{"id":5495,"date":"2026-02-04T01:53:50","date_gmt":"2026-02-04T00:53:50","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5495"},"modified":"2026-02-04T01:53:50","modified_gmt":"2026-02-04T00:53:50","slug":"der-schneckenmann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-schneckenmann\/","title":{"rendered":"Der Schneckenmann"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Der Schneckenmann<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Indianisches Osagenm\u00e4rchen<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>An den Ufern des gro\u00dfen Flusses, den die Indianer den Missouri nennen, lebte einmal eine Schnecke. Niemand wei\u00df, wie viel Zeit seitdem vergangen ist, aber es ist sehr, sehr lange her. Eines Tages begann der Fluss \u00fcber seine Ufer zu treten und alles umliegende Land zu \u00fcberschwemmen. Die Schnecke klammerte sich an ein St\u00fcck Treibholz, und eine Welle trug beide davon.<\/p>\n\n\n\n<p>Tagelang schwamm das Holzst\u00fcck den Fluss hinunter, aber schlie\u00dflich verlief sich die Flut, und die Schnecke fand sich mit einem Male auf dem Trockenen, mitten zwischen Schlamm und Unrat. Bald darauf kam die Sonne hinter den Wolken hervor, der Schlamm begann zu trocknen, und ehe die Schnecke es sich versah, sa\u00df sie so fest im Schlamm, dass sie sich nicht mehr r\u00fchren konnte. Es wurde schrecklich warm, und die Schnecke dachte, dass sie nun sterben m\u00fcsste. Pl\u00f6tzlich jedoch kam eine Ver\u00e4nderung \u00fcber sie; das Schneckenhaus zerbrach, und die kleine Schnecke begann unheimlich zu wachsen. Schlie\u00dflich stand dort im Schlamm ein seltsames Wesen, wie es die Erde vordem noch nicht gesehen hatte. Es stand auf zwei Beinen, hatte zwei Arme mit H\u00e4nden und Fingern, und au\u00dfer ein paar Haaren auf dem Kopf war es v\u00f6llig nackt. Es tat ein paar Schritte, aber es konnte sich nicht zurechtfinden. Eine ganze Weile dauerte es, bevor Was-bas-has, der Schneckenmann, sich daran erinnerte, woher er gekommen war. Darauf beschie\u00df er, die Stelle zu suchen, von der ihn die Flut fortgetragen hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht lange danach versp\u00fcrte Was-bas-has gro\u00dfen Hunger, aber er wusste sich keinen Rat. Wohl gab es V\u00f6gel und allerlei Wild, aber der Schneckenmann wusste noch nicht, dass man diese essen konnte. Er w\u00fcnschte sich zur\u00fcck in sein Schneckenhaus, denn als Schnecke hatte er niemals zu hungern brauchen. Am Ende f\u00fchlte er sich so elend, dass er sich zu Boden fallen lie\u00df, um zu sterben. Er hatte eine kurze Zeit im Gras gelegen, als er eine Stimme h\u00f6rte: \u201eWas-bas-has! Was-bas-has!\u201c Der Schneckenmann sah auf und gewahrte vor sich den Gro\u00dfen Geist auf einem wei\u00dfen Pferde. Wie Sterne leuchteten seine Augen, die Adlerfeder im Haar blitzte in der Sonne, und die Spitze der B\u00fcffellanze schien wie blankes Silber, Was-bas-has schlug die Augen geblendet nieder und zitterte am ganzen K\u00f6rper. Wieder h\u00f6rte er die Stimme Manitus: \u201eWarum zitterst du?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch f\u00fcrchte mich vor dem, der mich geschaffen hat. Ich bin m\u00fcde und hungrig, denn ich wei\u00df nicht, wie ich mich ern\u00e4hren soll.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Gro\u00dfe Geist hob die Hand und deutete auf Pfeil und Bogen, die er auf dem R\u00fccken trug. \u201eSieh her\u201c, sagte er, \u201esiehst du dort auf der Zeder den Vogel?\u201c Bei diesen Worten schoss er einen Pfeil ab, und der Vogel fiel tot zur Erde. Mit einem zweiten Pfeile erlegte er einen Hirsch. \u201eDies soll fortan deine Nahrung sein, und hier sind deine Waffen.\u201c Gleichzeitig gab er Was-bas-has Pfeil und Bogen. \u201eDu bist nackt und hast keine Kleider. Das Kleid der Hirsche soll dich von nun an warm halten, denn der Himmel wird nicht immer so blau sein. Wolken werden kommen und Regen und Schnee bringen,\u201c Z\u00f6gernd nahm der Schneckenmann den Bogen und die Pfeile in die Hand. Darauf legte der Gro\u00dfe Geist ihm eine Halskette aus Wampumperlen um den Hals und sprach: \u201eDies ist das Zeichen deiner Herrschaft. Von nun an sollst du \u00fcber die Tiere des Waldes und der Pr\u00e4rie herrschen wie ein H\u00e4uptling. Wenn aber die B\u00fcffelherden und Hirschrudel nicht mehr sein werden, dann ist auch deine Herrschaft zu Ende.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Was-bas-has stand voller Staunen und wusste nicht, wie ihm geschah. Der Gro\u00dfe Geist aber fuhr fort: \u201eAls Herr \u00fcber die Erde gebe ich dir das Feuer. Von nun an sollst du deine Beute nicht mehr roh verzehren. Sei wachsam, denn das Feuer kann auch dir gef\u00e4hrlich werden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Dann sah Was-bas-has, wie sich Pferd und Reiter in die L\u00fcfte erhoben und in den aufziehenden Wolken verschwanden. Aber noch lange sah er durch die Wolken die Spitze der B\u00fcffellanze blitzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Schneckenmann st\u00e4rkte sich an der erlegten Beute. Dann machte er sich wieder auf den Weg, um die Stelle am Flussufer zu suchen, woher er einst gekommen war, Als er am Ufer sa\u00df und \u00fcber sein Erlebnis nachdachte, tauchte pl\u00f6tzlich vor ihm aus dem Wasser ein gro\u00dfer Biber auf und sprach: \u201eWer bist du? Was willst du in meinen Jagdgr\u00fcnden? Dies ist das Land der Biber, ich aber bin der H\u00e4uptling aller Biber dieses Flusses. Seit uralten Zeiten wandert unser Stamm jedes Jahr den Fluss hinauf und hinab. Wir sind flei\u00dfige Leute und wollen in Ruhe unsere Arbeit verrichten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu wirst fortan deine Herrschaft mit mir teilen m\u00fcssen\u201c, sprach Was-bas-has, \u201edenn der Gro\u00dfe Geist hat mich zum H\u00e4uptling aller Tiere des Waldes und der Pr\u00e4rie gemacht. So will ich auch \u00fcber die Biber herrschen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWer aber bist du?\u201c fragte der Biber, \u201eso etwas wie dich habe ich noch nie gesehen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch bin Was-bas-has und bin aus einem Schneckenhaus gekommen. Jetzt aber bin ich ein Mensch. Hier sind die Zeichen meines Amtes.\u201c Dabei hielt er Pfeil und Bogen in der rechten Hand und einen Feuerbrand in der linken.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eKomm mit zu mir\u201c, sagte der Biber, \u201ewir m\u00fcssen Br\u00fcder werden. Komm zu meinem Lager und erhole dich von der langen Reise.\u201c Unbeholfen kletterte der Biber aus dem Wasser und machte sich auf den Weg zu seinem Tipi. Was-bas-has, der Schneckenmann, folgte ihm, denn er hatte ja kein Ziel als den Fluss.<\/p>\n\n\n\n<p>Kurze Zeit sp\u00e4ter kamen beide bei dem Lager der Biber an. Gemeinsam betraten sie die Wohnung des H\u00e4uptlings. \u00dcberall lagen weiche Grasmatten auf dem Boden, und alles sah warm und gem\u00fctlich aus. W\u00e4hrend die Frauen eine Mahlzeit bereiteten, bat der H\u00e4uptling seinen Gast, doch f\u00fcr immer bei ihm zu bleiben, denn er sah wohl, welch ein bedeutendes Wesen er da durch Zufall am Flussufer gefunden hatte. So blieb Was-bas-has bei den Bibern, lernte von ihnen die Kunst, ein Tipi zu bauen, B\u00e4ume zu f\u00e4llen, Vorr\u00e4te anzulegen f\u00fcr die langen Wintermonate, Fische zu fangen und viele andere n\u00fctzliche Dinge. Schlie\u00dflich heiratete er die Tochter des H\u00e4uptlings der Biber. Ein gro\u00dfes Fest wurde aus diesem Anlass gefeiert, und alle Tiere, die mit den Bibern befreundet waren, wurden eingeladen. Schneckenmann und Biberm\u00e4dchen aber waren die Urahnen eines gro\u00dfen Stammes, der Osage-Indianer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Schneckenmann Indianisches Osagenm\u00e4rchen An den Ufern des gro\u00dfen Flusses, den die Indianer den Missouri nennen, lebte einmal eine Schnecke. Niemand wei\u00df, wie viel Zeit seitdem vergangen ist, aber es ist sehr, sehr lange her. Eines Tages begann der Fluss \u00fcber seine Ufer zu treten und alles umliegende Land zu \u00fcberschwemmen. 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