{"id":5393,"date":"2026-02-03T02:10:25","date_gmt":"2026-02-03T01:10:25","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5393"},"modified":"2026-02-03T02:10:26","modified_gmt":"2026-02-03T01:10:26","slug":"das-versteinerte-maedchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/das-versteinerte-maedchen\/","title":{"rendered":"Das versteinerte M\u00e4dchen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Das versteinerte M\u00e4dchen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>indianisches M\u00e4rchen<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Im Obenauf des kristallklaren Flusses lebte einst der Indianerstamm der Ankara.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem Wigwam wuchs ein sch\u00f6nes M\u00e4dchen heran. Alle sahen es gern. Aber das M\u00e4dchen wich den Menschen aus. Jeden Morgen rief es sein schwarzwei\u00dfes H\u00fcndchen und verschwand mit ihm im Wald oder in der Pr\u00e4rie. Dort unterhielt es sich mit den V\u00f6geln und den Tieren, mit den Blumen und den B\u00e4umen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als das M\u00e4dchen herangewachsen war, begehrten es viele junge M\u00e4nner zur Frau. Aber es wies alle ab.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ich bin im Wald und in der Pr\u00e4rie zu Hause&#8220;, erkl\u00e4rte es allen, die um es warben, &#8222;ich geh\u00f6re zu denen, die eine andere Sprache sprechen, zu denen, die im Pr\u00e4riegras ihre Bl\u00fcten \u00f6ffnen oder ihre \u00e4ste zum Himmel emporstrecken. Sie alle sind meine Freunde, nur in ihrer N\u00e4he m\u00f6chte ich sein.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gro\u00dfmutter des M\u00e4dchens sprach aber eines Tages:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Du solltest heiraten und Kinder aufziehen wie alle jungen Frauen. Ohne Kinder w\u00fcrde unser Stamm aussterben.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gro\u00dfmutter sprach so lange auf das M\u00e4dchen ein, bis es eines Tages sagte: &#8222;Es sei nach deinem Willen, ich werde heiraten. Den erstbesten, der um mich freit, will ich zum Mann nehmen. Aber ich wei\u00df, dass daraus nichts Gutes werden kann, denn Mutter Natur will nicht, dass ich wie die anderen lebe.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Drei Tage nach der Hochzeit kam die junge Frau zur Gro\u00dfmutter. Schweigend setzte sie sich in eine Ecke.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Was fehlt dir?&#8220; fragte die Gro\u00dfmutter. &#8222;Ist dein Mann nicht gut zu dir?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Er ist gut zu mir&#8220;, antwortete die junge Frau, &#8222;aber mir bedeutet es nichts.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Dann erhob sie sich und schritt auf den Wald zu. Die Gro\u00dfmutter ging der Enkelin nach.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einer Weile fand sie die junge Frau unter einem alten Ahornbaum.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Erz\u00e4hle, was dich bedr\u00fcckt&#8220;, sagte die Gro\u00dfmutter.<\/p>\n\n\n\n<p>Die junge Frau hob den Kopf. &#8222;Ich h\u00e4tte nicht heiraten sollen&#8220;, sagte sie. &#8222;Ich bin nicht von dieser Welt. Ich geh\u00f6re in die Natur, und in die Natur will ich zur\u00fcckkehren.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gro\u00dfmutter ging traurig wieder nach Hause.<\/p>\n\n\n\n<p>Abends kam die junge Frau nicht ins Dorf zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen gingen die jungen M\u00e4nner, sie zu suchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie fanden sie auf einem H\u00fcgel der Pr\u00e4rie, bis zur H\u00fcfte war sie zu Stein geworden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die jungen M\u00e4nner eilten zum H\u00e4uptling. Der rief alle Frauen und M\u00e4nner auf, ihm zu folgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als alle am H\u00fcgel versammelt waren, zog der H\u00e4uptling die dem Stamm heilige Pfeife hervor, um sie der jungen Frau in den Mund zu legen, damit der Gro\u00dfe Geist sie erleuchte.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie sch\u00fcttelte aber den Kopf und sprach:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ich wende mein Antlitz nicht ab von den Menschen, unter denen ich gelebt habe. Aber ich geh\u00f6re der Natur. Jede Blume in der Pr\u00e4rie, jeder Baum und jeder Vogel unter dem Himmelszelt, jeder Bach ist ein Teil meines Herzens. Durch den Duft der Blumen und Gr\u00e4ser, den freien Flug der V\u00f6gel, das Beben des Laubes, den Gesang der Gew\u00e4sser will ich zu euch sprechen, und ich m\u00f6chte, dass ihr meine Sprache versteht, wenn ich nicht mehr unter euch weilen werde.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Als sie dies gesagt hatte, wurde sie ganz zu Stein.<\/p>\n\n\n\n<p>Und in einen Stein verwandelte sich auch das schwarzwei\u00dfe H\u00fcndchen, das sie immer begleitet hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Stumm blickt das versteinerte M\u00e4dchen \u00fcber die Pr\u00e4rie. Rings um duften die Blumen und Gr\u00e4ser, bebt das Laub, murmelt der Fluss.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das versteinerte M\u00e4dchen indianisches M\u00e4rchen Im Obenauf des kristallklaren Flusses lebte einst der Indianerstamm der Ankara. In einem Wigwam wuchs ein sch\u00f6nes M\u00e4dchen heran. 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