{"id":5267,"date":"2026-01-29T03:03:03","date_gmt":"2026-01-29T02:03:03","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5267"},"modified":"2026-01-29T03:03:03","modified_gmt":"2026-01-29T02:03:03","slug":"das-winzige-winzige-maennlein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/das-winzige-winzige-maennlein\/","title":{"rendered":"Das winzige, winzige M\u00e4nnlein"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Das winzige, winzige M\u00e4nnlein<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ludwig Bechstein<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es waren einmal drei lustige Gesellen, ein Schmied, ein Schneider und ein J\u00e4ger, die waren gute Freunde zueinander, kamen \u00f6fters zusammen und besprachen sich, mitsammen in die Fremde zu gehen, weil es ihnen in der Heimat nicht mehr so recht gefallen wollte. Wie sie nun ihren Entschluss ausf\u00fchrten und wanderten, f\u00fchrte sie ihr Weg in einen tiefen Wald, aber heraus f\u00fchrte er sie nicht; sie verirrten sich und liefen im Walde umher, bis die Nacht einbrach und sie weder Weg noch Steg sehen konnten. Endlich stieg der Schmied auf einen Baum und erblickte in einiger Entfernung ein Licht, merkte sich die Richtung, stieg vom Baume herab und ging nun mit seinen Gef\u00e4hrten auf das Licht zu. Sie kamen alle drei an ein Haus, welches offenstand, aber leer war, wenigstens lie\u00df sich niemand blicken, aber das Licht stand darin und schien.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Wer hier wohnt, wird es uns nicht so sehr \u00fcbelnehmen, wenn wir hier die Nacht verbringen, wir k\u00f6nnen nun einmal doch nicht weiter! &#8220; sprachen die drei einer zum andern und legten sich nieder, wo sich just f\u00fcr jeden ein geeignetes Pl\u00e4tzchen fand. Ohne alle St\u00f6rung schliefen die drei Gesellen die ganze Nacht und erwachten, als der Morgen da war, fr\u00f6hlich und wohlgemut.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Es ist h\u00fcbsch in diesem H\u00e4uschen&#8220;, sprach der Schmied. &#8222;Ich d\u00e4chte, wir verlie\u00dfen es nicht so schnell, damit wir dem Bewohner danken f\u00fcr die Gastfreundschaft, die wir uns angeeignet. &#8222;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Vielleicht kann ich ihm etwas flicken&#8220;, meinte der Schneider.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ich bin auch nicht dagegen, hier zu rasten&#8220;, sprach der J\u00e4ger, &#8222;aber wenn wir das wollen, so m\u00fcssen wir nun etwas zu essen haben, denn hier scheint Schmalhans K\u00fcchenmeister zu sein. Ich schlage daher vor, einer von uns bleibt hier und zweie gehen in den Wald und fangen oder schie\u00dfen etwas, damit wir zu leben haben. &#8222;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Der Rat ist richtig&#8220;, sagte der Schmied. &#8222;Drau\u00dfen springt ein Quellbrunnen; der daheim bleibt, macht indes ein Feuerlein an und setzt Wasser bei, dass wir uns hernach eine gute Suppe kochen k\u00f6nnen. &#8222;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Schmied und der J\u00e4ger gingen, und der Schneider blieb im H\u00e4uschen, entz\u00fcndete ein Feuer, setzte Wasser bei und sich daneben. Da erschien mit einem Male ein winzig, winzig kleines M\u00e4nnchen und sagte:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Schneider, Schneider, Schneiderlein, Ich blas dir aus dein Feuerlein. &#8222;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ja, untersten dich!&#8220; rief der Schneider voller Mut, weil das M\u00e4nnlein so winzig war, aber das machte &#8211; ft! &#8211; und da war das Feuer aus und das M\u00e4nnlein verschwunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Bald kamen der J\u00e4ger und der Schmied und brachten ein St\u00fcck Wild und gute Wurzeln, der Schneider erz\u00e4hlte, was ihm begegnet sei, und nun mussten sie von neuem Feuer anz\u00fcnden und Wasser beisetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als das Wild verzehrt war, gingen der Schmied und der Schneider in den Wald, und der J\u00e4ger h\u00fctete das Haus und machte ein sch\u00f6nes Feuer an, setzte Wasser bei und sich dazu. Da kam abermals das winzige, winzige M\u00e4nnchen, und wisperte:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;J\u00e4ger, J\u00e4ger, J\u00e4gerlein! Ich l\u00f6sch dir aus dein Feuerlein. &#8222;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Probier es nur! Ich drehe dir den Hals um! &#8220; rief der J\u00e4ger, aber &#8211; ft! &#8211; und das Feuer erlosch, und das M\u00e4nnlein verschwand.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie die Kameraden kamen, hatten sie kein Wild und kein Feuer; zwar r\u00fchmte sich der Schneider, dem der J\u00e4ger sein Gewehr geliehen, er habe bald einen Bock geschossen, aber nur bald, das Gewehr habe einen Fehler, die Kugel sei links gegangen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Nun probiere ich&#8217;s einmal! &#8220; rief der starke Schmied. &#8220; Habt acht, ich zahle den Knirps aus. &#8220; Nun blieb er zu Hause, und der J\u00e4ger ging mit dem Schneider auf die Jagd.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Schmied sa\u00df noch gar nicht lange bei dem Feuer, das er angez\u00fcndet, nachdem er einen Schraubstock hergerichtet, als das winzige, winzige M\u00e4nnlein zum dritten Male erschien und wisperte:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Schmied, Schmied, Schmiedelein! Ich l\u00f6sch dir aus dein Feuerlein. &#8222;<\/p>\n\n\n\n<p>Aber anstatt zu antworten, griff der Schmied dem M\u00e4nnlein an den Kragen, sch\u00fcttelte es t\u00fcchtig und klemmte es in dem Schraubstock fest, dass es erb\u00e4rmlich zappelte und heulte. Das half ihm aber nichts, denn der Schmied bearbeitete es auch noch \u00e4u\u00dferst handgreiflich, und wie nun der J\u00e4ger und der Schneider kamen, so putzte der erstere das winzige M\u00e4nnchen auch noch aus, und der Schneider freute sich und flickte es ebenfalls geh\u00f6rig durch.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Zauberm\u00e4nnchen im Schraubstock tat aber gar erb\u00e4rmlich und sagte: &#8222;Lasst mich los, und gehe einer mit mir! Einen kann und will ich gl\u00fccklich machen. Schneiderlein, geh du mit mir! &#8222;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;M\u00e4nnlein, ich geh nicht mit dir! &#8220; antwortete der Schneider. &#8220; J\u00e4ger, so gehe du mit mir! &#8220; bat das winzige, winzige M\u00e4nnlein. &#8220; Ei, der Kuckuck geh mit dir! &#8220; antwortete der J\u00e4ger.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Schmied, Schmied, gehe du mit mir! &#8220; bat gar zu kl\u00e4glich das M\u00e4nnlein.<\/p>\n\n\n\n<p>Da sagte der Schmied: &#8222;Gut, ich will mit dir gehen, aber denke nicht, dass ich dich loslasse, denn du w\u00fcrdest mich sonst sch\u00f6n f\u00fchren. Und die andern zwei m\u00fcssen ein St\u00fcck hinter uns drein gehen. &#8222;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Meinetwegen, ich bin alles zufrieden! &#8220; winselte das winzige, winzige M\u00e4nnlein. &#8220; Macht mich nur aus dem Schraubstock los! &#8222;<\/p>\n\n\n\n<p>Das tat denn der Schmied, hielt aber das M\u00e4nnlein fest am Kragen, und nun ging es durch eine T\u00fcre in der Stube und durch einen Kellergang in ein gro\u00dfes, matt erhelltes Gew\u00f6lbe. In diesem Gew\u00f6lbe sa\u00df auf einem elfenbeinernen Stuhle der Menschenfresser, und hinter ihm stand seine Frau und k\u00e4mmte ihm mit einem beinernen Kamme das lange, zottelige Wirrhaar.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt sprach der Menschenfresser: &#8222;Hup, hup! Es riecht nach Menschenfleisch! Hup, hup &#8211; Menschenfleisch&#8220;, und schnappte behaglich.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ach&#8220;, antwortete die Frau, &#8222;wer wei\u00df was du riechst? &#8222;<\/p>\n\n\n\n<p>Doppelt fest hielt der Schmied das winzige M\u00e4nnlein Kragen, denn h\u00e4tte er es losgelassen, so h\u00e4tte dasselbe ihn und seine Gesellen dem Menschenfresser \u00fcberliefert &#8211; aber so f\u00fchrte er den Schmied in einen Seitengang, und die andere folgten, und da kamen sie an ein Bergloch, davor lag ein gro\u00dfer Stein, und da sagte das M\u00e4nnlein: &#8222;W\u00e4lze diesen Stein hinweg, krieche dann durch die \u00d6ffnung hinaus und rufe: &#8218;Vivat! Ich bin erl\u00f6st!&#8216; &#8220; &#8222;Zum Steinw\u00e4lzen brauch ich aber zwei Arme&#8220;, sagte der Schmied, gab dem J\u00e4ger das zappelnde M\u00e4nnlein am Kragen festzuhalten, denn dem Schneider mocht er&#8217;s nicht anvertrauen, der d\u00fcnkte ihn nicht stark genug. Gleichwohl half auch der Schneider halten, er hielt das M\u00e4nnlein an beiden Beinchen fest. Jetzt w\u00e4lzte der Schmied den Stein; da entstand im Gew\u00f6lbe ein Poltern und Krachen, als wenn alles zusammenbreche, vor ihnen aber strahlte blendender Schimmer, Tageshelle, und vor aller Augen lag ein stattliches Schloss. Geschwinde krochen alle drei, eigentlich vier, heraus. Erst der Schmied, dann der J\u00e4ger mit dem M\u00e4nnlein, zuletzt der Schneider, der des winzigen M\u00e4nnleins Beine hielt, und jeder schrie: &#8222;Vivat, ich bin erl\u00f6st. &#8222;<\/p>\n\n\n\n<p>Und siehe, das winzige M\u00e4nnlein schrie auch mit und verschwand jenen unter den H\u00e4nden. Aus dem Schlosse aber trat ein pr\u00e4chtig gekleidetes Musikkorps und spielte einen wundersch\u00f6nen Tanz, dann kamen drei herrliche Prinzessinnen, die tanzten dem Schmied, dem J\u00e4ger und dem Schneider entgegen; dann ein kleiner Mann, aber angetan wie ein K\u00f6nig, mit Krone und Szepter, im hermelinverbr\u00e4mten Purpurmantel, und seine Z\u00fcge waren die des winzigen M\u00e4nnleins. &#8222;Dank euch, die ihr uns erl\u00f6set habt! &#8220; sprach der kleine K\u00f6nig mit gravit\u00e4tischer W\u00fcrde. &#8220; Dank und Lohn!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Hierauf erhob der K\u00f6nig die drei muntren Gesellen in den Prinzenstand, jeder durfte eine von den drei wundersch\u00f6nen Prinzessinnen heiraten, alle lebten gl\u00fccklich beisammen in dem sch\u00f6nen Schlosse, bedient von zahlreichem Hofgesinde, und keinem wurde wieder sein Feuerlein ausgeblasen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das winzige, winzige M\u00e4nnlein Ludwig Bechstein Es waren einmal drei lustige Gesellen, ein Schmied, ein Schneider und ein J\u00e4ger, die waren gute Freunde zueinander, kamen \u00f6fters zusammen und besprachen sich, mitsammen in die Fremde zu gehen, weil es ihnen in der Heimat nicht mehr so recht gefallen wollte. Wie sie nun ihren Entschluss ausf\u00fchrten und [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[90,85],"tags":[],"class_list":["post-5267","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ludwig-bechstein","category-maerchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5267","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5267"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5267\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5268,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5267\/revisions\/5268"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5267"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5267"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5267"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}