{"id":556,"date":"2015-10-20T13:57:49","date_gmt":"2015-10-20T11:57:49","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=556"},"modified":"2026-01-24T22:05:48","modified_gmt":"2026-01-24T21:05:48","slug":"die-goldene-schale","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-goldene-schale\/","title":{"rendered":"Die goldene Schale"},"content":{"rendered":"<p>M\u00e4rchen aus der T\u00fcrkei<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\">Drei J\u00fcnglinge waren einmal Freunde. Einer von ihnen war Zimmermann, der andere Schneider und der dritte Ackerknecht. Sie sparten, was sie tags\u00fcber verdient hatten, und legten es zusammen. Eines Tages gingen sie in eine ferne Stadt. Dort mieteten sie ein Haus. Der Schneider und der Zimmermann fanden schnell Arbeit. Aber der Ackerknecht blieb arbeitslos. Nach einigen Tagen begann er den beiden anderen zur Last zu fallen.<\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\">Der Ackerknecht f\u00fcllte einmal das Wassergef\u00e4\u00df und brachte es nach Hause. Sie hatten aber dieT\u00fcr verriegelt. Er klopft. Wie sehr er auch ruft, seine Freunde geben keinen Laut von sich. Da wird dem Ackerknecht klar, dass sie es gemacht haben, um ihn loszuwerden. So geht er zum Markt und beginnt in Gedanken versunken umherzuwandeln. Als ein B\u00e4cker ihn sieht, fragt er ihn:<\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\">\u201eMein Sohn, woher kommst du? Was f\u00fcr eine Arbeit tust du?\u201c<\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\">Nun erz\u00e4hlt der J\u00fcngling, was seine Freunde ihm angetan haben und dass er jetzt ohne Geld und Mittel umhergehe und im Freien \u00fcbernachte. Daraufhin nahm ihn der B\u00e4cker als Gehilfen. So begann er im Laden zu \u00fcbernachten und bei dem B\u00e4cker zu arbeiten. An einem Tag im Jahr pflegten die J\u00fcnglinge dieses Dorfes im Bach zu fischen. Der J\u00fcngling bat seinen Meister um die Erlaubnis, mit ihnen fischen zu gehen, und ging zum Bach. Mit den Worten: \u201eDas ist f\u00fcr den Meister!\u201c warf er die Angel aus. Auf einmal fing er einen etwa zehn Okka schweren Fisch. Als das ein Jude sah, rief er dem J\u00fcngling zu: \u201eKomm, verkauf mir diesen Fisch!\u201c<\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\">Aber der J\u00fcngling entgegnete: \u201eDie Angel habe ich f\u00fcr meinen Meister ausgeworfen. Daher will ich ihm den Fisch bringen\u201c, und machte sich auf den Weg zum Laden.<\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\">Der Jude lief ihm nach und bestand beharrlich darauf: \u201eIch will dir tausend Goldst\u00fccke f\u00fcr den Fisch geben.\u201c Aber der J\u00fcngling drehte sich nicht um und blickte ihm nicht ins Gesicht.<\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\">Nun, der J\u00fcngling kam zum Laden und zeigte seinem Meister den Fisch. Der sagte: \u201eGeh und wasch ihn!\u201c<\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\">Der J\u00fcngling ging nun zum Ufer des Baches und \u00f6ffnete den Leib des Fisches. Da kam eine kleine goldene Schale aus dem Innern zum Vorschein. Als der J\u00fcngling Wasser darauf goss, um den Schmutz, der sich in der Schale befand, zu waschen &#8211; was sollte er da sehen? &#8211; das Wasser wurde zu Gold. Sogleich steckte er die Schale in seine Tasche. Nachdem er nun in aller Eile den Fisch gereinigt hatte, ging er geradenwegs zum Laden. Alles, was im Laden an Trinkgl\u00e4sern und Bechern vorhanden war, f\u00fcllte er an jenem Abend mit Wasser, ber\u00fchrte alles mit der Schale und alle Platten, Kessel und Kisten waren mit Gold gef\u00fcllt. Am folgenden Tag sagte er zu seinem Meister: \u201eGib mir nun die Erlaubnis. Ich m\u00f6chte in die Stadt des Padischahs gehen.\u201c<\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\">Darauf sagte der Meister:<\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\">\u201eMein Sohn, habe ich dich denn so sehr beansprucht? Habe ich dich nicht in Ruhe gelassen? Weshalb willst du denn nicht bleiben?\u201c<\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\">Der J\u00fcngling h\u00f6rte aber nicht darauf und verlie\u00df den Laden. Als er gegangen war, schaute sein Meister in die Schubladen und Kisten: alles war voll mit Gold.<\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\">Der J\u00fcngling war also fortgegangen. In der Stadt des Padischahs hatte er ein gro\u00dfes Schloss errichten lassen und begonnen, in Freude zu leben.<\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\">Eines Tages hatte der J\u00fcngling Lust, in dem Rosengarten der Tochter des Padischahs spazieren zu gehen. In Begleitung von drei Freunden trat er in den Garten. W\u00e4hrend sie an dem Wasserbecken sa\u00dfen, da sah ihn die K\u00f6nigstochter, die mit ihren Dienerinnen dort lustwandelte. Da ruft und schreit sie und beginnt, mit diesen zu schimpfen; er nimmt nun mit seiner Schale eine Schale Wasser aus dem Becken, spritzt es \u00fcber das M\u00e4dchen, so dass Gold \u00fcber den Boden gestreut wird, da jagt das M\u00e4dchen die Dienerinnen, der J\u00fcngling seine Kameraden fort. Wie sie nun allein sind, fragt das M\u00e4dchen den J\u00fcngling nach der Schale, die Wasser zu Gold macht, und nach dem Talisman. Der J\u00fcngling gibt zur Antwort:<\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\">\u201eWenn du dich mir hingibst, will ich es dir sagen!\u201c Nun, kurz und gut, das M\u00e4dchen gibt sich hin. Darauf gibt er ihr die Schale. Der J\u00fcngling kehrt zum Schloss zur\u00fcck. Dort ist das Geld in kurzer Zeit vollst\u00e4ndig aufgebraucht. So verkauft er sein Schloss, auch das Geld bringt er durch. Der Arme ist nun ganz ohne Geld.<\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\">Kurze Zeit darauf wird die Schwangerschaft des M\u00e4dchens offenbar. Der Padischah ist rasend vor Wut und befiehlt: \u201eIch will ihr blutiges Hemd sehen.\u201c<\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\">Da \u00fcberlegen die Leute des Schlosses, wer das M\u00e4dchen t\u00f6ten solle. Man meint: Wenn \u00fcberhaupt jemand es t\u00f6tet, kann es der Hodscha des Padischahs sein.<\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\">Der Hodscha bringt nun das M\u00e4dchen zum Ufer des Meeres.<\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\">Dort fleht das M\u00e4dchen den Hodscha an:<\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\">\u201eDa du mich nun t\u00f6ten wirst, will ich noch zwei Gebets\u00fcbungen verrichten. Dann t\u00f6te mich!\u201c<\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\">W\u00e4hrend der Hodscha die Gebets\u00fcbung verrichtet, sch\u00fcttet das M\u00e4dchen mit der Schale einen Haufen Gold am Ufer des Meeres aus. Als der Hodscha das Gebet beendet hat und die Goldmassen sieht, ist er erstaunt. Da sagt das M\u00e4dchen:<\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\">\u201eHodscha, t\u00f6te mich nicht! Dann gebe ich dir alles dieses Gold. Wir wollen eine Schildkr\u00f6te t\u00f6ten und mein Hemd in ihr Blut tauchen. Du sollst zu meinem Vater gehen und es ihm zeigen: Das ist das blutige Hemd der Tochter!\u201c<\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\">Damit war der Hodscha einverstanden. Sie finden eine<br \/>\nSchildkr\u00f6te, t\u00f6ten sie und tauchen das Hemd des M\u00e4dchens in<br \/>\nihr Blut. Mit dem Hemd geht der Hodscha zum Palast.<\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\">Das M\u00e4dchen beginnt nun am Meeresufer umherzugehen.<\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\">W\u00e4hrend es \u00fcberall umherschaut, sieht es, dass aus der Ferne ein Reiter mit vollem Galopp herangeritten kommt. Dieser Reiter war der ber\u00fchmte Arnavut Aga. Als er das M\u00e4dchen gesehen hatte, dachte er:<\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\">\u201eDa haben wir Gl\u00fcck gehabt\u201c, und als er zu ihm gekommen war, fragte er: \u201eWer bist du? Was machst du hier?\u201c<\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\">Das M\u00e4dchen erz\u00e4hlte ihm, was es erlebt hatte. Darauf sagte der Arnavut: \u201eIch nehme dich zu mir.\u201c Das M\u00e4dchen antwortete: \u201eJa, einverstanden, aber wasche dich erst eine Stunde im Meer!\u201c<\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\">Der Arnavut geht zum Meer, und als er sich ausgezogen hat, zieht das M\u00e4dchen seine Kleider an, steigt auf sein Pferd und flieht davon.<\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\">Nach langem Ritt kommt sie in eine Stadt und steigt in einer Herberge ab. Die Bediensteten dieser Herberge erweisen dem Arnavut Aga immer gro\u00dfe Ehrerbietung; sie nehmen das Pferd und weisen dem M\u00e4dchen ein Zimmer an. Das M\u00e4dchen l\u00e4sst ein Bild von sich anfertigen und es an die T\u00fcr der Herberge h\u00e4ngen. Davor stellt es einen W\u00e4chter, dem es die Weisung gibt:<\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\">\u201eWenn einer hier vor\u00fcbergeht, das Bild anschaut und seufzt, den halte fest, bring ihn zu einem Zimmer und erweise ihm Ehren!\u201c<\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\">Da die Zeit der Geburt herangekommen war, geht es zum Haus einer Hebamme und gibt ihr viel Geld, wobei es ihr einsch\u00e4rft, keinem sein Geheimnis zu verraten. F\u00fcr das Kind bestellt sie eine Milchamme. Es selbst kehrt am Abend wieder in die Herberge zur\u00fcck.<\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\">In der Zwischenzeit hatte der Padischah sich Wanderkleidung angelegt und wanderte hier und dort durch die Gegend. Als er vor der Haust\u00fcr dieses Bild, das seiner Tochter sehr \u00e4hnlich war, gesehen hat, tut er einen tiefen Seufzer. Man ergreift ihn und bringt ihn in ein Zimmer.<\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\">Sp\u00e4ter kommt auch der Ackerknecht, der erste Liebhaber des M\u00e4dchens. Als er das Bild sieht, seufzt er und man bringt auch ihn auf ein Zimmer, und dann auch den Arnavut.<\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\">Das M\u00e4dchen l\u00e4sst zun\u00e4chst den zuerst Gekommenen rufen und fragt ihn, weshalb er geseufzt habe. Der antwortet, dass er seinerzeit seine Tochter habe t\u00f6ten lassen und dass er, weil dieses Bild seiner Tochter \u00e4hnlich sei, geseufzt habe. Das M\u00e4dchen holt die Schale und zeigt dem Padischah ihre Wunderkraft. Wie nun der Padischah die Schale von ihr w\u00fcnscht, sagt<br \/>\nsie: \u201eWenn du dich mir hingibst, gebe ich sie dir.\u201c Da dachte der Padischah bei sich:<\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\">\u201eWoher sollen die Leute wissen, dass ich ein Padischah bin\u201c, und will sich hingeben. Um aber nichts B\u00f6ses zu tun, er\u00f6ffnet die Tochter ihrem Vater:<\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\">\u201eIch bin deine Tochter. Da siehst du also! Auch ich habe mich einem f\u00fcr diese Schale hingegeben.\u201c<\/p>\n<p>Der Vater verzeiht seiner Tochter und beide umarmen sich. Darauf l\u00e4sst die Tochter den Zweitgekommenen rufen und erkl\u00e4rt, dass er der Vater des Kindes sei. Dem Arnavut geben sie viel Geld und dann gehen der Padischah, die Tochter und der Ackerknecht in ihre Heimatstadt. Dort feiern sie vierzig Tage und vierzig N\u00e4chte Hochzeit und heiraten. Nun haben sie eine Familie gegr\u00fcndet. Ich komme gerade von ihnen und \u00fcberbringe ihre Gr\u00fc\u00dfe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00e4rchen aus der T\u00fcrkei<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[85,140],"tags":[],"class_list":["post-556","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-maerchen","category-tuerkei"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/556","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=556"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/556\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":557,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/556\/revisions\/557"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=556"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=556"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=556"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}