{"id":536,"date":"2015-10-14T01:36:08","date_gmt":"2015-10-13T23:36:08","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=536"},"modified":"2026-01-24T21:51:57","modified_gmt":"2026-01-24T20:51:57","slug":"der-goldapfelbaum-und-die-hoellenfahrt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-goldapfelbaum-und-die-hoellenfahrt\/","title":{"rendered":"Der Goldapfelbaum und die H\u00f6llenfahrt"},"content":{"rendered":"<p><!--more--><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Es war einmal ein K\u00f6nig, der hatte drei S\u00f6hne und einen gro\u00dfen Garten, der an sein Schloss anstie\u00df; darin stand ein Apfelbaum, auf dem jedes Jahr drei goldene \u00c4pfel wuchsen, sowie sie aber reif waren, verschwanden sie.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Als die drei Prinzen herangewachsen waren und die \u00c4pfel wieder einmal reif wurden, da sprach der \u00e4lteste: \u00bbHeute Nacht werde ich bei dem Baum Wache halten und sehen, ob ich den Apfeldieb erhaschen kann. \u00ab Sobald es Nacht wurde, nahm er also seine Waffen und stellte sich zu dem Baum, und wie er so stand, da begann auf einmal die Erde zu zittern, und eine Wolke senkte sich unter furchtbarem Donnern und Blitzen auf den Apfelbaum, und daraus reichte etwas wie eine Hand &#8211; und fort war der eine Apfel. Der \u00e4lteste aber zitterte vor Schrecken und lief zum Vater und zu den Br\u00fcdern, und als sie ihn fragten, was er gesehen, sagte er, dass sich ein Sturm erhoben und den Apfel weggef\u00fchrt habe.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Die andere Nacht wollte es der zweite Sohn versuchen, und was der \u00e4lteste gesehen hatte, das sah auch der zweite. Die dritte Nacht wollte nun auch :er j\u00fcngste Wache halten, weil er aber noch so jung war, so wollte es ihm sein Vater nicht erlauben. Doch dieser sprach: \u00bbWenn du mir nicht die Erlaubnis erteilst, so wirst du mich nie mehr zu sehen bekommen. Gib mir meinen Bogen, mein Schwert, mein Buch und eine Leuchte, damit ich mir die Zeit mit Lesen vertreibe.,&lt; Und als der Vater sah, dass er von seinem Willen nicht abstand, erlaubte er endlich auch ihm, Wache zu halten.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">W\u00e4hrend er nun unter dem Baume sa\u00df und las, h\u00f6rte er auf einmal ein entsetzliches Get\u00f6se und erblickte eine schwarze Wolke, die sich nach dem letzten Apfel ausstreckte. Er aber griff rasch nach seinem Bogen und schoss in die Wolke; da verschwand diese, und der Apfel blieb am Baum.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Am anderen Morgen ging der j\u00fcngste zum Vater und sagte: \u00bbVater, ich habe den Dieb verwundet, und ich will fort und ihn suchen, darum gib mir mein Ross und meine Waffen.\u00ab Der Vater sprach: \u00bbLieber Sohn, bleibe bei mir, ich will dich auch daf\u00fcr segnen;\u00ad ich habe mein ganzes Reich vernachl\u00e4ssigt um dieser \u00c4pfel willen und nichts ausgerichtet, wie solltest du allein gl\u00fccklicher sein?\u00ab Er aber sagte: \u00bbLass mich gehen, sonst ist es mein Tod.\u00ab Als der Vater sah, dass er von seinem Vorhaben nicht abzubringen war, wollte er ihm ein Heer zur Begleitung geben. Doch er sprach: \u00bbIch will keine Begleitung, meine Hilfe ist in meiner St\u00e4rke, wenn aber meine Br\u00fcder zur Unterhaltung mitkommen wollen, so mag es sein. \u00ab Es machten sich also die drei Br\u00fcder auf, um den Verwundeten zu suchen, der K\u00f6nig aber war dar\u00fcber so bek\u00fcmmert, dass er sein Schloss schwarz anstreichen lie\u00df.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Als die Br\u00fcder eine Zeitlang gegangen waren, fanden sie Blutstropfen auf dem Wege. Sie folgten dieser Spur und gingen einen ganzen Monat lang den Blutstropfen nach. Endlich kamen sie an einen Dreiweg, und an jedem Weg stand ein Stein, und auf dem einen stand geschrieben: \u00bbWer diesen Weg geht, der kommt davon\u00ab; auf dem zweiten: \u00bbWer diesen Weg geht, der kommt vielleicht davon, vielleicht auch nicht\u00ab; und auf dem dritten: \u00bbWer diesen Weg geht, der kommt nicht davon\u00ab. Da sprach der j\u00fcngste: \u00bbWir m\u00fcssen den Weg einschlagen, auf dem man nicht davonkommt.\u00ab Die Br\u00fcder f\u00fcrchteten sich anfangs, dass sie auf ihm von rei\u00dfenden Tieren gefressen werden k\u00f6nnten, aber der j\u00fcngste redete ihnen so lange zu, bis sie ihm folgten. Auf diesem Weg fanden sie bald die Blutspuren wieder und kamen, indem sie ihnen nachgingen, auf einen hohen Berg, auf dessen Spitze sie einen m\u00e4chtigen Marmorstein fanden, der in der Mitte einen eisernen Ring hatte. Da sprach der J\u00fcngste: \u00bbDarunter steckt der Dieb; wir m\u00fcssen den Stein abheben und hinabsteigen, um ihn zu finden. Seht zu, ob ihr den Stein abheben k\u00f6nnt.\u00ab Da versuchte sich der \u00e4lteste und der Mittlere vergeblich an dem Stein, denn der war so ungeheuer, dass ihn hunderttausend Menschen nicht h\u00e4tten heben k\u00f6nnen. Endlich machte sich der j\u00fcngste daran und sagte zu seinen Br\u00fcdern: ~&gt;Tretet auf die Seite und seht euch vor, dass ihr keinen Schaden nehmt, wenn die Erde zu zittern beginnt. \u00ab Und als ihn die St\u00e4rke ankam, da erzitterte die Erde, und nun ergriff er den Eisenring und hob den Stein ab, und darunter sah er einen dunklen Brunnen, aus dem ein brennend hei\u00dfer Dampf aufstieg. Das war der Atem jenes Verwundeten. Da f ragte der j\u00fcngste: \u00bbNun, ihr Br\u00fcder, wer von uns steigt hinunter?\u00ab Diese aber waren auf seine St\u00e4rke neidisch und w\u00fcnschten sein Verderben. Doch erkl\u00e4rte sich der \u00e4lteste bereit, hinabzusteigen; sie banden ihn also an ein Seil, und als er bis zur H\u00e4lfte hinabgelassen war, schrie er: \u00bbFeuer, Feuer, ich verbrenne, zieht mich hinauf!\u00ab Und ebenso ging es auch dem zweiten. Als es nun auch der j\u00fcngste versuchen wollte, sagte er zu seinen Br\u00fcdern: \u00bbWenn ich euch zurufe, dass ihr mich hinaufziehen sollt, so h\u00f6rt nicht darauf, sondern lasst mich nur immer tiefer hinab. \u00ab Die Br\u00fcder h\u00f6rten also nicht auf sein Schreien und Ruf en, sondern lie\u00dfen ihn bis zum Boden hinab.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Dort fand er ein pr\u00e4chtiges Schloss mit gro\u00dfem Garten, in dem der sch\u00f6nste Fr\u00fchling war. Er suchte aber das ganze Schloss durch, ohne irgend jemand zu finden, und wunderte sich, wie so ein sch\u00f6ner Palast unbewohnt sein k\u00f6nne. Endlich kam er zu einer T\u00fcr, und als er diese \u00f6ffnete, erblickte er eine wundersch\u00f6ne Prinzessin, welche mit einem goldenen Apfel spielte, und sowie den der j\u00fcngste sah, erkannte er, dass er auf seines Vaters Baum gewachsen sei. Die Prinzessin aber sprach zu ihm: \u00bbSage mir, du Hund, wie bist du hierhergekommen, wohin kein fliegender Vogel kommt? Denn hier haust ein schrecklicher Drache, den haben sie zwar verwundet, aber er verschlingt dich doch, sowie er dich gewahr wird.\u00ab Da sprach der Prinz: \u00bbDen Drachen habe ich verwundet und bin auf seiner Spur bis hierher gekommen, tue mir also die Liebe und sage mir, wo er ist.\u00ab Sie antwortete: \u00bbIch wei\u00df es nicht, gehe aber in jene Kammer, dort findest du meine Schwester, die wei\u00df es. \u00ab Da ging er dorthin und fand eine K\u00f6nigstochter, die auch mit einem Goldapfel spielte und so sch\u00f6n war, dass er ausrief: \u00bbGl\u00e4nze, Sonne, damit ich ergl\u00e4nze.\u00ab Sie fragte ihn: \u00bbSage mir, du Hund, wie bist du hierhergekommen, wo kein fliegender Vogel hinkommt?\u00ab Er aber antwortete: \u00bbIch bin nur wegen des Drachens gekommen, sage mir also, wo er ist\u00ab, und sie sagte: \u00bbIch wei\u00df es nicht, aber gehe zu meiner j\u00fcngsten Schwester, die ist die Sch\u00f6nste von uns und muss ihn daher bedienen.\u00ab Diese j\u00fcngste war aber eine Herzenskundige. Er ging also in ihre Kammer und fand dort ein M\u00e4dchen, wie kein sch\u00f6neres auf der Welt war, doch sie war traurig, weil sie keinen Apfel hatte. Sowie er sie erblickte, kam ihn seine St\u00e4rke an, und davon erzitterte das ganze Schloss. Das M\u00e4dchen aber fiel ihm um den Hals und k\u00fcsste ihn und sprach: \u00bbSage mir, du Hund, wie bist du hierhergekommen, wohin kein fliegender Vogel kommt? Denn hier haust ein Drache, und wenn er dich gewahr wird, so sind wir allesamt verloren.\u00ab Er aber sprach: \u00bbSeinetwegen bin ich hierhergekommen, sage mir also, wo ich ihn finden und wie ich ihn erlegen kann.\u00ab Sie antwortete: \u00bbEr liegt in jener Kammer, und wenn er die Augen auf hat, so schl\u00e4ft er, und wenn er sie zu hat, so ist er wach. Bei seinem Kopfkissen steht ein Fl\u00e4schchen Wasser und bei seinen F\u00fc\u00dfen ein anderes, und diese Fl\u00e4schchen musst du vertauschen. In der Kammer aber h\u00e4ngen viele Schwerter, und die werden dir zurufen: &gt;Lieber Herr, nimm mich mit!&#8216; Du darfst aber keines von diesen nehmen, sondern musst das rostige hervorholen, welches hinter der T\u00fcr steht. Sobald du dieses Schwert in der Hand hast, musst du ihm sogleich einen Faustschlag versetzen, von dem er aufwachen wird. Darauf wird er zu dir sagen: &gt;Komm her, du Schuft, wir wollen eins zusammen trinken!&lt;, und du musst das Fl\u00e4schchen ergreifen, das zu seinen F\u00fc\u00dfen steht, er aber wird das nehmen, was ihm zu H\u00e4upten steht, und dann musst du mit ihm trinken.\u00ab<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Er tat genau so, wie ihm das M\u00e4dchen gesagt hatte, und wie der Drache das Fl\u00e4schchen ausgetrunken hatte, rief er: \u00bbAch, ihr H\u00fcndinnen, ihr habt mich geliefert! \u00ab Und darauf gab ihm der J\u00fcngling einen einzigen Schwertschlag. Da bat ihn der Drache: \u00bbGib mir noch einen Schlag, damit ich rasch verende.\u00ab Er aber sprach: \u00bbMeine Mutter hat, mich nur einmal geboren.\u00ab Da zerplatzte der Drache, weil ihm der J\u00fcngling keinen weiteren Schwertschlag gab.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Nun ging der Prinz zu den drei Jungfrauen zur\u00fcck und f\u00fchrte sie zu der Stelle, wo er herabgekommen war, um sich von seinen Br\u00fcdern hinaufziehen zu lassen. Unterwegs sagte ihm die j\u00fcngste, die eine Herzenskundige war: \u00bbDu musst dich zuerst hinaufziehen lassen, denn wenn du zuletzt unten bleibst, so werden dich deine Br\u00fcder t\u00f6ten. \u00ab Er aber wollte nicht glauben, dass sie so undankbar seien, da er sie doch von dem Drachen befreit hatte. Da sagte sie ihm: \u00bbGeh an jenen Schrank, darin wirst du eine Mandel, eine Nuss, eine Haselnuss und ein h\u00e4renes Seil finden; das alles musst du wohl aufheben, denn du wirst es n\u00f6tig haben.&lt;~ Und dann sprach sie seufzend: \u00bbWenn dich deine Br\u00fcder nicht auf die Oberwelt ziehen, so will ich dir noch etwas zum Trost sagen: Da, wo du hinkommen wirst, wirst du viel M\u00fchsal erdulden, aber zuletzt doch Sieger bleiben. Du wirst zu einer Tenne kommen, auf der drei L\u00e4mmer miteinander spielen, zwei schwarze und ein wei\u00dfes, und du musst das wei\u00dfe Lamm fangen; denn wenn du die schwarzen f\u00e4ngst, so musst du noch einmal so tief in die Unterwelt hinab.\u00ab<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Als sie zu dem Brunnen gekommen waren, rief er seinen Br\u00fcdern zu, sie sollten ihm das Seil herablassen, und als dies geschehen war, band er die \u00e4lteste Prinzessin daran und rief hinauf: \u00bbHo, \u00e4ltester, die ist f\u00fcr dich!\u00ab Und als diese oben war, band er die zweite an das Seil und rief hinauf: \u00bbHo, Mittlerer, die ist f\u00fcr dich!\u00ab Und zuletzt lie\u00df er die j\u00fcngste hinaufziehen und rief: \u00bbHo, ihr Br\u00fcder! Die ist f\u00fcr mich.\u00ab Das war aber die allersch\u00f6nste, und beim Abschied sagte er zu ihr: \u00bbDort, wo du hinkommst, wirst du meinen Vater finden, und der wird dich zu freien begehren, weil er Witwer ist, du sollst aber ein Jahr, drei Tage und drei Stunden auf mich warten, und wenn ich dann noch nicht gekommen bin, so ist es dir erlaubt, ihn zu nehmen.\u00ab<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Sowie aber die dritte Prinzessin hinauf gezogen war, nahmen die bei&#8211;&#8218; den Br\u00fcder die drei Schwestern und kehrten heim und lie\u00dfen den j\u00fcngsten in der Unterwelt. Sie schickten Nachricht an ihren Vater.` dass sie k\u00e4men, und dieser legte die Trauerkleider ab und hie\u00df sie mit gro\u00dfer Freude willkommen; als er aber nach dem j\u00fcngsten fragte, sagten sie ihm, dass er umgekommen sei. Da begann der K\u00f6nig \u00fcber den Verlust seines j\u00fcngsten Sohnes zu weinen, doch die beiden \u00e4lteren verboten ihm das und sagten, dass er sich \u00fcber ihre gl\u00fcckliche R\u00fcckkehr und ihre Gro\u00dftaten freuen solle, denn sie h\u00e4tten den Drachen erlegt und die drei Prinzessinnen erlangt, die jener geraubt und denen er die goldenen \u00c4pfel ihres Apfelbaumes zum Spielen gegeben habe. jeder von ihnen wolle nun eine davon heiraten, und der Vater solle die j\u00fcngste zur Frau nehmen. Da war der K\u00f6nig zufrieden und stellte zur Heirat seiner beiden S\u00f6hne eine gro\u00dfe Hochzeit an, und vier Monate sp\u00e4ter wollte er selbst mit der j\u00fcngsten Hochzeit halten; diese aber sagte: \u00bbEs ist dir noch nicht erlaubt, denn nur wenn dein Sohn nicht in einem Jahr, drei Tagen und drei Stunden gefunden wird, darfst du mich zur Frau nehmen\u00ab, und weil sie so hartn\u00e4ckig bei diesem Vorsatz blieb, so hielten sie das M\u00e4dchen wie eine Magd, und sie musste ihre Schwestern bedienen.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Doch lassen wir nun vorerst die Prinzessin und kehren wir zu dem j\u00fcngsten K\u00f6nigssohn zur\u00fcck. Als dieser eine Weile vergebens seinen Br\u00fcdern zugeschrien, ihm das Seil herabzulassen, merkte er, dass die Prinzessin recht gehabt und sie ihn im Stich gelassen hatten. Er machte sich also auf, um die Tenne zu finden, von der sie ihm gesprochen hatte, und als er dort hinkam und das wei\u00dfe Lamm zu haschen suchte, fing er statt dessen ein schwarzes, und sofort sank er noch einmal so tief in die Unterwelt.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Dort kam er in eine Stadt und nahm bei einer Alten Herberge; als diese aber Brot backen sollte, sah er, wie sie in das Mehl spie und mit ihrem Speichel den Teig knetete. Da fragte er sie: \u00bbWarum speist du ins Mehl und machst nicht den Teig mit Wasser an?\u00ab Sie antwortete: \u00bbUnsere Stadt hat nur einen Wasserquell, und daran wohnt eine Schlange, die frisst jede Woche einen Menschen und l\u00e4sst uns dann Wasser sch\u00f6pfen, und heute wurde die eine Tochter des K\u00f6nigs hinausgef\u00fchrt, w\u00e4hrend die andere im Schlosse Hochzeit h\u00e4lt. \u00ab Da bat sie der J\u00fcngling, sie solle ihm einen Krug geben und den Weg zum Brunnen zeigen. Er konnte aber die Alte nicht dazu bewegen, weil sie f\u00fcr sein Leben f\u00fcrchtete, und als er sah, dass sein Bitten vergeblich war, ging er allein und fand sich zum Brunnen, bei dem er ein weinendes M\u00e4dchen an einen Felsen gebunden erblickte. Die sagte ihm, dass sie die Tochter des K\u00f6nigs sei, und weil auf sie das Los gefallen w\u00e4re, so sei sie hierhergebracht worden, damit sie die Schlange verschlinge und die Stadt Wasser sch\u00f6pfen k\u00f6nne.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Der J\u00fcngling aber band sie los und sprach: \u00bbF\u00fcrchte dich nicht, ich Werde dich sch\u00fctzen, aber komm und lause mich ein wenig, weil ich vom Wege m\u00fcde bin\u00ab, und w\u00e4hrend sie ihn lauste, schlief er ein, und sie nahm ihren Fingerring und band ihn dem J\u00fcngling auf den Scheitel. W\u00e4hrenddem kam die Schlange heran, und das M\u00e4dchen erschrak so, dass es den J\u00fcngling nicht zu wecken, sondern nur zu weinen vermochte; aber eine ihrer Tr\u00e4nen fiel auf des J\u00fcnglings Wange, und davon erwachte er. Als nun die Schlange die beiden erblickte, rief sie: \u00bbEi, ei, fr\u00fcher gab man mir immer nur einen Braten, heute aber bekomme ich zwei.\u00ab Da zog der J\u00fcngling sein Schwert und schlug der Schlange das Haupt ab. Diese aber rief: \u00bbHoho, du Schandbube! F\u00fcr dich habe ich auch noch andere K\u00f6pfe\u00ab, und diese Schlange hatte wirklich zw\u00f6lf K\u00f6pfe, und der J\u00fcngling musste mit ihr vom Morgen bis zum Abend k\u00e4mpfen, bis er sie endlich alle abgeschlagen hatte. Darauf schnitt er aus den zw\u00f6lf K\u00f6pfen die Zungen heraus, f\u00fcllte seinen Krug mit Wasser und kehrte zu der Alten zur\u00fcck. Die fragte ihn: \u00bbWo hast du das Wasser her?\u00ab und er sagte ihr: \u00bbIch habe die Schlange get\u00f6tet, aber wenn du es verr\u00e4tst, so schlage ich dich tot.\u00ab<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Darauf kam der Erste Leibw\u00e4chter des K\u00f6nigs, der ein Mohr war, zum Brunnen, um zu sehen, was aus der Prinzessin geworden, und als er sah, dass diese heil und die Schlange tot war, sprach er zu ihr: \u00bbWenn dir dein Leben lieb ist, so sage nicht, wer die Schlange get\u00f6tet hat.\u00ab Er nahm nun die zw\u00f6lf K\u00f6pfe der Schlange, ging damit vor den K\u00f6nig und sagte, dass er dieselbe erlegt habe.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Darauf sprach der K\u00f6nig: \u00bbWenn du die Schlange erlegt hast, so sollst du meine Tochter haben und mein Schwiegersohn werden.\u00ab Die Prinzessin aber rief: \u00bbEr hat die Schlange nicht erlegt, sondern ein K\u00f6nigssohn.\u00ab Und als der Mohr bei seinen Worten blieb, sagte sie ihm ins Gesicht, dass er ein L\u00fcgner Sei, und verlangte von ihrem Vater, dass er ein gro\u00dfes Fest anstellen solle, bei dem alle Welt barh\u00e4uptig erscheinen m\u00fcsse, \u00bbund ich will oben am Fenster stehen und einen Apfel auf den werfen, den ich zum Manne haben will.\u00ab<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Wie sie gewollt hatte, so geschah es, und der J\u00fcngling, welcher bei der Alten versteckt war, wurde neugierig, was das Menschengedr\u00e4nge bedeute. Er zog also Hirtenkleider an und ging so zum Palast, ohne dass er etwas von dem Ring wusste, den er auf dem Scheitel trug. Die Prinzessin aber erkannte ihn daran und warf den Apfel auf ihn, und sogleich wurde er ergriffen und vor den K\u00f6nig gebracht. Der aber berief die zw\u00f6lf R\u00e4te und lie\u00df auch seine Tochter und den Mohren kommen; aber weder der K\u00f6nig noch die R\u00e4te wollten glauben, dass so ein gemeiner Hirt das Ungeheuer erlegt habe, und dies um so weniger, als der J\u00fcngling selbst es leugnete. Der K\u00f6nig wurde daher sehr zornig auf seine Tochter und verstie\u00df sie aus dem Hause und lie\u00df sie misshandeln. Als das der J\u00fcngling h\u00f6rte, bekam er Mitleid mit ihr und ging zum K\u00f6nig und sagte die volle Wahrheit; aber der verlangte, dass sowohl er als der Mohr seine Behauptung beweisen solle. Da brachte der Mohr die zw\u00f6lf Schlangenk\u00f6pfe; der J\u00fcngling aber fragte ihn: \u00bbWie geht das zu, dass diese K\u00f6pfe keine Zungen haben?\u00ab Der Mohr antwortete: \u00bbDie Schlange hat sich gef\u00fcrchtet und ihre Zungen eingezogen.\u00ab Da verlangte der J\u00fcngling, dass man ein Lamm bringen solle, und als das kam, schlug er ihm mit dem Schwert den Kopf ab; dieses aber biss sich w\u00e4hrenddem auf die Zunge, und er fragte den Mohren: \u00bbHatte die Schlange mehr Furcht als das Lamm, dass sie ihre Zungen einzog?\u00ab Darauf zog er die Zungen der Schlange hervor und zeigte, dass sie in die K\u00f6pfe passten. Da sprach der K\u00f6nig zu den Zw\u00f6lfen: \u00bbWas sollen wir mit dem Mohren anfangen?\u00ab Und sie beschlossen, dass er an vier Pferde gebunden und von diesen in vier St\u00fccke zerrissen werden solle.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Als dem Mohren sein Recht geschehen, sprach der K\u00f6nig zu dem J\u00fcngling.- \u00bbWas willst du, dass ich dir f\u00fcr die Wohltat gebe, die du mir und dem Lande erwiesen hast? Willst du meine Tochter zur Frau haben, oder soll ich dir Sch\u00e4tze geben?\u00ab Er aber sagte: \u00bbIch verlange nur eins von dir, n\u00e4mlich, dass du mich auf die Oberwelt bringen l\u00e4sst. \u00ab Da sagte der K\u00f6nig: \u00bbDu verlangst ein schweres Ding von mir, weil du aber so tapfer bist, so wirst du auch das tun, was ich dir sage. Geh auf jenen Berg, dort steht ein gro\u00dfer Baum, auf dem haben die Adler ihr Nest, und dort ist auch eine Schlange mit achtzehn K\u00f6pfen, welche den Adlern feind ist; wenn du diese erlegst, so werden dich die Adler auf die Oberwelt bringen. \u00ab Da ging der J\u00fcngling auf jenen Berg, und um die Mittagszeit sah er die Schlange, wie sie sich uni den Baum wand, um die Adlerjungen zu fressen. Der J\u00fcngling aber riss sie vom Baum herunter; doch hatte er vierundzwanzig Stunden zu k\u00e4mpfen, bis er sie v\u00f6llig erlegt hatte; und darauf war er so erm\u00fcdet, dass er sich unter den Baum legte und einschlief. Da flogen die jungen Adler aus ihrem Nest und wehten ihm mit ihren Fl\u00fcgeln frische Luft zu. W\u00e4hrend er so schlief, kamen die alten Adler, und als sie ihn sahen, ergriffen sie Felsst\u00fccke, um ihn damit totzuschlagen. Die jungen Adler aber riefen: \u00bbUm Gottes willen nicht, denn er hat die Schlange erlegt und uns von ihr befreit.\u00ab Da breiteten auch die Alten ihre Fl\u00fcgel aus und wehten ihm Luft zu. Als er erwachte, fragten ihn die Adler: \u00bbWas willst du) dass wir dir tun f\u00fcr das Gute, das du uns getan hast?\u00ab Er aber sagte: \u00bbIch verlange von euch nichts weiter, als dass ihr mich auf die Oberwelt bringt.\u00ab Da riefen die Adler -. \u00bbEin schweres St\u00fcck verlangst du von uns, aber du hast uns von der Schlange befreit, und so m\u00fcssen wir dich auch auf die Oberwelt bringen.\u00ab Darauf sprach der K\u00f6nig der Adler: \u00bbDu musst vierzig Schl\u00e4uche mit Wasser anschaffen und vierzig B\u00fcffel schlachten und ein silbernes Joch machen lassen. \u00ab Der J\u00fcngling ging nun zum K\u00f6nig und bat um das Erforderliche, und der lie\u00df alles machen, was er verlangte.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Darauf sprachen die Adler zu dem Prinzen: \u00bbDu musst uns nun fest anschirren und dich an das Joch binden, und wenn wir &gt;kra!&lt; schreien, so wollen wir Fleisch, und wenn wir &gt;glu!&#8220; schreien, so wollen wir Wasser.\u00ab Als alles in Ordnung war, breiteten sie ihre Fl\u00fcgel aus und flogen, und der J\u00fcngling gab ihnen von Zeit zu Zeit, was sie verlangten. Sie mussten aber so lange fliegen, dass, bevor sie auf die Oberwelt kamen, das Fleisch ausging. Da rief ein Adler: \u00bbkra!\u00ab, und weil er kein Fleisch mehr hatte, so schnitt er sich ein Bein ab und gab es ihm. Als sie endlich auf die Oberwelt kamen, sagten ihm die Adler: \u00bbSo, nun geh zu deinem Vater!\u00ab Und als er von ihnen Abschied genommen und fortwollte, bemerkten sie, dass er nicht laufen konnte. Sie fragten ihn nach der Ursache, und er erwiderte, dass er, weil er kein Fleisch mehr gehabt, dem einen Adler sein Bein zu fressen gegeben habe. Da befahl sogleich der Adlerk\u00f6nig: \u00bbWer das Bein gefressen hat, der soll es wieder ausspeien!\u00ab und schickte einen Adler, um Lebenswasser zu holen. Damit bestrich er das angesetzte Bein, und sogleich wuchs dieses wieder an und war so gut wie vorher.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Wie nun der J\u00fcngling zur Stadt ging, begegnete er auf dem Weg einem Hirten und sagte ihm: \u00bbH\u00f6re, Freund, gibst du mir nicht deine Kleider f\u00fcr die meinigen?\u00ab Da lachte der Hirt und meinte, dass er scherze; als er aber sah, dass es Ernst sei, lie\u00df er sich den Tausch gefallen. Der J\u00fcngling ging darauf weiter und fand ein Lamm auf dem Weg, das schlachtete er und legte sich sein Fell um den Kopf nach Art derjenigen, welche einen Grindkopf haben. Darauf ging er in die Stadt, in welcher sein Vater K\u00f6nig war, und bat dort dessen ersten Schneidermeister, ihn in den Dienst zu nehmen. Der Meister machte anfangs Schwierigkeiten, weil er grindk\u00f6pfig sei, seine Gesellen aber hatten Mitleid mit ihm und baten den Meister, ihn anzunehmen, damit er ihnen Trinkwasser hole. Er blieb also dort, und sein einziges Vergn\u00fcgen war, in der Asche zu sitzen und sich damit zu beschmieren.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Allm\u00e4hlich kam aber die Frist heran, welche die Jungfrau dem Vater des J\u00fcnglings gesetzt hatte, und dieser sagte daher zu ihr, dass sie sich zur Hochzeit bereiten solle. Sie antwortete: \u00bbWohl, ich stelle dir aber die Aufgabe, dass du mir ein Kleid machen lassen sollst, auf dem die Erde mit ihren Blumen gewirkt ist und das weder mit der Schere geschnitten noch mit der Nadel gen\u00e4ht ist, das in einer Nuss steckt und wieder in sie hineingeht, und in drei Tagen muss es fertig sein.\u00ab<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Da befahl der K\u00f6nig sofort dem Schneider, bei welchem der Grindk\u00f6pfige diente, dass er ihm bei Todesstrafe binnen drei Tagen ein solches Kleid liefern solle. Der Schneider kam weinend und jammernd nach Hause, und seine Gesellen fragten ihn, warum er so betr\u00fcbt sei. Er antwortete: \u00bbWarum soll ich nicht klagen, wenn ich in drei Tagen um mein Leben komme?\u00ab Da fragte ihn auch der Grindk\u00f6pfige nach seinem Kummer, der Meister aber schimpfte und schlug ihn und rief: \u00bbDas fehlte noch, dass auch du Grindkopf mir zusetzt.\u00ab Doch der lie\u00df nicht ab, den Meister so lange zu fragen und zu qu\u00e4len, bis dieser ihm endlich die Ursache seines Leidens erz\u00e4hlte, und als er damit zu Ende war, sagte der Grindk\u00f6pfige: \u00bbUnd \u00fcber so eine Kleinigkeit schl\u00e4gst du solchen L\u00e4rm? Gib dich zufrieden, das nehme ich auf mich\u00ab; und er sagte das mit solcher Zuversicht, dass der Meister bei all seinem Kummer lachen musste. Der Grindige aber sprach: \u00bbLass mir ein Seidel Branntwein und ein Pfund N\u00fcsse holen, und lass mich dann allein in der Werkstatt\u00ab, und das wiederholte er so lange, bis ihm der Meister seinen Willen tat. Der Grindige blieb also allein in der Werkstatt, a\u00df und trank und tat sich g\u00fctlich, und am anderen Morgen \u00f6ffnete er die Nuss, welche ihm die Jungfrau gegeben hatte, und zog daraus ein Kleid mit der Erde und ihren Blumen hervor. Wie das der Meister sah, beugte er sich vor dem Grindigen zur Erde und k\u00fcsste ihm die Hand. Dann aber brachte er das Kleid zum K\u00f6nig, und wie es die Jungfrau sah, so wusste sie, dass der J\u00fcngling gekommen sei.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">An diesem Tage ritt der K\u00f6nig mit seinen S\u00f6hnen aus und stellte Reitspiele an. Da brannte der Grindige auch das Rosshaar an, das ihm die Jungfrau gegeben, und da kam ein goldenes Pferd hervor und ein Anzug mit der Erde und ihren Blumen; er zog den Anzug an, bestieg das Pferd, begab sich auf den Spielplatz und ritt mit jenen; sein Pferd aber war so schnell wie ein Vogel und tat es allen anderen zuvor, und als das Spiel zu Ende ging, sprengte er in das K\u00f6nigsschloss und stellte dort gro\u00dfen Schaden mit seinem Rosse an. Da bem\u00fchten sich die anderen, ihn zu fangen, aber er entkam ihnen gl\u00fccklich.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Am anderen Morgen sagte der K\u00f6nig zu der Jungfrau: \u00bbDas Kleid ist fertig, gib mir nun den Bescheid.\u00ab Die aber sprach: \u00bbDu musst mir in drei Tagen noch ein Kleid mit dem Himmel und seinen Sternen machen lassen, das weder mit einer Schere geschnitten noch mit einer Nadel gen\u00e4ht ist, das in einer Mandel steckt und wieder in sie hineingeht, und in drei Tagen muss es fertig sein.\u00ab Da bestellte der K\u00f6nig dieses Kleid bei demselben Schneider und befahl ihm bei Todesstrafe, damit in drei Tagen fertig zu sein. Als der Schneider nach Hause kam, klagte er dem Grindigen sein Leid, und dieser tr\u00f6stete ihn und sagte, dass er auch das auf sich nehme; doch lie\u00df er sich diesmal statt der N\u00fcsse Mandeln bringen und tat sich g\u00fctlich, bis er betrunken war und einschlief, ohne die Mandel der Jungfrau zu \u00f6ffnen. Als ihn der Meister am Morgen noch schlafend fand und nirgends das versprochene Kleid sah, geriet er in gro\u00dfe Verzweiflung und weckte ihn. Er aber nahm die Mandel der Jungfrau aus seiner Tasche, knackte sie auf und zog daraus das bestellte Kleid hervor.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Als der K\u00f6nig am Nachmittag wieder Reiterspiele anstellte, brannte der Grindige sein Pferdehaar an, und hervor kam ein goldenes Ross und ein Anzug mit dem Himmel und seinen Sternen. Den zog er an, ritt wieder in das K\u00f6nigsschloss und richtete dort wieder gro\u00dfen Schaden an und entkam abermals gl\u00fccklich, ohne gefangen zu wer den.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Am anderen Morgen sprach der K\u00f6nig zur Jungfrau, dass sie nur endlich den Tag der Hochzeit bestimmen solle. Da sagte diese: \u00bbIch will zuvor noch ein drittes Kleid haben mit dem Meere und seinen Fischen, das soll in einer Haselnuss stecken und wieder in eine Haselnuss hineingehen, und in drei Tagen muss es fertig sein.\u00ab Damit ging es wie die beiden ersten Male; nur bedingte sich diesmal de Grindige vom Meister aus, das Kleid selbst zum K\u00f6nig tragen zu d\u00fcrfen, und als er vor diesem erschien, bat er, ihn als K\u00fcchenjungen anzustellen, und der K\u00f6nig gew\u00e4hrte ihm diese Gnade.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Am Abend kamen die zw\u00f6lf R\u00e4te zu dem K\u00f6nig, um ihm die Zeit zu vertreiben. Zu jener Zeit liebte man es sehr, M\u00e4rchen zu h\u00f6ren&#8216; und der K\u00f6nig sprach daher: \u00bbWei\u00df keiner ein sch\u00f6nes M\u00e4rchen, damit die Zeit vergehe?\u00ab Die R\u00e4te aber antworteten: \u00bbVon uns wei\u00df keiner mehr ein neues M\u00e4rchen\u00ab, und auch alle Diener des K\u00f6nigs erkl\u00e4rten, dass sie alle M\u00e4rchen bereits erz\u00e4hlt h\u00e4tten, die sie wussten. Da gedachte der K\u00f6nig des neuen K\u00fcchenjungen und lie\u00df ihn vorrufen und befahl ihm, ein M\u00e4rchen zu erz\u00e4hlen. Der sagte darauf: \u00bbIch will euch ein M\u00e4rchen erz\u00e4hlen, aber unter der Bedingung, dass keiner dabei weggeht. Der Saal muss verschlossen werden und ich den Schl\u00fcssel bekommen; wer also pissen will, der gehe jetzt.\u00ab Als das der K\u00f6nig h\u00f6rte, kam ihm der Verdacht, dass dies sein Sohn sein m\u00f6ge; er tat ihm also den Willen. Darauf begann der K\u00fcchenjunge sein M\u00e4rchen: \u00bbEs war einmal ein K\u00f6nig, der hatte drei S\u00f6hne und einen Goldapfelbaum\u00ab, und erz\u00e4hlte nun alles, was ihm begegnet war. Wie aber der K\u00f6nig das h\u00f6rte, da kamen ihm die Tr\u00e4nen in die Augen, und er sprach: \u00bbErz\u00e4hle, mein S\u00f6hnchen, erz\u00e4hle, denn diese Geschichte ist meiner eigenen sehr \u00e4hnlich.\u00ab Doch als er in dem M\u00e4rchen an die Stelle kam, wo die beiden \u00e4lteren K\u00f6nigss\u00f6hne \u00fcbel wegkommen, da rief der \u00e4lteste: \u00bbMich pissert, macht die T\u00fcr auf!\u00ab Und auch der zweite schrie, dass man die T\u00fcr \u00f6ffnen solle. Der K\u00fcchenjunge aber sagte: \u00bbBevor nicht das M\u00e4rchen aus ist, darf auch keiner zur T\u00fcr hinaus, und wenn ihr nicht glaubt, dass es wahr ist, so werdet ihr doch mir selber glauben, denn ich bin selbst dein Sohn\u00ab, und dabei riss er sich das Schafsfell vom Kopfe und beugte sich vor seinem Vater und k\u00fcsste ihm die Hand, und da schloss ihn dieser in die Arme und k\u00fcsste und herzte ihn. Am anderen Morgen aber schickte er seine beiden \u00e4lteren S\u00f6hne in die Verbannung und verheiratete den j\u00fcngsten mit der Jungfrau. Da hielten sie Hochzeit und lebten herrlich und in Freuden.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Ich war nicht dabei, darum brauchst du es auch nicht zu glauben.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[85,133],"tags":[],"class_list":["post-536","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-maerchen","category-maerchen-weltweit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/536","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=536"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/536\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":537,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/536\/revisions\/537"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=536"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=536"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=536"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}