{"id":5395,"date":"2026-02-03T02:13:19","date_gmt":"2026-02-03T01:13:19","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5395"},"modified":"2026-02-03T02:13:19","modified_gmt":"2026-02-03T01:13:19","slug":"die-versteckte-koenigstochter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-versteckte-koenigstochter\/","title":{"rendered":"Die versteckte K\u00f6nigstochter"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Die versteckte K\u00f6nigstochter<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Josef Haltrich<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es war einmal ein junger Kaufmannssohn, den schickte sein Vater, weil er zum Gesch\u00e4ft nichts taugte und den ganzen Tag immer nur geigen wollte, fort. Als der Junge wegzog, sah er auf der Gasse einen Knaben, der mit zwei H\u00f6lzchen immer geigte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das gefiel ihm. &#8222;Willst du vielleicht auch geigen lernen?&#8220; &#8211; &#8222;O ja!&#8220; sprach der Knabe, &#8222;wenn nur jemand mich lehrte!&#8220; &#8211; &#8222;So komme mit mir!&#8220; sprach der Kaufmannssohn, &#8222;ich will dich lehren!&#8220; und so tat er&#8217;s auch. Beide gingen nun in die Welt und er geigten sich ihr Brot. Auf der Stra\u00dfe aber trafen sie einmal einen Mann mit einem B\u00e4ren. Der Kaufmannssohn gab ihm all sein Geld f\u00fcr den B\u00e4ren. Da sagte sein Sch\u00fcler: &#8222;Warum hast du das getan, wovon sollen wir jetzt leben?&#8220; &#8211; &#8222;Warte nur, wir wollen geigen, und der B\u00e4r soll tanzen; so bekommen wir schon wieder Geld! &#8222;. Als aber der B\u00e4r nicht recht tanzen wollte, schlug ihn der Kaufmannssohn tot und lie\u00df sich selbst in die Haut n\u00e4hen, und zwar so, dass man ihn f\u00fcr einen rechten B\u00e4ren halten sollte. Darauf kamen sie auch in die Residenz; der Sch\u00fcler geigte, und der Kaufmannssohn als B\u00e4r tanzte, und zwar so sch\u00f6n und k\u00fcnstlich, dass alle Leute herbeikamen und zusahen. Und wenn der Fiedler falsch griff und schlecht geigte, schlug ihn der B\u00e4r; denn er konnte ja selbst besser geigen, da er den Knaben gelehrt hatte; allein das wussten die Leute nicht; sie glaubten, es sei ein rechter B\u00e4r, und deshalb lachten sie dann so sehr, wenn er das Geigen besser verstehen wollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun bekam auch der K\u00f6nig Kunde davon und lie\u00df beide vor sich kommen und den Knaben geigen und den B\u00e4ren tanzen;<br>da musste er \u00fcber die lustige Gestalt des B\u00e4ren auch lachen. Er hatte aber auch eine sehr sch\u00f6ne Tochter, die war nun gro\u00df, und er wollte sie niemandem zum Weibe geben, damit er selbst sich immerfort an ihrer Sch\u00f6nheit erfreue. Er hatte sie aber in einen Berg versteckt, wo au\u00dfer ihm und einem treuen Diener keine Seele den Zugang wusste; und er hatte ausschreiben lassen, wer sich um seine Tochter bewerbe, m\u00fcsse sie suchen, und wer es dann untern\u00e4hme und f\u00e4nde sie nicht, der verliere sein Leben. Dadurch hatte er gehofft, alle Freier abzuschrecken; allein es hatten doch einige K\u00f6nigss\u00f6hne das Wagst\u00fcck unternommen, alle aber ihren Tod gefunden; jetzt kam lange keiner mehr, und das war dem K\u00f6nig recht. Nun, da er den drolligen B\u00e4ren gesehen, dachte er bei sich: &#8222;Deine Tochter hat so wenig Freude im Berge, du musst ihr doch auch einmal ein Vergn\u00fcgen g\u00f6nnen!&#8220; und er lie\u00df durch seinen treuen Diener den B\u00e4ren zu ihr hin geleiten. Es f\u00fchrten aber dahin drei T\u00fcren. Zu der ersten fand sich der Schl\u00fcssel unter einem Felsstein; der Diener nahm ihn und sperrte auf; vor der zweiten aber stand ein alter Jude mit einem langen Bart; der Diener zupfte ihn am Bart, und es fiel daraus der Schl\u00fcssel zur T\u00fcre. Darauf kamen sie an die dritte; hier hielt ein wilder L\u00f6we Wache; der Diener zupfte ihn an den M\u00e4hnen, und der Schl\u00fcssel zur T\u00fcre fiel herunter; er \u00f6ffnete und f\u00fchrte den B\u00e4ren hinein. Die K\u00f6nigstochter sa\u00df eben in Gedanken, sang vor sich hin und spielte die Zither. Als der B\u00e4r die Musik h\u00f6rte, fing er sogleich an zu tanzen, und die K\u00f6nigstochter musste \u00fcber die Ma\u00dfen lachen, und der B\u00e4r machte ihr so viel Spa\u00df, dass sie ihren Vater bitten lie\u00df, er m\u00f6ge ihn l\u00e4ngere Zeit bei ihr lassen. Kaum war der getreue Diener fort, so fing nur einmal der B\u00e4r an zu reden und sprach: &#8222;O sch\u00f6ne K\u00f6nigstochter, ich bin kein B\u00e4r, sondern ein Mensch wie du und ein junger Kaufmannssohn; komme nur und schn\u00fcre mir das Gesicht auf, so wirst du es sehen!&#8220; Da pochte der K\u00f6nigstochter das Herz vor Freude, denn sie hatte au\u00dfer ihrem alten Vater und dem alten Diener lange keinen Menschen gesehen. Sie schn\u00fcrte ihn schnell auf und sah den sch\u00f6nen Jungen, und weil er ihr gefiel, so schn\u00fcrte sie schnell wieder zu, noch ehe der Diener kommen konnte, und sagte ihm, wie er sie von ihrem grausamen Vater erwerben k\u00f6nne. Er wusste aber schon alles. Als der Diener zur\u00fcckkam und die Erlaubnis brachte, dass der B\u00e4r noch l\u00e4nger dableiben k\u00f6nne, sagte die K\u00f6nigstochter: &#8222;F\u00fchre ihn nur gleich hinaus, ich bin seiner schon satt!&#8220;<br>Kaum war der B\u00e4r drau\u00dfen dem Geiger \u00fcbergeben worden, so zogen beide in den Wald; der Kaufmannssohn legte das B\u00e4renfell ab und zog sch\u00f6ne Kleider an, ging darauf am andern Morgen in die Stadt und meldete sich beim K\u00f6nig, er wolle seine Tochter suchen. Der K\u00f6nig lachte und sprach: &#8222;Wenn du ein Narr sein und dein Leben verlieren willst, meinetwegen!&#8220; Es war aber die zw\u00f6lfte Stunde mittags bestimmt, bis zu der er sie finden sollte; sonst koste es sein Leben. Der Junge war lustig und guter Dinge, nahm eine B\u00fcchse und ging auf die Jagd, um sich die Zeit zu vertreiben. Da sah er ein Wildschwein und wollte gleich schie\u00dfen: &#8222;Lasse das gut sein; ich will dir daf\u00fcr einmal beistehen! Nimm hier diese Borste, und wenn du in Not bist, so drehe sie nur, und gleich bin ich da!&#8220; Er setzte ab, nahm die Borste und ging weiter. Nun sah er bald einen Adler, der fra\u00df an einem Hasen, gleich zielte er und wollte losdr\u00fccken; da rief der Adler: &#8222;Lasse das gut sein; ich will dir daf\u00fcr helfen! Nimm hier diese Feder, und wenn du in Not bist, so drehe sie, und gleich bin ich bei dir!&#8220; Er setzte ab, nahm die Feder und ging seines Weges. Nur einmal sah er den Tod, der lag nahe an einem tiefen Abgrund und schlief: &#8222;Ha!&#8220; dachte er, &#8222;der Menschenverderber soll endlich doch mein Blei schmecken!&#8220; Er legte an und wollte losdr\u00fccken; indem erwachte der Tod und sah die Gefahr, in der er schwebte. &#8222;Um des Himmels willen, schie\u00dfe nicht, welch ein Ungl\u00fcck w\u00fcrde es sein auf Erden, wenn ich nicht mehr w\u00e4re! Siehe aber, ich will dir&#8217;s vergelten; nimm hier diesen Knochen, und wenn du in Not bist, so drehe ihn einmal, und gleich bin ich da!&#8220; Er setzte ab, nahm den Knochen und ging. Er sah nach der Zeit, da fehlte nur eine halbe Stunde noch; da eilte er schnell zu dem Berg. Er holte den Schl\u00fcssel zur ersten T\u00fcre gleich unter dem Felsstein hervor und \u00f6ffnete; er zupfte den Juden am Bart und schloss die zweite T\u00fcre auf; er sch\u00fcttelte dem L\u00f6wen die M\u00e4hnen und nahm den dritten Schl\u00fcssel und kam zur K\u00f6nigstochter, die schon lange auf ihn gewartet hatte. Er nahm sie z\u00fcchtig bei der Hand und f\u00fchrte sie zu ihrem Vater und sprach: &#8222;Das Meinige habe ich getan, jetzt ist es an Euch, Herr K\u00f6nig, zu erf\u00fcllen, was Ihr versprochen habt!&#8220;<br>Aber der Alte wollte seine Tochter nicht verlieren und sagte daher zum Kaufmannssohn ganz zornig: &#8222;Noch nicht! Erst musst du ein Zimmer voll verschimmelten Brotes in einer Nacht aufessen, wenn du meine Tochter haben willst!&#8220; Der Kaufmannssohn wusste sich lange nicht zu helfen; er nahm die Borste und drehte. Alsbald war das Wildschwein da und eine ganze Menge anderer Schweine, und das Brot war auf einmal fort und auch der Boden noch geleckt. Am andern Morgen verwunderte sich der K\u00f6nig sehr, dass dem Jungen auch dies gelungen war; aber voll \u00c4rger rief er: &#8222;Noch bekommst du sie nicht; erst musst du ein Zimmer voll Erbsen in einer Nacht auflesen, dass nicht eine einzige dableibt!&#8220; In der Nacht nahm der Junge gleich die Feder hervor und drehte; sogleich war der Adler da und brachte alle V\u00f6gel mit, und in einem Augenblick war keine einzige Erbse zu sehen. Als am folgenden Morgen der alte K\u00f6nig sah, dass auch diese Aufgabe vollf\u00fchrt war, stieg sein Zorn auf das h\u00f6chste und er rief: &#8222;Nein, ich gebe sie dir doch nicht, nie und nimmermehr!&#8220; Da nahm der Kaufmannssohn den Knochen hervor und drehte. Alsbald kann der Tod und schleppte den alten K\u00f6nig fort.<\/p>\n\n\n\n<p>Die K\u00f6nigstochter aber reichte dem Jungen die Hand, und sie hielten eine fr\u00f6hliche Hochzeit. Der Kaufmannssohn ward nun K\u00f6nig; er wollte seinen Geiger zum Minister machen, aber dem gefiel das nicht; er gab ihm nun viel Geld, und so zog der in ein anderes Land und wurde da ein reicher Mann.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die versteckte K\u00f6nigstochter Josef Haltrich Es war einmal ein junger Kaufmannssohn, den schickte sein Vater, weil er zum Gesch\u00e4ft nichts taugte und den ganzen Tag immer nur geigen wollte, fort. 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