nach, und alle sieben Schritte fiel ein rotes Blutstr\u00f6pfchen und ein wei\u00dfes Federchen herab und zeigte ihr den Weg. So ging sie immerzu in die weite Welt hinein, und schaute nicht um sich und ruhte sich nicht, und waren fast die sieben Jahre herum; da freute sie sich und meinte, sie w\u00e4ren bald erl\u00f6st, und war noch so weit davon. Einmal, als sie so fort ging, fiel kein Federchen mehr und auch kein rotes Blutstr\u00f6pfchen, und als sie die Augen aufschlug, so war die Taube verschwunden. Und weil sie dachte: &#8222;Menschen k\u00f6nnen dir da nicht helfen&#8220;, so stieg sie zur Sonne hinauf und sagte zu ihr: &#8222;Du scheinst in alle Ritzen und \u00fcber alle Spitzen, hast du keine wei\u00dfe Taube fliegen sehen?&#8220; &#8222;Nein&#8220;, sagte die Sonne, &#8222;ich habe keine gesehen, aber da schenk ich dir ein K\u00e4stchen, das mach auf, wenn du in gro\u00dfer Not bist.&#8220; Da dankte sie der Sonne und ging weiter, bis es Abend war und der Mond schien, da fragte sie ihn: &#8222;Du scheinst ja die ganze Nacht und durch alle Felder und W\u00e4lder, hast du keine wei\u00dfe Taube fliegen sehen?&#8220; &#8222;Nein&#8220;, sagte der Mond, &#8222;ich habe keine gesehen, aber da schenk ich dir ein Ei, das zerbrich, wenn du in gro\u00dfer Not bist.&#8220; Da dankte sie dem Mond und ging weiter, bis der Nachtwind herankam und sie anblies; da sprach sie zu ihm: &#8222;Du wehst ja \u00fcber alle B\u00e4ume und unter allen Bl\u00e4ttern weg, hast du keine wei\u00dfe Taube fliegen sehen?&#8220; &#8222;Nein&#8220;, sagte der Nachtwind, &#8222;ich habe keine gesehen, aber ich will die drei andern Winde fragen, die haben sie vielleicht gesehen.&#8220; Der Ostwind und der Westwind kamen und hatten nichts gesehen, der S\u00fcdwind aber sprach: &#8222;Die wei\u00dfe Taube habe ich gesehen, sie ist zum Roten Meer geflogen, da ist sie wieder ein L\u00f6we geworden, denn die sieben Jahre sind herum, und der L\u00f6we steht dort im Kampf mit einem Lindwurm, der Lindwurm ist aber eine verzauberte K\u00f6nigstochter.&#8220; Da sagte der Nachtwind zu ihr: &#8222;Ich will dir Rat geben, geh zum Roten Meer, am rechten Ufer, da stehen gro\u00dfe Ruten, die z\u00e4hle, und die eilte schneid dir ab und schlag den Lindwurm damit, dann kann ihn der L\u00f6we bezwingen, und beide bekommen auch ihren menschlichen Leib wieder. Hernach schau dich um, und du wirst den Vogel Greif sehen, der am Roten Meer sitzt, schwing dich mit deinem Liebsten auf seinen R\u00fccken: der Vogel wird euch \u00fcbers Meer nach Haus tragen. Da hast du auch eine Nuss, wenn du mitten \u00fcber dem Meere bist, lass sie herabfallen, alsbald wird sie aufgehen, und ein gro\u00dfer Nussbaum wird aus dem Wasser hervor wachsen, auf dem sich der Greif ausruht; und k\u00f6nnte er nicht ruhen, so w\u00e4re er nicht stark genug, euch hin\u00fcberzutragen; und wenn du vergisst, die Nuss herabzuwerfen, so l\u00e4sst er euch ins Meer fallen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Da ging sie hin und fand alles, wie der Nachtwind gesagt hatte. Sie z\u00e4hlte die Ruten am Meer und schnitt die eilte ab, damit schlug sie den Lindwurm, und der L\u00f6we bezwang ihn; alsbald hatten beide ihren menschlichen Leib wieder. Aber wie die K\u00f6nigstochter, die vorher ein Lindwurm gewesen war, vom Zauber frei war, nahm sie den J\u00fcngling in den Arm, setzte sich auf den Vogel Greif, und f\u00fchrte ihn mit sich fort. Da stand die arme Weitgewanderte und war wieder verlassen und setzte sich nieder und weinte. Endlich aber ermutigte sie sich und sprach: &#8222;Ich will noch so weit gehen, als der Wind weht, und so lange, als der Hahn kr\u00e4ht, bis ich ihn finde.&#8220; Und ging fort, lange, lange Wege, bis sie endlich zu dem Schloss kam, wo beide zusammenlebten; da h\u00f6rte sie, dass bald ein Fest w\u00e4re, wo sie Hochzeit miteinander machen wollten. Sie sprach aber: &#8222;Gott hilft mir noch&#8220;, und \u00f6ffnete das K\u00e4stchen, das ihr die Sonne gegeben hatte, da lag ein Kleid darin, so gl\u00e4nzend wie die Sonne selber. Da nahm sie es heraus und zog es an und ging hinauf in das Schloss, und alle Leute und die Braut selber sahen sie mit Verwunderung an; und das Kleid gefiel der Braut so gut, dass sie dachte, es k\u00f6nnte ihr Hochzeitskleid geben, und fragte, ob es nicht feil w\u00e4re? &#8222;Nicht f\u00fcr Geld und Gut&#8220;, antwortete sie, &#8222;aber f\u00fcr Fleisch und Blut.&#8220; Die Braut fragte, was sie damit meinte. Da sagte sie: &#8222;Lasst mich eine Nacht in der Kammer schlafen, wo der Br\u00e4utigam schl\u00e4ft.&#8220; Die Braut wollte nicht, und wollte doch gerne das Kleid haben, endlich willigte sie ein, aber der Kammerdiener musste dem K\u00f6nigssohn einen Schlaftrunk geben. Als es nun Nacht war und der J\u00fcngling schon schlief, ward sie in die Kammer gef\u00fchrt. Da setzte sie sich ans Bett und sagte: &#8222;Ich bin dir nachgefolgt sieben Jahre, bin bei Sonne und Mond und bei den vier Winden gewesen und habe nach dir gefragt und habe dir geholfen gegen den Lindwurm, willst du mich denn ganz vergessen?&#8220; Der K\u00f6nigssohn aber schlief so hart, dass es ihm nur vorkam, als rauschte der Wind drau\u00dfen in den Tannenb\u00e4umen. Wie nun der Morgen anbrach, da ward sie wieder hinausgef\u00fchrt und musste das goldene Kleid hingeben. Und als auch das nichts geholfen hatte, ward sie traurig, ging hinaus auf eine Wiese, setzte sich da hin und weinte. Und wie sie so sa\u00df, da fiel ihr das Ei noch ein, das ihr der Mond gegeben hatte; sie schlug es auf, da kam eine Glucke heraus mit zw\u00f6lf K\u00fcchlein ganz von Gold, die liefen herum und piepten und krochen der Alten wieder unter die Fl\u00fcgel, so dass nicht Sch\u00f6neres auf der Welt zu sehen war. Da stand sie auf, trieb sie auf der Wiese vor sich her, so lange, bis die Braut aus dem Fenster sah, und da gefielen ihr die kleinen K\u00fcchlein so gut, dass sie gleich herabkam und fragte, ob sie nicht feil w\u00e4ren. &#8222;Nicht f\u00fcr Geld und Gut, aber f\u00fcr Fleisch und Blut; lasst mich noch eine Nacht in der Kammer schlafen, wo der Br\u00e4utigam schl\u00e4ft.&#8220; Die Braut sagte ja und wollte sie betr\u00fcgen wie am vorigen Abend. Als aber der K\u00f6nigssohn zu Bett ging, fragte er seinen Kammerdiener, was das Murmeln und Rauschen in der Nacht gewesen sei. Da erz\u00e4hlte der Kammerdiener alles, dass er ihm einen Schlaftrunk h\u00e4tte geben m\u00fcssen, weil ein armes M\u00e4dchen heimlich in der Kammer geschlafen h\u00e4tte, und heute Nacht sollte er ihm wieder einen geben. Sagte der K\u00f6nigssohn: &#8222;Gie\u00df den Trank neben das Bett aus.&#8220; Zur Nacht wurde sie wieder hereingef\u00fchrt, und als sie anfing zu erz\u00e4hlen, wie es ihr traurig ergangen w\u00e4re, da erkannte er gleich an der Stimme seine liebe Gemahlin, sprang auf und rief: &#8222;Jetzt bin ich erst recht erl\u00f6st, mir ist gewesen wie in einem Traum, denn die fremde K\u00f6nigstochter hatte mich bezaubert, dass ich dich vergessen musste, aber Gott hat noch zu rechter Stunde die Bet\u00f6rung von mir genommen.&#8220; Da gingen sie beide in der Nacht heimlich aus dem Schloss, denn sie f\u00fcrchteten sich vor dem Vater der K\u00f6nigstochter, der ein Zauberer war, und setzten sich auf den Vogel Greif, der trug sie \u00fcber das Rote Meer, und als sie in der Mitte waren, lie\u00df sie die Nuss fallen. Alsbald wuchs ein gro\u00dfer Nussbaum, darauf ruhte sich der Vogel, und dann f\u00fchrte er sie nach Haus, wo sie ihr Kind fanden, das war gro\u00df und sch\u00f6n geworden, und sie lebten von nun an vergn\u00fcgt bis an ihr Ende.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das singende springende L\u00f6weneckerchen Gebr. Grimm Es war einmal ein Mann, der hatte eine gro\u00dfe Reise vor, und beim Abschied fragte er seine drei T\u00f6chter, was er ihnen mitbringen sollte. 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