{"id":5349,"date":"2026-01-30T02:19:06","date_gmt":"2026-01-30T01:19:06","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5349"},"modified":"2026-01-30T02:19:07","modified_gmt":"2026-01-30T01:19:07","slug":"der-verzauberte-kaiser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-verzauberte-kaiser\/","title":{"rendered":"Der verzauberte Kaiser"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Der verzauberte Kaiser<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>M\u00e4rchen aus Th\u00fcringen \u2013 Gebr. Grimm<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Eine der bekanntesten Bergsagen ist die Kyffh\u00e4usersage, die auch von den Bergleuten unserer Heimat immer wieder erz\u00e4hlt und weitergetragen worden ist. Der Kyffh\u00e4user ist ein Bergr\u00fccken am Rande des Th\u00fcringer Beckens. Nach einer alten \u00dcberlieferung soll der Kaiser Friedrich, der vor \u00fcber 600 Jahren lebte, im Innern des Bergmassivs auf seine Wiederkehr warten:<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Bergmann ging einst am dritten Ostertage auf den Kyffh\u00e4user. Dort fand er an der hohen Warte einen M\u00f6nch sitzen mit einem langen, wei\u00dfen Barte, der ihm bis auf die Knie reichte. Als dieser den Bergmann sah, klappte er ein gro\u00dfes Buch zu, worin er gerade gelesen hatte und sagte freundlich zu ihm: &#8222;Komm mit mir zum Kaiser Friedrich, der wartet seit einer Stunde auf uns. Der Zwerg hat mir schon die Springwurzel gebracht.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Dem Bergmann schauerte es \u00fcber den R\u00fccken, als er dies h\u00f6rte, doch der M\u00f6nch beruhigte ihn und sprach so lange freundlich auf ihn ein, bis er doch den Mut fasste mitzugehen. Allerdings musste er dem M\u00f6nch versprechen, keinen Laut von sich h\u00f6ren zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie gingen nun auf einen freien Platz, der ringsum von einer Mauer umschlossen war. Dort in der Mitte machte der M\u00f6nch einen gro\u00dfen Kreis mit seinem Krummstabe und schrieb wunderbare Zeichen in den Sand. Dann las er lange Zeit mit lauter Stimme aus dem gro\u00dfen Buche Gebete vor, die der Bergmann aber nicht verstand. Endlich schlug er mit seinem Stabe dreimal auf die Erde und rief:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Tue dich auf!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Da entstand unter ihren F\u00fc\u00dfen ein dumpfes Get\u00f6se, wie bei einem fernen Gewitter. Die Erde begann zu zittern und zu beben. Und pl\u00f6tzlich sinken der Bergmann und der M\u00f6nch, der seine Hand ergriffen hat, mit dem Boden, soweit der Kreis gezeichnet war, ganz sanft in die Tiefe hinab. Unten treten sie zur Seite, und der Boden steigt wieder langsam hinauf.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie befinden sich nun in einem gro\u00dfen Gew\u00f6lbe. Der M\u00f6nch geht mit festen Schritten voran, der Bergmann z\u00f6gernd hinterher. So kommen sie durch lange G\u00e4nge, bis es beginnt, immer dunkler um sie herum zu werden. Bald aber entdecken sie eine ewige Lampe, und der Bergmann bemerkt, dass sie sich in einem ger\u00e4umigen Kreuzgang befinden. Hier entz\u00fcndet der M\u00f6nch zwei Fackeln f\u00fcr sich und seinen Begleiter. Weiter geht nun die Wanderung durch die G\u00e4nge, bis sie schlie\u00dflich vor einem gro\u00dfen, eisernen Kirchtor ankommen. Wieder beginnt der M\u00f6nch zu beten und h\u00e4lt dann die Springwurzel hoch und ruft:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;\u00d6ffne dich, T\u00fcr!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>und sogleich springen mit Donnerkrachen alle eisernen Riegel und Schl\u00f6sser auf. Sanft schwingt das Tor auf. Vor sich sehen sie nun eine runde Kapelle, deren schimmernder Boden spiegelglatt wie Eis ist.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Hier brechen sich alle diejenigen die Beine, die nicht gut und gottesf\u00fcrchtig gelebt haben. Sie kommen nie wieder zur\u00fcck auf die Erde&#8220;, fl\u00fcstert der M\u00f6nch dem Bergmann zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Decke und die Seitenw\u00e4nde des runden Gew\u00f6lbes flimmern im Licht der Fackeln; gro\u00dfe Zapfen aus Kristall und Diamanten h\u00e4ngen von der Decke herab, zwischen ihnen auch solche aus Gold. Links sieht der Bergmann einen goldenen Altar, rechts ein goldenes Taufbecken mit silbernem Fu\u00df. Der M\u00f6nch winkt seinem Begleiter, gerade in der Mitte des Raumes stehenzubleiben und gibt ihm eine Fackel in jede Hand. Er selbst geht nun zu einer ganz aus Silber getriebenen T\u00fcr, klopft dreimal mit dem Krummstab dagegen, und wieder \u00f6ffnet sich die T\u00fcr auf geheimnisvolle Weise.<\/p>\n\n\n\n<p>Pl\u00f6tzlich flutet helles Licht in die eben noch d\u00e4mmrige Kapelle, und was er nun sieht, l\u00e4sst den Bergmann vor Staunen fast aufschreien: Gegen\u00fcber der T\u00fcr sitzt auf einem goldenen Thron der Kaiser Friedrich, nicht etwa aus Stein gehauen, nein, ganz lebendig, mit einer goldenen Krone auf dem Kopfe, die jedes Mal sich bewegt, wenn er seine gro\u00dfen Augenbrauen zusammenzieht. Sein langer Bart ist durch den steinernen Tisch, der vor ihm steht, hindurchgewachsen und reicht ihm bis auf die F\u00fc\u00dfe hinab. Eindringlich blicken seine grauen Augen auf den Bergmann, der unter diesem Blick zu zittern beginnt &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Doch schlie\u00dflich tritt der M\u00f6nch heran und zieht seinen Begleiter schweigend fort. Die silberne Pforte schlie\u00dft sich, und auch das eiserne Tor schl\u00e4gt donnernd hinter ihnen zu. Nach einem langen R\u00fcckweg, der sie auch wieder durch den Kreuzgang f\u00fchrt, kommen sie in der vorderen H\u00f6hle an. Langsam senkt sich der kreisrunde Boden herab, beide treten darauf und schweben sanft zur Erdoberfl\u00e4che zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Oben angekommen will der Bergmann, der so lange geschwiegen hatte, seiner Erregung endlich Luft machen. Als er aber gerade ansetzen will, nun die vielen Fragen zu stellen, die ihn bewegen, da hebt der M\u00f6nch den Finger an die Lippen und bedeutet ihm zu schweigen. Er reicht ihm zwei kleine Stangen von unbekanntem Erz, die er aus der Kapelle mitgebracht hat und ist pl\u00f6tzlich im milden Glanz der Abendsonne verschwunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Bis heute sollen die Nachkommen des Bergmannes im Besitz der beiden Erzst\u00fccke sein und glauben, dass der Kaiser im Kyffh\u00e4user immer noch auf seine Wiederkehr wartet.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der verzauberte Kaiser M\u00e4rchen aus Th\u00fcringen \u2013 Gebr. Grimm Eine der bekanntesten Bergsagen ist die Kyffh\u00e4usersage, die auch von den Bergleuten unserer Heimat immer wieder erz\u00e4hlt und weitergetragen worden ist. Der Kyffh\u00e4user ist ein Bergr\u00fccken am Rande des Th\u00fcringer Beckens. 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