{"id":5518,"date":"2026-02-04T02:36:19","date_gmt":"2026-02-04T01:36:19","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5518"},"modified":"2026-02-04T02:36:19","modified_gmt":"2026-02-04T01:36:19","slug":"der-schneider-und-der-schatz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-schneider-und-der-schatz\/","title":{"rendered":"Der Schneider und der Schatz"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Der Schneider und der Schatz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Frauenm\u00e4rchen<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Ein Schneider, der gern in Samt und Seide prangte, den Jungfrauen sch\u00f6ntat und am liebsten dort war, wo es recht toll und lustig herging, war einmal zu einem Taufschmaus \u00fcber Land gegangen. Als er sich nun um Mitternacht auf den &#8218;Heimweg machte, da<\/p>\n\n\n\n<p>merkte er, dass er diesmal zu tief ins Glas geguckt hatte, und geriet alsbald weit von der Stra\u00dfe ab. Nicht lange, so sah er rechts und links nur Baum an Baum, hinter sich nichts als Dornen und Moorland und vor sich eine senkrechte Felswand mit einer Spalte, gerade breit genug, einen Menschen durchzulassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Halt! dachte der Schneider. Hier kommst du ohne ein Abenteuer nicht weg. Also frisch drauflos!<\/p>\n\n\n\n<p>Und weil ihm der Taufwein einen \u00fcbersch\u00fcssigen Mut gegeben hatte, so trat er beherzt in die H\u00f6hle, tappte darin herum und suchte eine Stelle, wo er sein Haupt hinlegen und die Nacht verbringen konnte. Aber kaum war er ordentlich drinnen, so huschte zu seinen F\u00fc\u00dfen ein Hund auf, und der Schneider fiel, so lang er war; gegen eine eiserne T\u00fcr, die pl\u00f6tzlich aufsprang.<\/p>\n\n\n\n<p>Hui! War das aber eine Pracht! Was der Schneider jetzt vor sich sah, hatte ihn auf einmal n\u00fcchtern gemacht; er stand und guckte mit offenem Mund in ein hellerleuchtetes Gemach. Keine Kerze, keine Lampe, nein, Gold und Silber und unz\u00e4hlige eingelegte Edelsteine verwandelten die Finsternis in sonnenhellen Tag. An den W\u00e4nden standen kostbare Schreine mit Prunkgeschirr, und mitten im Saal eine offene Kiste voll funkelnder Goldm\u00fcnzen. \u00bbWarum nicht gar?\u00ab &nbsp;sagte der Schneider, als er den Kram erblickte. Aber es dauerte nicht lange, so trat aus einer Seitent\u00fcr eine wunderliebliche Jungfrau in den Saal; die hie\u00df ihn mit freundlicher Stimme willkommen. Da erst gewann der Schneider seine Besinnung wieder und ging ohne Umst\u00e4nde auf die Jungfrau zu, um ihren Gru\u00df mit einem Kuss zu erwidern. Doch die Jungfrau blickte ihn so .streng an, dass er wie angenagelt stehenblieb, und sagte: \u00bbIch habe dich schon lange erwartet, denn f\u00fcr dich hab&#8216; ich alle Sch\u00e4tze, die du hier siehst, aufgespeichert. Aber du bekommst sie nur unter der Bedingung, dass &nbsp;du mich dreimal k\u00fcsst, ohne zu wanken.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbEi, wer wollte das nicht!\u00ab rief der Schneider und spitzte den Mund. Im gleichen Augenblick aber war die Jungfrau in ein abscheuliches Krokodil verwandelt, und w\u00e4re der Schneider nicht schon im Anlauf gewesen, so h\u00e4tt&#8216; er den Kuss wohl bleiben lassen. So aber gab er ihn fast wider Willen und sch\u00fcttelte sich hernach am ganzen Leib.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Nu stand wieder die Jungfrau da und sah ihn mit so freundlichen Blicken an, dass er zum zweiten Mal zum K\u00fcssen ausholte. Da verwandelte sich die Jungfrau vor seinen Lippen in eine garstige dicke Kr\u00f6te. Es sch\u00fcttelte den Schneider wieder, aber er dr\u00fcckte gleichwohl beherzt den Kuss auf das Kr\u00f6tenmaul. Und jetzt stand wieder die Jungfrau da und l\u00e4chelte ihm noch viel lieblicher zu als das erste Mal, so dass er sich noch mutiger zum dritten Kuss anschickte.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber O weh! Diesmal zitterte und bebte der Schneider bis ins Mark hinein, denn vor ihm stand langbehaart und meckernd ein kohlschwarzer Ziegenbock und glotzte ihm entgegen. Voller Angst und Grausen entfloh er mit gro\u00dfen Spr\u00fcngen aus dem Saal und aus der H\u00f6hle. Eine Windsbraut fuhr hinter ihm drein, und es toste und krachte dabei, dass ihm H\u00f6ren und Sehen verging und er todm\u00fcde vor dem Felsen niederfiel.<\/p>\n\n\n\n<p>Als er sich wieder aufraffte, konnte er die \u00d6ffnung in der Felswand nirgends mehr finden. Er schlich also traurig davon und konnte sein Lebtag nimmer von Ziegenb\u00f6cken reden h\u00f6ren, ohne in Zorn zu geraten.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Schneider und der Schatz Frauenm\u00e4rchen Ein Schneider, der gern in Samt und Seide prangte, den Jungfrauen sch\u00f6ntat und am liebsten dort war, wo es recht toll und lustig herging, war einmal zu einem Taufschmaus \u00fcber Land gegangen. 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