{"id":5479,"date":"2026-02-04T01:11:14","date_gmt":"2026-02-04T00:11:14","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5479"},"modified":"2026-02-04T01:11:15","modified_gmt":"2026-02-04T00:11:15","slug":"das-schloss-der-goldenen-sonne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/das-schloss-der-goldenen-sonne\/","title":{"rendered":"Das Schloss der goldenen Sonne"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Das Schloss der goldenen Sonne<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ullrich Jahn<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es war einmal ein Bauer, der hatte drei S\u00f6hne; und weil sie alle drei stark gebaut und schlank gewachsen waren, nahm sie der K\u00f6nig in sein Heer; doch als der j\u00fcngste eintrat, war der zweite schon Gefreiter und der \u00e4lteste gar Unteroffizier. Sie hatten es gar nicht schlecht in dem bunten Rocke, aber gefallen wollte es ihnen darum doch nicht; denn es war Friedenszeit, und nirgends gab es etwas zu erobern. Sie verabredeten darum, auf und davon zu laufen, und als alle drei einmal gemeinsam auf Wache gezogen waren, f\u00fchrten sie ihren Plan aus und liefen, was sie laufen konnten, bis sie in einen gro\u00dfen, finstern Wald kamen, der gar kein Ende nehmen wollte. Sie wanderten einen Tag und noch einen; aber es half ihnen nichts, sie waren im Walde und blieben im Walde. Endlich am Abend des dritten Tages, als es schon dunkel geworden war, sahen sie ein Licht durch die B\u00e4ume schimmern. Darauf gingen sie los, und es dauerte gar nicht lange, so standen sie vor einer kleinen H\u00fctte; und als sie eingetreten waren, sa\u00df am Feuer ein steinaltes Weib mit schlohwei\u00dfem Haar. \u00bbM\u00fctterchen,\u00ab sagten die Br\u00fcder, \u00bbwir laufen seit drei Tagen im Walde umher ohne Weg und Steg; kannst du uns nicht zu essen geben und \u00fcber Nacht bei dir behalten?\u00ab \u2013 \u00bbMeinetwegen, wenn ihr&#8217;s wollt, k\u00f6nnt ihr bei mir bleiben,\u00ab antwortete die Alte und gab ihnen eine kr\u00e4ftige Suppe; und als sie satt geworden waren, wies sie ihnen ein Lager an, worauf sie ausschlafen konnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Am andern Morgen, als die Sonne aufging, weckte das M\u00fctterchen die Schl\u00e4fer und sagte: \u00bbIhr habt in meinem Hause geschlafen und gegessen, daf\u00fcr seid ihr mir Lohn schuldig; und es ist nicht viel, was ich verlange: Jede Nacht sollt ihr drei umschichtig mit mir das Lager teilen, bis ich euch wieder entlasse. Tut ihr das nicht, so kostet es euch das Leben!\u00ab \u2013 \u00bbDas ist hart,\u00ab dachten die Br\u00fcder; aber weil ihnen das Leben lieb war, gingen die beiden \u00e4ltesten auf den Handel ein, nur der j\u00fcngste wollte davon nichts wissen und sprach: \u00bbJa, wenn du ein h\u00fcbsches, junges M\u00e4dchen w\u00e4rest, da wollte ich nichts sagen; aber bei einem alten Weibe mag der Teufel liegen!\u00ab Die Worte kr\u00e4nkten die b\u00f6se Hexe sehr; aber sie fra\u00df ihren Zorn in sich und gab ihm drei Tage Bedenkzeit. T\u00e4te er es dann nicht, so m\u00fcsse er sterben. Au\u00dferdem langte sie drei Gewehre vom Nagel, gab jedem der Br\u00fcder eins und sprach zu ihnen: \u00bbGeht in den Wald und schie\u00dft mir ein Wildbret, dass wir davon essen m\u00f6gen, und trefft ihr nichts, so kostet es euch das Leben.\u00ab Da gingen die Br\u00fcder in den Wald, der eine hierhin, der andere dorthin, und sie schossen auch Wildbret die Menge, nur der j\u00fcngste konnte nichts sehen. Endlich sprang vor ihm eine wei\u00dfe Hirschkuh auf. Schnell legte er an; doch als er losdr\u00fccken wollte, war das Tier verschwunden. \u00bbDass dich der Teufel!\u00ab rief er \u00e4rgerlich und setzte das Gewehr ab; indem hielt die wei\u00dfe Hirschkuh auch wieder vor ihm und \u00e4ste im Grase. Er legte zum zweiten und dritten Male an, aber es war dieselbe Geschichte; so lange er das Gewehr an der Backe hielt, war die Hirschkuh nirgends zu sehen, und sie wurde ihm erst wieder sichtbar, wenn er absetzte. Endlich gab er die Jagd auf; und da die Sonne sich ihrem Untergange neigte, kehrte er zu der kleinen H\u00fctte zur\u00fcck. Seine Br\u00fcder waren schon dort und wiesen dem M\u00fctterchen die Hasen und H\u00fchner, welche sie geschossen hatten. \u00bbWo hast du deine Beute?\u00ab fragte die Hexe den j\u00fcngsten. \u00bbIch habe nichts mitgebracht,\u00ab antwortete er. \u00bbZweimal will ich es dir schenken,\u00ab versetzte die Alte, \u00bbbringst du aber auch den dritten Tag kein Wildbret nach Hause und weigerst du dich auch dann noch, bei mir zu schlafen, so ist dein Leben Gras.\u00ab Damit lie\u00df sie den Jungen stehen und besorgte das Abendbrot; und nachdem sie gegessen und getrunken hatten, legten sie sich nieder; und bis Mitternacht schlief der \u00e4lteste Bruder an ihrer Seite und von Mitternacht bis Morgen der zweite. Sie h\u00e4tte auch gar gerne den j\u00fcngsten bei sich gehabt und redete ihm wacker zu, er aber hatte taube Ohren und r\u00fcckte und r\u00fchrte sich nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Den zweiten Tag gingen sie wieder auf Jagd. Doch es kam nicht anders, wie das erste Mal. Die beiden \u00e4ltesten Br\u00fcder schossen mehr, als sie fortbringen konnten, dem j\u00fcngsten stie\u00df weiter nichts auf, als die wei\u00dfe Hirschkuh, ob er schon eine ganz andere Strecke gegangen war. Zehnmal legte er an, aber es half ihm nichts; sobald er schie\u00dfen wollte, war die Hirschkuh verschwunden. So trieb sie ihr Spiel mit dem Jungen, bis der Abend d\u00e4mmerte und es hohe Zeit war, zur alten Hexe zur\u00fcckzukehren. Die lie\u00df ihn hart an, dass er auch heute nichts mitgebracht habe, und schwur ihm zu, er m\u00fcsse sterben, wenn er morgen wieder nichts tr\u00e4fe. \u00bbAber alles soll dir vergeben sein,\u00ab f\u00fcgte sie endlich hinzu, \u00bbwenn du, wie deine Br\u00fcder, ein Drittel der Nacht das Lager mit mir teilen willst.\u00ab \u2013 Bei dem Jungen nutzte jedoch alles Zureden nicht; wenn er auch nur noch einen Tag zu leben hatte, er wollte der alten Hexe den Gefallen nicht tun und schlief auf dem harten Lager alleine, w\u00e4hrend seine Br\u00fcder auf Eiderdaunen bei der Alten im Bette lagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Sonnenaufgang gingen die drei, ihr Jagdgl\u00fcck von neuem zu versuchen. Dem J\u00fcngsten stie\u00df auch diesmal nichts anderes auf, als die wei\u00dfe Hirschkuh; aber sie verschwand nicht vor seinen Augen, als er anlegen wollte, um sie zu erlegen, sondern tat den Mund auf und sprach: \u00bbSchie\u00df nicht, du J\u00e4gersmann, es w\u00e4re dein Ungl\u00fcck.\u00ab Antwortete der Junge: \u00bbEinen Hirsch, der sprechen kann, schie\u00dfe ich \u00fcberhaupt nicht; aber schlecht wird&#8217;s mir gehen, wenn ich heute kein Wildbret erjage.\u00ab \u2013 \u00bbDein Wildbret darfst du nicht im Walde suchen,\u00ab versetzte die wei\u00dfe Hirschkuh, \u00bbkehr in die H\u00fctte zur\u00fcck und erschie\u00df mit der Kugel, die du nun schon drei Tage im Laufe hast, die alte Hexe. Und wenn sie zu Boden gefallen ist, so schlag ihr den Kopf ab und wirf ihn in den Wald; und schneid ihr den Leib auf und rei\u00df das Herz heraus und hack es in tausend St\u00fccke. Dann kann sie nicht wieder aufwachen, und ich bin erl\u00f6st; denn ich bin eine verw\u00fcnschte Prinzessin. Mein Reich ist jedoch weit, weit von hier gegen Morgen, und ich wohne im Schloss der goldenen Sonne. Da musst du mich aufsuchen; und damit du dahin gelangen kannst, stecke aus dem Geldkasten der Hexe drei St\u00fccke zu dir, das sind Finanzgroschen. Wenn du dieselben bei dir tr\u00e4gst, wirst du in das Schloss der goldenen Sonne kommen.\u00ab Der Junge versprach der Hirschkuh, alles zu tun, wie sie ihm gesagt hatte, und kehrte auch sogleich in die H\u00fctte zur\u00fcck. \u00bbWarum kommst du so fr\u00fch,\u00ab schalt die Hexe, \u00bbdu kannst wohl den Tod nicht erwarten? oder hast du ein Wildbret erbeutet?\u00ab \u2013 \u00bbMein Wildbret schie\u00dfe ich hier,\u00ab sagte der Junge und legte an, krach! ging der Schuss los, und gegen die Kugel, welche er drei Tage im Laufe getragen hatte, waren die K\u00fcnste der Alten machtlos, sie fuhr ihr durch die Stirn in den Kopf hinein, dass der Bregen (Gehirn) an die Wand spritzte und die Hexe tot zu Boden sank. Damit war der Junge aber nicht zufrieden, sondern, wie ihm die Hirschkuh gesagt hatte, schnitt er der Hexe den Kopf ab und warf ihn in den Wald; dann riss er dem Leichnam das Herz aus dem Leibe und zerhackte es in tausend St\u00fccke. Zu guter Letzt ging er in die Kammer und nahm aus dem Geldkasten drei Finanzgroschen heraus, steckte dieselben in seine Tasche und wanderte gegen Morgen, dem Schloss der goldenen Sonne zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem er Jahr und Tag gegangen war, kam er endlich an ein gro\u00dfes, breites Wasser. \u00bbF\u00e4hrmann,\u00ab rief er, \u00bbsetz mich \u00fcber!\u00ab Da kam der F\u00e4hrmann heran gerudert. Das war aber ein gro\u00dfer, starker Riese, der sprach zu dem Jungen: \u00bbErdw\u00fcrmchen, was suchst du hier? und wo willst du hin?\u00ab \u2013 \u00bbIch will zum Schloss der goldenen Sonne,\u00ab antwortete der Junge, \u00bbdas soll gegen Osten liegen, und ich kann hier nicht weiter.\u00ab \u2013 Sprach der Riese: \u00bbWenn du zum Schloss der goldenen Sonne willst, so bist du auf dem rechten Wege,\u00ab nahm den Wanderer in den Kahn und setzte ihn \u00fcber das Wasser. Am andern Ufer lie\u00df er ihn jedoch hart an und sprach zu ihm: \u00bbErdw\u00fcrmchen, jetzt gilt&#8217;s dein Leben, wenn du das F\u00e4hrgeld nicht bezahlen kannst.\u00ab \u2013 \u00bbWas willst du denn haben?\u00ab fragte der Junge. \u00bbDrei Finanzgroschen,\u00ab versetzte der Riese. Da griff der Junge in die Tasche und gab ihm das Geld. Sobald der Riese die Finanzgroschen erblickte, br\u00fcllte er laut auf und raufte sich die Haare aus dem Kopfe und schrie: \u00bbIch bin betrogen! Ich bin betrogen! Du hast meine Mutter ermordet, denn niemand auf der Welt hat Finanzgroschen Au\u00dfer ihr!\u00ab Sprach&#8217;s und stieg in den Kahn zur\u00fcck und machte, dass er so schnell, wie m\u00f6glich, zu der H\u00fctte im Walde kam. Richtig, da lag der blutige Rumpf der alten Hexe, aber Kopf und Herz waren nirgends zu finden; das hatten die wilden Tiere des Waldes und die V\u00f6gel unter dem Himmel gefressen, und ohne Herz und Kopf konnte der Riese seiner Mutter nicht helfen, obgleich ihn die Hexe in Zauberk\u00fcnsten von Jugend auf unterrichtet hatte. Sie war tot und blieb tot und konnte nirgends mehr ein Ungl\u00fcck anrichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Junge war inzwischen r\u00fcstig fortgeschritten; und es dauerte gar nicht lange, so sah er es vor sich blinken und blitzen, als w\u00e4re es die lichte Sonne. Aber die konnte es nicht sein, denn sie stand hoch am Himmel; er fragte darum die Leute, und diese sagten ihm: \u00bbDu kommst wohl aus fernen Landen, dass du das Schloss der goldenen Sonne nicht kennst!\u00ab Da war sein Herz aller Freuden voll, dass er zu dem Schlosse kam. Am Thore begegnete ihm eine wundersch\u00f6ne Jungfrau. Als sie ihn erblickte, fiel sie ihm um den Hals und rief: \u00bbDu bist mein Erl\u00f6ser, ich und die wei\u00dfe Hirschkuh sind eins. Und wenn du willst, kannst du mich heiraten und K\u00f6nig \u00fcber das Schloss der goldenen Sonne werden.\u00ab Und ob der Junge das wollte! Er sagte sogleich ja, und alsbald wurde Verlobung gefeiert und Hochzeit gehalten; und er lebte mit der Prinzessin von dem Schlosse der goldenen Sonne in Gl\u00fcck und in Frieden ein ganzes Jahr.<\/p>\n\n\n\n<p>Da \u00fcberkam ihn die Sehnsucht nach seinen Eltern und Geschwistern, und er bat seine Frau, sie m\u00f6ge ihn ziehen lassen, dass er die Seinen besuche. \u00bbLieber Mann,\u00ab antwortete die junge K\u00f6nigin, \u00bbnach Hause kannst du nicht reisen, denn der Weg ist weit, und R\u00e4uber versperren dir \u00fcberall den Weg; aber ich werde meinen Bruder bitten, vielleicht nimmt er dich unter seinen Schutz und geleitet dich nach Hause.\u00ab \u2013 Damit ergriff die K\u00f6nigin einen Stock, drehte ihn um und stie\u00df dreimal mit dem Knauf auf den Boden. Da tat sich der Erdboden voneinander, und ein kleines, buckliges Kerlchen kam zum Vorschein, das hatte einen langen, langen Bart und trug eine Keule in der Hand, so dick wie ein Scheffelma\u00df. \u00bbWarum rufst du mich, Schwester?\u00ab schalt der Unterirdische und pustete vor Zorn; \u00bbIch hatte unten eilig zu tun, und nun musste ich die tausend Meilen machen um deinetwillen.\u00ab \u2013 \u00bbAch Bruder,\u00ab antwortete die K\u00f6nigin, \u00bbsei nicht so b\u00f6se, es gilt meinem Mann.\u00ab Da wurde der Unterirdische noch zorniger und ward ganz kirschrot im Gesichte und rief: \u00bbDu hast einen Mann und sagst deinem leibhaftigen Bruder nichts davon?\u00ab Und dabei stie\u00df er mit der gro\u00dfen Keule auf den Erdboden, dass das ganze Schloss erbebte. Nun bekam es die K\u00f6nigin mit der Angst und erz\u00e4hlte ihm alles, wie es gekommen war und dass sie vor Gl\u00fcck und Wonne seiner ganz vergessen habe. Dar\u00fcber beruhigte sich der Unterirdische ein wenig, und als er geh\u00f6rt hatte, dass seiner Schwester Mann seine Eltern und Geschwister besuchen wolle, sagte er zu dem K\u00f6nig: \u00bbSchwager, was du willst, das geht schwer an; denn wo die H\u00fctte der alten Hexe gestanden hat, da ist jetzt ein R\u00e4uberreich. Und deine Br\u00fcder sind schlimme Gesellen, die f\u00fchren Arges gegen dich im Schilde.\u00ab Antwortete der K\u00f6nig: \u00bbLieber kleiner Schwager, es ist nun einmal meines Herzens Wunsch, und wenn du mir helfen kannst, so hilf mir!\u00ab Da hie\u00df ihn der Unterirdische sein bestes Kleid anziehen und Gold und Silber f\u00fcr seine Eltern in die Tasche stecken; und als er das getan hatte, wanderten sie fort. \u00dcber das gro\u00dfe Wasser setzte der kleine Schwager den K\u00f6nig; und dann gingen sie, bis sie in dem finstern Walde an ein gro\u00dfes, steinernes Haus kamen, das wie ein Krug aussah. Dort kehrten sie ein; und nachdem sie gegessen und getrunken hatten, lie\u00dfen sie sich eine Stube geben und legten sich schlafen.<\/p>\n\n\n\n<p>Um Mitternacht \u00f6ffnete sich ganz leise die T\u00fcre , und zwanzig R\u00e4uber schlichen herein, um die fremden G\u00e4ste zu ermorden. Aber der kleine Schwager schlief nicht, sondern sprang auf und schwang seine gewaltige Keule, und als er einmal zugeschlagen hatte, lagen auch schon alle zwanzig am Boden und r\u00fchrten kein Glied mehr. Der K\u00f6nig war dar\u00fcber erwacht und f\u00fcrchtete sich sehr; aber der Unterirdische beruhigte ihn, er m\u00f6ge schlafen bis zum lichten Morgen, jetzt w\u00fcrde ihn niemand mehr st\u00f6ren. Das tat der K\u00f6nig auch; und als die Sonne aufgegangen war, verlie\u00df er die R\u00e4uberh\u00f6hle und zog mit seinem kleinen Schwager weiter. Die folgende Nacht ging es ebenso. Sie kehrten wieder in einem R\u00e4uberhaus ein, und zwanzig Mann stellten ihnen nach dem Leben; aber der Unterirdische schlug mit seiner Keule alles kurz und klein, so dass sie ungehindert ihren Weg fortsetzen konnten. Endlich langten sie in dem Dorfe an, wo des K\u00f6nigs Eltern wohnten; seine Br\u00fcder waren auch da; denn es hatte sie nicht mehr in dem Walde gelitten, als die alte Hexe tot war, und sie waren auf ihres Vaters Hof zur\u00fcckgekehrt. Als die beiden Br\u00fcder nun den K\u00f6nig in seinem goldenen Kleide erblickten, trachteten sie ihm nach dem Leben, denn sie kannten ihn nicht und er hatte sich ihnen noch nicht zuerkennen gegeben. In der Nacht gingen sie mit dem langen K\u00fcchenmesser und dem Beile in die Kammer hinauf; aber ehe sie sich&#8217;s versahen, hatte der Zwerg mit jeder Hand einen von ihnen am Fu\u00dfe gepackt, schwang sie in der Luft herum und rief: \u00bbSchwager, was soll ich mit den Kerlen machen?\u00ab Da erwachte der K\u00f6nig und rief: \u00bbSchenk ihnen das Leben; sie haben schlecht an mir gehandelt, aber es sind meine Br\u00fcder.\u00ab Da lie\u00df der Zwerg sie wieder los; aber die beiden Br\u00fcder fielen vor dem K\u00f6nig auf den Boden und baten ihn um Vergebung, denn nun erkannten sie ihn wieder. Da erz\u00e4hlte er ihnen, dass er das Reich der goldenen Sonne beherrsche; und als der Tag anbrach, ging er mit ihnen zu Vater und Mutter, und es wurde ein frohes Wiedersehen gefeiert. Darauf lie\u00df er ihnen alles Gold und Silber, was er mitgebracht hatte, und kehrte mit dem Zwerge zum Schloss der goldenen Sonne zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem sie dort angelangt waren, nahm der kleine Schwager den K\u00f6nig beiseite und sprach zu ihm: \u00bbIch hab&#8216; dich auf der Reise besch\u00fctzt, jetzt tust du mir auch einen Gefallen und schl\u00e4gst mir den Kopf ab.\u00ab \u2013 \u00bbDas fehlte auch noch,\u00ab sagte der K\u00f6nig, \u00bbeinen Schwager habe ich nur!\u00ab Schrie der Zwerg zornig: \u00bbTust du es nicht, so sto\u00dfe ich mit der Keule auf, dass dein ganzes K\u00f6nigreich mit samt dem Schloss der goldenen Sonne auseinander wackelt.\u00ab Der K\u00f6nig rief wohl: \u00bbIch bin Bauernsohn und soll dem K\u00f6nigskinde das Haupt abschlagen!\u00ab aber es half ihm alles nichts, er musste das Schwert z\u00fccken. Schwapp! schlug er zu, und der Kopf sprang vom Rumpfe. Doch husch war er wieder oben, und statt des verwachsenen, krummbuckligen Zwerges stand ein sch\u00f6ner Prinz vor ihm. Der war nun ebenfalls erl\u00f6st und sein Reich mit ihm. Dahin zog er, nachdem er sich mit seinem Schwager und der K\u00f6nigin vom Schlosse der goldenen Sonne genugsam \u00fcber die Erl\u00f6sung gefreut hatte. Und die lebten hier und der dort in Gl\u00fcck und in Frieden bis an ihr seliges Ende; und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie heute noch.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Schloss der goldenen Sonne Ullrich Jahn Es war einmal ein Bauer, der hatte drei S\u00f6hne; und weil sie alle drei stark gebaut und schlank gewachsen waren, nahm sie der K\u00f6nig in sein Heer; doch als der j\u00fcngste eintrat, war der zweite schon Gefreiter und der \u00e4lteste gar Unteroffizier. 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