{"id":5306,"date":"2026-01-30T01:16:11","date_gmt":"2026-01-30T00:16:11","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5306"},"modified":"2026-01-30T01:16:11","modified_gmt":"2026-01-30T00:16:11","slug":"der-weber-und-der-student","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-weber-und-der-student\/","title":{"rendered":"Der Weber und der Student"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Der Weber und der Student<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In einer Julinacht im Jahre des Herrn 1693 sang der Weber Juan Martinez seine \u00bbCoplas de Ronda\u00ab f\u00fcr Maria, die sch\u00f6ne Br\u00fcnette, in die er sich heftig verliebt hatte. Da das M\u00e4dchen, nachdem sie beim Tanz ein paar Worte miteinander gewechselt hatten, nicht hatte mit ihm sprechen wollen, enthielt sein Lied einige Anspielungen auf ihre Spr\u00f6digkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>In dieser Nacht befand sich Maria im Haus ihrer Mutter, einer Frau, die mehr wie ein Mann aussah und deren Ehemann ihr bei seinem Tode ein betr\u00e4chtliches Verm\u00f6gen hinterlassen hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Als die Mutter des M\u00e4dchens die Verse des Liedes h\u00f6rte, fragte sie ihre Tochter, ob sie f\u00fcr den jungen Mann Zuneigung empfinde. Das M\u00e4dchen verneinte dies.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Mutter, \u00fcber die anz\u00fcglichen Worte, die der Weber \u00fcber die Spr\u00f6digkeit ihrer Tochter verloren hatte, aufgebracht, nahm einen Eimer Wasser und entleerte diesen auf den Kopf des armen Burschen, um ihn dann auch noch beim B\u00fcrgermeister der Stadt wegen n\u00e4chtlicher Ruhest\u00f6rung anzuzeigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Juan Martinez kehrte nach der kalten Dusche nach Hause zur\u00fcck, freilich, ohne dass er in der Folge sich das sch\u00f6ne M\u00e4dchen aus dem Kopf schlagen mochte.<\/p>\n\n\n\n<p>Maria aber hatte triftige Gr\u00fcnde, nicht auf die Werbung des Webers zu einzugehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Einmal, w\u00e4hrend der Feste von Granada, war sie in ihrem Stadtviertel zu einem Tanz gegangen und hatte dort Don Luis de Arias, einen Studenten getroffen, den Sohn eines Juristen in der Kanzlei.<\/p>\n\n\n\n<p>Die beiden jungen Leute hatten sich ineinander verliebt &#8218; und von da an h\u00f6rte keiner von den beiden mehr damit auf, st\u00e4ndig an den anderen zu denken.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Juan Martinez daheim ankam, klagte er einem seiner Freunde sein Missgeschick, und der fragte ihn, ob das M\u00e4dchen nicht vielleicht schon einen anderen liebe. Das \u00f6ffnete dem armen Weber die Augen, und von da an wurde er nicht m\u00fcde, um Marias Haus herumzuschleichen. Wenn er selbst nicht Wache halten konnte, \u00fcbertrug er diese Aufgabe seinen Freunden. Auf diese Weise fand er bald heraus, dass ein Mann in einem weiten Umhang, der mehr wie ein Ehrenmann denn wie ein Schurke aussah, sich h\u00e4ufig vor dem Haus des M\u00e4dchens zeigte.<\/p>\n\n\n\n<p>Sobald sie am Fenster erschien, warf er ihr eine Nelke und einen Brief zu. Augenblicke sp\u00e4ter war er wieder verschwunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Juan Martinez verlangte es nicht danach, noch mehr zu erfahren. Das Herz voller Wut, entschloss er sich, Rache zu nehmen und den Hidalgo zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n<p>Unterdessen war die Liebesbeziehung zwischen Maria und Luis in ein fortgeschrittenes Stadium eingetreten. Das M\u00e4dchen gestand der Mutter, was sie f\u00fcr den Studenten empfand, und dass er ihre Liebe erwidere. Die Mutter, die bald herausgefunden hatte, dass der junge Mann aus einer angesehenen und wohlhabenden Familie kam, war entschlossen, die Dinge auf eine Hochzeit hinsteuern zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie ging also eines Tages zum Vater des jungen Mannes. Trotz der Standesunterschiede war auch er einverstanden, und so schien einem gl\u00fccklichen Ausgang der Liebesgeschichte zwischen Maria und dem Studenten nichts im Weg zu stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Von nun an begleitete Luis seine Verlobte auf Schritt und Tritt. Sie waren schon zum ersten Mal aufgeboten worden als eines Nachts, als sie sich voneinander verabschiedeten, Maria ihren Liebsten warnte, heute nicht allein heimzugehen. Der Himmel war bedeckt, die Stra\u00dfen menschenleer. Sie hatte Angst, es k\u00f6nne ihm etwas zusto\u00dfen. Es war, als habe sie pl\u00f6tzlich ein merkw\u00fcrdiges Gef\u00fchl einer drau\u00dfen lauernden Gefahr \u00fcberkommen. Sie bot also ihrem Verlobten an, ihn von zwei Bediensteten ihrer Mutter begleiten zu lassen. Davon wollte der junge Mann nichts wissen. Er versuchte sie zu beruhigen. Was solle ihm schon geschehen. Falls ihn jemand angriffe, habe er einen guten Degen und sei in der Lage, sich zu verteidigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem er so versucht hatte, sie zu beruhigen, verabschiedete er sich von seiner Liebsten, und bald darauf konnte Maria das Ger\u00e4usch seiner Schritte drau\u00dfen auf der Stra\u00dfe zwischen den H\u00e4userw\u00e4nden widerhallen h\u00f6ren. Bald war er aus ihrem Blickfeld verschwunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch da sie die Vorstellung, es k\u00f6nne ihm etwas zusto\u00dfen, nicht los wurde, lief sie ihm nach, bereit ihm beizustehen, was immer geschehen m\u00f6ge.<\/p>\n\n\n\n<p>Don Luis schritt unbesorgt aus, doch als er um eine Ecke in eine bestimmte Stra\u00dfe einbog, h\u00f6rte er das Ger\u00e4usch von jemanden, der ihm folgte. Er wandte sich um, und Sah, wie sich ihm f\u00fcnf bewaffnete M\u00e4nner n\u00e4herten. Er begriff die Gefahr, in der er schwebte, und sch\u00fctzte sich, indem er sich in einen Torweg stellte, in dem ein kleiner Marienaltar stand. Die Frauen, die einen Waschplatz in der N\u00e4he aufsuchten, hatten eine gro\u00dfe Zuneigung zu diesem Marienbild.<\/p>\n\n\n\n<p>Die f\u00fcnf bewaffneten M\u00e4nner r\u00fcckten Luis n\u00e4her auf den Leib. Allen voran der Weberjuan Martinez, der darauf aus war, nun seine Rache zu nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Student war entschlossen, sein Leben so teuer wie m\u00f6glich zu verkaufen. Sie hatten bereits die Klingen gekreuzt, als Maria, seine Verlobte, erschien. Wie sie nun sah, in welcher Gefahr ihr Geliebter sich befand, bat sie die Heilige Jungfrau um Hilfe.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Augenblick erleuchtete ein grelles Licht pl\u00f6tzlich den Altar, und das Marienbild st\u00fcrzte gleich einem gewaltigen Vorschlaghammer auf die K\u00f6pfe der Angreifer nieder.<\/p>\n\n\n\n<p>Die M\u00e4nner fuhren erschreckt herum, lie\u00dfen ihre Waffen fallen und rannten davon.<\/p>\n\n\n\n<p>Luis aber hob Maria, die ohnm\u00e4chtig geworden war, vorn Stra\u00dfenpflaster auf und trug sie nach Hause.<\/p>\n\n\n\n<p>Als sie erwachte, dankten beide der Jungfrau, und ein paar Tage sp\u00e4ter wurden sie ein Paar.<\/p>\n\n\n\n<p>Von dem Weber hat man nie mehr etwas geh\u00f6rt. Manche sagen, er sei nach Amerika ausgewandert.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Geschichte verbreitete sich in ganz Granada, und von da an nahm die Verehrung der Jungfrau der W\u00e4scherinnen immer mehr zu.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Weber und der Student In einer Julinacht im Jahre des Herrn 1693 sang der Weber Juan Martinez seine \u00bbCoplas de Ronda\u00ab f\u00fcr Maria, die sch\u00f6ne Br\u00fcnette, in die er sich heftig verliebt hatte. 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