{"id":5347,"date":"2026-01-30T02:16:59","date_gmt":"2026-01-30T01:16:59","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5347"},"modified":"2026-01-30T02:17:00","modified_gmt":"2026-01-30T01:17:00","slug":"die-vier-kunstreichen-brueder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-vier-kunstreichen-brueder\/","title":{"rendered":"Die vier kunstreichen Br\u00fcder"},"content":{"rendered":"\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Die vier kunstreichen Br\u00fcder<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gebr. Grimm<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es war ein armer Mann, der hatte vier S\u00f6hne. Als sie herangewachsen waren, sprach er zu ihnen: &#8222;Liebe Kinder, ihr m\u00fcsst jetzt hinaus in die Welt, ich habe nichts, was ich euch geben k\u00f6nnte; macht euch auf und geht in die Fremde, lernt ein Handwerk und seht, wie ihr euch durchschlagt.&#8220; Da ergriffen die vier Br\u00fcder den Wanderstab, nahmen Abschied von ihrem Vater und zogen zusammen zum Tor hinaus. Als sie eine Zeitlang gewandert waren, kamen sie an einen Kreuzweg, der nach vier verschiedenen Gegenden f\u00fchrte. Da sprach der \u00e4lteste: &#8222;hier m\u00fcssen wir uns trennen, aber heute \u00fcber vier Jahre wollen wir an dieser Stelle wieder zusammentreffen und in der Zeit unser Gl\u00fcck versuchen.&#8220; Nun ging jeder seinen Weg, und dem \u00e4ltesten begegnete ein Mann, der fragte ihn, wo er hinaus wollte und was er vorh\u00e4tte &#8222;Ich will ein Handwerk lernen&#8220;, antwortete er. Da sprach der Mann: &#8222;Geh&#8216; mit mir und werde ein Dieb.&#8220; &#8211; &#8222;Nein&#8220;, antwortete er, &#8222;das gilt f\u00fcr kein ehrliches Handwerk mehr, und das Ende vom Lied ist, dass einer als Schwengel in der Feldglocke gebraucht wird.&#8220; &#8211; &#8222;Oh&#8220;, sprach der Mann, &#8222;vor dem Galgen brauchst du dich nicht zu f\u00fcrchten; ich will dich blo\u00df lehren, wie du holst, was sonst kein Mensch kriegen kann, und wo dir niemand auf die Spur kommt.&#8220; Da lie\u00df er sich \u00fcberreden, ward bei dem Manne ein gelernter Dieb und ward so geschickt, dass vor ihm nichts sicher war, was er einmal haben wollte. Der zweite Bruder begegnete einem Manne, der dieselbe Frage an ihn tat, was er in der Welt lernen wollte. &#8222;Ich wei\u00df es noch nicht&#8220;, antwortete er. &#8222;So geh mit mir und werde ein Sterngucker: nichts besser als das, es bleibt einem nichts verborgen.&#8220; Er lie\u00df sich das gefallen und ward ein so geschickter Sterngucker, dass ihm sein Meister, als er ausgelemt hatte und weiterziehen wollte, ein Fernrohr gab und zu ihm sprach: &#8222;Damit kannst du sehen, was auf Erden und am Himmel vorgeht, und nichts kann dir verborgen bleiben.&#8220; Den dritten Bruder nahm ein J\u00e4ger in die Lehre und gab ihm in allem, was zur J\u00e4gerei geh\u00f6rt, so guten Unterricht, dass er ein ausgelernter J\u00e4ger ward. Der Meister schenkte ihm beim Abschied eine B\u00fcchse und sprach: &#8222;Die fehlt nicht; was du damit aufs Korn nimmst, das triffst du sicher.&#8220; Der j\u00fcngste Bruder begegnete gleichfalls einem Manne, der ihn anredete und nach seinem Vorhaben fragte. &#8222;Hast du nicht Lust, ein Schneider zu werden?&#8220; &#8211; &#8222;Dass ich nicht w\u00fcsste&#8220;, sprach der Junge, &#8222;das Krummsitzen von morgens bis abends, das Hin- und Herfegen mit der Nadel und dem B\u00fcgeleisen will mir nicht in den Sinn.&#8220; &#8211; &#8222;Ei was&#8220;, antwortete der Mann, &#8222;du sprichst, wie du&#8217;s verstehst; bei mir lernst du eine ganz andere Schneiderkunst, die ist anst\u00e4ndig und ziemlich, zum Teil sehr ehrenvoll.&#8220; Da lie\u00df er sich \u00fcberreden, ging mit und lernte die Kunst des Mannes aus dem Grunde. Beim Abschied gab ihm dieser eine Nadel und sprach: &#8222;Damit kannst du zusammenn\u00e4hen, was dir vorkommt, es sei so weich wie ein Ei oder so hart wie Stahl; und es wird ganz zu einem St\u00fcck, dass keine Naht mehr zu sehen ist.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Als die bestimmten vier Jahre herum waren, kamen die vier Br\u00fcder zu gleicher Zeit an dem Kreuzwege zusammen, herzten und k\u00fcssten sich und kehrten heim zu ihrem Vater. &#8222;Nun&#8220;, sprach dieser ganz vergn\u00fcgt, &#8222;hat euch der Wind wieder zu mir geweht?&#8220; Sie erz\u00e4hlten, wie es ihnen ergangen war und dass jeder das Seinige gelernt h\u00e4tte. Nun sa\u00dfen sie gerade vor dem Haus unter einem gro\u00dfen Baume, da sprach der Vater: &#8222;Jetzt will ich euch auf die Probe stellen und sehen, was ihr k\u00f6nnt.&#8220; Danach schaute er auf und sagte zu dem zweiten Sohn: &#8222;Oben im Gipfel dieses Baumes sitzt zwischen zwei \u00c4sten ein Buchfinkennest; sag&#8216; mir, wie viel Eier liegen darin?&#8220; Der Stemgucker nahm sein Glas, schaute hinauf und sagte: &#8222;F\u00fcnfe sind&#8217;s.&#8220; Sprach der Vater zum \u00c4ltesten: &#8222;Hol&#8216; du die Eier herunter, ohne dass der Vogel, der darauf sitzt und br\u00fctet, gest\u00f6rt wird.&#8220; Der kunstreiche Dieb stieg hinauf und nahm dem V\u00f6glein, das gar nichts davon merkte und ruhig sitzen blieb, die f\u00fcnf Eier unter dem Leibe weg und brachte sie dem Vater herab. Der Vater nahm sie, legte an jede Ecke des Tisches eins und das f\u00fcnfte in die Mitte, und sprach zum J\u00e4ger: ,,Du schie\u00dfest mir mit einem Schuss die Eier in der Mitte entzwei.&#8220; Der J\u00e4ger legte seine B\u00fcchse an und schoss die Eier, wie es der Vater verlangt hatte, alle f\u00fcnf, und zwar mit einem Schuss. Der hatte gewiss von dem Pulver, das um die Ecke schie\u00dft. &#8222;Nun kommt die Reihe an dich&#8220;, sprach der Vater zu dem vierten Sohn: &#8222;Du n\u00e4hst die Eier wieder zusammen und auch die jungen V\u00f6glein, die darin sind, und zwar so, dass ihnen der Schuss nichts schadet.&#8220; Der Schneider holte seine Nadel und n\u00e4hte, wie&#8217;s der Vater verlangt hatte. Als er fertig war, musste der Dieb die Eier wieder auf den Baum ins Nest tragen und dem Vogel, ohne dass er etwas merkte, wieder unterlegen. Das Tierchen br\u00fctete sie vollends aus, und nach ein paar Tagen krochen die Jungen hervor und hatten da, wo sie vom Schneider zusammen- gen\u00e4ht waren, ein rotes Streifchen um den Hals. &#8222;Ja&#8220;, sprach der Alte zu seinen S\u00f6hnen, ,,ich muss euch \u00fcber den gr\u00fcnen Klee loben, ihr habt eure Zeit wohl benutzt und was Rechtschaffenes gelernt; ich kann aber nicht sagen, wem von euch der Vorzug geb\u00fchrt. Wenn ihr nun bald Gelegenheit habt, eure Kunst anzuwenden, da wird sich&#8217;s ausweisen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht lange danach kam gro\u00dfer L\u00e4rm ins Land, die K\u00f6nigstochter w\u00e4re von einem Drachen entf\u00fchrt worden. Der K\u00f6nig war Tag und Nacht dar\u00fcber in Sorgen und lie\u00df bekannt machen, wer sie zur\u00fcckbr\u00e4chte, sollte sie zur Gemahlin haben. Die vier Br\u00fcder sprachen untereinander: &#8222;Das w\u00e4re eine Gelegenheit, wo wir uns k\u00f6nnten sehen lassen&#8220;, wollten zusammen ausziehen und die K\u00f6nigstochter befreien. &#8222;Wo sie ist, will ich bald wissen&#8220;, sprach der Stemgucker, schaute durch sein Fernrohr und sprach: &#8222;Ich sehe sie schon, sie sitzt weit von hier auf einem Felsen im Meer und neben ihr der Drache, der sie bewacht.&#8220; Da ging er zu dem K\u00f6nig und bat um ein Schiff f\u00fcr sich und seine Br\u00fcder und fuhr mit ihnen \u00fcber das Meer, bis sie zu dem Felsen hinkamen. Die K\u00f6nigstochter sa\u00df da, aber der Drache lag in ihrem Scho\u00df und schlief. Der J\u00e4ger sprach: &#8222;Ich darf nicht schie\u00dfen, ich w\u00fcrde die sch\u00f6ne Jungfrau zugleich t\u00f6ten.&#8220; &#8211; &#8222;So will ich mein Heil versuchen&#8220;, sagte der Dieb, schlich sich hinan und stahl sie unter dem Drachen weg, aber so leis und behend, dass das Untier nichts merkte, sondern fortschnarchte. Sie eilten vor Freude mit ihr aufs Schiff und steuerten in die offene See; aber der Drache, der bei seinem Erwachen die K\u00f6nigstochter nicht mehr gefunden hatte, flog hinter ihnen her und schnaubte w\u00fctend durch die Luft. Als er gerade \u00fcber dem Schiff schwebte und sich herablassen wollte, legte der J\u00e4ger seine B\u00fcchse an und schoss ihm mitten ins Herz. Das Untier fiel tot herab, war aber so gro\u00df und gewaltig, dass es im Herabfallen das ganze Schiff zertr\u00fcmmerte. Sie erhaschten gl\u00fccklich noch ein paar Bretter und schwammen auf dem weiten Meer umher. Da war wieder gro\u00dfe Not; aber der Schneider, nicht faul, nahm seine wunderbare Nadel, n\u00e4hte die Bretter mit ein paar gro\u00dfen Stichen in der Eile zusammen, setzte sich darauf und sammelte alle St\u00fccke des Schiffs. Dann n\u00e4hte er auch diese so geschickt zusammen, dass in kurzer Zeit das Schiff wieder segelfertig war und sie gl\u00fccklich heimfahren konnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der K\u00f6nig seine Tochter wieder erblickte, war gro\u00dfe Freude. Er sprach zu den vier Br\u00fcdern: &#8222;Einer von euch soll sie zur Gemahlin haben, aber welcher das ist, macht unter euch selber aus.&#8220; Da entstand ein heftiger Streit unter ihnen, denn jeder machte Anspr\u00fcche. Der Stemgucker sprach: &#8222;H\u00e4tt&#8216; ich nicht die K\u00f6nigstochter gesehen, so w\u00e4ren alle eure K\u00fcnste umsonst gewesen; darum ist sie mein.&#8220; Der Dieb sprach: &#8222;Was h\u00e4tte das Sehen geholfen, wenn ich sie nicht unter dem Drachen weggeholt h\u00e4tte? Darum ist sie mein.&#8220; Der J\u00e4ger sprach: &#8222;Ihr w\u00e4rt doch samt der K\u00f6nigstochter von dem Untier zerrissen worden, h\u00e4tte es meine Kugel nicht getroffen; darum ist sie mein.&#8220; Der Schneider sprach: &#8222;Und h\u00e4tte ich euch mit meiner Kunst nicht das Schiff wieder zusammengeflickt, ihr w\u00e4rt alle j\u00e4mmerlich ertrunken; darum ist sie mein.&#8220; Da tat der K\u00f6nig den Ausspruch: &#8222;Jeder von euch hat ein gleiches Recht, und weil ein jeder die Jungfrau nicht haben kann, so soll sie keiner von euch haben, aber ich will jedem zur Belohnung ein halbes K\u00f6nigreich geben.&#8220; Den Br\u00fcdern gefiel diese Entscheidung, und sie sprachen: &#8222;Es ist besser so, als dass wir uneins werden.&#8220; Da erhielt jeder ein halbes K\u00f6nigreich, und sie lebten mit ihrem Vater in aller Gl\u00fcckseligkeit, solange es Gott gefiel.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die vier kunstreichen Br\u00fcder Gebr. 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