{"id":542,"date":"2015-10-14T01:42:20","date_gmt":"2015-10-13T23:42:20","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=542"},"modified":"2026-01-24T21:59:15","modified_gmt":"2026-01-24T20:59:15","slug":"die-goldene-gans","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-goldene-gans\/","title":{"rendered":"Die goldene Gans"},"content":{"rendered":"\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Die goldene Gans<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gebr. Grimm<\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Es war ein Mann, der hatte drei S\u00f6hne, davon hie\u00df der j\u00fcngste der Dummling und wurde verachtet und verspottet und bei jeder Gelegenheit zur\u00fcckgesetzt. Es geschah, dass der \u00e4lteste in den Wald gehen wollte, Holz zu hauen, und ehe er ging, gab ihm noch seine Mutter einen sch\u00f6nen feinen Eierkuchen und eine Flasche Wein mit, damit er nicht Hunger und Durst litte. Als er in den Wald kam, begegnete ihm ein altes graues M\u00e4nnlein, das bot ihm einen guten Tag und sprach: &#8222;Gib mir doch ein St\u00fcck Kuchen aus deiner Tasche und lass&#8216; mich einen Schluck von deinem Wein trinken, ich bin so hungrig und durstig.&#8220; Der kluge Sohn aber antwortete: &#8222;Geb&#8216; ich dir meinen Kuchen und meinen Wein, so hab&#8216; ich selber nichts, pack&#8216; dich deiner Wege&#8220;, lie\u00df das M\u00e4nnlein stehen und ging fort. Als er nun anfing einen Baum zu behauen, dauerte es nicht lange, so hieb er fehl, und die Axt fuhr ihm in den Arm, dass er musste heimgehen und sich verbinden lassen. Das war aber von dem grauen M\u00e4nnchen gekommen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Darauf ging der zweite Sohn in den Wald, und die Mutter gab ihm, wie dem \u00e4ltesten, einen Eierkuchen und eine Flasche Wein. Dem begegnete gleichfalls das alte graue M\u00e4nnchen und hielt um ein St\u00fcck Kuchen und einen Trunk Wein an. Aber der zweite Sohn sprach auch ganz verst\u00e4ndig: &#8222;Was ich dir gebe, das geht mir selber ab, pack&#8216; dich deiner Wege&#8220;, lie\u00df das M\u00e4nnlein stehen und ging fort. Die Strafe blieb nicht aus, als er ein paar Hiebe am Baum getan, hieb er sich ins Bein, dass er musste nach Hause getragen werden.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Da sagte der Dummling: &#8222;Vater, lass&#8216; mich einmal hinausgehen und Holz hauen.&#8220; Antwortete der Vater: &#8222;Deine Br\u00fcder haben sich Schaden dabei getan, lass&#8216; du davon ab, du verstehst nichts davon.&#8220; Der Dummling aber bat so lange, bis er endlich sagte: &#8222;Geh&#8216; nur hin, durch Schaden wirst du klug werden.&#8220; Die Mutter gab ihm einen Kuchen, der war mit Wasser in der Asche gebacken und dazu eine Flasche saures Bier. Als er in den Wald kam, begegnete ihm gleichfalls das alte graue M\u00e4nnchen, gr\u00fc\u00dfte ihn und sprach: &#8222;Gib mir ein St\u00fcck von deinem Kuchen und einen Trunk aus deiner Flasche, ich bin so hungrig und durstig.&#8220; Antwortete der Dummling: &#8222;Ich habe aber nur Aschenkuchen und saures Bier, wenn dir das recht ist, so wollen wir uns setzen und essen.&#8220; Da setzten sie sich, und als der Dummling seinen Aschenkuchen herausholte, so war&#8217;s ein feiner Eierkuchen, und das saure Bier war ein guter Wein. Nun a\u00dfen und tranken sie, und danach sprach das M\u00e4nnlein: &#8222;Weil du ein gutes Herz hast und von dem Deinigen gern mitteilst, so will ich dir Gl\u00fcck bescheren. Dort steht ein alter Baum, den hau&#8216; ab, so wirst du in den Wurzeln etwas finden.&#8220; Darauf nahm das M\u00e4nnlein Abschied.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Dummling ging hin und hieb den Baum um, und wie er fiel, sa\u00df in den Wurzeln eine Gans, die hatte Federn von reinem Gold. Er hob sie heraus, nahm sie mit sich und ging in ein Wirtshaus, da wollte er \u00fcbernachten. Der Wirt hatte aber drei T\u00f6chter, die sahen die Gans, waren neugierig, was das f\u00fcr ein Wundervogel w\u00e4re, und h\u00e4tten gar gerne eine von seinen goldenen Federn gehabt. Die \u00e4lteste dachte: &#8222;Es wird sich schon eine Gelegenheit finden, wo ich mir eine Feder ausziehen kann&#8220;, und als der Dummung einmal hinausgegangen war, fasste sie die Gans beim Fl\u00fcgel, aber Finger und Hand blieben daran festh\u00e4ngen. Bald danach kam die zweite und hatte keinen andern Gedanken, als sich eine goldene Feder zu holen; kaum aber hatte sie ihre Schwester anger\u00fchrt, so blieb sie festh\u00e4ngen. Endlich kam auch die dritte in gleicher Absicht; da schrien die andern: &#8222;Bleib&#8216; weg, ums Himmels willen, bleib&#8216; weg!&#8220; Aber sie begriff nicht, warum sie wegbleiben sollte, dachte: &#8222;Sind die dabei, so kann ich auch dabei sein&#8220;, und sprang herzu, und wie sie ihre Schwester anger\u00fchrt hatte, so blieb sie an ihr h\u00e4ngen: So mussten sie die Nacht bei der Gans zubringen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Am andern Morgen nahm der Dummung die Gans in den Arm, ging fort und bek\u00fcmmerte sich nicht um die drei M\u00e4dchen, die daran hingen. Sie mussten immer hinter ihm dreinlaufen, links und rechts, wie&#8217;s ihm in die Beine kam. Mitten auf dem Feld begegnete ihnen der Pfarrer, und als er den Aufzug sah, sprach er: &#8222;Sch\u00e4mt euch, ihr garstigen M\u00e4dchen, was lauft ihr dem jungen Bursch durchs Feld nach, schickt sich das?&#8220; Damit fasste er die J\u00fcngste an der Hand und wollte sie zur\u00fcckziehen: wie er sie aber anr\u00fchrte, blieb er gleichfalls h\u00e4ngen und musste selber hinterdrein laufen. Nicht lange, so kam der K\u00fcster daher und sah den Herrn Pfarrer, der drei M\u00e4dchen auf dem Fu\u00dfe folgte. Da wunderte er sich und rief: &#8222;Ei, Herr Pfarrer, wohinaus so geschwind? vergesst nicht, dass wir heute noch eine Kindtaufe haben, lief auf ihn zu und fasste ihn am \u00c4rmel, blieb aber auch fest h\u00e4ngen. Wie die f\u00fcnf so hintereinander hertrabten, kamen zwei Bauern mit ihren Hacken vom Feld; da rief der Pfarrer sie an und bat, sie m\u00f6chten ihn und den K\u00fcster losmachen. Kaum aber hatten sie den K\u00fcster anger\u00fchrt, so blieben sie h\u00e4ngen, und waren ihrer nun siebene, die dem Dummling mit der Gans nachliefen<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Er kam darauf in eine Stadt, da herrschte ein K\u00f6nig, der hatte eine Tochter, die war so ernsthaft, dass sie niemand zum Lachen bringen konnte. Darum hatte er ein Gesetz gegeben, wer sie k\u00f6nnte zum Lachen bringen, der sollte sie heiraten. Der Dummung, als er das h\u00f6rte, ging mit seiner Gans und ihrem Anhang vor die K\u00f6nigstochter, und als diese die sieben Menschen immer hintereinander herlaufen sah, fing sie \u00fcberlaut an zu lachen und wollte gar nicht wieder aufh\u00f6ren. Da verlangte sie der Dummling zur Braut, aber dem K\u00f6nig gefiel der Schwiegersohn nicht, er machte allerlei Einwendungen und sagte, er m\u00fcsse ihm erst einen Mann bringen, der einen Keller voll Wein austrinken k\u00f6nnte. Der Dummling dachte an das graue M\u00e4nnchen, das k\u00f6nnte ihm wohl helfen, ging hinaus in den Wald, und auf der Stelle, wo er den Baum abgehauen hatte, sah er einen Mann sitzen, der machte ein gar betr\u00fcbtes Gesicht. Der Dummling fragte, was er sich so sehr zu Herzen n\u00e4hme. Da antwortete er: &#8222;Ich habe so gro\u00dfen Durst und kann ihn nicht l\u00f6schen, das kalte Wasser vertrage ich nicht, ein Fass Wein habe ich zwar ausgeleert, aber was ist ein Tropfen auf einem hei\u00dfen Stein?&#8220; &#8211; &#8222;Da kann ich dir helfen&#8220;, sagte der Dummling&#8216; &#8222;komm&#8216; nur mit mir, du sollst satt haben.&#8220; Er f\u00fchrte ihn darauf in des K\u00f6nigs Keller, und der Mann machte sich \u00fcber die gro\u00dfen F\u00e4sser, trank und trank, dass ihm die H\u00fcften weh taten, und ehe ein Tag herum war, hatte er den ganzen Keller ausgetrunken. Der Dummling verlangte abermals seine Braut, der K\u00f6nig aber \u00e4rgerte sich, dass ein schlechter Bursch&#8216; den jedermann einen Dummling nannte, seine Tochter davontragen sollte, und machte neue Bedingungen: er m\u00fcsste erst einen Mann schaffen, der einen Berg voll Brot aufessen k\u00f6nnte. Der Dummling besann sich nicht lange, sondern ging gleich hinaus in den Wald: da sa\u00df auf demselben Platz ein Mann, der schn\u00fcrte sich den Leib mit einem Riemen zusammen, machte ein gr\u00e4mliches Gesicht und sagte:<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Ich habe einen ganzen Backofen voll Raspelbrot gegessen, aber was hilft das, wenn man so gro\u00dfen Hunger hat wie ich; mein Magen bleibt leer, und ich muss mich nur zuschn\u00fcren, wenn ich nicht Hungers sterben soll.&#8220; Der Dummling war froh dar\u00fcber und sprach: &#8222;Mach&#8216; dich auf und geh&#8216; mit mir, du sollst dich satt essen.&#8220; Er f\u00fchrte ihn an den Hof des K\u00f6nigs, der hatte alles Mehl aus dem ganzen Reich zusammenfahren und einen ungeheuren Berg davon backen lassen; der Mann aus dem Walde stellte sich davor, fing an zu essen, und in einem Tag war der ganze Berg verschwunden. Der Dummling forderte zum drittenmal seine Braut, der K\u00f6nig aber suchte noch einmal Ausflucht und verlangte ein Schiff, das zu Land und zu Wasser fahren k\u00f6nnte: &#8222;Sowie du aber damit angesegelt kommst&#8220;, sagte. er, &#8222;so sollst du gleich meine Tochter zur Gemahlin haben.&#8220; Der Dummling ging geradewegs in den Wald, da sa\u00df das alte graue M\u00e4nnchen, dem er seinen Kuchen gegeben hatte, und sagte: &#8222;Ich habe f\u00fcr dich getrunken und gegessen, ich will dir auch das Schiff geben; das alles tue ich, weil du barmherzig gegen mich gewesen bist.&#8220; Da gab er ihm das Schiff, das zu Land und zu Wasser fuhr, und als der K\u00f6nig das sah, konnte er ihm seine Tochter nicht l\u00e4nger vorenthalten. Die Hochzeit ward gefeiert, nach des K\u00f6nigs Tod erbte der Dummling das Reich und lebte lange Zeit vergn\u00fcgt mit seiner Gemahlin.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[87,85],"tags":[],"class_list":["post-542","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gebr-grimm","category-maerchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/542","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=542"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/542\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4315,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/542\/revisions\/4315"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=542"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=542"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=542"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}