{"id":5489,"date":"2026-02-04T01:17:48","date_gmt":"2026-02-04T00:17:48","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5489"},"modified":"2026-02-04T01:17:48","modified_gmt":"2026-02-04T00:17:48","slug":"der-schmetterling","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-schmetterling\/","title":{"rendered":"Der Schmetterling"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Der Schmetterling<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Hans-Christian Andersen<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Der Schmetterling wollte eine Braut haben und sich unter den Blumen eine recht niedliche aussuchen. Zu dem Ende warf er einen musternden Blick \u00fcber den ganzen Blumenflor und fand, dass jede Blume recht still und ehrsam auf ihrem Stengel sa\u00df, gerade wie es einer Jungfrau geziemt, wenn sie nicht verlobt ist; allein es waren gar viele da, und die Wahl drohte, m\u00fchsam zu werden. Diese M\u00fche gefiel dem Schmetterling nicht, deshalb flog er auf Besuch zu dem G\u00e4nsebl\u00fcmchen. Dieses Bl\u00fcmlein nennen die Franzosen &#8222;Margarete&#8220;; sie wissen auch, dass Margarete wahrsagen kann, und das tut sie, wenn die Liebesleute, wie es oft geschieht, ein Bl\u00e4ttchen nach dem anderen von ihr abpfl\u00fccken, w\u00e4hrend sie an jedes eine Frage \u00fcber den Geliebten stellen: &#8222;Von Herzen? &#8211; Mit Schmerzen?<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Liebt mich sehr? &#8211; Ein klein wenig? &#8211; Ganz und gar nicht?&#8220; und dergleichen mehr. Jeder fragt in seiner Sprache. Der Schmetterling kam auch zu Margarete, um zu fragen; er zupfte nicht die Bl\u00e4tter aus, sondern er dr\u00fcckte jedem Blatte einen Kuss auf, denn er meinte, man k\u00e4me mit G\u00fcte besser fort.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Beste Margarete G\u00e4nsebl\u00fcmlein!&#8220; sprach er zu ihr, &#8222;Sie sind die kl\u00fcgste Frau unter den Blumen, Sie k\u00f6nnen wahrsagen bitte, bitte, mir zu sagen, bekomme ich die oder die? Welche wird meine Braut sein? Wenn ich es wei\u00df, werde ich geradewegs zu ihr hinfliegen und um sie anhalten.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Allein Margarete antwortete ihm nicht, sie \u00e4rgerte sich, dass er sie &#8222;Frau&#8220; genannt habe, da sie doch noch eine Jungfrau sei &#8211; das ist ein Unterschied! Er fragte zum zweiten- und zum dritten Mal; als sie aber stumm blieb und ihm kein einziges Wort entgegnete, so mochte er zuletzt auch nicht l\u00e4nger fragen, sondern flog davon, und zwar unmittelbar auf Brautwerbung<\/p>\n\n\n\n<p>Es war in den ersten Tagen des Fr\u00fchjahrs, ringsum bl\u00fchten Schneegl\u00f6ckchen und Krokus. Die sind sehr niedlich, dachte der Schmetterling, allerliebste kleine Konfirmanden, aber ein wenig zu sehr Backfisch! Er, wie alle jungen Burschen, sp\u00e4hte nach \u00e4lteren M\u00e4dchen aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Darauf flog er auf die Anemonen zu; die waren ihm ein wenig zu bitter, die Veilchen ein wenig zu schw\u00e4rmerisch, die Lindenbl\u00fcten zu klein und hatten eine zu gro\u00dfe Verwandtschaft, die Apfelbl\u00fcten &#8211; ja, die sahen zwar aus wie Rosen, aber sie bl\u00fchten heute, um morgen schon abzufallen, meinte er. Die Erbsenbl\u00fcte gefiel ihm am besten, rot und wei\u00df war sie, auch zart und fein und geh\u00f6rte zu den h\u00e4uslichen M\u00e4dchen, die gut aussehen und doch f\u00fcr die K\u00fcche taugen; er stand eben im Begriffe, seinen Liebesantrag zu stellen &#8211; da erblickte er dicht neben ihr eine Schote, an deren Spitze eine wei\u00dfe Bl\u00fcte hing. &#8222;Wer ist die da?&#8220; fragte er. &#8222;Es ist meine Schwester&#8220;, antwortete die Erbsenbl\u00fcte.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ah, so! Sie werden sp\u00e4ter auch so aussehen?&#8220; fragte er und flog davon, denn er hatte darob entsetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Cei\u00dfblatt hing bl\u00fchend \u00fcber den Zaun hinaus, derartige Fr\u00e4ulein gab es in H\u00f6lle und F\u00fclle: lange Gesichter, gelber Teint, nein, die Art gefiel ihm nicht. Aber welche liebte er denn?<\/p>\n\n\n\n<p>Der Fr\u00fchling verstrich, der Sommer ging zu Ende; es war Herbst, er aber war noch unschl\u00fcssig.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Blumen erschienen nun in den prachtvollsten Gew\u00e4ndern &#8211; doch vergeblich! Es fehlte ihnen der frische, duftende Jugendsinn. Duft begehrt das Herz, wenn es selbst nicht mehr jung ist, und gerade hiervon ist bitter wenig bei den Georginen und Klatschrosen zu finden. So wandte sich denn der Schmetterling der Krauseminze zu ebener Erde zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie ist ganz und gar Bl\u00fcte, duftet von unten bis oben, hat Blumenduft in jedem Blatte. Diese hatte aber nur noch wenige Bl\u00fcten. &#8222;Die werde ich nehmen!&#8220; sagte der Schmetterling.<\/p>\n\n\n\n<p>Und nun hielt er um sie an.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber die Krauseminze stand steif und still da und h\u00f6rte ihn an; endlich sagte sie: &#8222;Freundschaft, ja! Aber weiter nichts! Ich bin alt und Sie sind alt; wir k\u00f6nnen zwar sehr wohl f\u00fcreinander leben, aber uns heiraten &#8211; nein! Machen wir uns nicht zum Narren in unserm Alter!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>So kam es denn, dass der Schmetterling keine Frau bekam. Er hatte zu lange gew\u00e4hlt, und das soll man nicht! Der Schmetterling blieb ein Hagestolz, wie man es nennt.<\/p>\n\n\n\n<p>Es war im Sp\u00e4therbste, Regen und tr\u00fcbes Wetter. Der Wind blies kalt \u00fcber den R\u00fccken der alten Weidenb\u00e4ume dahin, so dass es in ihnen knackte. Es war kein Wetter, um im Sommeranzuge umherzufliegen; aber der Schmetterling flog auch nicht drau\u00dfen umher; er war zuf\u00e4lligerweise unter Dach und Fach geraten, wo Feuer im Ofen und es so recht sommerwarm war; er konnte schon leben; doch &#8222;leben ist nicht genug!&#8220; sprach er. &#8222;Sonnenschein, Freiheit und ein kleines Bl\u00fcmchen muss man haben!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Und er flog gegen die Fensterscheibe, wurde gesehen, bewundert, auf eine Nadel gesteckt und im Rarit\u00e4tenkasten ausgestellt; mehr konnte man nicht f\u00fcr ihn tun. tun.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Jetzt setze ich mich selbst auf einen St\u00e4ngel wie die Blumen!&#8220; sagte der Schmetterling, &#8222;so recht angenehm ist das freilich nicht! So ungef\u00e4hr wird es wohl sein, wenn man verheiratet ist, man sitzt fest!&#8220; Damit tr\u00f6stete er sich dann einigerma\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Das ist ein schlechter Trost!&#8220; sagten die Topfgew\u00e4chse im Zimmer. &#8222;Aber&#8220;, meinte der Schmetterling, &#8222;diesen Topfgew\u00e4chsen ist nicht recht zu trauen, sie gehen zuviel mit Menschen um!<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Schmetterling Hans-Christian Andersen Der Schmetterling wollte eine Braut haben und sich unter den Blumen eine recht niedliche aussuchen. 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