{"id":5450,"date":"2026-02-03T23:30:07","date_gmt":"2026-02-03T22:30:07","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5450"},"modified":"2026-02-03T23:30:08","modified_gmt":"2026-02-03T22:30:08","slug":"das-schiff-das-zu-wasser-und-zu-lande-geht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/das-schiff-das-zu-wasser-und-zu-lande-geht\/","title":{"rendered":"Das Schiff, das zu Wasser und zu Lande geht"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Das Schiff, das zu Wasser und zu Lande geht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Schw\u00e4bisches Volksm\u00e4rchen &#8211; Ernst Heinrich Meier<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es war einmal ein K\u00f6nig von Holland, der lie\u00df in seinem Reiche bekannt machen, dass wer ein Schiff bauen k\u00f6nne, das zu Wasser und zu Land gehe, der d\u00fcrfe seine Tochter heiraten und solle K\u00f6nig werden. Da war nun ein reicher M\u00fcller in Holland, der hatte drei S\u00f6hne, und sprach zu ihnen: \u00bbIch will gern alles aufwenden, was ich habe; versucht es doch, ob nicht einer von Euch ein solches Schiff zuwege bringt!\u00ab Ja, das wollten sie alle drei recht gerne tun und stritten sich darum, wer&#8217;s zuerst probieren d\u00fcrfe, bis dass endlich der Vater gebot: der \u00c4lteste solle den Anfang machen. Er gab ihm K\u00e4se, Brod und Wein und schickte ihn mit seinen Arbeitern in den Wald, um Holz zu f\u00e4llen; und als sie einen Tagelang darin gearbeitet hatten, kam ein alter Mann daher und bat um ein St\u00fcck Brot. Der Sohn aber sagte: \u00bbich habe nur Brot f\u00fcr mich und meine Leute, ich kann Dir nichts abgeben.\u00ab \u00bbWas machen denn die Leute da?\u00ab fragte der alte Mann. \u00bbEin Schiff, das zu Wasser und zu Lande geht!\u00ab sagte der andere. \u00bbDas werden sie wohl bleiben lassen!\u00ab sagte der alte Mann und ging weiter. Und wie er&#8217;s gesagt hatte, so geschah es auch; denn sie arbeiteten ganz umsonst und konnten ein solches Schiff nicht zu Stande bringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der \u00e4lteste Sohn nun wieder nach Haus gekommen war, so zog der zweite aus, nahm Zimmerleute mit und Brot und K\u00e4se und Wein, und fing auch an, im Walde Holz zu hauen. Da kam derselbe alte Mann zu ihm her und bat um ein St\u00fcck Brot, erhielt aber zur Antwort, dass f\u00fcr fremde Leute kein Brot da sei. Daraus fragte der alte Mann: \u00bbWas wollt Ihr denn hier machen?\u00ab \u00bbEin Schiff, das zu Wasser und zu Lande geht!\u00ab sagte der M\u00fcllers Sohn. \u00bbEi, das k\u00f6nnt Ihr ja nicht!\u00ab sprach der alte Mann und ging fort. \u2013 Es war aber auch so; die Zimmerleute mochten sich besinnen so viel sie wollten, sie wussten gar nicht, wie sie ein solches Schiff einrichten sollten, und zogen mit einander wieder heim.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt kam die Reihe an den j\u00fcngsten Sohn, der hie\u00df Hans, der nahm ebenfalls Arbeitsleute an und sein Vater gab ihm Brot, K\u00e4se und Wein, und so zog er in den Wald und legte hurtig Hand ans Werk. \u2013 Da kam zu ihm der alte Mann und bat um ein St\u00fcckchen Brot. Sogleich ging Hans hin, holte Brot und K\u00e4s und ein Glas Wein und gab es dem alten Manne, und n\u00f6tigte ihn, dass er sich doch ans Feuer setzen und sich w\u00e4rmen m\u00f6chte. Das tat der alte Mann gern und fragte endlich, was sie denn da machen wollten? \u00bbEin Schiff, das zu Wasser und zu Lande geht,\u00ab sagte Hans. \u00bbMeine zwei Br\u00fcder haben&#8217;s schon probiert, aber es ist ihnen nicht gelungen; jetzt will ich sehen, wie es mir geht; denn wer ein solches Schiff dem K\u00f6nig bringt, der kriegt seine Tochter und das K\u00f6nigreich.\u00ab Da sprach der alte Mann: \u00bbDeine Leute k\u00f6nnen es nicht zuwege bringen; weil Du aber der Beste von Deinen Br\u00fcdern bist, so will ich Dir eins machen.\u00ab Darauf ging er fort, w\u00e4hrend Hans seine Leute noch einige Tage lang auf gut Gl\u00fcck besch\u00e4ftigte, obwohl sie nichts zu Stande brachten.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kam mit einem Male der alte Mann daher gefahren und \u00fcbergab dem Hans das Schiff, das zu Wasser und zu Lande ging. Nun sollten sich die Arbeiter sogleich hineinsetzen, dass er&#8217;s probieren k\u00f6nne; allein sie hatten Angst und mochten&#8217;s nicht wagen. Der Hans aber sagte, sie sollten es nur dreist tun, er selbst wolle fahren, und so setzten sie sich alle hinein und Hans fuhr sie auch gl\u00fccklich nach seines Vaters Haus, das ging, hast mich nicht gesehen!<\/p>\n\n\n\n<p>Als nun die Br\u00fcder, welche den Hans immer f\u00fcr den Allerd\u00fcmmsten gehalten hatten, sahen, dass es ihm gelungen war, ein Schiff zu machen, womit man zu Wasser wie zu Lande fahren konnte, so \u00e4rgerten sie sich und wurden gegen ihn falsch und feindselig und beschlossen, dass sie ihn umbringen wollten. Der Vater merkte das und gab seinem Hans einen Wink, dass er noch in derselbigen Nacht fortreisen und mit seinem Schiffe nach der Hauptstadt des K\u00f6nigs fahren sollte; und nachdem er ihn geh\u00f6rig mit Essen und Trinken versehen hatte, fuhr Hans davon.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie er nun mit seinem Schiffe dahinsegelte, sah er einen Mann am Wege stehen, der hatte ein Gewehr angelegt und zielte. Da hielt Hans sein Schiff an und sprach: \u00bbwas machst Du da?\u00ab Der J\u00e4ger sagte: \u00bbich will einen Spatzen schie\u00dfen, der auf der Kirchturmspitze in Berlin sitzt.\u00ab Hans meinte, das sei nicht m\u00f6glich; der Sch\u00fctze aber sagte, dass er auf vierhundert Stunden weit jeden Vogel treffen k\u00f6nnte. Da fragte ihn Hans, ob er nicht mitfahren wolle? Ja, das wollte er recht gern; aber er habe nur kein Geld, sagte er. \u00bbDas tut nichts!\u00ab sagte Hans, und darauf setzte er sich in das Schiff und sie fuhren mit einander weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht lange nachher trafen sie einen Mann, der hatte auf der rechten Seite ein ungeheuer langes Ohr, das reichte bis auf die Erde. Da hielt der Hans wieder still und fragte den Mann, was er denn mit dem langen Ohr anfange? \u00bbDamit, sprach er, kann ich auf vierhundert Stunden weit alles h\u00f6ren, was gesprochen wird.\u00ab \u00bbEi, so horch&#8216; einmal, sagte Hans, was man im Schlosse zu Amsterdam spricht!\u00ab Da horchte der Langohr ein Weilchen hin und sagte: \u00bbMan spricht dort in diesem Augenblicke von einem Schiffe, das zu Wasser und zu Land geht, und sagt: es sei nicht m\u00f6glich, dass man so eins machen k\u00f6nne.\u00ab \u00bbWillst Du nicht mitfahren?\u00ab fragte Hans. Ja, das wollte er wohl; aber er sagte, dass er kein Geld habe. \u00bbDas tut nichts!\u00ab sagte Hans und lie\u00df ihn einsitzen und fuhr weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Bald trafen sie wieder einen Mann am Wege, der hatte ganz gewaltig gro\u00dfe Stiefel an. Fragte ihn Hans, was er mit den gro\u00dfen Stiefeln mache? \u00bbIn diesen Stiefeln, sagte der Mann, kann ich schneller laufen als die Eisenbahn.\u00ab \u00bbEi, willst Du nicht mitfahren?\u00ab fragte ihn Hans. Ja, dazu h\u00e4tte er wohl Lust, meinte er; aber er h\u00e4tte kein Geld, dass er&#8217;s bezahlen k\u00f6nne. \u00bbDas tut nichts!\u00ab sagte Hans, und so fuhr der Schnelll\u00e4ufer auch mit.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber eine Weile sahen sie noch einen vierten Mann am Wege; dieser Mann hatte in seiner Hintert\u00fcr einen gro\u00dfen Zapfen stecken, dass der Hans sich schier verwunderte und sein Schiff anhielt und den Mann fragte: weshalb er dahinten einen solchen Zapfen habe? \u00bbDas hat guten Grund, sagte der Mann; denn wenn ich den Zapfen herausz\u00f6ge, k\u00f6nnte ich ein ganzes K\u00f6nigreich vollmachen.\u00ab \u00bbEi, sagte Hans, fahr mit mir! mein Vater hat viel Land und braucht alle Jahre viel D\u00fcnger, den er teuer bezahlen muss; er wird Dich gern in seinen Dienst nehmen.\u00ab Der Zapfenmann aber sagte: \u00bbich muss auch sehr viel essen, und Geld hab ich keins!\u00ab Hans sagte, das sei einerlei, er solle nur mitfahren, und so stieg er ein und fuhr mit nach Amsterdam.<\/p>\n\n\n\n<p>Sobald Hans dort ankam, fuhr er aufs Schloss, \u00fcbergab das Schiff mit den vier M\u00e4nnern der Wache zur Beaufsichtigung und ging selbst gerades Wegs zum K\u00f6nig und sagte: \u00bbich habe da ein Schiff, das zu Wasser und zu Lande geht!\u00ab Sprach der K\u00f6nig zu ihm: ob er es auch selbst gemacht habe? und als der Hans ja sagte, sagte der K\u00f6nig: so solle er einmal ein St\u00fcck herauss\u00e4gen und es dann wieder einsetzen. Da sagte Hans: \u00bbich habe ein ganzes und heiles Schiff gemacht; aber flicken tu ich es nicht!\u00ab Als der K\u00f6nig den Hans auf die Art nicht los werden konnte, lie\u00df er seine Minister kommen und beratschlagte mit ihnen, was hier zu machen sei; denn er meinte, dem dummen Burschen k\u00f6nne er doch nicht seine Tochter geben, und noch viel weniger k\u00f6nne er K\u00f6nig werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Da sagte einer der Minister: der K\u00f6nig solle ihm doch eine Arbeit aufgeben, die er gewiss nicht ausf\u00fchren k\u00f6nne und ihm sagen, dass wenn er dies vollbringe, so solle er die Tochter und das Reich haben; er d\u00fcrfe ihn ja nur nach dem und dem Brunnen schicken, der dreihundert und f\u00fcnfzig Stunden weit weg liege und ihm sagen, dass er binnen drei Stunden von dorther eine Flasche Wasser holen m\u00fcsse; das werde der Hans wohl bleiben lassen. &#8211; Der Rat gefiel dem K\u00f6nige und er sprach zu Hansen: \u00bbH\u00f6r&#8216; einmal, Du musst mir vor der Hochzeit erst noch eine Flasche Wasser aus dem und dem Brunnen holen, und zwar binnen drei Stunden, von jetzt zehn Uhr an bis heute Mittag um eins; dann sollst Du Alles haben, was ich Dir versprochen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Darauf lief der Hans flink zu seinen Leuten, und der L\u00e4ufer musste die gro\u00dfen Stiefel anziehen und Hans fuhr ihn in seinem Schiffe \u00fcbers Wasser; dann lief der Mann in seinen Stiefeln zu dem Brunnen, sch\u00f6pfte eine Flasche voll Wasser daraus und wollte sich auf den R\u00fcckweg begeben, dachte aber: \u00bbdu hast noch Zeit, du sollst dich erst ein wenig ausruhen!\u00ab und setzte sich unter einen Baum und schlief ein. &#8211; Nun wartete der Hans und wartete, und der L\u00e4ufer wollte immer nicht kommen. Es hatte schon zw\u00f6lf geschlagen; da sagte endlich Hans zu dem Langohr: \u00bbEi, horch doch einmal hin, wo der L\u00e4ufer wohl stecken mag!\u00ab Das tat er auch sogleich, legte sein Ohr an die Erde und sprach: \u00bbder ist bei dem Brunnen eingeschlafen, ich h\u00f6re ihn dort schnarchen.\u00ab Da nahm der Scharfsch\u00fctze seine B\u00fcchse, lud einen Kieselstein hinein und schoss den dicht \u00fcber den Kopf des L\u00e4ufers hin, dass es sauste und pfiff. Davon wachte er sogleich auf und lief fort und kam mit seiner Flasche noch zu rechter Zeit an. Hans brachte sie sogleich dem K\u00f6nig und verlangte nun die Tochter und das Reich. Da war Holland wieder in Not; denn das hatte kein Mensch gedacht, dass der Hans so schnell das Wasser herbeischaffen k\u00f6nne. Weil der K\u00f6nig nun aber keinen Ausweg mehr wusste, fragte er endlich den Hans: ob&#8217;s ihm nicht einerlei sei, wenn er Geld bek\u00e4me anstatt der Prinzessin und des Reiches? Hans sagte ja, er sei damit zufrieden, aber er verlange so viel, dass das ganze Schiff davon voll w\u00fcrde. &#8211; Das musste der K\u00f6nig nun wohl zugeben, besprach sich aber mit seinen Ministern, dass man dem Hans, sobald er mit dem Gelde fortziehe, ein halb Regiment rote Husaren nachschicke, die sollten ihm die H\u00e4lfte wieder abnehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun wurde eine Tonne Goldes nach der andern in das Schiff gebracht, bis es voll war, worauf Hans mit seinen Gehilfen die R\u00fcckreise antrat.<\/p>\n\n\n\n<p>Als sie eben zum Tore hinausfahren wollten, sagte Hans zu dem Langohr, er solle einmal horchen, was man im Schloss jetzt wohl spreche? Da horchte er auf und sagte: \u00bbEs wird so eben ein halb Regiment Husaren abgeschickt, die sollen dem K\u00f6nig das Geld zur\u00fcckbringen.\u00ab Es dauerte auch nicht lange, da kamen die Rotjacken daher gesprengt; und als sie nah genug waren, sprach Hans zu dem Zapfenmann: \u00bbDu k\u00f6nntest wohl einmal deinen Zapfen herausziehen und den Husaren deinen R\u00fccken zuwenden, dass sie wieder umkehren m\u00fcssten.\u00ab Dazu war der Mann sogleich bereit, zog den Zapfen heraus, und da ging&#8217;s wie aus einer Feuerspritze auf die roten Husaren los, dass sie gar nicht wussten wie ihnen geschah; und als sie nun Alle \u00fcbel zugerichtet waren, und es nicht l\u00e4nger aushalten konnten, wandten sie ihre Pferde um und ritten zum Schlosse zur\u00fcck. &#8211; Wie aber der K\u00f6nig sie zur\u00fcckkommen sah und h\u00f6rte, dass sie dem Hans nichts abgenommen hatten, ward er sehr zornig und sprach: \u00bbdas habe ich vorher gewusst, dass die gelben nichts ausrichten w\u00fcrden; deshalb hatte ich ausdr\u00fccklich die roten dazu bestimmt; aber so geht&#8217;s, wenn meine Befehle nicht p\u00fcnktlich ausgef\u00fchrt werden!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Indessen segelte Hans mit seinen Gef\u00e4hrten ungest\u00f6rt der Heimat zu und gab hier einem jeden sein Teil von dem Gelde, so dass sie alle mehr bekamen, als sie jemals in ihrem Leben verzehren konnten.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Schiff, das zu Wasser und zu Lande geht Schw\u00e4bisches Volksm\u00e4rchen &#8211; Ernst Heinrich Meier Es war einmal ein K\u00f6nig von Holland, der lie\u00df in seinem Reiche bekannt machen, dass wer ein Schiff bauen k\u00f6nne, das zu Wasser und zu Land gehe, der d\u00fcrfe seine Tochter heiraten und solle K\u00f6nig werden. 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