{"id":5477,"date":"2026-02-04T01:08:01","date_gmt":"2026-02-04T00:08:01","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5477"},"modified":"2026-02-04T01:08:02","modified_gmt":"2026-02-04T00:08:02","slug":"das-schloss-des-todes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/das-schloss-des-todes\/","title":{"rendered":"Das Schloss des Todes"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Das Schloss des Todes<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Johann Wilhelm Wolf<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Ein armer Mann hatte viel Kinder und demnach auch viel Gevattersleute. Da schenkte ihm seine Frau in seinen alten Tagen noch ein Kn\u00e4bchen. Er sprach: \u201eW\u00fcsste ich jetzt nur, wen ich zu Gevatter bitten soll! \u201e Die Frau sprach: \u201eDen Ersten Besten, der dir vor der T\u00fcr auf der Landstra\u00dfe begegnet. \u201e Da ging der Mann hinaus, es war noch ganz fr\u00fch, so dass die Sonne mit ihm herauskam, und schritt auf der Landstra\u00dfe auf und ab. Kam da ein kleines greisgraues M\u00e4nnchen, das war gar freundlichen Aussehens und fragte den Mann: \u201eEi warum schon so fr\u00fch auf den Beinen? \u201e \u201eIch suche einen Gevatter zu meinem Kinde, wollt ihr mir vielleicht den Gefallen tun? \u201e fragte der Mann und das M\u00e4nnchen sagte: \u201eVon Herzen gern, sagt mir nur, wann die Taufe ist. \u201e \u201eGleich morgen fr\u00fch, wenn es euch geliebt. \u201e \u201eEs ist gut, ich habe dann gerade Gesch\u00e4fte im n\u00e4chsten Ort und werde zur rechten Zeit bei euch sein. \u201e \u201eWie hei\u00dft ihr denn, Herr Gevatter? \u201e \u201eIch bin der Tod\u201c, antwortete das M\u00e4nnchen l\u00e4chelnd, gr\u00fc\u00dfte den armen Mann sehr freundlich und ging weiter. Am folgenden Morgen fand es sich zur rechten Stunde ein und hob das Kind aus der Taufe; dann sprach es: \u201eWenn das Kind vierzehn Jahr alt ist komme ich wieder und dann braucht ihr nicht weiter f\u00fcr dasselbe zu sorgen, im Gegenteil es wird f\u00fcr euch sorgen. \u201e Da freuten sich die Leute, dankten dem guten Tod und er nahm freundlichen Abschied von ihnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der Knabe vierzehn Jahre alt war, kam der gute Pate nahm ihn mit sich in den Wald und sprach: \u201eJetzt will ich dich zum besten Arzt in der Welt machen, mein liebes Patenkind, h\u00f6re nur flei\u00dfig zu, was ich dir sage. Wenn du zu einem Kranken kommst und ich stehe zu H\u00e4upten des Bettes, dann sage dreist: Hier ist keine Rettung. Stehe ich aber am Fu\u00dfende, dann mache einen Trank aus s\u00fc\u00dfer Milch und drei K\u00f6rnlein Salz und in Zeit von drei Tagen ist der Kranke gesund. \u201e Der J\u00fcngling dankte dem guten Paten und \u00fcbte seine neue Kunst sehr eifrig, wurde hochber\u00fchmt dadurch und reich dazu. Als des K\u00f6nigs Tochter krank war heilte er sie und bekam Gold, mehr als ein Pferd ziehen kann, und als er der K\u00f6nigin Tod vorhersagte und sie auch wirklich starb, da gab ihm der K\u00f6nig doppelt so viel und heiratete acht Tage darauf eine andre.<\/p>\n\n\n\n<p>Als er schon ein bl\u00fchender Mann war und in seinen besten Jahren stand, kam er eines Tages durch den Wald, da begegnete ihm sein Pate und die Beiden gingen eine Strecke gemeinsam fort. An einem Kreuzwege sprach der Tod: \u201eIch gehe nun rechts, gehe du links und es ist dein Gl\u00fcck; bald sehen wir uns wieder. \u201e \u201eWohin gehst du denn? \u201e fragte der Arzt. \u201eNach Hause, ich habe da zu tun\u201c, antwortete der Tod. \u201eDann will ich mit dir gehen, lieber Pate\u201c, sprach der Arzt: \u201eich habe ja noch nie gesehen wo du wohnst. \u201e Der Tod wehrte ihm und bat ihn liebevoll, den andern Weg einzuschlagen, doch der Arzt lie\u00df sich nicht abweisen und flehte den Tod so lange, bis dieser sprach: \u201eWohlan du kannst mit mir gehen bis an mein Schloss, aber nicht hinein. \u201e Sie kamen bald auf einen breiten, gar glatten und sch\u00f6nen Weg, der sich weithin in den Wald erstreckte; am Ende desselben stand ein sch\u00f6nes Schloss, daran waren alle L\u00e4den geschlossen. Als sie am Thore standen, sprach der Tod: \u201eJetzt lass es genug sein, lieber Sohn, und kehre um; tue mir den Gefallen! \u201e Aber der Arzt war jetzt gerade erst neugierig geworden zu sehn, wie es in des Todes Schloss auss\u00e4he, und wie sehr der Tod auch bat, er m\u00f6ge jetzt zur\u00fcckkehren, er bestand darauf, bis er hinein kam. Da waren alle Zimmer dunkel und voll Lichtchen, eins am andern. \u201eWas ist das? \u201e frug der Arzt erstaunt und der Tod erwiderte: \u201eDas sind die Lebenslichter der Menschen. \u201e \u201eAch lieber Pate, wo ist denn meines? \u201e fragte der Arzt und der Tod antwortete: \u201eDarnach frage nicht, das ist dir nicht gut zu wissen. \u201e Da ging es aber wiederum, wie vorher, der Arzt qu\u00e4lte ihn so lange, bis der gute Tod ihm ein ganz kleines Lichtchen zeigte, welches nicht weit vom Verl\u00f6schen war. \u201eNun gehst du mir aber und bleibst keinen Augenblick mehr\u201c, sprach der Tod ernst, \u201edamit ich hier nicht mein Amt an dir \u00fcben muss; \u201e und er f\u00fchrte ihn rasch aus dem Schloss und in den Wald zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Arzt eilte nach Hause und wurde noch am selben Abend ernstlich krank. Als er in der Nacht einmal erwachte, schaute er sich im Zimmer um, da stand der Tod zu H\u00e4upten seines Bettes. Da wandte er sich rasch in dem Bette um und streckte dem Tode die Beine entgegen. Ruhig ging der Tod an das andere Ende des Bettes, doch da wandte sich der Arzt abermals und trieb sein Spiel also fort bis gegen Morgen, so dass der Tod trotz all seiner G\u00fcte und Freundlichkeit dessen doch endlich m\u00fcde wurde. \u201eMit dir einem habe ich mehr Not, als mit allen, die ich seit dem Vater Adam geholt habe\u201c, sprach er. \u201eAber lass uns freundlich scheiden, sage mir, willst du heute noch leben, so gew\u00e4hre ich es dir gern. \u201e \u201eNur noch ein Vaterunserlang\u201c, sagte der Arzt. \u201eDas sei dir gew\u00e4hrt\u201c, sagte der Tod, der Arzt begann: \u201eVater unser, der du bist \u2013 so und jetzt bete ich f\u00fcnfzig Jahre lang daran. \u201e Da lachte der Tod und sprach: \u201eIch werde mich h\u00fcten, noch einen Doktor meine Kunst zu lehren. \u201e<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Schloss des Todes Johann Wilhelm Wolf Ein armer Mann hatte viel Kinder und demnach auch viel Gevattersleute. 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