{"id":5548,"date":"2026-02-04T03:17:18","date_gmt":"2026-02-04T02:17:18","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5548"},"modified":"2026-02-04T03:17:19","modified_gmt":"2026-02-04T02:17:19","slug":"das-maerchen-von-der-padde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/das-maerchen-von-der-padde\/","title":{"rendered":"Das M\u00e4rchen von der Padde."},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Das M\u00e4rchen von der Padde.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es war einmal ein K\u00f6nig, der hatte drei S\u00f6hne. Es lebte aber auch damals eine alte Frau, die hatte nur ein T\u00f6chterlein, welches Petersilie hie\u00df. Der K\u00f6nig schickte seine S\u00f6hne aus, um sich in der Welt umzusehen, seine und fremde Lande kennen zu lernen, um so weise genug zu werden, dereinst ihr Erbteil beherrschen zu k\u00f6nnen. Die alte Frau aber lebte stille und eingezogen mit ihrem T\u00f6chterlein, das den Namen davon hatte, dass es Petersilie lieber als alle andere Speise a\u00df, ja einen rechten Hei\u00dfhunger darnach hatte. Die arme Mutter hatte nicht Geld genug, immer und immerfort Petersilie f\u00fcr die Tochter zu kaufen, und es blieb ihr daher nichts \u00fcbrig, da das T\u00f6chterlein gar zu sch\u00f6n war und sie auf keine Weise ihrer Sch\u00f6nheit nachtheilig sein wollte, als n\u00e4chtlich aus dem Garten des gegen\u00fcberliegenden Jungfrauenklosters die sch\u00f6nsten Petersilienwurzeln zu entwenden und das T\u00f6chterchen damit zu f\u00fcttern. Das Gel\u00fcst der sch\u00f6nen Petersilie war nicht unbekannt, eben so wenig blieb der Diebstahl verborgen, und die Aebtissin war \u00fcber ihre sch\u00f6ne Nachbarin nicht wenig erz\u00fcrnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die drei Prinzen kamen auf ihrer Wanderung auch in das St\u00e4dtlein, wo Petersilie mit ihrer Mutter wohnte und gingen gerade durch die Stra\u00dfe, als das sch\u00f6ne M\u00e4gdlein am Fenster stand und ihre langen, wunderpr\u00e4chtigen Haare k\u00e4mmte und flocht. Entz\u00fcndet von Liebe, stieg in einem jeden der Wunsch auf, die Sch\u00f6ne zu besitzen, und kaum war der Wunsch \u00fcber die Lippen gekommen, als auch ein jeglicher, in blinder Eifersucht, seinen S\u00e4bel zog und auf seinen br\u00fcderlichen Mitbewerber losging. Der Kampf ward nicht wenig heftig, auch die Aebtissin trat an die Pforte, und kaum hatte die fromme Frau geh\u00f6rt, dass ihre Nachbarin die Ursache sei, als aller Grimm, fr\u00fcher und sp\u00e4terer, sich in ihr zu der Verw\u00fcnschung sammelte: sie w\u00fcnschte, dass Petersilie in einen h\u00e4sslichen Frosch verwandelt w\u00fcrde und unter einer Br\u00fccke am entferntesten Ende der Erde s\u00e4\u00dfe. Kaum ausgesprochen, ward Petersilie ein Frosch und war verschwunden. Die Prinzen, die nun keinen Gegenstand des Kampfes hatten, steckten ihre Degen ein, umarmten sich wieder br\u00fcderlich und zogen heim zu ihrem Vater.<\/p>\n\n\n\n<p>Der alte Herr merkte indessen, dass er stumpf und schwach in den Regierungsgesch\u00e4ften ward, und wollte daher das Reich abtreten, aber wem? dazu konnte sich sein v\u00e4terliches Herz nicht entschlie\u00dfen, unter den drei S\u00f6hnen zu w\u00e4hlen. Das Schicksal sollte es bestimmen und er lie\u00df sie daher vor sich kommen. \u00bbMeine lieben Kinder, &#8211; sprach er &#8211; ich werde alt und schwach und will meine Regierung niederlegen, kann mich aber nicht entschlie\u00dfen, einen von euch zu w\u00e4hlen, da ich euch alle drei gleich z\u00e4rtlich liebe und denn doch auch dem Besten und Kl\u00fcgsten von euch mein Volk \u00fcbergeben wollte. Ihr sollt mir daher drei Aufgaben l\u00f6sen und wer sie mir l\u00f6s&#8217;t, der soll mein Erbe sein. Das erste ist: ihr m\u00fc\u00dft mir ein St\u00fcck Leinewand von hundert Ellen bringen, das man durch einen goldnen Ring ziehen kann.\u00ab Die S\u00f6hne verneigten sich, versprachen ihr m\u00f6glichstes zu tun und machten sich auf die Reise.<\/p>\n\n\n\n<p>Die beiden \u00e4ltesten Br\u00fcder nahmen viel Gefolge und viele Wagen mit, um alle die sch\u00f6ne Leinewand, die sie finden w\u00fcrden, aufzuladen, der J\u00fcngste ging ganz allein. Bald kamen drei Wege, zwei lustig und trocken, der dritte d\u00fcster, feucht und schmutzig. Die beiden \u00e4lteren Br\u00fcder nahmen die beiden ersten Wege, der J\u00fcngste nahm Abschied von ihnen und schlenderte den d\u00fcstern Weg entlang. Wo nur sch\u00f6ne Leinewand war, besahen sie die \u00e4lteren Br\u00fcder und erstanden sie, ihre Wagen krachten unter der Last, und wo nur irgend der Ruf sie hinwies, dahin eilten sie auch und kauften. Sie kehrten reich versehen zur\u00fcck. Der J\u00fcngste dagegen ging mehrere Tagereisen auf seinem unwirtlichen Wege fort, nirgend wollte ihm ein Ort erscheinen, in dem er auch nur eine ertr\u00e4glich feine Leinewand gefunden und so reiste er lange und ward immer mi\u00dfmuthiger.<\/p>\n\n\n\n<p>Einst kam er an eine Br\u00fccke, setzte sich an dem Rande nieder und seufzte recht tief \u00fcber sein b\u00f6ses Schicksal. Da kroch eine missgestaltete Padde aus dem Sumpf hervor, stellte sich vor ihn und fragte, mit nicht ganz \u00fcbelt\u00f6nender Stimme: was ihm denn fehle? Der Prinz, unwillig, antwortete: \u00bbFrosch, du wirst mir nicht helfen.\u00ab &#8211; \u00bbUnd doch, &#8211; erwiderte der Frosch &#8211; sagt mir nur eure Leiden.\u00ab Nach mehrern Weigerungen erkl\u00e4rte endlich der Prinz die Ursache, warum ihn sein Vater ausgesendet habe. \u00bbDir soll geholfen werden,\u00ab sagte die Padde, kroch in ihren Sumpf zur\u00fcck und zerrte bald ein L\u00e4ppchen Leinewand, nicht gr\u00f6\u00dfer als eine Hand und nicht eben zum saubersten aussehend, hervor, das sie vor den Prinzen niederlegte und ihm andeutete, das solle er nur nehmen. Der Prinz hatte gar keine Lust, ein so \u00fcbel scheinendes L\u00e4ppchen anzunehmen, doch lag etwas in den Zuredungen der Padde, das ihn bereitwillig machte und er dachte: etwas ist doch besser, als gar nichts, steckte daher sein L\u00e4ppchen ein und empfahl sich dem Frosche, der m\u00fchsam sich wieder in das Wasser schob.<\/p>\n\n\n\n<p>Je weiter er ging, je mehr merkte er zu seiner Freude, dass ihm die Tasche, in welche er das L\u00e4ppchen gesteckt hatte, immer schwerer ward und er wanderte daher muthvoll auf den Hof seines Vaters zu, den er auch in kurzem erreichte, als eben auch seine Br\u00fcder mit ihren Frachtwagen wieder anlangten. Der Vater war erfreut, seine drei Kinder wieder zu sehen, zog sogleich seinen Ring vom Finger und die Probe begann. Auf alle den Frachtwagen war auch nicht ein St\u00fcck, das nur zum zehnten Teile durch den Ring gegangen w\u00e4re, und die beiden \u00e4ltern Br\u00fcder, die erst ziemlich sp\u00f6ttisch auf ihren Bruder, der ganz ohne alle gro\u00dfe Vorr\u00e4te gekommen war, sahen, wurden ziemlich kleinlaut. Wie ward ihnen zu Muthe, als er aus seiner Tasche ein Gespinst zog, das an Zartheit, Feinheit und Wei\u00dfe alles \u00fcbertraf, was man je gesehen hatte. Es wallte in gl\u00e4nzenden Lagen und ging nicht allein h\u00f6chst bequem durch den Ring durch, man h\u00e4tte wohl noch ein St\u00fcck zu gleicher Zeit durch den Ring ziehen k\u00f6nnen, und dennoch gab das Maas richtige hundert Ellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Vater umarmte den gl\u00fccklichen Sohn, befahl die unbrauchbare Leinewand ins Wasser zu werfen, und sagte dann zu seinen Kindern: \u00bbnun, ihr lieben Prinzen, m\u00fcsst ihr die zweite Forderung erf\u00fcllen, ihr m\u00fcsst mir ein H\u00fcndlein bringen, das in eine Nuss-Schale passt.\u00ab Die S\u00f6hne waren \u00fcber eine so wunderbare Aufgabe nicht wenig erschrocken, aber der Reiz der Krone war zu gro\u00df, sie versprachen auch dies zu erf\u00fcllen zu suchen, und wanderten nach wenig Tagen Ruhe wieder aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Scheidewege trennten sie sich; der J\u00fcngste sie ging seinen feuchten, unscheinbaren Weg, er hatte schon bei weitem mehr Muth. Kaum hatte er einige Zeit an der Br\u00fccke gesessen und wieder geseufzt, so kroch auch die Padde wieder hervor, setzte sich ihm, wie das erstemal, gegen\u00fcber, \u00f6ffnete #den weiten Mund und fragte: was ihm denn fehle? Der Prinz setzte diesmal keinen Zweifel in die Macht der Padde, sondern gestand ihr gleich sein Bed\u00fcrfnis. \u00bbDir soll geholfen werden,\u00ab sagte wiederum die Padde, kroch in den Sumpf und brachte ein Haseln\u00fc\u00dflein hervor, legte sie ihm vor die F\u00fc\u00dfe, sagte ihm, er solle sie nur mitnehmen und seinen Herrn Vater bitten, die Nuss sauber aufzuknacken, das andere w\u00fcrde er schon sehen. Der Prinz ging vergn\u00fcgt fort und die Padde schob sich wieder m\u00fchsam in das Wasser hinab.<\/p>\n\n\n\n<p>Daheim waren die Br\u00fcder auch schon zu gleicher Zeit angekommen und hatten eine gro\u00dfe Menge sehr zierlicher H\u00fcndlein mitgebracht. Der alte Vater hatte eine betr\u00e4chtlich gro\u00dfe Wallnussschale bereit und schob jedes H\u00fcndlein hinein, aber die hingen bald mit den Vorderf\u00fc\u00dfen, bald mit dem Kopf, bald mit den Hinterf\u00fc\u00dfen, bald ganz \u00fcber die Wallnussschale fort, so dass gar nicht daran zu denken war, dass ein H\u00fcndlein hineingepasst h\u00e4tte. Als nun kein Hund mehr zu proben \u00fcbrig war, \u00fcberreichte der J\u00fcngste mit einer zierlichen Verbeugung dem Vater seine Haselnuss und bat, sie auf das behutsamste aufzuknacken. Kaum hatte der alte K\u00f6nig es getan, als aus der Haselnuss ein wunderkleines und niedliches H\u00fcndlein sprang, das gleich auf der Hand des K\u00f6nigs umher lief, mit dem Schw\u00e4nzlein wedelte, ihm schmeichelte und gegen die andern auf das zierlichste bellte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Freude des Hofes war allgemein, der Vater umarmte wieder den gl\u00fccklichen Sohn, befahl abermals, die andern Hunde in das Wasser zu werfen und zu ers\u00e4ufen, und sagte dann zu seinen S\u00f6hnen: \u00bbliebe Kinder, die beiden schwierigsten Bedingnisse sind nun erf\u00fcllt. H\u00f6rt nun mein drittes Verlangen: wer die sch\u00f6nste Frau mir bringt, der soll mein Erbe und Nachfolger sein.\u00ab Die Bedingung war zu nahe, der Preis zu reitzend, als dass die Prinzen nicht sogleich, jeder auf seinem gewohnten Wege, wieder h\u00e4tten aufbrechen sollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem J\u00fcngsten war diesmal gar nicht wohl zu Muthe. Er dachte: alles andere hat der alte Frosch wohl erf\u00fcllen k\u00f6nnen, aber nun wirds vorbei sein, wo wird er mir ein sch\u00f6nes M\u00e4dchen und noch dazu das sch\u00f6nste herschaffen k\u00f6nnen? seine S\u00fcmpfe sind fern und breit menschenleer und nur Kr\u00f6ten, Unken und anderes Ungeziefer wohnt dort. Er ging indessen doch fort und seufzte diesmal aus schwerem Herzen, als er wieder an der Br\u00fccke sa\u00df. Nicht lange darnach stand die Padde wieder vor ihm und fragte: was ihm fehle? \u00bbAch, Padde, diesmal kannst du mir nicht helfen, das \u00fcbersteigt deine Kr\u00e4fte.\u00ab &#8211; \u00bbUnd doch &#8211; erwiderte der Frosch &#8211; sagt mir nur euer Leiden.\u00ab Der Prinz entdeckte ihm endlich seine neuen Leiden. \u00bbDir soll geholfen werden &#8211; sagte wieder der Frosch &#8211; gehe du nur voran, die Sch\u00f6ne wird dir schon folgen, aber du musst \u00fcber das, was du sehen wirst, nicht lachen.\u00ab Darauf sprang er, wider seine Gewohnheit, mit einem herzhaften Sprunge weit in das Wasser hinein und verschwand.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Prinz seufzte wiederum recht tief, stand auf und ging fort; denn er erwartete nicht viel von dem Versprechen. Kaum hatte er einige Schritte gemacht, so h\u00f6rte er hinter sich ein Ger\u00e4usch; er blickte sich um und sah sechs gro\u00dfe Wasserratzen, die, in vollem Trabe, einen Wagen von Kartenpappe gemacht hinter sich herzogen. Auf dem Bocke sa\u00df eine \u00fcbergro\u00dfe Kr\u00f6te als Kutscher, hinten auf standen zwei kleinere Kr\u00f6ten als Bediente und zwei bedeutend gro\u00dfe M\u00e4use, mit stattlichen Schnurrb\u00e4rten, als Heiducken, im Wagen selbst aber sa\u00df die ihm wohlbekannte dicke Padde, die, im Vorbeifahren, etwas ungeschickt, aber doch m\u00f6glichst zierlich, ihm eine Verbeugung machte.<\/p>\n\n\n\n<p>Viel zu sehr in Betrachtungen vertieft von der N\u00e4he seines Gl\u00fcckes, und wie ferne er nun sei, da er die sch\u00f6nste Sch\u00f6ne nicht finden w\u00fcrde, betrachtete der Prinz kaum diesen l\u00e4cherlichen Aufzug, noch weniger hatte er gar Lust zu lachen. Der Wagen fuhr eine Weile vor ihm her und bog dann um eine Ecke. Wie ward ihm aber, als bald darauf um dieselbe Ecke ein herrlicher Wagen rollte, gezogen von sechs m\u00e4chtigen, schwarzen Pferden, regiert von einem wohlgekleideten Kutscher und in dem Wagen die sch\u00f6nste Frau, die er je gesehen und in der er sogleich die reitzende Petersilie erkannte, f\u00fcr die sein Herz schon fr\u00fcher entbrannt war. Der Wagen hielt bei ihm stille, Bediente und Heiducken, aus der Tiergestalt entzaubert, \u00f6ffneten ihm den Wagen und er s\u00e4umte nicht, sich zu der sch\u00f6nen Prinzessin zu setzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bald kam er in der Hauptstadt seines Vaters an, mit ihm seine Br\u00fcder, die eine gro\u00dfe Menge der sch\u00f6nsten Frauen mit sich f\u00fchrten, aber als sie vor den K\u00f6nig traten, erkannte sogleich der ganze Hof der sch\u00f6nen Petersilie den Kranz der Sch\u00f6nheit zu, der entz\u00fcckte Vater umarmte seinen Sohn, als Nachfolger, und seine neue Schwiegertochter, die anderen Frauen wurden aber alle, wie der Leinewand und den H\u00fcndleinen geschehen war, ins Wasser geworfen und ers\u00e4uft. Der Prinz heiratete die Prinzessin Petersilie, regierte lange und gl\u00fccklich mit ihr, und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Aus B\u00fcsching: Volkssagen, M\u00e4rchen und Legenden,<br>Dieses M\u00e4rchen wurde von \u201eOllie\u201c in das M\u00e4rchen-Forum geschrieben. Vielen Dank<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das M\u00e4rchen von der Padde. Es war einmal ein K\u00f6nig, der hatte drei S\u00f6hne. Es lebte aber auch damals eine alte Frau, die hatte nur ein T\u00f6chterlein, welches Petersilie hie\u00df. 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