{"id":5310,"date":"2026-01-30T01:22:03","date_gmt":"2026-01-30T00:22:03","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5310"},"modified":"2026-01-30T01:22:03","modified_gmt":"2026-01-30T00:22:03","slug":"warum-man-nicht-luegen-soll","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/warum-man-nicht-luegen-soll\/","title":{"rendered":"Warum man nicht l\u00fcgen soll"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Warum man nicht l\u00fcgen soll<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Afrikanisches M\u00e4rchen<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Vor langer Zeit lebte einmal ein Sch\u00e4fer, der hatte eine riesige Schafherde. Fast jeden Tag wurden einige L\u00e4mmer geboren und so wusste er bald nicht mehr, wie viele Tiere er besa\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Sch\u00e4fer war st\u00e4ndig zu lustigen Streichen aufgelegt. So kam es, dass er bald im ganzen Land als fr\u00f6hlicher Spa\u00dfvogel bekannt war. Obwohl er nur selten mit Menschen zusammen kam, wusste er doch immer die neuesten Ereignisse.<\/p>\n\n\n\n<p>Als er eines Tages seine Schafe vor den Toren der Hauptstadt weidete, kam ihm pl\u00f6tzlich ein seltsamer Gedanke. Er dachte, wie w\u00e4re es, wenn ich die tr\u00e4gen Bewohner der Hauptstadt einmal richtig in Angst und Schrecken versetzte. Er trieb deshalb seine Herde ganz nahe an die Stadtmauer heran und rief pl\u00f6tzlich um Hilfe.<br>&#8222;Ein L\u00f6we will mich fressen! Helft mir aus meiner Not!&#8220;<br>Als die am Stadttor wachenden K\u00f6nigssoldaten die Hilferufe des Sch\u00e4fers h\u00f6rten, schlugen sie mit ihren gro\u00dfen Trommeln Alarm. Schon nach kurzer Zeit tauchten aus allen Stadttoren bis an die Z\u00e4hne bewaffnete M\u00e4nner auf, die glaubten, einen feindlichen Angriff auf ihre Vaterstadt abwehren zu m\u00fcssen. Als sie zu ihrem \u00c4rger jedoch auf der Hochebene vor der Stadt keinen einzigen feindlichen Krieger entdecken konnten, entstand bald ein heilloses Durcheinander. In das erregte Schreien der Stadtbewohner mischte sich das \u00e4ngstlichen Bl\u00f6ken der auseinanderstiebenden Schafe. Die M\u00e4nner der Hauptstadt waren \u00fcber den \u00fcblichen Streich des Sch\u00e4fers so zornig, dass sie beschlossen, ihn dem K\u00f6nig vorzuf\u00fchren.<br>Einige besonders w\u00fctenden jungen M\u00e4nner fesselten den sich heftig wehrenden Spa\u00dfvogel und schleppten ihn zum K\u00f6nigspalast, wo er sogleich dem Herrscher vorgef\u00fchrt wurde. Nachdem sich die Diener auf einen Wink ihres Herrn zur\u00fcckgezogen hatten, sprach der K\u00f6nig zu dem mit dicken Stricken gebundenen Sch\u00e4fer: &#8222;Ich habe geh\u00f6rt, dass du unsere Hauptstadt zum Narren halten wolltest. F\u00fcr deine sch\u00e4ndliche Tat m\u00fcsste ich dich f\u00fcr einige Tage ins Gef\u00e4ngnis werfen.&#8220;<br>&#8222;Habt Gnade mit Eurem untert\u00e4nigsten Diener&#8220;, jammerte der Spa\u00dfvogel, &#8222;ich wollte die Bewohner der Stadt gar nicht \u00e4ngstigen! Ich wollte nur wissen, ob die beiden am Haupttor wachenden Krieger wieder einmal schlafen, anstatt nach Feinden Ausschau zu halten. Dass die beiden dummen Kerle gleich Alarm geschlagen haben, ohne nachzusehen, ob \u00fcberhaupt Gefahr droht, kann mir gerechtigerweise nicht zum Vorwurf gemacht werden.&#8220;<br>&#8222;Wenn du wirklich nur die beiden Schlafm\u00fctzen am Haupttor aufwecken wolltest, dann will ich dich aus deinen Fesseln befreien lassen&#8220;, sprach der K\u00f6nig und rief seine Diener herbei. Als der Sch\u00e4fer sich wieder frei bewegen konnte, dankte er seinem Herrn f\u00fcr seine Gro\u00dfmut und verlie\u00df vergn\u00fcgt den k\u00f6niglichen Palast. Es kostete ihn viel Mut, die nach allen Richtungen geflohenen Schafe wieder zusammenzutreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Einige junge Leute, die sich dar\u00fcber \u00e4rgerten, dass der Sch\u00e4fer vom K\u00f6nig so schnell wieder freigelassen worden war, machten sich einen Spa\u00df daraus, die ver\u00e4ngstigten Schafe noch weiter zu zerstreuen.<br>Das Gesp\u00f6tt der Leute wurde f\u00fcr den Sch\u00e4fer so unertr\u00e4glich, dass er beschloss, niemals wieder in seinem Leben die Unwahrheit zu sagen. Auch die Hauptstadt wollte er nicht mehr betreten; denn dort sah jedermann in ihm nur noch einen L\u00fcgner.<\/p>\n\n\n\n<p>Als die Nacht hereinbrach, legte er sich am Fu\u00df der Stadtmauern inmitten seiner Schafe zur Ruhe. Pl\u00f6tzlich wurde er durch lautes Gebell seiner Hunde aus dem Schlaf gerissen. Er rieb sich schlaftrunken die Augen, konnte in der Dunkelheit aber nichts Verd\u00e4chtiges entdecken.<br>Da h\u00f6rte er ganz in der N\u00e4he den Todesschrei eines L\u00e4mmchens, und im gleichen Augenblick sah er auch schon einen riesigen Schatten.<br>&#8222;Das ist ein L\u00f6we&#8220;, schoss es ihm durch den Kopf. &#8222;Ich muss sofort Alarm schlagen, sonst zerrei\u00dft er meine ganze Herde.&#8220;<br>Er rief laut um Hilfe, um die Bewacher der Stadttore auf seine Not aufmerksam zu machen. Als die in der N\u00e4he wachenden Soldaten die Hilferufe des Sch\u00e4fers vernahmen, sagte der Hauptmann der Torwache mit ver\u00e4chtlichem L\u00e4cheln zu seinen Leuten: &#8222;Der alte Narr glaubt wohl, wir w\u00fcrden noch einmal auf seinen Scherz reinzufallen und die ganze Stadt in Angst und Schrecken zu versetzen. Wenn er merkt, dass wir seinen L\u00f6wengeschichten keinen Glauben mehr schenken, wird er sich bald beruhigen!&#8220;<br>Mit diesen Worten kehrte der Hauptmann in seine H\u00fctte zur\u00fcck und befahl seinen Soldaten, sich ebenfalls zur Ruhe zu legen.<br>Am n\u00e4chsten Morgen wurden die Torwachen von einem der Hunde des Sch\u00e4fers geweckt. Das Tier geb\u00e4rdete sich wie toll und versuchte, einen der Soldaten mitzuzerren.<br>&#8222;Der Hund will uns etwas zeigen&#8220;, sagte schlie\u00dflich einer der Wachsoldaten, der als guter Tierkenner bekannt war.<br>&#8222;Wir wollen sehen, wo er uns hinf\u00fchrt.&#8220;<br>Drei der Torwachen folgten dem treuen Tier auf die Hochfl\u00e4che vor der Stadt. Als sie die weit verstreuten Schafe erblickten, sagte einer von ihnen: &#8222;Wo ist nur der Sch\u00e4fer? Er h\u00e4lt doch sonst seine Herde sorgf\u00e4ltig zusammen.&#8220;<br>&#8222;Er muss dort dr\u00fcben an der Stadtmauer liegen&#8220;, meinte ein anderer. &#8222;Der Hund l\u00e4uft auch geradewegs auf die Stelle zu.&#8220;<br>Beim N\u00e4herkommen bot sich den M\u00e4nnern ein f\u00fcrchterlicher Anblick. Der Sch\u00e4fer lag in einer gro\u00dfen Blutlache und gab kein Lebenszeichen mehr von sich.<br>Die Soldaten sahen sofort, dass hier ein L\u00f6we gew\u00fctet hatte.<br>&#8222;Der K\u00f6nig der Tiere hat ihm die L\u00fcge nicht verziehen&#8220;, dachten die Soldaten und kehrten in die Stadt zur\u00fcck, um ihrem Herrscher die Nachricht zu \u00fcberbringen.<br>Der K\u00f6nig entschied, dass man den toten Sch\u00e4fer an der Stelle beerdigen solle, an der er von dem L\u00f6wen zerrissen worden war. \u00dcber dem Grab des Toten lie\u00df er sp\u00e4ter einen gro\u00dfen Stein aufrichten, auf dem das traurige Ende des L\u00fcgners f\u00fcr jedermann sichtbar in einem Bild dargestellt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>In dieser Stadt erz\u00e4hlen die Eltern ihren Kindern noch heute die Geschichte vom traurigen Ende des l\u00fcgnerischen Sch\u00e4fers als warnendes Beispiel.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum man nicht l\u00fcgen soll Afrikanisches M\u00e4rchen Vor langer Zeit lebte einmal ein Sch\u00e4fer, der hatte eine riesige Schafherde. Fast jeden Tag wurden einige L\u00e4mmer geboren und so wusste er bald nicht mehr, wie viele Tiere er besa\u00df. Dieser Sch\u00e4fer war st\u00e4ndig zu lustigen Streichen aufgelegt. So kam es, dass er bald im ganzen Land [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[196,85,133],"tags":[],"class_list":["post-5310","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-afrikanisches-maerchen","category-maerchen","category-maerchen-weltweit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5310","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5310"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5310\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5311,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5310\/revisions\/5311"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5310"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5310"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5310"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}