{"id":5510,"date":"2026-02-04T02:24:21","date_gmt":"2026-02-04T01:24:21","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5510"},"modified":"2026-02-04T02:24:21","modified_gmt":"2026-02-04T01:24:21","slug":"das-schneiderlein-und-die-drei-hunde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/das-schneiderlein-und-die-drei-hunde\/","title":{"rendered":"Das Schneiderlein und die drei Hunde"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Das Schneiderlein und die drei Hunde<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">M\u00e4rchen aus Hessen<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Ein armes Schneiderlein hatte zu Hause nichts zu verlieren und ging auf Reisen. Es war schon lange marschiert, da kam es eines Tages in einen gro\u00dfen, dunklen Tannenwald, und es pfiff und sang und war von Herzen vergn\u00fcgt.<\/p>\n\n\n\n<p>Als es eine kurze Strecke im Walde gegangen war, kam ein gro\u00dfer Hund dahergelaufen, der bot dem Schneider die Zeit und fragte, ob er ihn mitnehmen wolle.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbIch will dich schon mitnehmen, wenn du hinter mir herlaufen und mir untert\u00e4nig sein willst.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDas will ich\u00ab, sprach der Hund und lief hinter ihm drein. Als das &#8218;Schneiderlein ein St\u00fcck Wegs weitergegangen war, kam ein zweiter Hund gelaufen, bot ihm die Zeit und fragte, ob es ihn mitnehmen wolle.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbEigentlich habe ich mit einem Hunde schon zuviel\u00ab, sprach das Ritterlein von der Elle, \u00bbwenn du mir aber untert\u00e4nig und gehorsam sein willst, so magst du hinter mir herlaufen, dem anderen zur Gesellschaft.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDas will ich\u00ab, sagte der Hund.<\/p>\n\n\n\n<p>So ging&#8217;s weiter, und als die drei Reisenden wieder ein St\u00fcck Wegs hinter sich hatten, kam ein dritter Hund, der fragte auch, ob das Schneiderlein ihn mitnehmen wolle. Da stutzte es aber, denn es wusste schon nicht, woher er das Futter f\u00fcr die zwei anderen Hunde nehmen sollte. Doch dachte es zuletzt: Aller guten Dinge sind drei, und sagte zu dem Hunde: &#8222;Wenn du mir treu und untert\u00e4nig sein willst, magst du in Gottes Namen hinter mir herlaufen, wie die beiden anderen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Gegen Abend kamen sie aus dem Walde und sahen ein Dorf vor sich, und das erste Haus war ein Wirtshaus. Sprach das Schneiderlein: \u00bbHunger haben wir alle vier, aber wie ein Sechskreuzerst\u00fcck aussieht, habe ich seit langem vergessen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbNichts weiter als das ?\u00ab sagte der erste Hund.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbGeh du nur hinein und bestelle f\u00fcr vier Mann Essen und Trinken und k\u00fcmmere dich nicht um das Bezahlen, daf\u00fcr lass uns sorgen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Dem Schneiderlein wuchs der Mut, als er das h\u00f6rte. Er schwang seine Elle dreimal \u00fcber dem Kopf, ging in das Wirtshaus, schlug mit der Faust auf den Tisch und bestellte vier Gedecke und Essen, soviel das Haus verm\u00f6chte, Gesottenes und Gebratenes nebst Wein und Bier. Dann warf er sein Felleisen und seinen Hut auf die Bank, die Elle in die Ecke und sich selbst in einen bequemen Lehnstuhl.<\/p>\n\n\n\n<p>Als nun das Essen aufgetragen war, ging die T\u00fcr auf, und die drei Hunde st\u00fcrzten herein, sprangen jeder auf einen Stuhl und fingen an zu essen und zu trinken wie die Menschen, so dass die Wirtin \u00fcber solchen Verstand die H\u00e4nde \u00fcber dem Kopfe zusammenschlug.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Essen sprach der eine Hund: \u00bbNimm den Weg zwischen die Beine, lass aber alles hier liegen, es kommt dir nichts fort!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da ging das Schneiderlein mir nichts, dir nichts weg, und die Wirtin lie\u00df ihn gehen, weil er sein Felleisen, seinen Hut und seine Elle zur\u00fccklie\u00df. Er wird gleich wiederkommen, dachte sie, und will sich nur im Orte umsehen. Sobald die Wirtin aber den R\u00fccken gewandt hatte, packte jeder der drei Hunde eines der drei St\u00fccke, dann sprangen alle zur T\u00fcre hinaus und brachten alles wieder zu ihrem Herrn. Da hatte denn die Wirtin das Nachsehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Guten Mutes zog das Schneiderlein weiter. Einer der Hunde lief voraus und zeigte den Weg. Bald kamen sie wieder in den Wald, und nachdem sie darin schon so manchen Schritt und Tritt getan hatten, fanden sie auf einem freien Waldplatz ein gro\u00dfes Schloss. Da blieb der erste Hund stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbHast du Mut?\u00ab fragte er das Schneiderlein. \u00bbMehr als Geld\u00ab, war die Antwort.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDann binde uns an ein Seil, f\u00fchre uns in das Schloss und verkaufe uns an die Riesen, die da wohnen. Traue ihnen aber nicht, denn sie sind t\u00fcckisch und arglistig! Damit du vor ihnen sicher bist, wollen wir dir jeder etwas schenken, das wende wohl und klug an, und dein Gl\u00fcck ist gemacht.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Dann gab er ihm ein Salbent\u00f6pfchen. Wenn man aber mit dieser Salbe einen Stuhl bestrich, dann blieb jeder daran h\u00e4ngen, der sich draufsetzte. Der zweite gab ihm ein St\u00f6cklein. Wem man damit aufs Haupt schlug, der tat keinen Pieps mehr. Der dritte gab ihm ein H\u00f6rnlein und sprach: \u00bbWenn du in Not kommen solltest, blase nur darauf, und so werden wir dir helfen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbIch muss erst versuchen, ob ich auch blasen kann\u00ab, sagte das Schneiderlein, \u00bbwenn man so harte Arbeit tut wie ich, dann wird einem der Atem kurz\u00ab, setzte das H\u00f6rnlein an den Mund und blies hinein. Ach, was das f\u00fcr einen Klang hatte! Es war aber nicht des Schneiderleins Atem, der ihm den Klang gab, denn der war so d\u00fcnn wie eine N\u00e4hnadel. Das Schneiderlein steckte nun getrost die drei Geschenke ein und ging mit ihnen in das Schloss. Da kam es oben an der gro\u00dfen Treppe in einen weiten und hohen Saal, wo die Riesen an einer langen Tafel sa\u00dfen und aus Bechern tranken, von denen jeder wohl ein Viertelohm fasste. Das Schneiderlein zog h\u00f6flich seinen Hut und fragte, ob die Herren Riesen nicht drei sch\u00f6ne Hunde kaufen wollten. Sie beschauten die Hunde rechts und links und sprachen: \u00bbWir behalten sie und wollen sie gleich in den Stall sperren. Warte du derweil, bis wir wiederkommen. Dann bekommst du dein Geld.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei lachten sie einander boshaft zu und warfen Blicke auf das Schneiderlein, die ihm nichts Gutes versprachen. Pfeift der Wind aus dem Loche? dachte der Ritter von der Elle, dann will ich euch schon den Spa\u00df verderben. Er kletterte an den St\u00fchlen hinauf und schmierte sie mit seiner Salbe ein, oben und unten, vorn und hinten. Das war sein Gl\u00fcck, denn drau\u00dfen hielten die Riesen Rat, wie sie das Schneiderlein mit Ehren totmachen und fressen k\u00f6nnten. Wenn es auch ein magerer Bissen sei, so war ihnen doch Menschenfleisch etwas Neues, und sie wollten vorlieb nehmen, bis sie etwas Besseres bek\u00e4men.<\/p>\n\n\n\n<p>Als sie wieder hereinkamen, sagten sie zu dem Schneiderlein, es habe sie im Handel betrogen, die Hunde seien nicht soviel wert, und darum m\u00fcsse es nun gefressen werden. Da sprach das Schneiderlein:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbIch will gern sterben, wenn ich es verdient habe, aber nicht ohne Urteil und Recht. Haltet zuvor ordentlich Gericht \u00fcber mich, dann will ich mich verteidigen. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Die Riesen lachten, r\u00fcckten die St\u00fchle in einen Halbkreis und sprachen: \u00bbNun fang an, du Erdenwurm!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbSetzt euch alle zuvor, wie es einem ordentlichen Gerichte geb\u00fchrt!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Als sie dies getan hatten, nahm das Schneiderlein einen Schemel, setzte sich vor sie hin, stopfte sich eine Pfeife und blies die dicken Wolken nur so aus.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWird&#8217;s bald?\u00ab fragten die Riesen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbEi, ich bin schon fertig. Nun m\u00f6gt ihr euch verteidigen, denn ich verurteile euch alle zum Tode. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Die Riesen lachten anfangs. Als ihnen aber die Sache zu lange dauerte, wollten sie aufstehen und das Schneiderlein fassen. Aber sie klebten alle fest, und keiner konnte ein Glied r\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbNun, wird&#8217;s bald?\u00ab fragte das Schneiderlein und lachte, nahm sein St\u00f6ckchen und schlug ihnen allen auf die K\u00f6pfe, einem nach dem andern, und sie fielen um und waren tot. \u00bbJetzt will ich von der Arbeit ausruhen\u00ab, sagte das Schneiderlein zu sich selbst. im gleichen Augenblick aber h\u00f6rte es, wie einer mit schweren Tritten die Treppe heraufkam. Die T\u00fcr flog auf und herein trat ein Riese. Der war noch einmal so gro\u00df wie die andern. Es war aber der Riesenk\u00f6nig, und er kam eben von der Jagd nach Hause. Als er nun sah, was hier vorgegangen war, fragte er das Schneiderlein, wer die Riesen erschlagen habe.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDas habe ich getan.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbHast du das getan, dann bekommst du deine Strafe daf\u00fcr. Zum Fressen bist du zu schlecht, aber als Spatzenscheuche kannst du allenfalls dienen. Darum will ich dich in den Garten h\u00e4ngen. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Damit hob er das Schneiderlein bei den Beinen hoch und trug es in den Garten, wo ein hoher Galgen stand. Er setzte es oben drauf und fing an, die Schlinge zu drehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da besann sich das Schneiderlein kurz, zog sein H\u00f6rnlein aus der Tasche und blies aus Leibeskr\u00e4ften hinein, dass es zehn Meilen in die Runde scholl. Mit einemmal standen die drei Hunde da und hatten ihre zerrissenen Ketten am Halse.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbSchneiderlein, steig herab!\u00ab sprach der erste. \u00bbIch darf nicht, der da will mich h\u00e4ngen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da fielen die drei Hunde \u00fcber den Riesenk\u00f6nig her und zerrissen ihn in tausend St\u00fccke.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Schneiderlein warf sich vor lauter Freude den Hunden an die H\u00e4lse und tanzte wie besessen auf einem Bein herum. Der erste von den Hunden aber sprach: \u00bbjetzt ist das Schloss von den Riesen befreit und erl\u00f6st, und nun musst du uns dreien noch die K\u00f6pfe abhauen. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDas tue ich nie und nimmermehr\u00ab, antwortete das Schneiderlein.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDann zerrei\u00dfen wir dich wie den Riesen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbja, wenn ihr&#8217;s durchaus nicht anders wollt, dann tue ich euch den Gefallen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Es holte ein Schwert, fasste es mit beiden H\u00e4nden und schlug den Hunden die K\u00f6pfe ab, drehte sich aber schnell um, denn es konnte kein Blut sehen. Als jemand hinter ihm seinen Namen rief, fuhr das Schneiderlein erschrocken herum, und es stand ein K\u00f6nig vor ihm mit zwei wundersch\u00f6nen Prinzessinnen. Der sprach:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDu bist unser Erl\u00f6ser, denn wir waren die drei Hunde und waren verw\u00fcnscht. Zum Dank daf\u00fcr gebe ich dir eine meiner T\u00f6chter zur Frau. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da griff das Schneiderlein rasch nach der \u00e4ltesten, und sie gingen nach dem Schlosse. Dort war aller Zauber verschwunden, und die Zimmer wimmelten von Hofherren und Dienern. Als sie aber durch die Fenster schauten, war der ganze Wald in eine pr\u00e4chtige Stadt verwandelt, die kleinen B\u00e4ume waren H\u00e4user, die gro\u00dfen Kirchen und Kircht\u00fcrme. Aus den V\u00f6geln aber waren lauter flei\u00dfige Menschen geworden, und \u00fcberall war Jubel und Freude, wohin man nur sah.<\/p>\n\n\n\n<p>Am folgenden Tage aber wurde die Hochzeit gehalten, und w\u00e4ren du und ich dazugekommen, denk mal, was w\u00e4re das f\u00fcr eine Freude gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein armes Schneiderlein hatte zu Hause nichts zu verlieren und ging auf Reisen. 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