{"id":5456,"date":"2026-02-03T23:37:32","date_gmt":"2026-02-03T22:37:32","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5456"},"modified":"2026-02-03T23:37:33","modified_gmt":"2026-02-03T22:37:33","slug":"die-schlange","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-schlange\/","title":{"rendered":"Die Schlange"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Die Schlange<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es war einmal ein Kaufmann, der hatte drei T\u00f6chter. Als er eines Tages auf die Reise ging, um seine Gesch\u00e4fte zu betreiben, fragte er seine T\u00f6chter, was er ihnen mitbringen sollte. Die \u00e4lteste bat ihn um einen Unterrock, die zweite dagegen um ein Schmuckst\u00fcck, die j\u00fcngste aber sagte: \u00bbIch w\u00fcnsche mir nichts als ein paar Rosen; jetzt sind sie wohlfeil auf dem Markt.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Nun gut, der Vater ritt fort und wickelte seinen Handel ab, dann kaufte er die Geschenke, die er seinen T\u00f6chtern versprochen hatte. Nachdem er sich auf den Heimweg gemacht hatte, kam ein so heftiger Hagelsturm, dass ihm sein Rosenstrau\u00df ganz zerschlagen wurde. Der Sturm wurde immer heftiger, und der Kaufmann war froh, als er endlich ein Tor erblickte und unter ein Obdach fl\u00fcchten konnte. Er versorgte sein Pferd und ging dann ins Innere des Hauses, konnte jedoch niemand darin treffen. Da er hungrig war, a\u00df er von den Speisen, die er auf der Tafel vorfand, und trank von den Getr\u00e4nken. In der Zwischenzeit hatte sich der Sturm gelegt, so dass der Kaufmann an eine Fortsetzung seines Heimweges denken konnte. Er sattelte also sein Pferd und wollte gerade abreiten, da sah er im Garten einen Rosenstrauch stehen und dachte an die Bitte seiner j\u00fcngsten Tochter.<\/p>\n\n\n\n<p>Er ging hin und pfl\u00fcckte einen Strau\u00df Rosen ab. Kaum war dies geschehen, da erschien eine Schlange und sprach: \u00bb0 du undankbarer Mensch! Gen\u00fcgt es dir nicht, dass du in meinem Hause Obdach, speise und Trank gefunden hast? Musst du mir auch noch meine liebsten Rosen missg\u00f6nnen und sie abrei\u00dfen?\u00ab Der Kaufmann antwortete: \u00bbH\u00e4tte ich dich fr\u00fcher gesehen, dann w\u00fcrde ich dich um Erlaubnis gefragt haben. \u00ab &#8211; \u00bb Gib acht, was ich dir sage\u00ab, entgegnete die Schlange, \u00bbdu hast die Rosen f\u00fcr deine j\u00fcngste Tochter gepfl\u00fcckt; nun sollst du sie mir hierher bringen. Solltest du dich weigern, w\u00fcrde ich dich aufsuchen und dich t\u00f6ten.\u00ab Da der Kaufmann eine gro\u00dfe Furcht hatte, sagte er ja, was konnte der \u00c4rmste auch sonst schon sagen?<\/p>\n\n\n\n<p>Zu Hause angelangt, kamen sogleich die beiden \u00e4ltesten M\u00e4dchen angelaufen und verlangten ihre Geschenke. Die J\u00fcngste dagegen wartete sch\u00fcchtern. \u00bbKomm her, liebe Tochter\u00ab, sprach der Vater, \u00bbhier sind auch die Rosen, die du dir gew\u00fcnscht hast\u00ab, und dabei fing er an zu weinen. Die Tochter fragte ihn, warum er weine, und er erz\u00e4hlte ihr ausf\u00fchrlich, was ihm auf dem Heimweg zugesto\u00dfen war. Sobald die Schwestern das erfuhren, schm\u00e4hten und verh\u00f6hnten sie die j\u00fcngste und sagten: \u00bbDu hochm\u00fctiges Ding, h\u00e4ttest du dir Schmuck oder Kleidung gew\u00fcnscht wie wir, so m\u00fcsstest du nicht zu der Schlange gehen!\u00ab Das M\u00e4dchen aber, das sehr verst\u00e4ndig war, kehrte ihnen den R\u00fccken und ging ins Haus, um ihr B\u00fcndel zu schn\u00fcren. Als sie alles, was sie brauchte, beisammen hatte, bat sie den Vater, das Pferd wieder zu satteln, nahm Abschied von ihren Schwestern und zog zu dem Palast der Schlange. An Ort und Stelle angelangt, f\u00fchrten sie das Pferd in den Stall und traten ins Haus hinein, wo sie wieder die Speisen vorfanden, ohne einen Menschen zu sehen. Bald jedoch stellte sich die Schlange ein und sprach: \u00bbIch sehe, du hast meinen Willen erf\u00fcllt. Nun kannst du getrost nach Hause zur\u00fcckkehren!\u00ab Hierauf nahm er Abschied, w\u00e4hrend das M\u00e4dchen bei der Schlange blieb.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach nicht langer Zeit verfiel der Vater aus Kummer und Schmerz \u00fcber die Abwesenheit seiner Lieblingstochter in eine schwere Krankheit und musste sich zu Bett legen. Die Schlange aber pflegte, wenn das M\u00e4dchen a\u00df, sich auf ihren Scho\u00df zu legen und sie zu fragen: \u00bbNimmst du mich zum Manne, Liebste?\u00ab Aber das M\u00e4dchen antwortete immer: \u00bbIch habe Angst vor dir.\u00ab Eines Tages nun fand das M\u00e4dchen in einer Schublade einen Spiegel, in dem sich die ganze Welt spiegelte, auch ihren Vater konnte sie darin sehen, und sie wurde traurig, weil er so krank zu Bett lag. Sie weinte so bitterlich, dass die Schlange aus dem Garten gekrochen kam und fragte: \u00bbWas fehlt dir, mein liebes R\u00f6schen?\u00ab &#8211; \u00bbSchau hier in den Spiegel! Siehst du nicht, dass mein Vater krank ist?\u00ab Da sagte die Schlange zu ihr: \u00bb\u00f6ffne einmal jene Schublade dort. Da findest du einen Ring; den stecke dir an den Finger und sage mir, wie lange du wegbleiben wirst.\u00ab &#8211; \u00bbSo lange, bis mein lieber Vater wieder gesund ist\u00ab, antwortete das M\u00e4dchen. Da sprach die Schlange: \u00bbSobald dein Vater dich wieder erblickt, wird er augenblicklich wieder gesund werden. Dann gebe ich dir noch eine Frist von einunddrei\u00dfig Tagen. Kommst du bis dahin nicht zur\u00fcck und bleibst du nur einen einzigen Tag l\u00e4nger, so findest du mich tot.\u00ab &#8211; \u00bbDa sei der Himmel vor!\u00ab rief das M\u00e4dchen. \u00bbSei sicher, dass ich vor Ablauf der Frist wieder bei dir bin.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbNun gut\u00ab, versetzte die Schlange, \u00bbiss jetzt erst zu Mittag, und dann werde ich dir sagen, was du weiter zu tun hast!\u00ab Nachdem das M\u00e4dchen gegessen hatte, sprach die Schlange zu ihr: \u00bbLege dich in dein Bett und nimm den Ring in den Mund, dann wirst du dich alsbald in deinem alten Zimmer wiederfinden.\u00ab Das M\u00e4dchen tat, wie die Schlange geraten hatte, und gelangte so ins Haus ihres Vaters zur\u00fcck. Sobald ihr Vater sie erblickte, wurde er gesund und fragte sie, wie es ihr ginge. Sie erz\u00e4hlte nun von der Schlange und dass diese sich immer in ihren Scho\u00df lege und sie frage: \u00bbNimmst du mich zum Manne?\u00ab und dass sie bisher stets geantwortet habe: \u00bbIch habe Angst vor dir\u00ab, worauf sich die Schlange immer seufzend entferne. Als der Vater dies vernahm, sprach er: \u00bbSo sage doch einmal zu der Schlange, dass du sie zum Manne nimmst; wir wollen sehen, was dann daraus wird.\u00ab Das M\u00e4dchen versprach, dies zu tun. Als ihre Schwestern alles geh\u00f6rt hatten, rieten sie, nicht mehr zur Schlange zur\u00fcckzukehren, denn auf diese Weise w\u00e4re sie doch tot und die Schwester frei und ledig. Aber die j\u00fcngste sagte: \u00bbWarum sollte ich wohl die arme Schlange sterben lassen, die sich mir so freundlich und hilfsbereit erwiesen hat?\u00ab Und sie blieb bis zu jenem Tag, den ihr die Schlange bezeichnet hatte, bei ihrem Vater, dann nahm sie von diesem und ihren Schwestern Abschied, legte sich ins Bett und nahm den Ring in ihren Mund, worauf sie sogleich wieder bei der Schlange war. Als diese sie erblickte, rief sie freudig aus: \u00bbBist du da, mein liebes R\u00f6schen?\u00ab Und als das M\u00e4dchen speiste, legte sich die Schlange wieder in ihren Scho\u00df und fragte: \u00bbWillst du mich zum Manne, Liebste?\u00ab Da nun das M\u00e4dchen antwortete: \u00bbEi freilich!\u00ab, warf die Schlange sofort ihre Haut ab, und ein sch\u00f6ner K\u00f6nigssohn stand vor ihr. Zugleich bev\u00f6lkerte sich der Palast mit Dienern und Leuten. Verwundert fragte das M\u00e4dchen den Prinzen, wer er w\u00e4re und warum er in eine Schlange verwandelt worden sei. Er erz\u00e4hlte ihr, dies sei die Folge einer Verw\u00fcnschung gewesen, weil er eine Waise verf\u00fchrt habe; und wenn er nicht eine Frau gefunden, die ihn zum Manne haben wolle, h\u00e4tte er immer in der Schlangenhaut bleiben m\u00fcssen. Nun war er von dem Fluche erl\u00f6st, und er lie\u00df gleich den Vater und die Schwestern seiner Braut holen und die Hochzeit vorbereiten. Die Schwestern aber wurden ganz gelb vor Neid, als sie von dem Gl\u00fcck der j\u00fcngsten h\u00f6rten, und sie beschlossen, ihr einen b\u00f6sen Streich zu spielen. Aber dazu kam es nicht, denn der Prinz, der gelernt hatte, Gut und B\u00f6se zu unterscheiden, verwandelte sie in zwei Kr\u00e4hen. R\u00f6schen und ihr Vater fingen bitterlich zu weinen an, als sie dies sahen, aber der Prinz sagte, sie m\u00fcssten b\u00fc\u00dfen, bis sie sich von ihren b\u00f6sen W\u00fcnschen gereinigt h\u00e4tten. Dann veranstaltete man eine gro\u00dfe Hochzeit, und der Prinz machte seinen Schwiegervater zum Minister, und alles ging bei ihnen aufs beste; hier jedoch finde ich es noch besser.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schlange Es war einmal ein Kaufmann, der hatte drei T\u00f6chter. Als er eines Tages auf die Reise ging, um seine Gesch\u00e4fte zu betreiben, fragte er seine T\u00f6chter, was er ihnen mitbringen sollte. 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