{"id":5531,"date":"2026-02-04T02:52:19","date_gmt":"2026-02-04T01:52:19","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5531"},"modified":"2026-02-04T02:52:19","modified_gmt":"2026-02-04T01:52:19","slug":"die-nixe-im-teich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-nixe-im-teich\/","title":{"rendered":"Die Nixe im Teich"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Die Nixe im Teich<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es war einmal ein M\u00fcller, der f\u00fchrte mit seiner Frau ein vergn\u00fcgtes Leben. Sie hatten Geld und Gut, und ihr Wohlstand nahm von Jahr zu Jahr noch zu. Aber Ungl\u00fcck kommt \u00fcber Nacht; wie ihr Reichtum gewachsen war, so schwand er von Jahr zu Jahr wieder hin, und zuletzt konnte der M\u00fcller kaum noch die M\u00fchle, in der er sa\u00df, sein Eigentum nennen. Er war voll Kummer, und wenn er sich nach der Arbeit des Tages niederlegte, so fand er keine Ruhe, sondern w\u00e4lzte sich voll Sorgen in seinem Bett. Eines Morgens stand er schon vor Tagesanbruch auf, ging hinaus ins Freie und dachte, es sollte ihm leichter ums Herz werden. Als er \u00fcber den M\u00fchldamm dahinschritt, brach eben der erste Sonnenstrahl hervor, und er h\u00f6rte in dem Weiher etwas rauschen. Er wendete sich um und erblickte ein sch\u00f6nes Weib, das sich langsam aus dem Wasser erhob. Ihre langen Haare, die sie \u00fcber den Schultern mit ihren zarten H\u00e4nden gefasst hatte, flossen an beiden Seiten herab und bedeckten ihren wei\u00dfen Leib. Er sah wohl, dass es die Nixe des Teiches war und wusste vor Furcht nicht, ob er davongehen oder stehen bleiben sollte. Aber die Nixe lie\u00df ihre sanfte Stimme h\u00f6ren, nannte ihn bei Namen und fragte, warum er so traurig w\u00e4re. Der M\u00fcller war anfangs verstummt; als er sie aber so freundlich sprechen h\u00f6rte, fasste er sich ein Herz und erz\u00e4hlte ihr, dass er sonst in Gl\u00fcck und Reichtum gelebt h\u00e4tte, aber jetzt so arm w\u00e4re, dass er sich nicht zu raten w\u00fcsste. &#8222;Sei ruhig&#8220;, antwortete die Nixe, &#8222;ich will dich reicher und gl\u00fccklicher machen, als du je gewesen bist; nur musst du mir versprechen, dass du mir geben willst, was eben in deinem Hause jung geworden ist.&#8220; &#8211; Was kann das anders sein, dachte der M\u00fcller, als ein junger Hund oder ein junges K\u00e4tzchen, und sagte ihr zu, was sie verlangte. Die Nixe stieg wieder in das Wasser hinab, und er eilte getr\u00f6stet und guten Mutes nach seiner M\u00fchle. Noch hatte er sie nicht erreicht, da trat die Magd aus der Haust\u00fcr und rief ihm zu er sollte sich freuen, seine Frau h\u00e4tte ihm einen kleinen Knaben geboren. Der M\u00fcller stand wie vom Blitz ger\u00fchrt; er sah wohl, dass die t\u00fcckische Nixe das gewusst und ihn betrogen hatte. Mit gesenktem Haupt trat er zu dem Bett seiner Frau, und als sie ihn fragte: &#8222;Warum freust du dich nicht \u00fcber den sch\u00f6nen Knaben?&#8220; so erz\u00e4hlte er ihr, was ihm begegnet war und was f\u00fcr ein Versprechen er der Nixe gegeben hatte. &#8222;Was hilft mir Gl\u00fcck und Reichtum&#8220;, f\u00fcgte er hinzu, &#8222;wenn ich mein Kind verlieren soll? Aber was kann ich tun?&#8220; Auch die Verwandten, die herbeigekommen waren, Gl\u00fcck zu w\u00fcnschen, wussten keinen Rat.<\/p>\n\n\n\n<p>Indessen kehrte das Gl\u00fcck in das Haus des M\u00fcllers wieder ein. Was er unternahm, gelang; es war, als ob Kisten und Kasten sich von selbst f\u00fcllten und das Geld im Schrank in der Nacht sich mehrte. Es dauerte nicht lange, so war sein Reichtum gr\u00f6\u00dfer als je zuvor. Aber er konnte sich nicht ungest\u00f6rt dar\u00fcber freuen: die Zusage, die er der Nixe getan hatte, qu\u00e4lte sein Herz. So oft er an dem Teich vorbeikam, f\u00fcrchtete er, sie m\u00f6chte auftauchen und ihn an seine Schuld mahnen. Den Knaben selbst lie\u00df er nicht in die N\u00e4he des Wassers. &#8222;H\u00fcte dich&#8220;, sagte er zu ihm, &#8222;wenn du das Wasser ber\u00fchrst, so kommt eine Hand heraus, hascht dich und zieht dich hinab!&#8220; Doch als Jahr auf Jahr verging, und die Nixe sich nicht wieder zeigte, so fing der M\u00fcller an, sich zu beruhigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Knabe wuchs zum J\u00fcngling heran und kam bei einem J\u00e4ger in die Lehre. Als er ausgelernt hatte und ein t\u00fcchtiger J\u00e4ger geworden war, nahm ihn der Herr des Dorfes in seine Dienste. In dem Dorf war ein sch\u00f6nes und treues M\u00e4dchen, das gefiel dem J\u00e4ger, und als sein Herr das bemerkte, schenkte er ihm ein kleines Haus. Die beiden hielten Hochzeit, lebten ruhig und gl\u00fccklich und liebten sich von Herzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Einstmals verfolgte der J\u00e4ger ein Reh. Als das Tier aus dem Wald in das freie Feld ausbog, setzte er ihm nach und streckte es endlich mit einem Schuss nieder. Er bemerkte nicht, dass er sich in der N\u00e4he des gef\u00e4hrlichen Weihers befand, und ging, nachdem er das Tier ausgeweidet hatte, zu dem Wasser, um seine blutbefleckten H\u00e4nde zu waschen. Kaum hatte er sie hineingetaucht, als die Nixe emporstieg, lachend mit ihren nassen Armen ihn umschlang und so schnell hinabzog, dass die Wellen \u00fcber ihnen zusammenschlugen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als es Abend war und der J\u00e4ger nicht nach Haus kam, so geriet seine Frau in Angst. Sie ging aus ihn zu suchen, und da er ihr oft erz\u00e4hlt hatte, dass er sich vor den Nachstellungen der Nixe in acht nehmen m\u00fcsste und sich nicht in die N\u00e4he des Weihers wagen d\u00fcrfte, so ahnte sie schon, was geschehen war. Sie eilte zu dem Wasser, und als sie am Ufer seine J\u00e4gertasche liegen fand, da konnte sie nicht l\u00e4nger an dem Ungl\u00fcck zweifeln. Wehklagend und h\u00e4nderingend rief sie ihren Liebsten mit Namen, aber vergeblich; sie eilte hin\u00fcber auf die andere Seite des Weihers und rief ihn auf neue; sie schalt die Nixe mit harten Worten, aber keine Antwort erfolgte. Der Spiegel des Wassers blieb ruhig, nur das Halbgesicht des Mondes blickte unbewegt zu ihr herauf.<\/p>\n\n\n\n<p>Die arme Frau verlie\u00df den Teich nicht. Mit schnellen Schritten, ohne Rast und Ruhe, umkreiste sie ihn immer von neuem, manchmal still, manchmal einen heftigen Schrei aussto\u00dfend, manchmal in leisem Wimmern. Endlich waren ihren Kr\u00e4fte zu Ende; sie sank zur Erde nieder und fiel in einen tiefen Schlaf. Bald \u00fcberkam sie ein Traum.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie stieg zwischen gro\u00dfen Felsbl\u00f6cken angstvoll aufw\u00e4rts; Dornen und Ranken hakten sich an ihren F\u00fc\u00dfen, der Regen schlug ihr ins Gesicht, und der Wind zauste ihr langes Haar. Als sie die Anh\u00f6he erreicht hatte, bot sich ein ganz anderer Anblick dar. Der Himmel war blau, die Luft mild, der Boden senkte sich sanft hinab, und auf einer gr\u00fcnen, buntbebl\u00fcmten Wiese stand eine reinliche H\u00fctte. Sie ging darauf zu und \u00f6ffnete die T\u00fcr, da sa\u00df eine Alte mit wei\u00dfen Haaren, die ihr freundlich winkte. In dem Augenblick erwachte die arme Frau. Der Tag war schon angebrochen, und sie entschloss sich gleich, dem Traum Folge zu leisten. Sie stieg m\u00fchsam den Berg hinauf, und es war alles so, wie sie es in der Nacht gesehen hatte. Die Alte empfing sie freundlich und zeigte ihr einen Stuhl, auf den sie sich setzen sollte. &#8222;Du musst ein Ungl\u00fcck erlebt haben&#8220;, sagte sie, &#8222;weil du meine einsame H\u00fctte aufsuchst.&#8220; Die Frau erz\u00e4hlte ihr unter Tr\u00e4nen, was ihr begegnet war. &#8222;Tr\u00f6ste dich&#8220;, sagte die Alte, &#8222;ich will dir helfen; da hast du einen goldenen Kamm. Harr, bis der Vollmond aufgestiegen ist, dann gehe zu dem Weiher, setze dich am Rand nieder und str\u00e4hle dein langes, schwarzes Haar mit diesem Kamm! Wenn du aber fertig bist, so lege ihn am Ufer nieder, und du wirst sehen, was geschieht!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frau kehrte zur\u00fcck, aber die Zeit bis zum Vollmond verstrich ihr langsam. Endlich erschien die leuchtende Scheibe am Himmel; da ging sie hinaus an den Weiher und k\u00e4mmte ihre langen, schwarzen Haare mit dem goldenen Kamm, und als sie fertig war, legte sie ihn an den Rand des Wassers nieder. Nicht lange, so brauste es aus der Tiefe, eine Welle erhob sich, rollte an das Ufer und f\u00fchrte den Kamm mit sich fort. Es dauerte nicht l\u00e4nger, als der Kamm n\u00f6tig hatte, auf den Grund zu sinken, so teilte sich der Wasserspiegel und der Kopf des J\u00e4gers stieg in die H\u00f6he. Er sprach nicht, schaute aber seine Frau mit traurigen Blicken an. In demselben Augenblick kam eine zweite Welle herangerauscht und bedeckte das Haupt des Mannes. Alles war verschwunden, der Weiher lag so ruhig wie zuvor, und nur das Gesicht des Vollmondes gl\u00e4nzte darauf.<\/p>\n\n\n\n<p>Trostlos kehrte die Frau zur\u00fcck, doch der Traum zeigte ihr die H\u00fctte der Alten. Abermals machte sie sich am n\u00e4chsten Morgen auf den Weg und klagte der weisen Frau ihr Leid. Die Alte gab ihr eine goldene Fl\u00f6te und sprach: &#8222;Harre, bis der Vollmond wieder kommt; dann nimm diese Fl\u00f6te, setze dich an das Ufer, blas ein sch\u00f6nes Lied darauf, und wenn du damit fertig bist, so lege sie auf den Sand; du wirst sehen, was geschieht!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frau tat, wie die Alte gesagt hatte. Kaum lag die Fl\u00f6te auf dem Sand, so brauste es aus der Tiefe; eine Welle, erhob sich, zog heran und f\u00fchrte die Fl\u00f6te mit sich fort. Bald darauf teilte sich das Wasser, und nicht blo\u00df der Kopf, auch der Mann bis zur H\u00e4lfte des Leibes stieg hervor. Er breitete voll Verlangen seine Arme nach ihr aus; aber eine zweite Welle rauschte heran, bedeckte ihn und zog ihn wieder hinab.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ach, was hilft es mir&#8220;, sagte die Ungl\u00fcckliche, &#8222;dass ich meinen Liebsten nur erblicke, um ihn wieder zu verlieren!&#8220; Der Gram erf\u00fcllte aufs neue ihr Herz, aber der Traum f\u00fchrte sie zum drittenmal in das Haus der Alten. Sie machte sich auf den Weg, und die weise Frau gab ihr ein goldenes Spinnrad, tr\u00f6stete sie und sprach: &#8222;Es ist noch nicht alles vollbracht, harre, bis der Vollmond kommt, dann nimm das Spinnrad, setze dich an das Ufer und spinn die Spule voll; und wenn du fertig bist, so stelle das Spinnrad nahe an das Wasser, und du wirst sehen, was geschieht!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frau befolgte alles genau. Sobald der Vollmond sich zeigte, trug sie das goldene Spinnrad an das Ufer und spann emsig, bis der Flachs zu Ende und die Spule mit dem Faden ganz angef\u00fcllt war. Kaum aber stand das Rad am Ufer, so brauste es noch heftiger als sonst in der Tiefe des Wassers, eine m\u00e4chtige Welle eilte herbei und trug das Rad mit sich fort. Alsbald stieg mit einem Wasserstrahl der Kopf und der ganze Leib des Mannes in die H\u00f6he. Schnell sprang er ans Ufer, fasste seine Frau an der Hand und entfloh. Aber kaum hatten sie sich eine kleine Strecke entfernt, so erhob sich mit entsetzlichem Brausen der ganze Weiher und str\u00f6mte mit rei\u00dfender Gewalt in das weite Feld hinein. Schon sahen die Fliehenden ihren Tod vor Augen; da rief die Frau in ihrer Angst die Hilfe der Alten an, und in dem Augenblick waren sie verwandelt, sie in eine Kr\u00f6te, er in einen Frosch. Die Flut, die sie erreicht hatte, konnte sie nicht t\u00f6ten, aber sie riss sie beide voneinander und f\u00fchrte sie weit weg.<\/p>\n\n\n\n<p>Als das Wasser sich verlaufen hatte und beide wieder den trockenen Boden ber\u00fchrten, so kam ihre menschliche Gestalt zur\u00fcck. Aber keines wusste, wo das andere geblieben war; sie befanden sich unter fremden Menschen, die ihre Heimat nicht kannten. Hohe Berge und tiefe T\u00e4ler lagen zwischen ihnen. Um sich das Leben zu erhalten, mussten beide die Schafe h\u00fcten. Sie trieben lange Jahre ihre Herden durch Feld und Wald und waren voll Trauer und Sehnsucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Als wieder einmal der Fr\u00fchling aus der Erde hervorgebrochen war, zogen beide an einem Tag mit ihren Herden aus, und der Zufall wollte, dass sie einander entgegenzogen. Er erblickte an einem fernen Bergesabhang eine Herde und trieb seine Schafe nach der Gegend hin. Sie kamen in einem Tal zusammen, aber sie erkannten sich nicht; doch freuten sie sich, dass sie nicht mehr so einsam waren. Von nun an trieben sie jeden Tag ihre Herde nebeneinander; sie sprachen nicht viel, aber sie f\u00fchlten sich getr\u00f6stet. Eines Abends, als der Vollmond am Himmel schien und die Schafe schon ruhten, holte der Sch\u00e4fer die Fl\u00f6te aus seiner Tasche und blies ein sch\u00f6nes, aber trauriges Lied. Als er fertig war, bemerkte er, dass die Sch\u00e4ferin bitterlich weinte. &#8222;Warum weinst du?&#8220; fragte er. &#8222;Ach&#8220;, antwortete sie, &#8222;so schien auch der Vollmond, als ich zum letzten Mal dieses Lied auf der Fl\u00f6te blies und das Haupt meines Liebsten aus dem Wasser hervorkam.&#8220; Er sah sie an, und es war ihm, als fiele eine Decke von den Augen, er erkannte seine liebste Frau; und als sie ihn anschaute und der Mond auf sein Gesicht schien, erkannte sie ihn auch. Sie umarmten und k\u00fcssten sich, und ob sie gl\u00fcckselig waren, braucht keiner zu fragen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Nixe im Teich Es war einmal ein M\u00fcller, der f\u00fchrte mit seiner Frau ein vergn\u00fcgtes Leben. 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