{"id":5376,"date":"2026-01-30T02:42:49","date_gmt":"2026-01-30T01:42:49","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5376"},"modified":"2026-01-30T02:42:49","modified_gmt":"2026-01-30T01:42:49","slug":"die-verwuenschte-muehle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-verwuenschte-muehle\/","title":{"rendered":"Die verw\u00fcnschte M\u00fchle"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Die verw\u00fcnschte M\u00fchle<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>M\u00e4rchen aus dem Elsass<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Eines Tages &#8211; es war ein hei\u00dfer Sommertag &#8211; sa\u00df eine Gro\u00dfmutter bei offenem Fenster. Als sie einmal aufsah und einen fl\u00fcchtigen Blick auf die Stra\u00dfe warf, sah sie unter einem alten, abgetragenen H\u00fctchen einen schneewei\u00dfen Kopf, der best\u00e4ndig hin- und herwackelte. Einige Augenblicke sp\u00e4ter trat unter die offene Stubent\u00fcr ein kleines, altes M\u00e4nnchen in einem alten, abgetragenen Anzug und mit krummgetretenen Schuhen, mit langem, wei\u00dfem Haar und Bart. Seine Knie, seine H\u00e4nde und sein Kopf schlotterten best\u00e4ndig hin und her, und nur m\u00fchsam schien es sich mit seinem Knotenstock aufrecht halten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit zitternder Stimme bat das M\u00e4nnchen um ein St\u00fcck Brot und ein Glas Wasser. Rasch eilte die Tochter in die K\u00fcche, um dem Armen, dem Hunger und Ermattung aus den Augen blickten, ein St\u00fcck Brot und ein Glas Wein zu holen. Hastig machte sich der Alte \u00fcber sein Brot her, und im Handumdrehen war auch das letzte Kr\u00fcmchen verschwunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann wollte er trinken. Rasch erhob sich eine der Frauen, um dem Alten das Glas an den Mund zu f\u00fchren; aber er winkte ihr, sitzen zu bleiben. Dann brachte er aus der Tasche seiner abgetragenen Jacke einen G\u00e4nsefederkiel, den er nach einigen vergeblichen Versuchen in seinen Mund f\u00fchrte und mit den Z\u00e4hnen festhielt. Er wandte seinen Kopf dem Glas zu und wackelte mit dem unteren Ende des Federkiels bald \u00fcber, bald neben dem Glase herum; aber als es ihm endlich gelang, es in den Wein zu bringen, ben\u00fctzte es den g\u00fcnstigen Augenblick, und mit einem kr\u00e4ftigen Zuge war das halbe Glas geleert.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbIhr m\u00fcsst schon alt sein\u00ab, meinte die Gro\u00dfmutter.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bb So alt doch wohl nicht, als ihr vielleicht meint \u00ab, entgegnete der Kleine, \u00bb und ich will hoffen, dass ihr mindestens doppelt so alt werdet, als ich jetzt bin. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bb Doppelt so alt! \u00ab lachten die anwesenden M\u00e4dchen, \u00bb das w\u00e4re 16o- 18o Jahre; denn sicherlich seid ihr n\u00e4her an go als an 8o! \u00ab \u00bbNehmt den dritten Teil der ersten Zahl und ihr habt mein Alter genau, denn heute gerade bin ich 30 Jahre alt geworden.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDrei\u00dfig &#8230; \u00ab, sagte meine Gro\u00dfmutter; sie konnte den Satz nicht vollenden; denn vor Staunen blieb ihr der Verstand stehen, und mit offenem Mund und weit aufgerissenen Augen sah sie den Zitternden an. Ihre beiden H\u00e4nde, mit denen sie eben einen Faden hatte zwirbeln wollen, hielten mitten in der Arbeit ein und blieben vor Verwunderung ausgestreckt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbja, drei\u00dfig Jahre bin ich heute alt geworden\u00ab, antwortete das M\u00e4nnchen wehm\u00fctig l\u00e4chelnd. \u00bbIn einem Lebensalter, wo andere erst in den Vollbesitz ihrer Kraft gelangen, bin ich ein elender gebrochener Greis! Aber kein Wunder, Zu schwer dr\u00fcckt auf mich die Last dessen, was ich erlebt habe.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbOh, erz\u00e4hlt, erz\u00e4hlt!\u00ab riefen die M\u00e4dchen durcheinander, \u00bbwir h\u00f6ren so gerne etwas Gro\u00dfes und Gruseliges. Es ist zu sch\u00f6n! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Neugierig r\u00fcckten die M\u00e4dchen zusammen und lauschten gespannt den Worten des Erz\u00e4hlers. Manche stach sich bei einer unwillk\u00fcrlichen Bewegung ihrer Hand in die Finger, dass es blutete, aber sie merkte es nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kleine begann: \u00bbAuch ich bin einmal ein junges fr\u00f6hliches Blut gewesen wie ihr, und euer Vater und Mutter werden mich noch so gekannt haben; denn es sind erst 17 Jahre her Am wei\u00dfen Sonntag vor 17 Jahren galt ich nicht nur als einer der gesundesten und kr\u00e4ftigsten Knaben, sondern auch als einer der bravsten und hoffnungsvollsten unter allen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der Gottesdienst vor\u00fcber war, versammelte uns der Pfarrer vor dem Altar und sagte:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Liebe Kinder, wenn eins von euch oder mehrere ohne S\u00fcnde sind oder es zu sein glauben, so k\u00f6nntet ihr heute ein gro\u00dfes Werk tun und eine ganze Familie armer Seelen erl\u00f6sen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Nach kurzer, aber ernstlicher Pr\u00fcfung meldete ich mich mit einem Freund zu dem Werk, und der Pfarrer unterrichtete uns, was wir zu tun hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihr kennt wohl alle die H\u00f6hlen, die an der Seite der Felsen tief in das Innere des Berges gehen. Es ist dort nicht ganz geheuer, und besonders bei Nacht geht &#8218; niemand gern dort vorbei. Mutige M\u00e4nner, die sich hingewagt haben, sagen, dass man hinten Wasser rauschen h\u00f6re, namentlich, wenn es vorher stark geregnet hat. Alsdann wollen auch einige ganz deutlich das Klappern einer M\u00fchle geh\u00f6rt haben, klipp klapp! klipp klapp! Und deshalb nennt man die H\u00f6hle die mit der verw\u00fcnschten M\u00fchle.<\/p>\n\n\n\n<p>Dorthin wies uns der Pfarrer und sagte uns, wir sollten beide mit unseren Kerzen nur unbesorgt in das Innere der H\u00f6hle dringen, dort w\u00fcrden wir schon erfahren, was wir weiter zu tun h\u00e4tten. Eine Gefahr w\u00e4re f\u00fcr uns nicht dabei, wenn wir vorsichtig w\u00e4ren. Die einzige Gefahr, die uns drohen k\u00f6nnte, w\u00e4re dadurch vollkommen ausgeschlossen, dass unsere Kerzen erl\u00f6schen w\u00fcrden, wenn wir nicht v\u00f6llig f\u00fcr unsere Aufgabe gefeit w\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Von Segensw\u00fcnschen begleitet, machten wir uns unerschrocken auf den Weg. Beim Eingang in die H\u00f6hle z\u00fcndeten wir unsere Kerzen an und gingen barfuss hinein.<\/p>\n\n\n\n<p>Als wir eine Strecke in die Tiefe zur\u00fcckgelegt hatten- denn der Weg senkte sich sehr bald stark nach unten &#8211; erlosch pl\u00f6tzlich die Kerze meines Kameraden, w\u00e4hrend meine ruhig weiter brannte.<\/p>\n\n\n\n<p>Besch\u00e4mt schlug mein bisheriger Begleiter den R\u00fcckweg ein, ich aber ging auf dem einmal betretenen Weg weiter. Bald h\u00f6rte ich das Rauschen des Wassers, erst von ferne, dann aber n\u00e4her und immer n\u00e4her. jetzt konnte ich das Klappern der M\u00fchle unterscheiden. Immer lauter und lauter klang es klipp klapp! klipp klapp! Und als ich um die Ecke des Weges bog, sah ich auf einmal vor mir eine weite \u00d6ffnung, die zu einem St\u00fcck Feld f\u00fchrte,. das von einem sanften Schimmer erhellt war.<\/p>\n\n\n\n<p>Rasch durchma\u00df ich die wenigen Schritte, die mich von der Lichtung trennten, und ich befand mich an dem Ufer eines silberhellen Baches, der an der Felsen\u00f6ffnung vorbei zu der M\u00fchle rauschte, deren Klappern ich schon lange geh\u00f6rt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Am anderen Ufer des Baches standen eine Anzahl Leute, die auf meine Ankunft vorbereitet schienen und mich hier erwarteten. Es war der M\u00fcller, die M\u00fcllerin, ihr Sohn, ihre Tochter und der Knecht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Tochter, ein bildh\u00fcbsches M\u00e4dchen von etwa 18 Jahren denn die Gebannten altern nicht -, winkte mir freundlich, hin\u00fcberzukommen, und zeigte mir an der rechten Seite einen Steg, der mir bisher durch einen Felsvorsprung verborgen war.<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich gl\u00fccklich bei der M\u00fcllersfamilie angekommen war, begr\u00fc\u00dften sie mich alle herzlich und hocherfreut als den langersehnten Erretter.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbSei uns herzlich willkommen!\u00ab sprach das M\u00e4dchen mit leuchtenden Augen. \u00bb Das Schwerste hast du \u00fcberstanden, und deinem Herzen wird hoffentlich auch der Rest gelingen; denn es ist keine Gefahr f\u00fcr dich dabei, wenn du unerschrocken und standhaft bleibst.\u00ab \u00bbAber komm\u00ab, sagte die M\u00fcllerin, \u00bbdu wirst m\u00fcde und hungrig sein von dem m\u00fchsamen Weg. St\u00e4rke dich mit Speise und Trank und durch Schlaf; denn du hast noch lange Zeit bis zur Geisterstunde, f\u00fcr die du ja alle deine Kraft und Entschlossenheit brauchst. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Damit f\u00fchrten sie mich in die M\u00fchle und durch die K\u00fcche in die Wohnstube. Ich musste auf einem gro\u00dfen Ledersessel Platz nehmen, und dann trug man mir Essen auf, lauter feine und k\u00f6stliche Sachen, wie ich sie vordem noch nicht gegessen hatte und leider auch bis an mein Ende nicht mehr zu essen bekommen werde.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle Teller und Sch\u00fcsseln waren von reinem blinkenden Zinn oder Kupfer und wie der ganze Hausrat in der Stube von einer eigent\u00fcmlichen sch\u00f6nen Form, wie ich sie sonst nicht mehr gesehen habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich gegessen hatte, \u00f6ffnete der M\u00fcller einen sonderbar geformten, staubigen Krug, der vor ihm gestanden hatte, und schenkte mir einen sch\u00f6nen, silbernen Becher voll Wein, auf dem allerlei sch\u00f6ne Figuren standen und der innen golden war.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein s\u00fc\u00dfer, w\u00fcrziger Duft verbreitete sich durch die ganze Stube, aber noch s\u00fc\u00dfer und w\u00fcrziger war der Geschmack des Weines, und ein sanftes Wohlbehagen durchstr\u00f6mte alle meine Glieder, als ich davon getrunken hatte; aber ich wurde m\u00fcde, dass ich meine Augen nicht mehr offen halten konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Freundlich nahm mich die M\u00fcllerin bei der Hand und f\u00fchrte mich in ein anderes Gemach, das ebenso eigent\u00fcmlich wie kostbarer ausger\u00fcstet war als die gro\u00dfe Stube. Dort bettete mich die M\u00fcllerin, auf ein weiches Polster und breitete eine warme Decke \u00fcber meine F\u00fc\u00dfe, und ich schlief ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich wieder erwachte, stand das junge M\u00e4dchen an meinem Lager, sah mich freundlich an und sagte: \u00bbSteh auf, mein junger Freund, die Stunde ist gekommen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Sie entz\u00fcndete meine Kerze und f\u00fchrte mich durch verschiedene G\u00e4nge und Treppen in ein gro\u00dfes dunkles Gemach. In dem befand sich nichts als ein gro\u00dfer, eiserner Trog.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDieser Trog\u00ab, begann meine junge Begleiterin, \u00bbist voll Gold. Alles geh\u00f6rt dir, wenn du treu und standhaft bleibst.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann belehrte sie mich, was ich zu tun und zu erwarten h\u00e4tte:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bb Hier, nimm diesen Schl\u00fcssel und stecke ihn in das Schl\u00fcsselloch des Troges. Ich muss dich dann allein lassen. Es werden allerlei spukhafte und schreckliche Gestalten kommen und ihr Wesen mit dir treiben wollen, sei unverzagt! Sie haben trotz aller Drohung keine Gewalt \u00fcber dich, wenn dein Herz rein bleibt. Eine kurze Stunde, und der Spuk ist auf ewig gebannt. Halte an dem Schl\u00fcssel fest, was auch kommen mag! Und wenn die Glocke die Mitternachtsstunde anzeigt, dann dreh deinen Schl\u00fcssel im Schloss um, und beim 12. Schlag heb den Deckel auf; alle Sch\u00e4tze, welche der Trog enth\u00e4lt, sind dann dein! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bb Aber\u00ab, entgegnete ich, \u00bb muss ich denn die ganze Stunde allein hier bleiben? K\u00f6nnte ich nicht erst kurz vor Mitternacht wieder zur\u00fcckkommen und den Trog \u00f6ffnen?\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbNein! \u00abentgegnete sie, \u00bbdenn wenn die Geister in der Mitternachtsstunde kommen, ist ihr Erstes, dass sie den Schl\u00fcssel wegnehmen und das Schl\u00fcsselloch des Troges verstopfen. Aber horch! Eben hat die Uhr geschlagen, in wenigen Augenblicken erscheinen die Unholde. Sei standhaft, mein Freund! \u00ab Mit diesen Worten verlie\u00df sie das Zimmer, und ich war allein.<\/p>\n\n\n\n<p>Da schlug es zum elften Mal. Dumpf und schauerlich hallten die langsamen Schl\u00e4ge durch den \u00f6den, unheimlichen Raum nach. Ich sprach ein Sto\u00dfgebet und harrte mit Spannung der Dinge, die da kommen sollten. Meine Kerze brannte in ruhiger Flamme. Pl\u00f6tzlich huschte es durch das Zimmer, als ob Nachtfalter wach geworden w\u00e4ren; hinter mir rauschte und raschelte es wie von M\u00e4usen und Ratten. Ich hielt meinen Schl\u00fcssel krampfhaft fest, und meine Kerze brannte ruhig weiter. Jetzt fuhr mir etwas mit unheimlichen Fl\u00fcgeln \u00fcber das Gesicht. Es war eine riesengro\u00dfe Speckmaus mit gro\u00dfen Krallen und einem Gesicht wie ein Totenkopf. Ich r\u00fchrte mich nicht, und meine Kerze brannte ruhig weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Immer gr\u00f6\u00dfer und schrecklicher wurden die unheimlichen Gestalten, immer zudringlicher schwirrten sie um meinen Kopf, immer drohender schwangen sie ihre scharfen Krallen unmittelbar vor meinen Augen, aber das Licht meiner Kerze vermieden sie \u00e4ngstlich. Da kam ein gro\u00dfes Gespenst, gleich einer riesigen schwarzen Katze, mit Fl\u00fcgeln und feurigen Augen, gl\u00fchenden Krallen und Z\u00e4hnen. Das kam langsam heran und wollte mich fauchend und speiend von dem Trog wegdr\u00e4ngen. Ich schauderte, meine Haare standen zu Berge, aber ich hielt meinen Schl\u00fcssel fest, und meine Kerze brannte ruhig weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Bis dahin waren die b\u00f6sen Geister stumm gewesen, jetzt aber begannen sie einen ohrenzerrei\u00dfenden L\u00e4rm; immer dichter umschw\u00e4rmten sie mich, ich f\u00fchlte ihren hei\u00dfen Atem in meinen Ohren, die Hitze ihrer Krallen in meinen geblendeten Augen; aber nichts konnte mir den Schl\u00fcssel entwinden, und meine Kerze brannte ruhig weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Da kroch auf einmal eine unf\u00f6rmige Masse aus der Tiefe und setzte sich mir gerade gegen\u00fcber auf den Deckel des eisernen Troges. Es war eine gro\u00dfe Kr\u00f6te. Gr\u00fcn und gelb leuchtete jede Warze ihrer runzligen Haut. Mit stieren Augen glotzte sie mich an. Pl\u00f6tzlich richtete sie sich auf, und mit ihrer ganzen Kraft spie sie all ihr Gift und Geifer \u00fcber mich. Schaudernd sp\u00fcrte ich die Tropfen des Giftes gleich gl\u00fchendem Metall \u00fcber meinen K\u00f6rper hinabrieseln; aber ich blieb fest und standhaft, und meine Kerze brannte ruhig weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Da ert\u00f6nte der erste Schlag der Mitternachtsstunde, und die Kr\u00f6te verschwand! Froh, die schwere Probe gl\u00fccklich \u00fcberstanden zu haben, begann ich, meinen Schl\u00fcssel im Loch zu drehen, um beim zw\u00f6lften Schlag den Deckel sofort aufheben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei dachte ich mir: \u00bbNun ist all das Gold in diesem Trog dein! Du brauchst dich dein Leben lang nicht zu plagen wie die anderen armen Schlucker, alle Zeit kannst du ein lustiges, fr\u00f6hliches Leben f\u00fchren und die anderen f\u00fcr dich arbeiten &#8230; \u00ab Noch hatte ich meinen Gedanken nicht ausgedacht, da fuhr mir ein gewaltiger Sto\u00df vor die Brust, dass ich bet\u00e4ubt auf den Boden sank, und meine Kerze erlosch! &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich aus schwerer Bet\u00e4ubung erwachte, stand das junge M\u00e4dchen neben mir und sah mich tieftraurig an.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bb 0 mein Freund, warum hast du das getan? Noch im letzten Augenblick hast du dein Herz unrechten Gedanken ge\u00f6ffnet und uns damit auf weitere 100 Jahre in den Bann zur\u00fcckgesto\u00dfen, dich selbst aber um dein Heil und auf der Erde um Ruhe gebracht! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>jetzt erst bemerkte ich, dass ich den Schl\u00fcssel, an dem aber der Bart im Schloss abgebrochen war, krampfhaft in der Hand hielt, meine Kerze aber lag neben mir, in 1000 St\u00fccke zersplittert.<\/p>\n\n\n\n<p>Mitleidig begann das sch\u00f6ne M\u00e4dchen wieder: \u00bb Ich will wenigstens die schlimmsten Folgen des Kr\u00f6tengiftes von deinem K\u00f6rper wischen, wenn ich sie auch nicht ganz vertilgen kann, du wirst schwer genug an dem zu tragen haben, was bleibt, Wenn du standhaft geblieben w\u00e4rst bis ans Ende, so w\u00e4re auch das Gift spurlos an deinem K\u00f6rper herab geglitten. Aber nun komm! Der neue Morgen darf dich nicht mehr bei uns treffen. (4<\/p>\n\n\n\n<p>Hierauf nahm sie mich bei der Hand, f\u00fchrte mich zum Bach zur\u00fcck, lie\u00df mich \u00fcber die Br\u00fccke gehen und zeigte mir den Eingang zum Weg nach oben. Seufzend suchte ich, den steilen Pfad hinauf zuklimmen. Oft stie\u00df ich im Finstern meinen Kopf an einen harten Felsen, oft glitschte mein Fu\u00df auf dem feuchten Boden aus. Immer schwerer wurde mein Atem, immer unsicherer mein Schritt.<\/p>\n\n\n\n<p>Endlich, endlich sah ich vor mir einen hellen Punkt. Es war das Tageslicht! Mit den letzten Kr\u00e4ften schleppte ich meinen m\u00fcden Leib nach oben und sank an der M\u00fcndung der H\u00f6hle ohnm\u00e4chtig ins Gras.<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich erwachte, f\u00fchlte ich mich nur wenig gest\u00e4rkt. M\u00fchsam schleppte ich mich auf dem Weg nach Haus zur\u00fcck. Die Leute, denen ich begegnete, sahen mich mit verwunderten Blicken an, und wenn ich einen von ihnen mit Namen anrief, sagte jeder: \u00bbWoher kennt ihr meinen Namen? Euch habe ich, noch nie gesehen! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Ich ging in das Haus meiner Eltern; alle sahen fremd auf den Eindringling, und mein Vater wollte mir die T\u00fcr weisen: \u00bbEi Vater! Kennt ihr mich denn nicht mehr?\u00ab rief ich in heller Angst, \u00bb ich bin euer Sohn! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da lachte er bitter: \u00bbIhr mein Sohn? Mein Sohn ist ein sch\u00f6ner, braver, junger Bub. Er kommt morgen in einer goldenen Kutsche. Ihr aber seid ein alter elender Lump. Macht, dass ihr aus der Stube kommt, sonst rufe ich den Gendarm! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbIch ein alter Lump?\u00ab rief ich voll Entsetzen und trat an den Spiegel. Aber ich kannte das Gesicht nicht, das mir entgegen grinste. Meine Wangen waren eingesunken, meine Haut runzlig und aschfahl geworden und mein Haar und meine Augenbrauen wei\u00df wie Schnee!<\/p>\n\n\n\n<p>Traurig schlich ich aus meines Vaters Haus. Meine Mutter schenkte mir aus Mitleid mit dem Alten, dem Gott den Verstand verr\u00fcckt, eine harte Brotkruste und ging unger\u00fchrt ihrer Arbeit nach. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>So endete des alten M\u00e4nnlein Bericht. Zitternd erhob es sich und nahm den Stab, der an die Wand gelehnt war. Mit freundlichem Nicken verabschiedete es sich von den M\u00e4dchen, die in tiefer Bewegung \u00fcber sein trauriges Geschick keine Worte finden konnten, und ging mit zitternden Schritten zur T\u00fcr hinaus. Dann sah ihn die Gro\u00dfmutter von ihrem Platz am Fenster aus schlotternden Ganges durch die Gassen schreiten, bis er in Richtung der H\u00f6hle mit der verw\u00fcnschten M\u00fchle ihren Blicken entschwand. Es war das letzte Mal, dass man das kleine M\u00e4nnchen gesehen hat.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die verw\u00fcnschte M\u00fchle M\u00e4rchen aus dem Elsass Eines Tages &#8211; es war ein hei\u00dfer Sommertag &#8211; sa\u00df eine Gro\u00dfmutter bei offenem Fenster. Als sie einmal aufsah und einen fl\u00fcchtigen Blick auf die Stra\u00dfe warf, sah sie unter einem alten, abgetragenen H\u00fctchen einen schneewei\u00dfen Kopf, der best\u00e4ndig hin- und herwackelte. 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