{"id":5378,"date":"2026-01-30T02:52:28","date_gmt":"2026-01-30T01:52:28","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5378"},"modified":"2026-02-03T01:56:38","modified_gmt":"2026-02-03T00:56:38","slug":"die-verwuenschte-burg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-verwuenschte-burg\/","title":{"rendered":"Die verw\u00fcnschte Burg"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Die verw\u00fcnschte Burg<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>M\u00e4rchen aus Irland<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Ich hatte versprochen, die Weihnachten 1820 auf der Insel Bawn Horne in der Grafschaft Tipperary zuzubringen und war dort den achtzehnten Dezember von Dublin angelangt. M\u00fcde von der Reise blieb ich zwei Tage lang bei einem Buche, das mich anzog, ruhig am Camin sitzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich ausging, war der erste, der mir begegnete der alte Schmied Pierce Grace, dessen Sohn mich auf die Jagd zu begleiten pflegte. \u00bbWillkommen hier zu Lande!\u00ab hub er an, \u00bbich habe gestern den ganzen Tag darauf gehofft, Ew. Gnaden zu sehen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbIch danke Euch, Pierce, ich bin bei der Frau vom Hause geblieben.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDas h\u00f6rte ich,\u00ab antwortete er, \u00bbund getraute deshalb nicht, mich vor Euch zu zeigen. Johann ist bereit, Euch zu begleiten und hat Spur von einer gro\u00dfen Anzahl V\u00f6gel.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der Flinte in der Hand durchstreifte ich am folgenden Morgen die Umgegend und wurde von Johann, des alten Pierce Sohn, bedient. Nachdem wir einige Stunden umher gezogen waren, gelangten wir in ein gewundenes Tal, durch welches der Currihihn flie\u00dft und erblickten die Burg von Ballinatotty, deren Grundmauern er besp\u00fclt, in der Ferne.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Burg ist noch immer gut erhalten und war vordem ein einigerma\u00dfen fester Platz. Hier hatte das m\u00e4chtige und grausame Geschlecht O&#8217;Brian, das eine Gei\u00dfel und ein Schrecken des Landes war, seinen Sitz. Die Sage hat die Namen von dreien Gliedern der Familie erhalten: Phelim mit der starken Hand, Morty mit der blutigen Hand, der Sohn, und Donough ohne Barmherzigkeit in der Finsternis, der Enkel, dessen Grausamkeiten die blutigen Taten seiner Vorfahren v\u00f6llig in Schatten stellten. Von ihm wird erz\u00e4hlt, dass er auf einem seiner Raubz\u00fcge in das Gebiet eines benachbarten Stammh\u00e4uptlings alles, Mann und Kinder, mit dem Schwert umbrachte, die Frauen aber, nachdem sie auf seinen Befehl halb in die Erde eingegraben waren, von Bluthunden zerrei\u00dfen lie\u00df. \u00bbGerade um seine Feinde in Furcht zu setzen,\u00ab f\u00fcgte der Erz\u00e4hler hinzu. Die Handlung jedoch, welche die heftigsten Verw\u00fcnschungen auf ihn hervorrief, war der Mord seines Weibes, Helene mit dem Goldhaar, deren Sch\u00f6nheit und Freundlichkeit im ganzen Land ger\u00fchmt wurde. Sie war die Tochter des O&#8217;Kennedy von Lisnabonney Castle und schlug die angebotene Hand des Donough aus; in dieser Weigerung durch ihren Bruder Brian Oge, mit dem Beinamen der \u00dcberredende, unterst\u00fctzt, wurde ihr verg\u00f6nnt, unverheiratet bei ihrem Vater zu bleiben, dessen Tod sie von aller Furcht vor Zwang zu befreien schien. Doch ehe ein Monat verging, wurde Brian Oge von unbekannter Hand ermordet, bei welcher Gelegenheit Helene das gef\u00fchlvolle und wohlbekannte Trauerlied: \u00bbmein Herz ist krank und schwer von Jammer\u00ab dichtete. Als sie von dem Leichenbeg\u00e4ngnis ihres Bruders zur\u00fcckkam, lauerte Donough dem Zuge auf; ihre Diener wurden niedergehauen und sie selbst sah sich gen\u00f6tigt, seine Frau zu werden. Helena kam zuletzt durch seine Hand um, indem er sie, der Sage nach, aus einem Bogenfenster herabst\u00fcrzte, weil sie ihn mit dem Mord ihres Bruders belastet habe. Die Stelle, wo sie hinfiel, wird gezeigt und an dem Jahrestag ihres Todes, den zweiten Dienstag im August, glaubt man, besuche ihr Geist diese Stelle.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich gab meine Flinte ab und stieg hinauf, die Burg n\u00e4her zu betrachten. Ein Fenster an der S\u00fcdseite wird als dasjenige bezeichnet, aus welchem Helena sei herabgest\u00fcrzt worden, doch ist es viel wahrscheinlicher, dass es von der Zinne dar\u00fcber geschah, eines besondern Umstands wegen, es sind n\u00e4mlich in dem Mauerwerk oben und unten regelm\u00e4\u00dfige L\u00f6cher sichtbar, woraus hervorgeht, dass zur Zeit der Erbauung Eisengitter eingef\u00fcgt waren, mithin das Fenster nicht offen sein konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem meine Neugierde befriedigt war, stand ich im Begriff, den Ort wieder zu verlassen, als ich eine \u00d6ffnung in einer Ecke nach S\u00fcdosten bemerkte. Ich geriet in Versuchung nachzuforschen, und fand eine enge Steintreppe, welche zu einer Schlafkammer f\u00fchrte. Diese Kammer war von einem Dachshund und seiner ganzen jungen Brut besetzt. Gereizt durch mein Eindringen ging die Alte auf mich los und da ich ohne Mittel zur Verteidigung war, musste ich mich schleunig zur\u00fcckziehen. Wie weit mich das w\u00fctende Tier verfolgte, kann ich nicht sagen, denn bei meiner \u00fcbereilten Flucht, als ich die zweite Steintreppe herabstieg, glitt mein Fu\u00df aus und ich rollte durch eine breite \u00d6ffnung in einen Raum, der wahrscheinlich sonst als Beh\u00e4lter gedient hatte. Doch die Gefahr, in welche ich jetzt geriet, war viel gr\u00f6\u00dfer, als jene, welcher ich entfloh, denn der Boden dieses Gemachs befand sich im h\u00f6chsten Grad von Verfall. Eine Katze w\u00fcrde kaum ohne Gefahr dar\u00fcber weggeschlichen sein und bei der Gewalt, mit welcher ich anlangte, konnte die vermoderte Oberfl\u00e4che nicht mehr Widerstand leisten, als ein Spinnengeweb; ich st\u00fcrzte hindurch und in die finstere Tiefe hinab. Eine Menge Flederm\u00e4use, welche meine pl\u00f6tzliche Ankunft aufst\u00f6rte, schwangen ihre Fl\u00fcgel und umschwirrten mich.<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich wieder zu Besinnung kam, drangen verwirrte Kl\u00e4nge menschlicher Stimmen in meine Ohren und ich unterschied darauf eine weibliche, welche mit dem Ton der liebreichsten Z\u00e4rtlichkeit sagte: \u00bber ist gerettet! er ist gerettet! das Leben kehrt zur\u00fcck!\u00ab Ich schlug die Augen auf und fand mein Haupt in dem Scho\u00dfe eines Bauernm\u00e4dchens von achtzehn Jahren liegen, welches meine Schl\u00e4fe rieb. Gesundheit oder Besorgnis gaben ihren milden, aber ausdrucksvollen Z\u00fcgen eine eigene Glut und ihr hellbraunes Haar war einfach \u00fcber die Stirne gescheitelt. Auf einer Seite stand ein alter Mann, ihr Vater, mit einem Bund Schl\u00fcssel, und an der andern kniete Johann Grace mit einer Schale gebranntem Wasser, welches sie anwendete, mich wieder zu mir selbst zu bringen. Ich blickte mich um und bemerkte, dass wir uns auf einem Felsen in der N\u00e4he der Burg befanden und der Fluss zu unsern F\u00fc\u00dfen floss. Verschiedene Ausrufungen der Freude folgten und der alte Mann bestand darauf, als Johann die Schale wegsch\u00fctten wollte, dass ich einen Schluck davon n\u00e4hme; nachdem ich das getan und mich aufgerichtet hatte, dankte ich ihnen und bot eine geringe Belohnung in Geld an, doch sie wollten nichts nehmen. \u00bbGewiss und wahrhaftig,\u00ab sagten sie, \u00bbwir h\u00e4tten mit Freuden zehnmal so viel f\u00fcr Ew. Gnaden getan, ohne Belohnung oder Vergeltung.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Ich fragte hierauf, wie sie mich gefunden h\u00e4tten. \u00bbDa ich dachte,\u00ab antwortete Johann, \u00bbdass Ew. Gnaden sich einige Zeit in den G\u00e4ngen und Ecken der Burg umsehen wollten, so machte ich die Runde, um mit Hannchen da ein wenig zu schw\u00e4tzen und wie wir so \u00fcber dieses und jenes redeten, und Hannchen mir gerade sagte, die Jungen, ihre Br\u00fcder, h\u00e4tten im Fluss gefischt und einen ganzen Zuber voll gro\u00dfer Aale gefangen, und wenn ich d\u00e4chte, der gn\u00e4digen Frau gesch\u00e4he ein Gefallen damit, so k\u00f6nnte ich so viel davon nehmen, als ich Lust h\u00e4tte und es sollte ihnen lieb sein; als wir ein gewaltiges Get\u00f6se und Krachen h\u00f6rten. \u203aWas ist das?\u2039 rief ich, \u203aich denke\u2039, antwortete Hannchen, \u203adas alte, graue Pferd hat sich tot gefallen oder es ist Paddy&#8217;s spanischer Hund, der umher springt, es ist nicht zu sagen, was f\u00fcr Verdruss mir der macht; sie sind beide in dem Torfhaus neben uns.\u2039 Sie meinte den untern Teil der Burg, in welchen Cromwell Bresche schoss und neben welchem die H\u00fctte stand.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbEben kam Thomas Hagerty daher und wir h\u00f6rten einen Schrei, \u203adas ist des Herrn Stimme\u2039, sagte ich, \u203aer ist durch die Flur gefallen.\u2039 \u203aAch! wenn das ist,\u2039 rief Thomas, \u203aso bin ich auf immer verloren. Noch vorigen Montag hie\u00df mich mein Herr die Treppe herstellen, oder, sagte er, es k\u00f6nnte da jemand sich totst\u00fcrzen und wahrhaftig, ich gedachte es Morgen am Tag zu tun.\u2039 Wir holten ein Licht und sahen die Phukas, welche die Ursache eures Falls waren, in Gestalt von Flederm\u00e4usen fortfliegen, und da fanden wir Ew. Gnaden und Torf \u00fcberall auf dem Platz, und gewiss und wahrhaftig, wenn Ihr nicht zuerst darauf gefallen w\u00e4rt, sondern auf die Knochen, die Paddy und Michael von der Hochzeit des jungen Herrn da aufgesammelt hatten, Ihr w\u00e4rt ganz zerschmettert. Wir alle waren in Eifer und Verwirrung \u00fcber die verw\u00fcnschten Phukas, die da waren, und wussten nicht, was wir anfangen sollten. Doch Hannchen gab den Rath, Euch an die frische Luft zu bringen und das taten wir auch und, Gott sei gedankt, unserer Sorge und Bem\u00fchung gelang es, Euch wieder ins Leben zu bringen, aber es dauerte verzweifelt lang und mir kam es vor, als sei es so gut, als aus mit Euch.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die verw\u00fcnschte Burg M\u00e4rchen aus Irland Ich hatte versprochen, die Weihnachten 1820 auf der Insel Bawn Horne in der Grafschaft Tipperary zuzubringen und war dort den achtzehnten Dezember von Dublin angelangt. M\u00fcde von der Reise blieb ich zwei Tage lang bei einem Buche, das mich anzog, ruhig am Camin sitzen. 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