{"id":5341,"date":"2026-01-30T02:07:22","date_gmt":"2026-01-30T01:07:22","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5341"},"modified":"2026-01-30T02:10:15","modified_gmt":"2026-01-30T01:10:15","slug":"der-vogel-phoenix","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-vogel-phoenix\/","title":{"rendered":"Der Vogel Ph\u00f6nix"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Der Vogel Ph\u00f6nix<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Johann Wilhelm Wolf<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es war einmal ein K\u00f6nig und der war krank und alle \u00c4rzte kamen darin \u00fcberein, dass er nicht zu retten sei, als wenn er den Vogel Ph\u00f6nix singen h\u00f6rte. Der K\u00f6nig hatte aber drei S\u00f6hne, die rief er vor sich und sprach zu ihnen: &#8222;Wer von euch mir den Vogel Ph\u00f6nix bringt, dem schenke ich das ganze K\u00f6nigreich.&#8220; Da zogen sie alle drei aus und blieben zusammen, bis sie an einen Baum kamen, der an einem Kreuzwege stand. In den Baum schnitten sie alle drei ihre Namen hinein und verabredeten sich, wer zuerst zur\u00fcckkehre, der solle an dem Baum warten, bis die andern k\u00e4men und sie alle zusammen zu ihrem Vater heim ziehen k\u00f6nnten. Dann ging jeder seines Wegs.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der erste ein St\u00fcck gegangen war, begegnete ihm ein B\u00e4r, der frug ihn: &#8222;Wohin geht die Reise? &#8220; &#8211; &#8222;Was geht das dich an&#8220;, sprach der Prinz und zog seines Wegs weiter, aber der B\u00e4r brummte und lie\u00df ihn gehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der zweite war noch nicht weit, als ihm derselbe B\u00e4r begegnete und ihn frug: &#8222;Wohin geht die Reise? &#8220; &#8211; &#8222;K\u00fcmmere dich um dich&#8220;, sagte der Prinz, lie\u00df den B\u00e4ren stehen und ging seines Wegs weiter. Der B\u00e4r brummte etwas in den Bart und lie\u00df ihn laufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem dritten, welcher der J\u00fcngste war, begegnete der B\u00e4r ebenfalls und frug auch ihn: &#8222;Wohin geht die Reise? &#8220; Da antwortete der J\u00fcngling: &#8222;Mein Vater ist krank und kann nicht gesund werden, wenn er nicht den Vogel Ph\u00f6nix singen h\u00f6rt. Ich bin mit meinen Br\u00fcdern ausgezogen, ihn zu holen. &#8220; &#8222;Lass die andern gehen&#8220;, sprach der B\u00e4r, &#8222;und Verlass dich auf mich und setze dich auf meinen R\u00fccken. &#8220; Das tat er und der B\u00e4r fing an zu laufen, dass dem J\u00fcngling fast H\u00f6ren und Sehen verging; so lief er zw\u00f6lf ganzer Stunden und kam gegen die Mitte der Nacht in einer sch\u00f6nen Stadt an. Da blieb der B\u00e4r stehen und sprach: &#8222;In dieser Stadt wohnt der K\u00f6nig, der den Vogel Ph\u00f6nix hat. Geh nun in das Schloss hinein, such dir einen Dienst und sieh, dass du in das Vogelhaus dringest; da steht der Vogel Ph\u00f6nix in einem h\u00f6lzernen K\u00e4fig und darin musst du ihn wegtragen. Setze ihn nur ja nicht in einen andern, sonst bekommt es dir schlecht. &#8220; Der Prinz tat, wie der B\u00e4r gesagt hatte. Er suchte sich am folgenden Morgen Dienst im Schloss und das Gl\u00fcck wollte ihm wohl und er wurde zum untersten K\u00e4figputzer in dem Vogelhaus ernannt. Weil er aber seinen Dienst sehr gut versah, so r\u00fcckte er schnell vorw\u00e4rts und bekam immer h\u00f6here Stellen, bis er endlich nach dem Tode des obersten Vogelrats zum ersten Vogelrat ernannt wurde. Da dachte er, es sei nun Zeit, den Vogel Ph\u00f6nix zu rauben und als der K\u00f6nig einmal auf der Jagd war, da ging er in das Vogelhaus, um sein Vorhaben auszuf\u00fchren. Als er aber den sch\u00f6nen Vogel schon in der Hand hatte, da meinte er, der h\u00f6lzerne Bauer sei doch zu schlecht, ein so kostbares Tier m\u00fcsse auch in einem kostbaren K\u00e4fig wohnen und er nahm einen der pr\u00e4chtigsten goldnen K\u00e4fige, setzte den Vogel hinein und floh mit ihm. Kaum war er aber vor dem Thor, als der Vogel Ph\u00f6nix anfing, aus Leibeskr\u00e4ften zu schreien, als sei ihm einer mit einem Messer am Halse. Da liefen die Schlossdiener alle zusammen &#8211; der Prinz Ferdinand wurde gefasst und ins Gef\u00e4ngnis geworfen. Da hatte er Zeit, \u00fcber seinen tollen Streich nachzusinnen! Er bereute ihn aus Herzensgrund und rief ein \u00fcber das andere mal: &#8222;Ach lieber B\u00e4r, h\u00e4tte ich dir doch gefolgt! &#8220; Da stand pl\u00f6tzlich der B\u00e4r vor ihm und machte ihm Vorw\u00fcrfe \u00fcber seinen Ungehorsam. Ferdinand bat ihn, er m\u00f6ge es doch verzeihen und ihm noch einmal helfen, er wolle es ja nicht wieder tun und ihm in allen St\u00fccken folgen. &#8222;Wir wollen sehn&#8220;, sprach der B\u00e4r. &#8222;Wenn du morgen vor den K\u00f6nig gef\u00fchrt wirst, dann sage ihm aufrichtig, dass du deinem kranken Vater den Vogel Ph\u00f6nix h\u00e4ttest bringen wollen und wenn er dir ihn gebe, dann w\u00fcrdest du ihm die Sch\u00f6nste unter der Sonne holen. &#8220; Das tat Ferdinand, der K\u00f6nig war&#8217;s zufrieden und der Prinz wurde losgelassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als er vor das Thor des Schlosses kam, stand der B\u00e4r schon da, Ferdinand setzte sich auf seinen R\u00fccken und fort ging&#8217;s, wie der Sturmwind so schnell und wieder zw\u00f6lf Stunden lang ohne Aufh\u00f6ren weiter. Da standen sie vor einer andern Stadt, die war noch gr\u00f6\u00dfer und sch\u00f6ner als die erste. Es war aber halbe Nacht, als sie ankamen. Da stieg Ferdinand von des B\u00e4ren R\u00fccken und der sprach: &#8222;In dieser Stadt wohnt ein K\u00f6nig, der hat drei T\u00f6chter und die J\u00fcngste davon ist die Sch\u00f6nste unter der Sonne. Suche nun in das Zimmer zu dringen, wo die Prinzessinnen schlafen; du erkennst die rechte daran, dass sie die schlechtesten Kleider an hat. In diesen Kleidern sollst du sie forttragen, aber ja ihr keine sch\u00f6nen anziehen, denn sonst ist es um dich geschehen. &#8220; Der Prinz ging in das Schloss, verdingte sich als Knecht und stieg von Stelle zu Stelle, bis er Kammerherr der Prinzessinnen wurde. Da dachte er, jetzt sei es Zeit, die Sch\u00f6nste unter der Sonne zu rauben, drang nachts in ihr Zimmer, nahm sie auf seinen Arm und wollte mit ihr weggehen. Da fiel das Licht der Nachtlampe auf ihr holdseliges Gesicht und es tat dem Prinzen leid, dass das sch\u00f6ne M\u00e4dchen so schlecht angezogen sei. Er ging hin und nahm sich pr\u00e4chtige goldne und silberne Kleider, die in Menge an der Wand hingen, zog die der Prinzessin an und wollte fliehen. Indem erwachte aber die Sch\u00f6nste unter der Sonne, und als sie sich in den Armen des Kammerherrn fand, schrie sie laut auf. Alsbald kamen ihre Schwestern und der K\u00f6nig und die K\u00f6nigin, die in dem Zimmer daneben schliefen &#8211; der Prinz wurde wieder gefangen und in einen tiefen Turm geworfen. Nun wo das Kind ertrunken war, h\u00e4tte er gerne den Brunnen zugedeckt, aber das war zu sp\u00e4t. &#8222;Ach lieber B\u00e4r! &#8220; rief er, &#8222;wer dir doch gefolgt h\u00e4tte! &#8220; &#8211; &#8222;Ja, das sagst du schon wieder und du folgst doch nie! &#8220; rief der B\u00e4r, der im selben Augenblicke vor ihm stand. &#8222;Jetzt helf&#8216; ich dir noch einmal und dann ist&#8217;s am Ende. Wenn du morgen vor den K\u00f6nig kommst, dann erz\u00e4hle ihm Alles aufrichtig und sage ihm, wenn er dir die Sch\u00f6nste unter der Sonne g\u00e4be, dann wolltest du ihm das schnellste Pferd verschaffen. &#8220; Der Prinz tat, wie gesagt, und der K\u00f6nig sprach, das solle ein Wort sein und gab ihn frei. Vor dem Thor des Schlosses stand der B\u00e4r schon wieder und der Prinz setzte sich auf seinen R\u00fccken und fort ging&#8217;s, schneller als eine Kugel fliegen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Als sie zw\u00f6lf Stunden \u00e4lter waren, standen sie gegen Mitternacht vor einer Stadt, die war zweimal so gro\u00df als die vorige. Da sprach der B\u00e4r: &#8222;Geh in die Stadt und in das Schloss, da wohnt der K\u00f6nig, der das schnellste Pferd hat, das steht im Stall bei den andern und du kannst es daran erkennen, dass es einen h\u00f6lzernen Sattel auf dem R\u00fccken hat, da die andern goldene und silberne S\u00e4ttel haben. Lass ihm aber den h\u00f6lzernen Sattel auf und mache keine dummen Streiche mit den andern sch\u00f6nen S\u00e4tteln, sonst wirst du sehn, was es gibt und dann helf ich dir nicht mehr. &#8220; Ferdinand versprach Alles, was der B\u00e4r haben wollte, ging in die Stadt und suchte am folgenden Morgen Dienst bei dem K\u00f6nig. Der hatte aber gerade einen Stalljungen n\u00f6tig und der Prinz lie\u00df sich den Dienst schon gefallen. Er war auch so flei\u00dfig und fegte den Stall so sch\u00f6n rein, dass ihn der K\u00f6nig bald darauf zum Stallmeister machte und da war er weit genug. Eines Abends, wo der K\u00f6nig gerade ein gro\u00dfes Gastmahl hielt, ging er in den Stall und band das schnellste Pferd los. Als er aber den h\u00f6lzernen Sattel auf dem sch\u00f6nen Tiere sah, dachte er wieder, das sei doch Jammer und Schande, der K\u00f6nig habe noch goldene S\u00e4ttel genug und zudem k\u00f6nne das Pferd ja nicht sprechen; und er band den h\u00f6lzernen Sattel ab und schnallte einen goldnen auf. Kaum war er aber mit dem Pferde vor der T\u00fcr, da machte es mannshohe Spr\u00fcnge und schrie: &#8222;Diebe! Diebe! Der Stallmeister will mich stehlen! &#8220; Und da lief gleich das ganze Schloss zusammen &#8211; der Prinz wurde gepackt und in den Turm gesperrt. Das hatte er nun davon. Er fing aber sein altes Spiel wieder an und weinte und rief: &#8222;Ach lieber B\u00e4r, h\u00e4tte ich doch gefolgt! &#8220; aber der B\u00e4r hatte sich Baumwolle in die Ohren gestopft und wollte nichts h\u00f6ren. Als Ferdinand nun die ganze Nacht und den ganzen Tag hindurch lamentiert hatte, da stand der B\u00e4r wieder vor ihm und sagte unwirsch: &#8222;Habe ich dir&#8217;s nicht gesagt? Aber wer nicht h\u00f6ren will, der muss f\u00fchlen, und wem nicht zu raten ist, dem ist nicht zu helfen; morgen kannst du Hochzeit halten mit des Seilers Tochter! &#8220; Da fiel Ferdinand dem B\u00e4ren um den Hals und sprach: &#8222;Ach du goldiger B\u00e4r, ich bitte dich, sei mir wieder gut und verzeih mir nur diesmal noch, ich will ja gern Alles tun, was du haben willst. &#8220; &#8222;Das plaudere du den G\u00e4nsen vor, aber mir nicht&#8220;, sprach der B\u00e4r und wollte gehen, aber der Prinz weinte so j\u00e4mmerlich, dass es der gute B\u00e4r nicht \u00fcbers Herz bringen konnte und sagte: &#8222;Nun, ich will&#8217;s denn noch einmal versuchen, aber ich sage dir, es ist das allerletzte mal. Wenn du vor Gericht kommst, dann sage dem K\u00f6nig, wenn er dir das schnellste Pferd gebe, dann wolltest du ihm den kostbarsten Stein bringen. &#8220; Da ward Ferdinand wieder froh und dankte dem guten B\u00e4ren aus Herzensgrund. Als er am folgenden Tag vor Gericht kam, tat er, wie der B\u00e4r ihn gehei\u00dfen und es ging gut, denn der K\u00f6nig h\u00e4tte schon lange gern den kostbarsten Stein gehabt und lie\u00df ihn darum gerne los. Vorm Schloss aber erwartete der B\u00e4r ihn, der Prinz setzte sich auf seinen R\u00fccken und weg war er.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem sie sich zw\u00f6lf Stunden lang Bewegung gemacht hatten, hielt der B\u00e4r vor einem hohen Berge an und sprach: &#8222;Der Berg wird sich gleich \u00f6ffnen und eine Stunde lang offen bleiben. Geh dann hinein und habe keine Furcht, wie viel L\u00f6wen und Tiger auch auf dich zust\u00fcrzen m\u00f6gen, denn sie k\u00f6nnen dir nichts anhaben. Am Ende der H\u00f6hle, in die du kommst, findest du den kostbarsten Stein auf einem kleinen h\u00f6lzernen St\u00fchlchen; nimm ihn schnell, komme gleich wieder und halte dich nur ja nicht bei den Haufen anderer Edelsteine auf, denn sonst ist es um dich geschehen und ich kann dir nicht mehr helfen, wenn du auch nur eine halbe Minute l\u00e4nger, als eine Stunde ausbleibst.&#8220; Ferdinand gelobte, dem B\u00e4ren in allen St\u00fccken zu folgen, einige Augenblicke sp\u00e4ter aber \u00f6ffnete sich die H\u00f6hle und er ging hinein. Da kam zuerst ein L\u00f6we auf ihn zugest\u00fcrzt, aber er lie\u00df sich das nicht anfechten und der L\u00f6we lief an ihm vorbei. Dann kamen Tiger, W\u00f6lfe, B\u00e4ren und allerlei Ungeheuer, aber er ging seines Wegs weiter bis an das h\u00f6lzerne St\u00fchlchen, da nahm er den kostbarsten Stein und steckte ihn schnell in die Tasche. Jetzt wollte er eilends wieder zur\u00fcck, aber da lagen \u00fcberall auf seinem Wege so viele Edelsteine, dass er der Versuchung nicht widerstehen konnte und sich immer wieder b\u00fcckte und alle Taschen vollstopfte. So war er bis fast an den Eingang der H\u00f6hle gekommen und da lag noch ein gro\u00dfer Haufen der sch\u00f6nsten Edelsteine. Als er sich aber hinzu b\u00fcckte, bekam er von unsichtbarer Hand eine so gewaltige Ohrfeige, dass er bis f\u00fcnfzig Schritt vor die H\u00f6hle flog und ohnm\u00e4chtig liegen blieb. Als er erwachte, sa\u00df der B\u00e4r neben ihm und sprach: &#8222;Nun bedanke dich bei mir f\u00fcr die Ohrfeige, denn wenn ich dir die nicht gegeben h\u00e4tte, dann s\u00e4\u00dfest du in der H\u00f6hle, die sich noch in derselben Minute geschlossen hat. Teile nun die Edelsteine und gib dem K\u00f6nig den kostbarsten und von jeder Sorte die H\u00e4lfte, dann bekommst du das schnellste Pferd. &#8222;<\/p>\n\n\n\n<p>Das tat der Prinz und der B\u00e4r trug ihn zur\u00fcck bis an das Schloss. Da ging Ferdinand hinein und gab dem K\u00f6nig die Edelsteine, der K\u00f6nig \u00fcbergab ihm daf\u00fcr das Pferd und der Prinz flog darauf wie ein Pfeil durch die Luft und zu dem K\u00f6nig, unter dessen T\u00f6chtern die Sch\u00f6nste unter der Sonne war. Als er vor dem K\u00f6nigsschloss ankam, lie\u00df er sein Pferd drau\u00dfen stehen, trat hinein und sprach: &#8222;Herr K\u00f6nig, ich habe das schnellste Pferd mitgebracht; kommt mit euren T\u00f6chtern heraus und seht es; ich will euch eine Probe von seiner Schnelligkeit geben. &#8220; Da freute sich der K\u00f6nig und kam mit seiner ganzen Familie heraus, aber die T\u00f6chter standen zu seiner Seite auf dem Schlosshof. Ferdinand sprang auf das schnellste Pferd und ritt mit ihm an dem K\u00f6nig vorbei und zu den Prinzessinnen, die es streichelten und liebkosten. Als aber die Sch\u00f6nste unter der Sonne das auch tun wollte und ganz nahe bei dem Pferde stand, da fasste Ferdinand sie schnell, hob sie zu sich auf das Ross &#8211; fort waren sie und der K\u00f6nig hatte das Nachsehen. Anfangs str\u00e4ubte sich die Prinzessin gegen Ferdinand, als er ihr aber sagte, wie lieb er sie habe, gab sie sich zufrieden und sagte, sie wollte keinen andern Mann, als ihn.<\/p>\n\n\n\n<p>So kamen sie zu dem K\u00f6nig, der den Vogel Ph\u00f6nix hatte und waren schon miteinander eins, wie sie es machen wollten, um zusammen zu bleiben. Sie ritten vor des K\u00f6nigs Schloss und als der sie kaum sah, eilte er gleich heraus und begr\u00fc\u00dfte sie freundlich. Da \u00fcbergab ihm Ferdinand die Sch\u00f6nste unter der Sonne und bekam den Vogel Ph\u00f6nix daf\u00fcr. Kaum hatte er ihn aber, da sprang die Sch\u00f6nste unter der Sonne herauf zu ihm auf das schnellste Pferd; er aber sprach: &#8222;Wohl bekomm&#8217;s Herr K\u00f6nig!&#8220; und weg waren sie.<\/p>\n\n\n\n<p>Als sie ein St\u00fcck Wegs weiter waren, begegnete ihnen der B\u00e4r und der sprach: &#8222;Das h\u00e4ttest du gut gemacht, aber eile dich, dass du nach Hause kommst und halte dich unterwegs nicht auf, es mag kommen, was will, sonst bist du verloren. &#8220; Ferdinand versprach&#8217;s, bedankte sich bei dem B\u00e4ren und ritt weiter in Lust und Vergn\u00fcgen; er hatte ja auch Alles, was er nur w\u00fcnschen konnte: die Sch\u00f6nste unter der Sonne, Edelsteine von unermesslichem Werth, das schnellste Pferd und den Vogel Ph\u00f6nix, wodurch er das ganze K\u00f6nigreich seines Vaters erhielt.<\/p>\n\n\n\n<p>So gelangte er an den Baum und sah an den Namen, dass noch keiner seiner Br\u00fcder zur\u00fcckgekehrt sei. Weil es aber ein so sehr hei\u00dfer Tag war, \u00fcbermannte ihn die M\u00fcdigkeit und er wollte sich schlafen legen. &#8222;Tu das nicht&#8220;, sprach die Sch\u00f6nste unter der Sonne. &#8222;Du wei\u00dft ja, was der B\u00e4r gesagt hat! &#8220; &#8222;Ei, was kann das ausmachen, ob ich ein wenig schlafe, oder nicht&#8220;, sagte er, und legte sich hin.<\/p>\n\n\n\n<p>Als er aber so da lag, kamen seine Br\u00fcder zur\u00fcck, die hatten gar nichts mit zur\u00fcckgebracht und waren bettelarm. Als sie ihn sahen und den Vogel Ph\u00f6nix bei ihm und das sch\u00f6ne Pferd und die Sch\u00f6nste unter der Sonne neben ihm, da fra\u00df der Neid in ihr Herz und sie nahmen ihm Alles und banden ihn und warfen ihn in eine L\u00f6wengrube; dann teilten sie die Dinge unter sich und zogen heim und brachten ihrem Vater den Vogel Ph\u00f6nix.<\/p>\n\n\n\n<p>Unterdessen lag Ferdinand in der L\u00f6wengrube und wusste jetzt, was das Schlafengehen auf sich hatte. Keine Rippe war ihm mehr ganz am Leibe. &#8222;Ach, lieber B\u00e4r, h\u00e4tte ich dir nur diesmal noch gefolgt! &#8220; rief er, und da stand der B\u00e4r im selben Augenblick oben an der L\u00f6wengrube und sprach heimlich mit den heimkehrenden L\u00f6wen, sie sollten dem Prinzen nichts tun. Dann rief er hinab: &#8222;Nun, was hab ich dir gesagt? Jetzt bist du L\u00f6wenfutter. Gesegnete Mahlzeit, ihr Herren L\u00f6wen! &#8220; Da wurde es Ferdinand kalt und hei\u00df und er rief: &#8222;Ach, liebster, bester B\u00e4r, ich war ja so m\u00fcde! Ach verzeih mir&#8217;s noch einmal! Du hast ja ein so gutes Herz! Ach denk nur, die Sch\u00f6nste unter der Sonne stirbt vor Leidwesen und du wirst doch nicht dulden k\u00f6nnen, dass ein so gro\u00dfes Unrecht geschehe und meine Br\u00fcder triumphieren! &#8220; &#8211; &#8222;Ach was, das ist gerechte Strafe&#8220;, sagte der B\u00e4r und tat, als ob er fortgehen wollte, aber er tat es doch nicht, und als Ferdinand wieder recht bat, lie\u00df er sich erweichen, brachte ihm Speise und Trank und verpflegte ihn, so dass er in Zeit von vier Wochen wieder gesund wurde. Dann setzte sich Ferdinand auf seinen R\u00fccken und der B\u00e4r eilte fort mit ihm bis an das Schloss, wo Ferdinands Vater wohnte. Da setzte er ihn ab und sprach: &#8222;Nun geh hinein und sieh, wie du fertig wirst; ich rate dir nicht mehr. &#8220; Da ging Ferdinand hinein und frug, ob kein Dienst frei sei? &#8222;Doch wohl&#8220;, sagte der Schlossmeister; &#8222;ich habe gestern meinen Stallknecht fortgeschickt und dessen Stelle kannst du haben. &#8220; &#8222;Gut&#8220;, sprach Ferdinand, und ging mit ihm in den Stall und da stand das schnellste Pferd und lie\u00df den Kopf h\u00e4ngen und war ganz mager und hager, denn es hatte noch gar nichts fressen wollen. Als Ferdinand es sah, ging er zu ihm, streichelte es und sprach mit ihm. Aber kaum h\u00f6rte das Tier seine Stimme, als es lustig sprang und fra\u00df und ganz munter wurde. Das wunderte den Schlossmeister und er ging zum K\u00f6nig, der noch immer krank war, und erz\u00e4hlte es ihm. &#8222;Den Menschen muss ich sehn! &#8220; sprach der K\u00f6nig. Da f\u00fchrte der Schlossmeister den Prinzen zu ihm. Der K\u00f6nig erkannte ihn nicht, weil Ferdinand so sehr bleich und abgezehrt aussah; aber er sprach zu ihm: &#8222;Da du das Pferd so schnell geheilt hast, kannst du auch den Vogel Ph\u00f6nix heilen, der dort im Bauer sitzt und nicht singen will, und die Sch\u00f6nste unter der Sonne, die am Fenster sitzt und nicht sprechen will. Wenn du das fertig bringst, dann bekommst du tausend Gulden. &#8220; Da ging Ferdinand zu dem Vogel Ph\u00f6nix und sagte: &#8222;H\u00e4nschen, sing mir ein St\u00fcckchen! &#8220; Und da fing der Vogel an so wundersch\u00f6n zu singen, dass der K\u00f6nig aus dem Bett sprang und ganz gesund war. Dann ging der Prinz auch zur Sch\u00f6nsten unter der Sonne und sprach: &#8222;Erz\u00e4hle du dem K\u00f6nig, wer ich bin und wer du bist. &#8220; Da fing die Sch\u00f6nste unter der Sonne an und erz\u00e4hlte Alles und als der K\u00f6nig h\u00f6rte, dass der Stallknecht sein j\u00fcngster Sohn sei, fiel er ihm um den Hals und da war seiner Freude kein Ende. &#8211; &#8222;Jetzt sage mir auch, was mit deinen Br\u00fcdern geschehen soll? &#8220; sprach der K\u00f6nig. &#8222;Sie sollen aus dem Lande&#8220;, sprach Ferdinand. Da wurden sie alsbald des Landes verwiesen, aber Ferdinand hielt Hochzeit mit der Sch\u00f6nsten unter der Sonne und bekam das ganze K\u00f6nigreich.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einiger Zeit schenkte ihm seine Frau ein sehr sch\u00f6nes S\u00f6hnchen und da fehlte ihm nichts mehr zu seinem Gl\u00fcck. Als er nun eines Tages mit ihr und dem Kinde am Fenster stand, da sahen sie in der Ferne den B\u00e4ren kommen. Ferdinand hatte dar\u00fcber gro\u00dfe Freude, ging ihm bis in den Schlosshof entgegen und f\u00fchrte ihn herauf und lie\u00df eine k\u00f6stliche Mahlzeit anrichten. Der B\u00e4r aber sprach: &#8222;Das Alles mundet mir nicht. &#8220; &#8222;Sag nur, was du haben willst und es wird gleich da sein&#8220;, sprach Ferdinand. &#8222;Willst du mir gewiss geben, was ich verlange? &#8220; frug der B\u00e4r, und das wurde ihm fest versprochen. &#8222;Gut&#8220;, sprach der B\u00e4r, &#8222;dann gib mir dein Kind, aber hau es mit deinem Schwert in zwei Teile damit ich es besser verschlingen kann. &#8220; Da meinte Ferdinand und seine Frau, die Erde t\u00e4te sich vor ihnen auf; sie fielen dem B\u00e4ren zu F\u00fc\u00dfen und baten ihn, doch etwas anderes zu w\u00fcnschen, aber der B\u00e4r blieb bei seinem Begehren. &#8222;Wenn du nicht anders willst, dann m\u00fcssen wir wohl&#8220;, sprach Ferdinand, &#8222;denn wir sind dir zu viel Dank schuldig&#8220;, und seine Frau stimmte unter Tr\u00e4nen ein. Da holte er das Kind und legte es auf den Tisch, wandte die Augen ab und hob das Schwert; aber im selben Augenblick fiel dem B\u00e4ren die Haut ab und er stand als ein sch\u00f6ner Prinz da. &#8222;Jetzt bin ich erl\u00f6st&#8220;, sprach er, und da hatten sie Alle erst rechte Freude, und umso mehr, je gr\u00f6\u00dfer ihr Herzeleid gewesen war. Der Prinz blieb noch einige Tage bei ihnen, dann ging er nach Haus, verkaufte sein K\u00f6nigreich, kam bald wieder und baute sich ein gro\u00dfes Schloss neben dem von Ferdinand, und da lebten sie in Frieden und Einigkeit und da kam eine Maus und das M\u00e4rchen ist aus.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war einmal ein K\u00f6nig und der war krank und alle \u00c4rzte kamen darin \u00fcberein, dass er nicht zu retten sei, als wenn er den Vogel Ph\u00f6nix singen h\u00f6rte<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5343,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[92,85],"tags":[],"class_list":["post-5341","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-johann-wilhelm-wolf","category-maerchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5341","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5341"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5341\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5344,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5341\/revisions\/5344"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5343"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5341"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5341"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5341"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}