{"id":5507,"date":"2026-02-04T02:20:33","date_gmt":"2026-02-04T01:20:33","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5507"},"modified":"2026-02-04T02:20:33","modified_gmt":"2026-02-04T01:20:33","slug":"schneewittchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/schneewittchen\/","title":{"rendered":"Schneewittchen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Schneewittchen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Gebr. Grimm<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es war einmal mitten im Winter, und die Schneeflocken fielen wie Federn vom Himmel herab, da sa\u00df eine K\u00f6nigin an einem Fenster, das einen Rahmen von schwarzem Ebenholz hatte, und n\u00e4hte. Und als sie so n\u00e4hte und nach dem Schnee aufblickte, stach sie sich mit der Nadel in den Finger, und es fielen drei Tropfen Blut in den Schnee. Und weil das Rote im wei\u00dfen Schnee so sch\u00f6n aussah, dachte sie bei sich: &#8222;H\u00e4tt&#8216; ich ein Kind so wei\u00df wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarz wie das Holz an dem Rahmen&#8216;.&#8220; Bald darauf bekam sie ein T\u00f6chterlein, das war so wei\u00df wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarzhaarig wie Ebenholz, und wurde darum das Schneewittchen genannt. Und als das Kind auf der Welt war, starb die K\u00f6nigin.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber ein Jahr nahm sich der K\u00f6nig eine andere Gemahlin. Es war eine sch\u00f6ne Frau, aber sie war stolz und \u00fcberm\u00fctig und konnte nicht leiden, dass sie an Sch\u00f6nheit von jemand sollte \u00fcbertroffen werden. Sie hatte einen wunderbaren Spiegel, wenn sie vor den trat und sich darin beschaute, sprach sie:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">&#8222;Spieglein, Spieglein an der Wand,<br>Wer ist die Sch\u00f6nste im ganzen Land?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Und der Spiegel antwortete:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">&#8222;Frau K\u00f6nigin, Ihr seid die Sch\u00f6nste im Land.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Da war sie zufrieden, denn sie wusste, dass der Spiegel die Wahrheit sagte.<\/p>\n\n\n\n<p>Schneewittchen aber wuchs heran und wurde immer sch\u00f6ner, und als es sieben Jahre alt war, war es so sch\u00f6n wie der klare Tag, und sch\u00f6ner als die K\u00f6nigin selbst. Als diese einmal ihren Spiegel fragte:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">&#8222;Spieglein, Spieglein an der Wand,<br>Wer ist die Sch\u00f6nste im ganzen Land?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>so antwortete er:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">&#8222;Frau K\u00f6nigin, Ihr seid die Sch\u00f6nste hier,<br>Aber Schneewittchen ist tausendmal sch\u00f6ner als Ihr.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Da erschrak die K\u00f6nigin und ward gelb und gr\u00fcn vor Neid. von Stund&#8216; an, wenn sie Schneewittchen erblickte, kehrte sich ihr das Herz im Leibe um, so hasste sie das M\u00e4dchen. Und der Neid und Hochmut wuchsen wie ein Unkraut in ihrem Herzen immer h\u00f6her, dass sie Tag und Nacht keine Ruhe mehr hatte. Da rief sie einen J\u00e4ger und sprach: &#8222;Bring&#8216; das Kind hinaus in den Wald, ich will&#8217;s nicht mehr vor meinen Augen sehen. Du sollst es t\u00f6ten und mir Lunge und Leber zum Wahrzeichen mitbringen.&#8220; Der J\u00e4ger gehorchte und f\u00fchrte es hinaus, und als er den Hirschf\u00e4nger gezogen hatte und Schneewittchens unschuldiges Herz durchbohren wollte, fing es an zu weinen und sprach: &#8222;Ach, lieber J\u00e4ger, lass&#8216; mir mein Leben; ich will in den wilden Wald laufen und nimmermehr wieder heimkommen.&#8220; Und weil es so sch\u00f6n war, hatte der J\u00e4ger Mitleiden und sprach:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;So lauf&#8216; hin, du armes Kind!&#8220; &#8211; &#8222;Die wilden Tiere werden dich bald gefressen haben&#8220;, dachte er und doch war&#8217;s ihm, als wir&#8216; ein Stein von seinem Herzen gewalzt, weil er es nicht zu t\u00f6ten brauchte. Und als gerade ein junger Frischling dahergesprungen kam, stach er ihn ab, nahm Lunge und Leber heraus und brachte sie als Wahrzeichen der K\u00f6nigin mit. Der Koch musste sie in Salz kochen, und das boshafte Weib a\u00df sie auf und meinte, sie h\u00e4tte Schneewittchens Lunge und Leber gegessen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun war das arme Kind in dem gro\u00dfen Walde mutterseelenallein, und es ward ihm so angst, dass es alle Bl\u00e4tter an den B\u00e4umen ansah und nicht wusste, wie es sich helfen sollte. Da fing es an zu laufen und lief \u00fcber die spitzen Steine und durch die Dornen, und die wilden Tiere sprangen an ihm vorbei, aber sie taten ihm nichts. Es lief, solange nur die F\u00fc\u00dfe noch fortkonnten, bis es Abend werden wollte; da sah es ein kleines H\u00e4uschen und ging hinein, sich zu ruhen. In dem H\u00e4uschen war alles klein, aber so zierlich und reinlich, dass es nicht zu sagen ist. Da stand ein wei\u00dfgedecktes Tischlein mit sieben kleinen Tellern, jedes Tellerchen mit seinem L\u00f6ffelein, ferner sieben Messerlein und G\u00e4belein, und sieben Becherlein. An der Wand waren sieben Bettlein nebeneinander aufgestellt und schneewei\u00dfe Laken dar\u00fcber gedeckt. Schneewittchen&#8216; weil es so hungrig und durstig war, a\u00df von jedem Tellerlein ein wenig Gem\u00fcse und Brot und trank aus jedem Becherlein einen Tropfen Wein; denn es wollte nicht einem allein alles wegnehmen. Hernach, weil es so m\u00fcde war, legte es sich in ein Bettchen, aber keins passte; das eine war zu lang, das andere zu kurz, bis endlich das siebente recht war. Und darin blieb es liegen, befahl sich Gott und schlief ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Als es ganz dunkel geworden war, kamen die Herren von dem H\u00e4uslein; das waren die sieben Zwerge, die in den Bergen nach Erz hackten und gruben. Sie z\u00fcndeten ihre sieben Lichtlein an, und wie es nun hell im H\u00e4uslein ward, sahen sie, dass jemand darin gewesen war, denn es stand nicht alles so in der Ordnung, wie sie es verlassen hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der erste sprach: &#8222;Wer hat auf meinem St\u00fchlchen gesessen?&#8220; Der zweite: &#8222;Wer hat von meinem Tellerchen gegessen?&#8220; Der dritte: &#8222;Wer hat von meinem Br\u00f6tchen genommen?&#8220; Der vierte: &#8222;Wer hat von meinem Gem\u00fcschen gegessen?&#8220; Der f\u00fcnfte:&#8220; Wer hat mit meinem G\u00e4belchen gestochen?&#8220; Der sechste: &#8222;Wer hat mit meinem Messerchen geschnitten?&#8220; Der siebente: &#8222;Wer hat aus meinem Becherlein getrunken?&#8220; Dann sah sich der erste um und sah, dass auf seinem Bett eine kleine Delle war, da sprach er: &#8222;Wer hat in mein Bett getreten?&#8220; Die anderen kamen gelaufen und riefen: &#8222;In meinem hat auch jemand gelegen.&#8220; Der siebente aber, als er in sein Bett sah, erblickte Schneewittchen, das lag darin und schlief. Nun rief er die andern, die kamen herbeigelaufen und schrien vor Verwunderung, holten ihre sieben Lichtlein und beleuchteten Schneewittchen. &#8222;Ei, du mein Gott! Ei, du mein Gott!&#8220; riefen sie, &#8222;was ist das Kind so sch\u00f6n!&#8220; und hatten so gro\u00dfe Freude, dass sie es nicht aufweckten, sondern im Bettlein fortschlafen lie\u00dfen. Der siebente Zwerg aber schlief bei seinen Gesellen, bei jedem eine Stunde, da war die Nacht herum.<\/p>\n\n\n\n<p>Als es Morgen war, erwachte Schneewittchen, und als es die sieben Zwerge sah, erschrak es. Sie waren aber freundlich und fragten: &#8222;Wie hei\u00dft du?&#8220; &#8222;Ich hei\u00dfe Schneewittchen&#8220;, antwortete es.&#8220; Wie bist du in unser Haus gekommen?&#8220; sprachen die Zwerge weiter. Da erz\u00e4hlte es ihnen, dass seine Stiefmutter es h\u00e4tte wollen umbringen lassen; der J\u00e4ger h\u00e4tte ihm aber das Leben geschenkt, und da w\u00e4r&#8216; es gelaufen den ganzen Tag, bis es endlich ihr H\u00e4uslein gefunden h\u00e4tte. Die Zwerge sprachen: ,.Willst du unseren Haushalt versehen, kochen, betten, waschen, n\u00e4hen und stricken, und willst du alles ordentlich und reinlich halten, so kannst du bei uns bleiben. und es soll dir an nichts fehlen.&#8216; &#8222;Ja&#8220; , sagte Schneewittchen, &#8222;von Herzen gern&#8220;, und blieb bei ihnen. Es hielt ihnen das Haus in Ordnung; morgens gingen sie in die Berge und suchten Erz und Gold, abends kamen sie wieder, und da musste ihr Essen bereit sein. Den Tag \u00fcber war das M\u00e4dchen allein, da warnten es die guten Zwerglein und sprachen: &#8222;H\u00fcte dich vor deiner Stiefmutter, die wird bald wissen, dass du hier bist; lass&#8216; ja niemand herein!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Die K\u00f6nigin aber, nachdem sie Schneewittchens Lunge und Leber glaubte gegessen zu haben, dachte nicht anders, als sie w\u00e4re wieder die Erste und Allersch\u00f6nste, trat vor ihren Spiegel und sprach:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">&#8222;Spieglein, Spieglein an der Wand,<br>Wer ist die Sch\u00f6nste im ganzen Land?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Da antwortete der Spiegel:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">&#8222;Frau K\u00f6nigin, Ihr seid die Sch\u00f6nste hier,<br>Aber Schneewittchen \u00fcber den Bergen<br>Bei den sieben Zwergen<br>Ist noch tausendmal sch\u00f6ner als Ihr.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Da erschrak sie, denn sie wusste, dass der Spiegel keine Unwahrheit sprach, und merkte, dass der J\u00e4ger sie betrogen hatte und Schneewittchen noch am Leben war. Und da sann und sann sie aufs neue, wie sie es umbringen wollte; denn solange sie nicht die Sch\u00f6nste war im ganzen Land, lie\u00df ihr der Neid keine Ruhe. Und als sie sich endlich etwas ausgedacht hatte, f\u00e4rbte sie sich das Gesicht und kleidete sich wie eine alte Kr\u00e4merin und war ganz unkenntlich. In dieser Gestalt ging sie \u00fcber die sieben Berge zu den sieben Zwergen, klopfte an die T\u00fcr und rief:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Sch\u00f6ne Ware feil, feil!&#8220; Schneewittchen guckte zum Fenster hinaus und rief: &#8222;Guten Tag, liebe Frau, was habt ihr zu verkaufen?&#8220; &#8211; ,.Gute Ware, sch\u00f6ne Ware&#8220; antwortete sie, &#8222;Schn\u00fcrriemen von allen Farben&#8220;, und holte einen hervor, der aus bunter Seide geflochten war. &#8222;Die ehrliche Frau kann ich hereinlassen&#8220;, dachte Schneewittchen, riegelte die T\u00fcr auf und kaufte sich den h\u00fcbschen Schn\u00fcrriemen. &#8222;Kind&#8220;, sprach die Alte, &#8222;wie du aussiehst! Komm, ich will dich einmal ordentlich schn\u00fcren.&#8220; Schneewittchen hatte kein Arg, stellte sich vor sie und lie\u00df sich mit dem neuen Schn\u00fcrriemen schn\u00fcren; aber die Alte schn\u00fcrte geschwind und so fest, dass dem Schneewittchen der Atem verging, und es f\u00fcr tot hinfiel. &#8222;Nun bist du die Sch\u00f6nste gewesen&#8220;, sprach sie und eilte hinaus.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht lange darauf, zur Abendzeit, kamen die sieben Zwerge nach Hause, aber wie erschraken sie, als sie ihr liebes Schneewittchen auf der Erde liegen sahen. Und es regte und bewegte sich nicht, als w\u00e4re es tot. Sie hoben es in die H\u00f6he, und weil sie sahen, dass es zu fest geschn\u00fcrt war, schnitten sie den Schn\u00fcrriemen entzwei. Da fing es an, ein wenig zu atmen und ward nach und nach wieder lebendig. Als die Zwerge h\u00f6rten, was geschehen war, sprachen sie&#8216;.&#8220; Die alte Kr\u00e4merfrau war niemand anders als die gottlose K\u00f6nigin; h\u00fcte dich und lass&#8216; keinen Menschen herein, wenn wir nicht bei dir sind!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Das b\u00f6se Weib aber, als es nach Hause gekommen war, ging vor den Spiegel und fragte:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Spieglein. Spieglein an der Wand,<br>Wer ist die Sch\u00f6nste im ganzen Land?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Da antwortete er wie sonst:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">&#8222;Frau K\u00f6nigin, Ihr seid die Sch\u00f6nste hier,<br>Aber Schneewittchen \u00fcber den Bergen<br>Bei den sieben Zwergen<br>Ist noch tausendmal sch\u00f6ner als Ihr.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Als sie das h\u00f6rte, lief ihr alles Blut zum Herzen, so erschrak sie, denn sie sah wohl, dass Schneewittchen wieder lebendig geworden war. &#8220; Nun aber&#8220;, sprach sie, &#8222;will ich etwas aussinnen, das dich zugrunde richten soll&#8220;, und mit Hexenk\u00fcnsten, die sie verstand, machte sie einen giftigen Kamm. Dann verkleidete sie sich und nahm die Gestalt eines anderen alten Weibes an. So ging sie hin \u00fcber die sieben Berge zu den sieben Zwergen, klopfte an die T\u00fcr und rief: &#8222;Gute Ware feil, feil!&#8220; Schneewittchen schaute hinaus und sprach: &#8222;Geht nur weiter, ich darf niemand hereinlassen.&#8220; &#8211; &#8222;Das Ansehen wird dir doch erlaubt sein?&#8220; sprach die Alte, zog den giftigen Kamm heraus und hielt ihn in die H\u00f6he. Da gefiel er dem Kinde so gut, dass es sich bet\u00f6ren lie\u00df und die T\u00fcr \u00f6ffnete. Als sie des Kaufs einig waren, sprach die Alte&#8216;. &#8222;Nun will ich dich einmal ordentlich k\u00e4mmen.&#8220; Das arme Schneewittchen dachte an nichts und lie\u00df die Alte gew\u00e4hren; aber kaum hatte sie den Kamm in die Haare gesteckt, als das Gift darin wirkte, und das M\u00e4dchen ohne Besinnung niederfiel. &#8222;Du Ausbund von Sch\u00f6nheit&#8220;, sprach das boshafte Weib, &#8222;jetzt ist&#8217;s um dich geschehen!&#8220; und ging fort. Zum Gl\u00fcck aber war es bald Abend, wo die sieben Zwerglein nach Hause kamen. Als sie Schneewittehen wie tot auf der Erde liegen sahen, hatten sie ,gleich die Stiefmutter im Verdacht, suchten nach und fanden den giftigen Kamm, und kaum hatten sie ihn herausgezogen, so kam Schneewittchen wieder zu sich und erz\u00e4hlte, was vorgegangen war. Da warnten sie es noch einmal, auf seiner Hut zu sein und niemand die T\u00fcr zu \u00f6ffnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die K\u00f6nigin stellte sich daheim vor den Spiegel und sprach:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">&#8222;Spieglein, Spieglein an der Wand,<br>Wer ist die Sch\u00f6nste im ganzen Land?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Da antwortete er wie vorher:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">&#8222;Frau K\u00f6nigin, Ihr seid die Sch\u00f6nste hier,<br>Aber Schneewittchen \u00fcber den Bergen<br>Bei den sieben Zwergen<br>Ist noch tausendmal sch\u00f6ner als Ihr.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Als sie den Spiegel so reden h\u00f6rte, zitterte und bebte sie vor Zorn. &#8222;Schneewittchen soll sterben!&#8220; rief sie, &#8222;und wenn es mein eigenes Leben kostet.&#8220; Darauf ging sie in eine ganz verborgene einsame Kammer, wo niemand hinkam, und machte da einen giftigen Apfel. \u00c4u\u00dferlich sah er sch\u00f6n aus, wei\u00df mit roten Backen, dass jeder, der ihn erblickte, Lust danach bekam, aber wer ein St\u00fcck davon a\u00df, der musste sterben. Als der Apfel fertig war, f\u00e4rbte sie sich das Gesicht und verkleidete sich in eine Bauersfrau, und so ging sie \u00fcber die sieben Berge zu den sieben Zwergen. Sie klopfte an, Schneewittchen streckte den Kopf zum Fenster hinaus und sprach:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ich darf keinen Menschen einlassen, die sieben Zwerge haben mir&#8217;s verboten.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; &#8222;Mir auch recht&#8220;, antwortete die B\u00e4uerin, &#8222;meine \u00c4pfel will ich schon loswerden. Da, einen will ich dir schenken.&#8220; &#8211; &#8222;Nein&#8220;, sprach Schneewittchen&#8216; &#8222;ich darf nichts annehmen.&#8220; &#8211; &#8222;F\u00fcrchtest du dich vor Gift?&#8220; sprach die Alte; &#8222;siehst du, da schneide ich den Apfel in zwei Teile;den roten Backen iss du, den wei\u00dfen will ich essen.&#8220; Der Apfel war aber so k\u00fcnstlich gemacht, dass der rote Backen allein vergiftet war. Schneewittchen lusterte den sch\u00f6nen Apfel an, und als es sah, dass die B\u00e4uerin davon a\u00df, so konnte es nicht l\u00e4nger widerstehen, streckte die Hand hinaus und nahm die giftige H\u00e4lfte. Kaum aber hatte es einen Bissen davon im Mund, so fiel es tot zur Erde nieder. Da betrachtete es die K\u00f6nigin mit grausigen Blicken, lachte \u00fcberlaut und sprach: &#8222;Wei\u00df wie Schnee, rot wie Blut, schwarz wie Ebenholz! Diesmal k\u00f6nnen dich die Zwerge nicht wieder erwecken!&#8220; Und als sie daheim den Spiegel befragte:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">&#8222;Spieglein, Spieglein an der Wand,<br>Wer ist die Sch\u00f6nste im ganzen Land?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>so antwortete er endlich:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">&#8222;Frau K\u00f6nigin, Ihr seid die Sch\u00f6nste im Land.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Da hatte ihr neidisches Herz Ruhe, so gut ein neidisches Herz Ruhe haben kann. Die Zwerglein, als sie abends nach Hause kamen, fanden Schneewittchen auf der Erde liegen, und es ging kein Atem mehr aus seinem Munde, denn es war tot. Sie hoben es auf, suchten, ob sie was Giftiges f\u00e4nden, schn\u00fcrten es auf, k\u00e4mmten ihm die Haare, wuschen es mit Wasser und Wein, aber es half alles nichts: das liebe Kind war tot und blieb tot. Sie legten es auf eine Bahre und setzten sich alle siebene daran und beweinten es und weinten drei Tage lang. Da wollten sie es begraben, aber es sah noch so frisch aus wie ein lebender Mensch, und hatte noch seine sch\u00f6nen roten Backen. Sie sprachen: &#8222;Das k\u00f6nnen wir nicht in die schwarze Erde versenken&#8220;, und lie\u00dfen einen durchsichtigen Sarg von Glas machen, dass man es von allen Seiten sehen konnte, legten es hinein und schrieben mit goldenen Buchstaben seinen Namen darauf und dass es eine K\u00f6nigstochter w\u00e4re. Dann setzten sie den Sarg hinaus auf den Berg, und einer von ihnen blieb immer dabei und bewachte ihn. Und die Tiere kamen auch und beweinten Schneewittchen, erst eine Eule, dann ein Rabe, zuletzt ein T\u00e4ubchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun lag Schneewittchen lange, lange Zeit in dem Sarge und verweste nicht, sondern sah aus, als wenn es schliefe; denn es war noch so wei\u00df wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarzhaarig wie Ebenholz. Es geschah aber, dass ein K\u00f6nigssohn in den Wald geriet und zu dem Zwergenhaus kam, da zu \u00fcbernachten. Er sah auf dem Berge den Sarg und das sch\u00f6ne Schneewittchen darin und las, was mit goldenen Buchstaben darauf geschrieben war. Da sprach er zu den Zwergen:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Lasst mir den Sarg, ich will euch geben, was ihr daf\u00fcr haben wollt.&#8220; Aber die Zwerge antworteten: &#8222;Wir geben ihn nicht um alles Gold in der Welt.&#8220; Da sprach er: &#8222;So schenkt mir ihn, denn ich kann nicht leben, ohne Schneewittchen zu sehen; ich will es ehren und hochachten wie mein Liebstes.&#8220; Als er so sprach, empfanden die guten Zwerglein Mitleiden mit ihm und gaben ihm den Sarg. Der K\u00f6nigssohn lie\u00df ihn nun von seinen Dienern auf den Schultern forttragen. Da geschah es, dass sie \u00fcber einen Strauch stolperten, und von dem Sch\u00fcttern fuhr der giftige Apfelgr\u00fctz&#8216; den Schneewittchen abgebissen hatte, aus dem Halse. Und nicht lange, so \u00f6ffnete es die Augen, hob den Deckel vom Sarg in die H\u00f6he und richtete sich auf und war wieder lebendig. &#8222;Ach Gott, wo bin ich?&#8220; rief es. Der K\u00f6nigssohn sagte voll Freude&#8216;. &#8222;Du bist bei mir&#8220;, und erz\u00e4hlte. was sich zugetragen hatte, und sprach: &#8222;Ich habe dich lieber als alles auf der Welt; komm&#8216;<\/p>\n\n\n\n<p>mit mir in meines Vaters Schloss, du sollst meine Gemahlin werden.&#8220; Da war ihm Schneewittchen gut und ging mit ihm, und ihre Hochzeit ward mit gro\u00dfer Pracht und Herrlichkeit angeordnet.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu dem Feste wurde aber auch Schneewittchens gottlose Stiefmutter eingeladen. Wie sie sich nun mit sch\u00f6nen Kleidern angetan hatte, trat sie vor den Spiegel und sprach:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">&#8222;Spieglein, Spieglein an der Wand,<br>Wer ist die Sch\u00f6nste im ganzen Land?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Spiegel antwortete:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">&#8222;Frau K\u00f6nigin, Ihr seid die Sch\u00f6nste hier,<br>Aber die junge K\u00f6nigin ist tausendmal sch\u00f6ner als Ihr.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Da stie\u00df das b\u00f6se Weib einen Fluch aus, und ward ihr so angst, so angst, dass sie sich nicht zu lassen wusste. Sie wollte zuerst gar nicht auf die Hochzeit kommen; doch lie\u00df es ihr keine Ruhe, sie musste fort und die junge K\u00f6nigin sehen. Und wie sie hineintrat, erkannte sie Schneewittchen, und vor Angst und Schrecken stand sie da und konnte sich nicht regen. Aber es waren ihr schon verw\u00fcnschte Pantoffeln bereit gestellt, in die musste sie treten und so lange tanzen, bis sie tot zur Erde fiel.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war einmal mitten im Winter, und die Schneeflocken fielen wie Federn vom Himmel herab, da sa\u00df eine K\u00f6nigin an einem Fenster, das einen Rahmen von schwarzem Ebenholz hatte, und n\u00e4hte. Und als sie so n\u00e4hte und nach dem Schnee aufblickte, stach sie sich mit der Nadel in den Finger, und es fielen drei Tropfen Blut in den Schnee. Und weil das Rote im wei\u00dfen Schnee so sch\u00f6n aussah, dachte sie bei sich: &#8222;H\u00e4tt&#8216; ich ein Kind so wei\u00df wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarz wie das Holz an dem Rahmen&#8216;.&#8220; Bald darauf bekam sie ein T\u00f6chterlein, das war so wei\u00df wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarzhaarig wie Ebenholz, und wurde darum das Schneewittchen genannt. Und als das Kind auf der Welt war, starb die K\u00f6nigin.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5508,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[87,85],"tags":[],"class_list":["post-5507","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-gebr-grimm","category-maerchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5507","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5507"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5507\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5509,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5507\/revisions\/5509"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5508"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5507"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5507"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5507"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}