{"id":5351,"date":"2026-01-30T02:21:33","date_gmt":"2026-01-30T01:21:33","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5351"},"modified":"2026-01-30T02:21:33","modified_gmt":"2026-01-30T01:21:33","slug":"der-verzauberte-feigenbaum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-verzauberte-feigenbaum\/","title":{"rendered":"Der verzauberte Feigenbaum"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Der verzauberte Feigenbaum<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Im Jahr des Herrn 1640 gingen in der sch\u00f6nen Stadt Granada im Viertel von Albaicin die Leute ihren t\u00e4glichen Besch\u00e4ftigungen nach..<\/p>\n\n\n\n<p>In einer schmalen Stra\u00dfe, durch die man zu einer verborgenen Zisterne gelangt, lag der kleine Garten der Maria Tomillo. Sie lebte allein, war ein b\u00f6ses Weib und jammerte viel.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Nachbarn war sie unheimlich. Sie verwandte all ihre Liebe darauf, ihren Garten zu pflegen, dessen pr\u00e4chtige Obstb\u00e4ume f\u00fcr die jungen aus der Nachbarschaft eine gro\u00dfe Versuchung darstellten. Sah die alte Frau einmal nicht hin, gleich kletterten sie ins Ge\u00e4st und f\u00fcllten sich die Taschen mit den Fr\u00fcchten. Doch die Hexe erwischte sie immer. Dann taten die Bengel gut, sich m\u00f6glichst rasch in Sicherheit zu bringen, denn die Alte bedachte sie nicht nur mit Fl\u00fcchen. sondern auch mit Steinw\u00fcrfen, die ihr Ziel selten verfehlten.<\/p>\n\n\n\n<p>Was die alte Hexe am meisten verabscheute, war, dass jemand von den Fr\u00fcchten eines gro\u00dfen Feigenbaumes a\u00df, der mit seinem dichten Blattwerk dem Garten Schatten spendete und dessen Fr\u00fcchte sich besonders des Zuspruchs durch die jungen erfreute, die in den Garten kamen, um sich zu versorgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Solcher \u00dcbergriffe \u00fcberdr\u00fcssig, bat die Frau den Teufel, dass er den Baum auf eine Art verzaubere, dass niemand mehr von den Feigen essen k\u00f6nne.<\/p>\n\n\n\n<p>Von da an wurden die Feigen so bitter, dass selbst, wenn ein junge dazu kam, eine zu pfl\u00fccken und sie in den Mund steckte, er sie sofort wieder ausspuckte, was die Alte, wenn sie es beobachtete, jedes Mal mit gro\u00dfer Genugtuung erf\u00fcllte.<\/p>\n\n\n\n<p>Selbst der Schatten des Feigenbaumes war verzaubert. Wer sich dort hinlegte, wurde von einer unbekannten Krankheit befallen.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Jahre vergingen, ohne dass es jemand gewagt h\u00e4tte, die Feigen zu versuchen, da starb die alte Frau pl\u00f6tzlich, und ihr Leichnam verschwand auf den Friedhof.<\/p>\n\n\n\n<p>Von der Nacht ihres Todes an h\u00f6rten die Nachbarn merkw\u00fcrdige Ger\u00e4usche in der nahegelegenen Zisterne, und zwar immer um Mitternacht. Und jeder von ihnen war sicher, dass die Alte nun in ihrem geliebten Garten spuke.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun gab es da ein paar neugierige Frauen, die sich an einem Fenster, von dem aus man in jenen Garten sah, versammelten und nur darauf warteten, dass es Mitternacht wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Als die zw\u00f6lf Schl\u00e4ge der Kirchturmuhr verklungen waren, sahen sie tats\u00e4chlich, wie der Schatten der alten Frau der Zisterne entstieg. Hohe schrille Schreie aussto\u00dfend, begann sie den Feigenbaum zu umkreisen, an dessen Zweigen darauf goldene Fr\u00fcchte zu sehen waren. Gleich danach erschienen weitere Schattengestalten und umschritten den Baum. Sie tanzten schneller und schneller bis zum ersten Lichtschimmer des neuen Tages. Dann verwandelte sich die alte Frau pl\u00f6tzlich in eine Eule, die unter Gekreisch wieder in der Zisterne verschwand.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus den anderen Schatten wurden h\u00e4ssliche V\u00f6gel, die wild um den Baum herumflogen, bis dessen Stamm ein lautes St\u00f6hnen von sich gab, worauf sie der Eule in die Zisterne folgten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frauen waren best\u00fcrzt, und als sie in ihre H\u00e4user zur\u00fcckkehrten, erz\u00e4hlten sie in den Familien, was sie gesehen und geh\u00f6rt hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>Einige der jungen meinten, das sei alles nicht weiter ernst zu nehmen. Sie verschlossen die Zisterne und legten sich auf die Lauer.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Schatten stiegen aus der verschlossenen Zisterne und verpr\u00fcgelten die Burschen so heftig, dass ihre Wunden vom Arzt behandelt werden mussten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kirche nahm sich der Sache an und veranlasste, dass wiederholt exorziert wurde. Die B\u00e4ume im Garten wurden gef\u00e4llt, aber der Feigenbaum schlug erneut aus. Wie oft man seine Wurzel auch ausgrub, er schlug aus, bl\u00fchte erneut, trug Fr\u00fcchte, und niemand brachte es fertig, ihn endg\u00fcltig zu beseitigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zisterne der alten Dame gibt es noch immer, und einige M\u00e4dchen warten in der Nacht darauf, dass der Schatten erscheint und Feigen aus Gold in seine Zweige zaubert.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der verzauberte Feigenbaum Im Jahr des Herrn 1640 gingen in der sch\u00f6nen Stadt Granada im Viertel von Albaicin die Leute ihren t\u00e4glichen Besch\u00e4ftigungen nach.. 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