{"id":5269,"date":"2026-01-29T03:05:20","date_gmt":"2026-01-29T02:05:20","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5269"},"modified":"2026-01-29T03:05:56","modified_gmt":"2026-01-29T02:05:56","slug":"wie-der-teufel-den-branntwein-erfand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wie-der-teufel-den-branntwein-erfand\/","title":{"rendered":"Wie der Teufel den Branntwein erfand"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Wie der Teufel den Branntwein erfand<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es hatten einmal zwei Landesherren einen Grenzstreit; da waren auf jeder Seite Zeugen, die das Recht behaupteten, und darunter waren zwei, die hatten vom Teufel die Schwarzkunst erlernt und ihm daf\u00fcr ihre Seelen verschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese beiden haben einmal ein jeder in der Nacht wollen falsche Grenzsteine setzen, so, wie jeder von ihnen die Grenze behauptete, und haben die Steine mit schwarzer Kunst wollen machen, dass sie auss\u00e4hen, als ob sie schon viele, viele Jahre da gestanden h\u00e4tten. Da sind sie alle zwei als feurige M\u00e4nner hinauf auf die H\u00f6he gegangen. Und wie der eine hinauf kommt, da ist der andere schon da. Aber keiner hat etwas von dem andern gewusst, dass dieser denselben Gedanken hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Da fragte der eine den andern: &#8222;Was machst du da?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Was hast du danach zu fragen? Sage mir zuvor, was du da machen willst?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Grenzsteine will ich setzen und will den Grenzzug machen, wie dieser eigentlich sein muss.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Das habe ich selbst schon getan, und da stehen die Steine, und so geht der Grenzzug.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Das ist nicht richtig, und so geht der Grenzzug. Mein Herr hat gesagt, ich h\u00e4tte recht, und ich solle nicht nachgeben.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Wer ist denn dein Herr? Das wird auch ein sch\u00f6ner Musj\u00f6 sein!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Der Teufel ist mein Herr! Hast du nun Respekt?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Das ist nicht wahr, das ist mein Herr, und mein Herr hat mir gesagt, ich habe recht und solle nicht nachgeben. Packe dich den Augenblick, oder es geht dir schlecht!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Und so kamen die zwei hintereinander, und zuletzt da gab der eine feurige Mann dem andern eine Maulschelle, dass ihm der Kopf herabflog und kullerte den ganzen Berg hinab. Und der feurige Mann ohne Kopf rannte hinter seinem feurigen Kopfe her und wollte ihn haschen und ihn sich wieder aufsetzen. Aber er konnte ihn nicht einholen bis ganz drunten im Graben.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie nun der eine dem andern die Maulschelle gegeben hatte, und jener hinter seinem Kopfe herlief, da kam auf einmal ein dritter feuriger Mann dazu und fragte den, der oben blieb: &#8222;Was hast du da gemacht?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Was geht es dich an, und was hast du mir zu befehlen? Den Augenblick packe dich deiner Wege, oder ich mache es dir gerade so wie jenem.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Halunke! Hast du nicht mehr Respekt vor mir? Wei\u00dft du nicht, dass ich dein Herr, der Teufel, bin?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Und wenn du zehnmal der Teufel selbst bist, so liegt mir daran gar nichts; du kannst mich meinetwegen recht sch\u00f6n rein machen!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Diesen Gefallen will ich dir tun, du sollst aber dein Lebtag daran gedenken!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Und da fing der Teufel an und machte ihn rein, dass die Feuerputzen auf dem ganzen Bergr\u00fccken herumflogen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wie er ihn so rein machte, da ersah mein feuriger Mann den g\u00fcnstigen Augenblick und griff hin und erwischte den Teufel im Nacken, hielt ihn fest und sagte ihm:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Nun bist du in meiner Gewalt; nun sollst du sehen, dass du in der Menschen H\u00e4nde bist! Du hast dein Leben lang genug armen Leuten den Hals herumgedreht, nun sollst du auch selbst einmal erfahren, wie es tut, wenn einem der Hals umgedreht wird!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Und fing an und wollte dem Teufel den Hals umdrehen. Wie der Teufel sah, dass der feurige Mann Ernst mit ihm machte, legte er sich aufs Bitten und gab ihm die himmelbesten Worte, er solle ihn doch gehen lassen und solle ihm den Hals nicht herumdrehen; er wolle ihm auch alles tun, was er nur von ihm verlangte. Da sagte ihm der: \u00bbWeil du also erb\u00e4rmlich tust, so will ich dich nur gehen lassen; aber zuvor musst du mir meine Verschreibung wiedergeben, in welcher ich dir meine Seele verschrieben habe, und musst mir auch versprechen, ja, du musst mir das bei deiner Gro\u00dfmutter beschw\u00f6ren, dass du kein Teil mehr an mir haben willst, auch all dein Lebetage von keinem Menschen dir wieder die Seele verschreiben lassen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Wollte der Teufel wohl oder \u00fcbel, einmal stak er in der Klemme, und wenn er loskommen wollte und wollte nicht den Hals herumgedreht haben, so musste er in einen sauren Apfel bei\u00dfen, und gab ihm seine Verschreibung wieder und versprach&#8217;s ihm und verschwur sich bei seiner Gro\u00dfmutter, dass er keinen Teil mehr an ihm haben wolle und wolle auch alle sein Lebetag von keinem Menschen sich wieder lassen die Seele verschreiben. Wie er das alles getan hatte, lie\u00df jener den Teufel los.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie aber der Teufel wieder ledig war, da tat er einen Sprung zur\u00fcck, dass ihn jener nicht etwa unversehens noch einmal erwische, und stellte sich hin und sagte: &#8222;So, nun bin ich wieder ledig; wenn ich dir, du Schalksnarr, nun auch deine Verschreibung wiedergegeben habe und habe dir versprochen und beschworen, dass ich kein Teil mehr an dir haben wolle, so habe ich dir doch nicht versprochen, dass ich den Hals dir nicht auch umdrehen wolle, so ich wieder ledig w\u00e4re. Und auf dem Hecke da sollst du alleweil sterben, daf\u00fcr, dass du mich gegurgelt hast und hast mir wollen den Hals umdrehen!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Und damit fuhr der Teufel auf ihn hinein und wollte ihm den Garaus machen, der aber riss aus und lief zum Wald hinein. Und der Teufel immer hinter ihm her. Endlich ersah es jener und kam an eine alte Buche, die war hohl und hatte unten ein Loch. Da kroch er geschwind hinein und wollte sich verstecken vor dem Teufel. Aber er war nicht weit genug hinein gekrochen, und die Fu\u00dfzehe guckte ihm noch heraus. Und weil er \u00fcber und \u00fcber feurig war, da leuchtete die Zehe durch die Nacht, und der Teufel wurde es gewahr, wo jener sich hin versteckt hatte, und kam und wollte ihn an der Fu\u00dfzehe erwischen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber der in seinem Baume h\u00f6rte es, wie der Teufel getappt kam, wie er nach ihm greifen und ihn erwischen wollte; da zog er sich vollends hinein und machte sich weiter im Baume hinauf. Da kroch der Teufel auch hinein, und jener machte immer weiter im Baume hinauf und der Teufel immer hinter ihm her. Endlich da hatte der Baum oben in der H\u00f6he ein weites Astloch, da kam jener dran und kroch heraus. Und wie er drau\u00dfen war, da nahm er etwas und verkeilte das Astloch, wo er herausgekrochen war, und stieg geschwind herab und verkeilte auch das untere Loch und machte es mit schwarzer Kunst so fest, dass es der Teufel selbst und seine Gro\u00dfmutter und die ganze H\u00f6lle nicht wieder aufbringen konnten. Danach ging er seiner Wege.<\/p>\n\n\n\n<p>Und da steckte nun der Teufel in der alten Buche und konnte nicht herauskommen, und es half ihm alles nichts, er musste drin stecken bleiben. Und da hat er lange Zeit darin gesteckt, und vielmal zu jener Zeit, wenn die Leute des Wegs \u00fcber jenen Berg gegangen sind, da haben sie ihn darin h\u00f6ren bl\u00f6ken und grunzen in seiner Buche. Endlich aber, wie der Holzschlag dort hinauf gekommen ist, da ist die Buche abgehauen worden. Da ist er endlich wieder herausgekommen und ist wieder frei geworden, der Teufel. Wie er nun wieder los war, da machte er sich auf und ging heim in die H\u00f6lle und wollte sehen, wie es auss\u00e4he. Aber da war alles leer darin, wie es in der Kirche in der Woche ist, und war keine Seele mehr zu h\u00f6ren noch zu sehen. Seit der Teufel damals fortgegangen und nicht wieder gekommen war, und auch kein Mensch nicht gewusst hatte, wo er hingekommen war, da war nicht eine einzige Seele wieder in die H\u00f6lle gekommen. Und da war seine Gro\u00dfmutter aus Herzeleid gestorben, und wie die tot war, da packten alle die armen Seelen, die dazumal in der H\u00f6lle waren, auf und machten sich auf und davon und gingen alle miteinander in den Himmel. Und da stand er, Maus-Mutter-Stern-allein in der H\u00f6lle, und wusste seines Leides keinen Rat, wie er&#8217;s wohl anfinge, dass er wieder arme Seelen bek\u00e4me, weil er es nicht mehr tun durfte, und hatte es damals bei seiner Gro\u00dfmutter verschw\u00f6ren m\u00fcssen, dass er von keinem Menschen sich wieder wollte die Seele verschreiben lassen, und auf andere Weise bekam er damals keine Menschen in die H\u00f6lle. Und da stand er und wusste seines Herzeleids kein Ende und wollte sich die H\u00f6rner aus dem Kopfe raufen vor lauter Herzeleid und Jammer. Da fiel ihm auf einmal etwas ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie er in der alten Buche gesteckt hatte und nicht herausgekonnt, da war ihm zuletzt die Zeit lang geworden, und da hatte er \u00fcber allerlei nachsimuliert und den Branntwein erdacht und erfunden. Das fiel ihm alleweil mitten in seinem Herzeleide wieder ein, und da dachte er sich, das m\u00fcsse ein Mittelchen sein, wie er doch wieder arme Seelen in die H\u00f6lle bekommen k\u00f6nne.<\/p>\n\n\n\n<p>Und da packte er auf der Stelle auf und lie\u00df die H\u00f6lle H\u00f6lle sein und ging nach Nordhausen und wurde ein Schnapsbrenner und machte Branntwein drein und drauf und schenkte ihn in die Welt hinein. Und er zeigte auch den Nordh\u00e4usern allen miteinander, wie der Schnaps gemacht wird, und versprach ihnen viel Geld und Gut, wenn sie&#8217;s lernten und Branntwein brennten. Und die Nordh\u00e4user lie\u00dfen sich&#8217;s auch nicht zweimal sagen und wurden alle Schnapsbrenner und machten Branntwein und schenkten ihn in die Welt hinein. Seit dieser Zeit schreibt sich&#8217;s her, dass bis auf den heutigen Tag so viel Branntwein in Nordhausen gebrannt wird wie an keinem andern Orte in der ganzen Welt.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wie sich&#8217;s der Teufel gedacht hatte, also ging es auch. Wenn die Leute erst ein wenig Branntwein im Leibe hatten, da fingen sie an zu fluchen und zu schw\u00f6ren, und fluchten und schwuren ihre Seele zum Teufel, dass sie der Teufel bekam, wenn sie gestorben waren, und brauchte ihnen darum nicht zu dienen, wie er sonst hatte tun m\u00fcssen, wenn er eine arme Seele hatte haben wollen. Und wenn sie sich den Kopf erst richtig vollgesoffen hatten im Branntwein, da fingen sie auch an und zankten sich und pr\u00fcgelten sich und brachen sich selber die H\u00e4lse, dass sich der Teufel nicht erst brauchte die M\u00fche zu geben und brauchte sie ihnen herum zu drehen. Und wenn der Teufel sonst mit aller M\u00fche und Not hatte alle Wochen einmal eine arme Seele in die H\u00f6lle bekommen k\u00f6nnen, da kamen sie jetzt dutzend- und schockweise alle Tage hinein, und es dauerte kein Jahr, da war die H\u00f6lle zu klein geworden und konnte der Teufel die Seelen nicht mehr unterbringen und musste ein ganz neues St\u00fcck lassen anbauen an die H\u00f6lle.<\/p>\n\n\n\n<p>Und kurz und gut, seit der Teufel aus der alten Buche jenesmal wieder losgekommen ist, seit der Zeit ist der Branntwein aufgekommen, und seit der Branntwein in der Welt ist, da kann man erst recht eigentlich sagen: &#8222;Der Teufel ist los!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es hatten einmal zwei Landesherren einen Grenzstreit; da waren auf jeder Seite Zeugen, die das Recht behaupteten, und darunter waren zwei, die hatten vom Teufel die Schwarzkunst erlernt und ihm daf\u00fcr ihre Seelen verschrieben.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[85,204,133],"tags":[],"class_list":["post-5269","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-maerchen","category-unbekannt","category-maerchen-weltweit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5269","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5269"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5269\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5271,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5269\/revisions\/5271"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5269"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5269"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5269"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}