{"id":5293,"date":"2026-01-30T00:47:55","date_gmt":"2026-01-29T23:47:55","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5293"},"modified":"2026-01-30T00:47:56","modified_gmt":"2026-01-29T23:47:56","slug":"der-welpe-und-der-wolf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-welpe-und-der-wolf\/","title":{"rendered":"Der Welpe und der Wolf"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Der Welpe und der Wolf<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>In der Fr\u00fche kam die Indianerfrau aus ihrem Zelt gelaufen, raufte sich die Haare und rief: &#8222;So ein Ungl\u00fcck! Der graue Wolf hat meinen Mann erw\u00fcrgt.&#8220;<br>Die J\u00e4ger liefen herbei, aber den Toten konnten sie nicht wieder zum Leben erwecken.<br>&#8222;Dort l\u00e4uft er!&#8220; rief der J\u00e4ger B\u00e4rentatze, und er zeigte zum Wald hin.<br>Ein grauer Wolf, gro\u00df wie ein Kalb, verschwand im Dickicht.<br>In der kommenden Nacht schlich der graue Wolf wieder ins Dorf, erw\u00fcrgte zwei M\u00e4nner und verschwand.<br>Die dritte Nacht kostete drei Dorfbewohner das Leben.<br>&#8222;Wir m\u00fcssen in den Wald gehen und den Wolf toten&#8220;, entschied der H\u00e4uptling und schickte vier J\u00e4ger aus. Aber keiner kehrte von der Jagd zur\u00fcck.<br>Also schickte der H\u00e4uptling f\u00fcnf M\u00e4nner in den Wald, doch auch sie kamen nicht wieder.<br>Da lie\u00df der H\u00e4uptling \u00fcberall verk\u00fcnden, was geschehen war, und bat um Hilfe.<br>Als erster kam ein Engl\u00e4nder ins Dorf. Er trug kurze Hosen und ein langes Gewehr.<br>O &#8222;Ich werde den Wolf erschie\u00dfen&#8220;, br\u00fcstete er sich, &#8222;am Abend bringe ich euch sein Fell. Aber zuerst will ich noch Tee trinken, um mich f\u00fcr die Jagd zu st\u00e4rken.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Er setzte sich ans Feuer und kochte in einem kleinen Kessel Wasser. Als er aber gem\u00e4chlich den hei\u00dfen Tee schl\u00fcrfte, schlich sich aus dem Dickicht der graue Wolf heran und erw\u00fcrgte den Engl\u00e4nder.<\/p>\n\n\n\n<p>Am n\u00e4chsten Tag kam ein Deutscher ins Dorf geritten. &#8222;Zuerst muss ich in den B\u00fcchern studieren, wie man W\u00f6lfe jagt&#8220;, sagte der Deutsche, setzte sich unter einen gro\u00dfen Eichenbaum, zog drei dicke B\u00fccher aus dem Rucksack und bl\u00e4tterte darin.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus dem Dickicht schlich der graue Wolf heran und erw\u00fcrgte den Deutschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am dritten Tag erschienen in einer eleganten Kutsche zwei Franzosen. Sie setzten sich nahe an das Dickicht, aus dem der Wolf aufzutauchen pflegte, tranken Wein und warteten. Endlich blitzten im Walddunkel die Augen des Wolfs.<\/p>\n\n\n\n<p>Der eine Franzose hob das Gewehr und zielte.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann senkte er es aber wieder, reichte es dem andern Franzosen und sagte h\u00f6flich: &#8222;Nach Ihnen, mein Herr.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Ehe der andere Franzose zielen konnte, sprang der graue Wolf aus dem Geb\u00fcsch und erw\u00fcrgte beide J\u00e4ger.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein paar Tage sp\u00e4ter kamen drei Amerikaner ins Dorf. Sie hatten sch\u00f6ne gl\u00e4nzende Gewehre und die Jagdtaschen voll mit Beefsteaks. Sie brieten das Fleisch am Rost, a\u00dfen und tranken Milchkaffee und begannen langsam damit, ihre Gewehre zu putzen und mit Lein\u00f6l zu schmieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen hatte sich leise der graue Wolf aus dem Dickicht herangeschlichen. Er erw\u00fcrgte die drei Amerikaner, noch ehe sie ihre Gewehre laden konnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Unten im Tal pfl\u00fcckten mexikanische Tagel\u00f6hner auf einer Plantage die Baumwolle. Mit ihnen arbeitete auch ein kleiner Junge, den sie Welpe nannten. Die Tagel\u00f6hner sprachen bei der Arbeit \u00fcber den grauen Wolf, und Welpe h\u00f6rte aufmerksam zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Er warf den Leinensack mit den Baumwollkapseln hin und sagte: &#8222;Ich werde den Wolf t\u00f6ten.&#8220; Alle lachten ihn aus.. &#8222;Das schlag dir aus dem Kopf, Junge, dem Wolf konnte nicht einmal der Engl\u00e4nder beikommen, der hat auch den Deutschen, die Franzosen und die Amerikaner erw\u00fcrgt. Und du hast noch nicht einmal ein Gewehr!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Aber Welpe lie\u00df sich nicht von seinem Vorhaben abbringen und machte sich sofort auf den Weg ins Indianerdorf.<\/p>\n\n\n\n<p>Er nahm nichts anderes mit als drei Spiegel. Einen gro\u00dfen, einen kleineren und einen ganz kleinen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als er das Dorf erreicht hatte, fragte er, von wo sich der graue Wolf denn heranschleiche. Die J\u00e4ger zeigten zum Wald hin und bedauerten den Jungen, der sein junges Leben so nutzlos aufs Spiel setzte.<\/p>\n\n\n\n<p>Welpe zog den gr\u00f6\u00dften Spiegel aus dem Sack, lehnte ihn an einen Baum und verbarg sich hinter einem Stein.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einer Weile schlich der graue Wolf aus dem Wald heran und sah sich im Spiegel.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich wusste gar nicht, dass ich so gro\u00df bin. Da brauche ich ja den st\u00e4rksten Feind nicht zu f\u00fcrchten. Und gleich rannte er ins Dorf und erw\u00fcrgte zwei Pferde.<\/p>\n\n\n\n<p>Der H\u00e4uptling war b\u00f6se und sagte zu Welpe: &#8222;Du hast uns wahrhaftig gut geholfen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Welpe beschwichtigte den H\u00e4uptling: &#8222;Habt Geduld, Ihr werdet es sehen, ich t\u00f6te den Wolf.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Am n\u00e4chsten Tag ging der Mexikanerjunge wieder in die N\u00e4he des Waldes, zog den kleineren Spiegel aus dem Sack und lehnte ihn an einen Baum.<\/p>\n\n\n\n<p>Der graue Wolf kam aus dem Dickicht hervor und schritt geradewegs auf den Spiegel zu. Er schaute hinein und brummte: &#8222;Wie sonderbar! Gestern war ich so gro\u00df, dass ich nicht davor zur\u00fcckschreckte, zwei Pferde zu erw\u00fcrgen. Wieso bin ich nur \u00fcber Nacht kleiner geworden? Ob ich mich vielleicht zu sehr angestrengt habe? Ob zwei Pferde einfach zuviel f\u00fcr mich sind?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Und der graue Wolf schlich ins Dorf und erw\u00fcrgte ein Fohlen. Dieses Mal machte der H\u00e4uptling Welpe keinen Vorwurf. Vielleicht hatte der Junge doch mehr Verstand im Kopf als man dachte.<\/p>\n\n\n\n<p>Am anderen Tag begab sich Welpe zum dritten Mal in die N\u00e4he des Waldes. Aus dem Sack zog er den ganz kleinen Spiegel, lehnte ihn an einen Baum und versteckte sich hinter einem Stein.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht lange danach kam der Wolf aus dem Wald hervor und lief geradewegs zu dem Spiegelchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Kaum hatte er hineingeschaut, begann er zu jammern: &#8222;Oh, dies ist mein Ende! Ich habe mich \u00fcber Nacht in ein Wolfsjunges verwandelt. Nur schnell weg von hier, sonst fangen mich noch die J\u00e4ger und ziehen mir das Fell \u00fcber die Ohren.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Und der Wolf zog den Schwanz zwischen die Hinterbeine und fl\u00fcchtete in den Wald.<br>Welpe, der Mexikanerjunge, wurde von dem H\u00e4uptling ins Indianerdorf gef\u00fchrt. Dort bewirtete man ihn reichlich und schenkte ihm das sch\u00f6nste Pferd und einen Hut mit einer breiten Krempe dazu.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Welpe und der Wolf In der Fr\u00fche kam die Indianerfrau aus ihrem Zelt gelaufen, raufte sich die Haare und rief: &#8222;So ein Ungl\u00fcck! 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