{"id":553,"date":"2015-10-20T13:55:09","date_gmt":"2015-10-20T11:55:09","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=553"},"modified":"2026-01-24T02:56:34","modified_gmt":"2026-01-24T01:56:34","slug":"der-feurige-ochse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-feurige-ochse\/","title":{"rendered":"Der feurige Ochse"},"content":{"rendered":"<p>M\u00e4rchen aus Ungarn<br \/>\n<!--more--><br \/>\nWo war&#8217;s, wo war&#8217;s nicht, es war auf der Welt ein alter Mann, der hatte drei S\u00f6hne. Der \u00e4lteste Sohn war Schmied, der mittelste Schneider und der j\u00fcngste Held. Da ihr Vater schon ein sehr alter und kranker Mann war, sagten ihm seine S\u00f6hne, er sollte das Verm\u00f6gen jetzt ordnen, Testament machen, wenn er was hinterlasse. Doch ihr Vater sprach zu ihnen: \u00bbJeder von euch hat ein gutes Handwerk, davon k\u00f6nnt ihr leben!\u00ab<br \/>\nDoch die S\u00f6hne auszuschie\u00dfendes es nicht dabei bewenden, sie gingen wiederum zu ihm hinein, ihn zum Aufsetzen des Testaments zu bewegen; da sprach der Alte zu ihnen:<\/p>\n<p>\u00bbNa gut! Wenn ihr so darauf besteht, wenn ihr so auf dem Erbteil besteht, so sage ich euch eins: wenn ihr den Wunsch erf\u00fcllt, den ich jetzt in mein Testament schreiben werde, dann soll alles euer sein!\u00ab<\/p>\n<p>Die S\u00f6hne wussten nicht, was dieser Wunsch war, denn ihr Vater hatte es ihnen nicht gesagt; doch sie kamen \u00fcberein, dass sie tun w\u00fcrden, was er auch w\u00fcnsche. Geschwind riefen sie Zeugen, ihr Vater schrieb seinen letzten Willen.<\/p>\n<p>Bald darauf starb er auch. Sie erbrachen den Brief, und siehe, darinnen stand, sie sollten ihm einen Eisensarg machen lassen, Eisenschrauben dazu, Eisenachse, Eisenr\u00e4der, Eisendeichsel; dann sollten sie vier St\u00fcck vierj\u00e4hrige Fohlen einspannen, sie mit der Peitsche t\u00fcchtig schlagen, und sie dann sich selbst \u00fcberlassen; wohin sie seinen Leib tragen werden, m\u00f6gen sie ihn nur tragen! Sie sollten zu Pferde steigen und sie im Auge behalten. Wo die vier Fohlen stehen bleiben, dort sollten sie ihn begraben, und jeden Abend sollte einer von ihnen dort wachen!<\/p>\n<p>Sie erf\u00fcllten alle seine W\u00fcnsche. Sie machten alles so, wie der Brief gesagt hatte. Sie spannten die vier Fohlen ein, schlugen t\u00fcchtig auf sie ein. Sie stiegen zu Pferde und ritten den Fohlen nach.<\/p>\n<p>Die vier Fohlen liefen, was sie nur konnten. Vor ihnen war ein gro\u00dfer Wald, da liefen sie hinein; doch wie das Holz dicht wurde, blieben die R\u00e4der stecken; die Pferde konnten sie nicht weiterziehen. Jetzt nahmen die drei Br\u00fcder ihres Vaters Gebeine vom Wagen, und dort, wo die vier Fohlen stecken geblieben waren, gruben sie ein Grab und bestatteten dort den Sarg.<\/p>\n<p>Als der Abend anbrach, blieb der \u00c4lteste drau\u00dfen zur Wacht. Wie er um das Grab herumlungert, herumirrt, so vor Mitternacht, kommt ein Feuerochse daher. Der Bursche \u00fcberlegte nicht erst, wozu kommt der her? er begann mit ihm zu ringen. Doch wahrlich, der Ochse war stark! Der Bursche konnte ihn kaum bezwingen! Als er ihn get\u00f6tet hatte, schnitt er ein St\u00fcck von seinem Schenkel ab, das briet er, als seine Br\u00fcder in der Fr\u00fche hinkamen, und den Ochsen vergrub er. Fragten seine Br\u00fcder:<\/p>\n<p>\u00bbWoher hast du dieses Fleisch? Das ist aber mal gut!\u00ab Der Bursche erz\u00e4hlte, er h\u00e4tte einen Hasen im Walde gefangen und den gebraten.<\/p>\n<p>Anderntags blieb der mittelste Bursche dort zur Wacht. Vor Mitternacht kam auch diesmal der feurige Ochse. Er begann, des Vaters Grab aufzuscharren; sicherlich wollte er den Sarg herausholen; er hatte schon eine ordentliche Grube gegraben. Der Bursche wollte fortlaufen; doch er fasste wieder Mut, begann mit dem feurigen Ochsen zu k\u00e4mpfen. Lang dauerte es, bis er ihn niederstrecken konnte. Von dem Schenkel schnitt er ein St\u00fcck ab, das andere vergrub er. Dann z\u00fcndete er ein Feuer an, briet das Fleisch, traktierte damit seine Br\u00fcder; doch auch er sagte nur, er h\u00e4tte einen Hasen gefangen, und das Fleisch w\u00e4re davon.<\/p>\n<p>Am dritten Abend bewachte der j\u00fcngste Bruder, der Held, das Grab. Vor Mitternacht kam auch zu ihm der feurige Ochse und ging schnurstracks auf das Grab zu. Schon hatte er den Sarg heraus gew\u00fchlt, als der Bursche den Kampf mit ihm aufnahm. Sehr lange musste er ringen, bis er den feurigen Ochsen bezwingen konnte. Auch er schnitt ein St\u00fcck von dem Schenkel ab, das \u00fcbrige vergrub er.<\/p>\n<p>Wie er das Schenkelst\u00fcck braten will, da merkt er, dass kein Feuer da ist. Woher sollte er jetzt wohl Feuer nehmen? Er erklomm einen hohen Baum, schaute von dort umher: ist nirgends in der N\u00e4he ein bisschen Feuer? Und siehe da! nicht weit davon war welches. Dahin richtete er seine Schritte.<\/p>\n<p>Wie er wandert, trifft er im Wald die Mitternacht. Er entschloss sich, band sie an einen gro\u00dfen Baum; denn er f\u00fcrchtete, dass es schneller Mitternacht werden als er sich Feuer verschaffen w\u00fcrde. Dann zog er weiter. Abermals traf er die Morgend\u00e4mmerung, fackelte nicht erst lange mit ihr, band die auch.<\/p>\n<p>Wie er geht, sieht er, dass zw\u00f6lf R\u00e4uber um das Feuer sitzen. Er wagte nicht, heranzutreten und versteckte sich in einem Busch. Er war ein sehr guter Sch\u00fctze, er war ja nicht umsonst ein Held. Er nahm einen Pfeil, schoss dem einen R\u00e4uber den Becher aus der Hand und dem andern den Speck vom Spie\u00df, doch traf der Pfeil nicht einen der R\u00e4uber. Die R\u00e4uber guckten nur, doch sie wussten nicht, woher der Schuss gekommen war.<\/p>\n<p>Jetzt trat der Held n\u00e4her. Als ihn die R\u00e4uber erblickten, sagten sie gleich zu ihm:<\/p>\n<p>\u00bbDu bist\u2019 s, der geschossen hat, Held? Du bist ein guter Sch\u00fctze; du solltest unser Kamerad werden!\u00ab<\/p>\n<p>Antwortete drauf der Bursche: \u00bbAch, meine Freunde! Nicht darum bin ich gekommen, sondern darum, dass ihr mir Feuer gebt, denn ich muss meinen Br\u00fcdern Fr\u00fchst\u00fcck machen.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbWir werden dir Feuer geben, aber erst hilf uns!\u00ab sagten die R\u00e4uber. \u00bbNicht weit von hier lebt ein Graf, den wollen wir berauben. Wir wollten es schon \u00f6fter; aber dort auf der Mauer sitzt ein kleiner, schwarzer Hund; seinetwegen ging es nicht, der muss niedergeschossen werden. Du bist ein geschickter Sch\u00fctze; du wirst ihn schon niederschie\u00dfen!\u00ab<\/p>\n<p>Der Held willigte ein. Sie gingen vor des Grafen Palast; der Held schoss den schwarzen Hund so herunter, dass er nicht einmal kl\u00e4ffte. Oben an der T\u00fcr war eine bunte Glasscheibe und in der ein Loch. Sagte der R\u00e4uberhauptmann:<\/p>\n<p>\u00bbSteig nur hinein, Held! Schau dich um, und wenn du alles angesehen hast, komm zur\u00fcck, und dann gehen wir hinein!\u00ab<\/p>\n<p>Der Held ging hinein. Im ersten Zimmer schlief der Graf. Auf dem Tisch war Wein und eine goldene Uhr. Vom Wein trank er einen Becher, die Uhr steckte er in seine Tasche. Im andern Zimmer schlief die Gr\u00e4fin. Dort a\u00df er Backwerk und nahm das Brauttuch der Frau fort. Im dritten schlief des Grafen Tochter. Ach, war das ein sch\u00f6nes M\u00e4dchen! Der Held gewann sie sehr lieb, und er k\u00fcsste sie geschwind und zog ihr einen Ring vom Finger. Dann ging er zu der \u00d6ffnung zur\u00fcck und winkte den R\u00e4ubern.<\/p>\n<p>Diese krochen einer nach dem andern hinein; doch wenn ihr Kopf drinnen war, dann schnitt ihn der Held einem jeden ab, so dass kein einziger von den R\u00e4ubern am Leben blieb. Ihre Leichen legte er in einem Haufen zusammen, dann ging er von dannen.<\/p>\n<p>Im Walde nahm er sich von dem Feuer, befreite Morgend\u00e4mmerung und Mitternacht, dann briet er das Ochsenfleisch.<\/p>\n<p>Anderntags staunte der Graf sehr: wer mag jener k\u00fchne Mann gewesen sein, der die R\u00e4uber alle get\u00f6tet hat?! Er auszuschie\u00dfender bekannt geben, dass er dem seine Tochter zur Gemahlin g\u00e4be, der sie get\u00f6tet h\u00e4tte! Doch wie sich niemand meldete, da nahm der Hofmeister die Gelegenheit wahr und sagte, er w\u00e4re derjenige, der die R\u00e4uber get\u00f6tet h\u00e4tte. Dieser Mensch war h\u00e4sslich, pockennarbig; doch weil er ein so k\u00fchner Mann war, sprach der Graf:<\/p>\n<p>\u00bbNun wohl, so gebe ich dir meine Tochter!\u00ab<\/p>\n<p>Die Grafentochter indessen weinte und h\u00e4rmte sich; sie wagte nicht, ihrem Vater \u00bbnein\u00ab zu sagen. Sie hatte es gesp\u00fcrt, dass jemand sie im Schlaf gek\u00fcsst hatte; aber wie niemand ihretwegen gekommen war, konnte sie nichts sagen. Ihr Vater verschob die Hochzeit auf ein Jahr. Doch als das Jahr um war, wurde der Hofmeister mit dem M\u00e4dchen getraut und die Hochzeit gehalten.<\/p>\n<p>Das vernahm jedoch der Held; da ging er auch zur Hochzeit. Die W\u00e4chter auszuschie\u00dfendes ihn ein, denn er war ein Held. Es war gerade w\u00e4hrend des Abendessens, als jeder eine Geschichte erz\u00e4hlen musste. Als die Reihe an ihn kam, sprach er:<\/p>\n<p>\u00bbTraun, die R\u00e4uber hat nicht der Hofmeister get\u00f6tet, sondern ich!\u00ab Mit den Worten zog er aus seiner Tasche die goldene Uhr, das Brauttuch und des M\u00e4dchens Ring hervor. Alle erkannten das ihre wieder. Das sch\u00f6ne Grafenfr\u00e4ulein fiel dem Helden voller Freude um den Hals.<\/p>\n<p>Der Graf auszuschie\u00dfender den Hofmeister t\u00f6ten und nahm ihm die Krone vom Haupt und setzte sie dem Helden auf. Seine Tochter gab er ihm zur Gemahlin; sie hielten eine gro\u00dfe Hochzeit und wurden so gl\u00fccklich, dass sie auch jetzt noch leben, wenn sie nicht gestorben sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00e4rchen aus Ungarn<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[85,149,133],"tags":[],"class_list":["post-553","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-maerchen","category-ungarn","category-maerchen-weltweit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/553","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=553"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/553\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":554,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/553\/revisions\/554"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=553"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=553"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=553"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}