{"id":5514,"date":"2026-02-04T02:30:33","date_gmt":"2026-02-04T01:30:33","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5514"},"modified":"2026-02-04T02:30:33","modified_gmt":"2026-02-04T01:30:33","slug":"der-schneider-im-himmel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-schneider-im-himmel\/","title":{"rendered":"Der Schneider im Himmel"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Der Schneider im Himmel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es trug sich zu, dass der liebe Gott sich an einem sch\u00f6nen Tag in dem himmlischen Garten ergehen wollte und alle Apostel und Heiligen mitnahm, also dass niemand mehr im Himmel blieb als der heilige Petrus. Der Herr hatte ihm befohlen, w\u00e4hrend seiner Abwesenheit niemand einzulassen, Petrus stand also an der Pforte und hielt Wache. Nicht lange, so klopfte jemand an. Petrus fragte, wer da w\u00e4re, und was er wolle. &#8222;Ich bin ein armer, ehrlicher Schneider&#8220;, antwortete eine feine Stimme, &#8222;der um Einlass bittet.&#8220; &#8211; &#8222;Ja, ehrlich&#8220;, sagte Petrus, &#8222;wie der Dieb am Galgen! Du hast lange Finger gemacht und den Leuten das Tuch abgezwickt. Du kommst nicht in den Himmel; der Herr hat mir verboten, solange er drau\u00dfen w\u00e4re, irgend jemand einzulassen.&#8220; &#8211; &#8222;Seid doch barmherzig!&#8220; rief der Schneider: &#8222;Kleine Flicklappen, die von selbst vom Tisch herab- fallen, sind nicht gestohlen und nicht der Rede wert. Seht, ich hinke und habe daher von dem Weg Blasen an den F\u00fc\u00dfen, ich kann unm\u00f6glich wieder umkehren. Lasst mich nur hinein, ich will alle schlechte Arbeit tun. Ich will die Kinder tragen, die Windeln waschen, die B\u00e4nke, darauf sie gespielt haben, s\u00e4ubern und abwischen und ihre zerrissenen Kleider flicken.&#8220; Der heilige Petrus lie\u00df sich aus Mitleiden bewegen und \u00f6ffnete dem lahmen Schneider die Himmelspforte so weit, dass er mit seinem d\u00fcrren Leib hineinschl\u00fcpfen konnte. Er musste sich in einen Winkel hinter die T\u00fcr setzen und sollte sich da still und ruhig verhalten, damit ihn der Herr, wenn er zur\u00fcckk\u00e4me&#8216; nicht bemerke und zornig w\u00fcrde. Der Schneider gehorchte; als aber der heilige Petrus einmal zur T\u00fcr hinaustrat, stand er auf, ging voll Neugierde in allen Winkeln des Himmels herum und besah sich die Gelegenheit. Endlich kam er zu einem Platze, da standen viele sch\u00f6ne und k\u00f6stliche St\u00fchle und in der Mitte ein ganz goldener Sessel, der mit gl\u00e4nzenden Edelsteinen besetzt war; er war auch viel h\u00f6her als die \u00fcbrigen St\u00fchle, und ein goldener Fu\u00dfschemel stand davor. Es war aber der Sessel, auf dem der Herr sa\u00df, wenn er daheim war, und von dem er alles sehen konnte, was auf Erden geschah.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Schneider stand still und sah den Sessel eine gute Weile an, denn er gefiel ihm besser als alles andere. Endlich konnte er den Vorwitz nicht bez\u00e4hmen, stieg hinauf und setzte sich in den Sessel. Da sah er alles, was auf Erden geschah, und bemerkte eine alte, h\u00e4ssliche Frau, die an einem Bache stand und wusch und zwei Schleier heimlich beiseite tat. Der Schneider erz\u00fcrnte sich bei diesem An blick so sehr, dass er den goldenen Fu\u00dfschemel ergriff und durch den Himmel auf die Erde hinab nach der alten Diebin warf. Da er aber den Schemel nicht wieder heraufholen konnte, so schlich er sich sachte aus dem Sessel weg, setzte sich an seinen Platz hinter die T\u00fcr und tat, als ob er kein Wasser getr\u00fcbt h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der Herr und Meister mit dem himmlischen Gefolge wieder zur\u00fcckkam, ward er zwar den Schneider hinter der T\u00fcre nicht gewahr, als er sich aber auf seinen Sessel setzte, mangelte der Schemel. Er fragte den heiligen Petrus, wo der Schemel hingekommen w\u00e4re; der wusste es aber nicht. Da fragte er weiter, ob er jemand hereingelassen h\u00e4tte. &#8222;Ich wei\u00df niemand&#8220;, antwortete Petrus, &#8222;der da gewesen w\u00e4re, als ein lahmer Schneider, der noch hinter der T\u00fcr sitzt.&#8220; Da lie\u00df der Herr den Schneider vor sich treten und fragte ihn, ob er den Schemel weggenommen und wo er ihn hingetan h\u00e4tte. &#8222;0 Herr&#8220;, antwortete der Schneider freudig, &#8222;ich habe ihn im Zorn hinab auf die Erde nach einem alten Weibe geworfen, das ich bei der W\u00e4sche zwei Schleier stehlen sah.&#8220; &#8211; &#8222;0 du Schalk!&#8220; sprach der Herr, &#8222;wollt&#8216; ich richten, wie du richtest, wie meinst du, dass es dir schon l\u00e4ngst ergangen w\u00e4re? Ich h\u00e4tte schon lange keine St\u00fchle, B\u00e4nke, Sessel, ja keine Ofengabel mehr hier gehabt, sondern alles nach den S\u00fcndern hinab geworfen. Fortan kannst du nicht mehr im Himmel bleiben, sondern musst wieder hinaus vor das Tor; da sieh&#8216; zu, wo du hinkommst. Hier soll niemand strafen denn ich allein, der Herr.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Petrus musste den Schneider wieder hinaus vor den Himmel bringen, und weil er zerrissene Schuhe und F\u00fc\u00dfe voll Blasen hatte, nahm er einen Stock in die Hand und zog nach Warteinweil, wo die frommen Soldaten sitzen und sich lustig machen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Schneider im Himmel Es trug sich zu, dass der liebe Gott sich an einem sch\u00f6nen Tag in dem himmlischen Garten ergehen wollte und alle Apostel und Heiligen mitnahm, also dass niemand mehr im Himmel blieb als der heilige Petrus. 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