{"id":5524,"date":"2026-02-04T02:44:35","date_gmt":"2026-02-04T01:44:35","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5524"},"modified":"2026-02-04T02:45:16","modified_gmt":"2026-02-04T01:45:16","slug":"die-nelke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-nelke\/","title":{"rendered":"Die Nelke"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><a><strong>Die Nelke<\/strong><\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Ein K\u00f6nig hatte sich lange besonnen, wem er wohl heiraten sollte. Er wollte ein M\u00e4dchen haben, die ein gutes Herz h\u00e4tte, sanft und fromm, bescheiden, still und sittsam w\u00e4re und aus dem Mittelstande herstammte, denn da, meinte er, bek\u00e4me er gewiss etwas Gutes. Es war aber nicht leicht, ein solches gutes Kind zu finden und darum musste er sich so lange besinnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuweilen glaubte er gefunden zu haben, was er suchte, aber wenn er recht zusah, war es nicht wahr.<\/p>\n\n\n\n<p>So sann er denn auch einmal, indem er eben am Fenster stand, da die Leute zur Kirche gingen. Da sah er ein wohlgekleidetes M\u00e4dchen mit in die Kirche gehen, das sah so wunderlieblich aus und so sittig, und es war ihm, als st\u00e4nde es auf ihrem Gesicht geschrieben, dass sie herzensgut sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Weil er ein K\u00f6nig war, so hatte er es bald heraus, wer sie sei, nach Stand und Gem\u00fct, und es war Alles so, wie er w\u00fcnschte. Da bat er sie, ihn zu heiraten, und weil er ein grundguter Herr war, so tat sie es, und sie waren beide recht gl\u00fccklich, dass sie einander hatten; als aber der liebe Gott der K\u00f6nigin ein Prinzchen bescherte, da waren sie noch viel, viel gl\u00fccklicher.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun aber wusste der K\u00f6nig wieder nicht, wen er zum Paten des Kindes nehmen sollte, denn in Dingen solcherlei Art hatte er seine eigenen Gedanken und war gar nicht voreilig. Als er dar\u00fcber nun nicht mit sich einig werden konnte, so dachte er: \u00bbIch will ein Bisschen unbekannt und verkleidet ausgehen und der Erste, der mir auf der Stra\u00dfe begegnet, soll mein Gevattermann und des kleinen Jungen sein Pate sein.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da begegnete ihm ein Mann, schlicht gekleidet, mit ernstem Angesicht, den eben Niemand zu kennen schien. Dem ging er von weitem nach, sah, wo er wohnte, und als er sich nach ihm erkundigte, wusste Keiner eben Etwas von ihm, als dass er sich mit der Welt nicht viel abgehe, sondern lebe so vor sich hin, tue aber Niemand etwas zu Leide, Vielen Gutes, jedoch im Stillen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDas ist mein Mann!\u00ab sagte der K\u00f6nig, ging hin und bat ihn zu Gevattern.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Mann kam, bat aber, dass er das Kind allein zur Kirche tragen d\u00fcrfe, die verschlossen werden m\u00fcsse. Das wurde ihm denn versprochen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es hatte aber ein neugieriger G\u00e4rtner, dem der Wunsch des Mannes seltsam vorkam, sich vorher in die Kirche geschlichen und versteckt. Der sahe, wie der Mann das Kind auf seinen Armen zum Altar trug, machte Zeichen \u00fcber dasselbe, sprach Worte \u00fcber das Kind, und verlieh ihm die Gabe, dass Alles, was es w\u00fcnschen w\u00fcrde, ihm gew\u00e4hrt sein solle.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDas soll dir ein Vorteil sein,\u00ab sagte der G\u00e4rtner und sann sich B\u00f6ses aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Als die K\u00f6nigin einmal mit dem Kinde auf dem Arme im Schlossgarten spazieren ging \u2013 denn das Kind lie\u00df sie niemals von sich \u2013 brach pl\u00f6tzlich aus dem Geb\u00fcsch ein B\u00e4r auf sie ein, der hatte zwei H\u00f6rner am Kopfe, Greiff\u00fc\u00dfe und gr\u00e4uliche Krallen, womit er der K\u00f6nigin, die in Ohnmacht fiel, das Kind entriss und dabei brummte: \u00bbIch will es fressen.\u00ab \u2013 Die W\u00e4rterin aber war gleich davon gelaufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Eltern waren trostlos, der B\u00e4r aber fra\u00df das Kind nicht, denn es war der G\u00e4rtner, der sich vermummt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Der G\u00e4rtner trug das Kind weit, weit weg in einen Wald, wo weit und lang keine Menschen wohnten, als ein F\u00f6rster, der sein alter Schulkamerad war. Dem offenbarte er Alles und stellte ihm vor, was sie einmal f\u00fcr Gewinn von der Gabe des Prinzen haben wollten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der F\u00f6rster hatte eine Tochter, die war von gleichem Alter mit dem Prinzen und wuchs mit ihm auf. Sie hie\u00df Marie.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kinder wuchsen auf und spielten und lernten mit einander und lie\u00dfen nicht von einander. Der Prinz wurde ein J\u00e4gersmann und war brav und ehrlich, und Marie besorgte den Haushalt, und war sanft und fromm, aber auch klug und schlau. Weil der G\u00e4rtner oft kam, wenn der Prinz im Walde war und heimlich viel mit ihrem Vater zu sprechen hatte, passte sie auf und brachte Alles heraus, und sagte es dem Prinzen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbGut,\u00ab sagte der Prinz; \u00bbaber von dir lass ich nun und nimmermehr, obschon ich ein Prinz nun bin, denn wir sind beisammen aufgewachsen und mit einander zusammengewachsen, wie die beiden Linden im Walde, die du ja kennst.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Als nun bald darauf der G\u00e4rtner einmal wieder kam und von dem Prinzen, der immer darauf gelauert hatte, erblickt wurde, verw\u00fcnschte der ihn zu einem Pudel, seine Marie aber w\u00fcnschte er zu einer Nelke.<\/p>\n\n\n\n<p>Er ging sogleich an seines Vaters Hof, lie\u00df den verwandelten G\u00e4rtner als Pudel neben sich herlaufen, aber seine Marie steckte er als Nelkenstrau\u00df vor seine Brust.<\/p>\n\n\n\n<p>Er ward J\u00e4ger am Hofe seines Vaters, der den ernsten, stillen Burschen bald recht lieb gewann und mit ihm, ach wie oft, ganz allein auf die Jagd ritt. Wenn Niemand ein Wild erlegt hatte, so brachte er immer von allerlei Art. Das war aber keine Kunst, weil er ja nur zu w\u00fcnschen brauchte. Er verlangte auch keinen Lohn f\u00fcr seinen Dienst und auch kein Essen, ob es ihm gleich der K\u00f6nig schon tausendmal angeboten hatte. \u00bbNein, gn\u00e4diger K\u00f6nig,\u00ab sagte er dann immer, \u00bbich will Euch nur aus Liebe dienen.\u00ab \u2013 Eine eigene Kammer hatte er gefordert, die er verschlie\u00dfen konnte, und hatte sie bekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Seine Kameraden fanden das Alles wunderlich und wurden auch wohl ein wenig neidisch und sp\u00e4hten und Einer sah einmal durchs Schl\u00fcsselloch. Schau! da sa\u00df der J\u00e4ger vor einem Tisch, der mit den herrlichsten Speisen und auch mit&nbsp;Wein&nbsp;besetzt war, und ein h\u00fcbsches M\u00e4dchen sa\u00df ihm gegen\u00fcber, und beide a\u00dfen und sprachen mit einander vergn\u00fcgt und vertraulich. Das Essen hatte sich der J\u00e4ger nur zu w\u00fcnschen n\u00f6tig gehabt, und seine Marie durfte ja keine Nelke bleiben, wenn er daheim war, sondern bekam ihre nat\u00fcrliche Gestalt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die J\u00e4ger brachen auf seine Stube ein, als er einmal nicht zu Hause war, und meinten, sie m\u00fcssten gro\u00dfe Reicht\u00fcmer finden, aber sie fanden nichts als eine wundersch\u00f6ne Nelke, in einem Glase mit Wasser. Des wunderten sie sich sehr, die Nelke aber trugen sie ihrer Wundersch\u00f6nheit wegen zu dem K\u00f6nig. Dem gefiel sie ganz unaussprechlich, und er beschloss sie dem J\u00e4ger f\u00fcr gro\u00dfes Geld abzukaufen. Aber als die Nelke im Zimmer des K\u00f6nigs war, trauerte sie und lie\u00df die Bl\u00e4tter h\u00e4ngen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der J\u00e4ger kam aus dem Walde, der K\u00f6nig bot ihm gro\u00dfes Geld f\u00fcr die Nelke, der J\u00e4ger aber sprach: \u00bbNein, edler Herr, die Nelke taugt nicht in Euren H\u00e4nden \u2013 seht, wie sie die sch\u00f6nen Bl\u00e4tter h\u00e4ngen l\u00e4sst. O nein! liebe Nelke,\u00ab sagte er, indem er sie nahm, \u00bbdich lasse ich ja nun und nimmermehr!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da fing die Nelke an, sich wieder frisch aufzurichten und einen wunderlichen Geruch umher zu verbreiten.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWas sind das f\u00fcr wunderliche Dinge, mein Sohn?\u00ab fragte der K\u00f6nig.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja! sprach der J\u00e4ger, Euer Sohn bin ich wirklich, und damit entdeckte er dem Vater Alles. Der Pudel musste gestehen, denn der Prinz verwandelte ihn wieder in den G\u00e4rtner, und als er gestanden hatte, wieder in einen Pudel. Die Eltern waren \u00fcberfroh; die treue Marie musste den Prinzen gleich heiraten, und der Pudel musste Pudel bleiben und unter dem Tische der Stallknechte sein Brot und seinen Knochen suchen. \u2013 Alles, Alles im Schlosse, in der Stadt und im Lande war froh, aber der Pudel war es nicht.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein K\u00f6nig hatte sich lange besonnen, wem er wohl heiraten sollte. Er wollte ein M\u00e4dchen haben, die ein gutes Herz h\u00e4tte, sanft und fromm, bescheiden, still und sittsam w\u00e4re und aus dem Mittelstande herstammte, denn da, meinte er, bek\u00e4me er gewiss etwas Gutes. 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