{"id":5230,"date":"2026-01-29T02:17:34","date_gmt":"2026-01-29T01:17:34","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5230"},"modified":"2026-01-29T02:17:34","modified_gmt":"2026-01-29T01:17:34","slug":"vom-zornbraten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/vom-zornbraten\/","title":{"rendered":"Vom Zornbraten"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Vom Zornbraten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ludwig Bechstein<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>E, das wusste er nimmer zu bemeistern, und es war schier auf Erden kein \u00e4rger Weib zu finden. Er aber war ehrenhafter und sanfter Mut. Beide hatten eine einzige Tochter, und die erzog die Mutter also in ihren eigenen b\u00f6sen Sitten und nach ihrem Schlag, dass sie arg und karg, muckisch und t\u00fcckisch wurde. Gleichwohl hatte Gott das Maidlein zu einer sch\u00f6nen Jungfrau gebildet, dass wer sie schaute, dem deuchte sie ein Bild voll minniglicher G\u00fcte, wer aber n\u00e4her mit ihr bekannt wurde, der nahm bald ihre Argheit wahr und mied sie g\u00e4nzlich. Nun war die Jungfrau achtzehn Jahre alt und h\u00e4tte gern einen Mann genommen, aber keiner kam, der ihrer begehrt h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das bek\u00fcmmerte den Vater m\u00e4chtiglich, und eines Tages sprach er zu ihr: \u00bbTochter, deiner Mutter Sitten und ihr \u00fcbler Rat machen, dass du ohne Mann bleibest, oder aber, so einer dich nimmt, der nicht Lust hat, wie ich, b\u00f6se Weibert\u00fccken geduldig zu tragen, so wirst du \u00f6fter geschlagen, als das Jahr Tage z\u00e4hlt, und wird dich noch das gereuen, dass du so in allen St\u00fccken deiner Mutter gefolgt bist und gefolgt hast.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Das h\u00f6rte die Tochter des frommen Ritters sehr ungern und sprach zorniglich: \u00bbEi, Herr Vater! Ihr k\u00f6nnt viel reden, ehe mir Eurer Worte auch nur eins gef\u00e4llt! Ihr habt meiner Mutter auch immer viel zu viel gute Lehren gegeben, die sie Euch nicht danket. Wisst Ihr was? Tut, was Euch gut d\u00fcnket, und lasset mich gew\u00e4hren. Denn wenn auch schon morgen ein Freier k\u00e4me, der mein begehrte, so wollte ich doch allezeit in der Ehe das l\u00e4ngere Messer tragen. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbO, meine Tochter! \u00ab antwortete der Rittersmann, \u00bbdas d\u00fcnkt mich nicht gut, dass du solche Gedanken hast. Du solltest doch darauf denken, besser zu sein als deine arge Mutter, sonst k\u00f6nnte es wohl kommen, dass du einen Mann bek\u00e4mest, der so bieder und fromm ist, dass er dich bezwingt, und du hernach mit Scham, mit Schimpf und Schande nachgeben musst.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbEi, ja, wohl! \u00ab antwortete die Tochter. \u00bbEh der Markt aus ist, gibt es noch mehr selben Kofents zu kaufen!\u00ab und solche h\u00e4ssliche Spottreden mehr, die sie dem Vater gab, so dass er zornig ausrief: \u00bbO du b\u00f6se Kriemhildt! So du deinem Vater nicht folgen willst, so soll dir dein R\u00fccken satt von Schl\u00e4gen werden! Wer immer dein begehre, er sei Ritter oder Knecht, der soll dich haben und soll dich ziehen nach seinem Willen! \u00ab \u00bbOder ich ihn nach dem meinen! \u00ab erwiderte trotzig die Tochter und andere Reden mehr, bis dieser Wortwechsel endete.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun sa\u00df etwa drei Meilen weit von der Burg dieses guten Ritters ein anderer Rittersmann, der war reich an Geld und Gut und hatte Freiersgedanken, war auch h\u00fcbsch vom Angesicht und h\u00f6flich von Sitten, der vernahm auf Fragen und Sagen, wie sch\u00f6n und wie h\u00e4sslich zugleich jenes Nachbarn Tochter sei, und dachte: ich wag es frei und wende ihr Gem\u00fct zur Tugend und mache sie gut, wo nicht, so will ich sie doch um ihrer Sch\u00f6ne wohl oder \u00fcbel nehmen. Ritt darauf mit seinen Freunden zum Vater der Maid und bat ihn um seine Tochter. Dieser Rittersmann offenbarte dem jungen Werber, wie seine Tochter gesittet sei, und jener sprach: \u00bbIch habe es wohl vernommen, aber gebt Ihr mir sie nur zur Frau! Will Gott, dass wir nur ein Jahr miteinander leben, so sollt Ihr sehen, wie gut sie wird! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Darauf antwortete der k\u00fcnftige Schw\u00e4her: \u00bbGott soll Euch beh\u00fcten vor ihrem \u00dcbelmut! H\u00fctet Euch, denn wenn sie auf ihrer Mutter Spur kommt, so lebt Ihr bei ihr, wie lang sie lebe, nimmer einen guten Tag. \u00ab Der Freier beharrte aber auf seinem Entschluss, und es ward ein \u00dcbereinkommen getroffen und eine Eheberedung, dass der junge Ritter, sobald er wieder k\u00e4me, die Maid mit sich nehmen und heimfahren solle.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Mutter wusste von dieser Verhandlung weder viel noch wenig, sondern gar nicht, dass die Tochter einem Mann verlobt war, und als sie&#8217;s nun erfuhr, ward sie \u00fcberaus zornig, rief die Tochter und sprach: \u00bbTochter, wisse, dass mein Fluch dich trifft, wenn du nicht deinem Manne so widerstehst, wie deinem Vater ich mit Krieg und harter Rede allezeit und an jedem Ort. H\u00f6re, was ich dir ansage: Ich war ein kleines M\u00e4gdelein, als ich zu deinem Vater kam, viel geringer als du, denn du bist vollgewachsen. Drei Wochen lang schlug mich alle Tage dein Vater, dass ich krank wurde, und gab mir Wasser zur Labe, und doch hab ich meinen Streit gewonnen und mein Recht bis da immer behauptet! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbMutter! \u00ab antwortete das feine T\u00f6chterlein, \u00bbich sage Euch, und sollt ich tausend Jahre leben, so mache ich meinen Mann zum Affen. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen kam nun der Tag der Heimf\u00fchrung; da kam der Ritter heran auf einem sch\u00f6nen Ross von hohem Preis, f\u00fchrte auch mit sich ein schlankes Windspiel und trug auf der Hand einen wohlgetanen Falken, nahm die Maid in Empfang ohne weiteres und setzte sie hinter sich auf sein Ross, entsandte seine Diener alle, dass ihrer keiner mit den zweien ritt, und nahm gleich Urlaub vom Vater seiner Braut. Der sprach zum Abschied ein bewegliches Wort: \u00bbGottes G\u00fcte sei mit dir, o Tochter! Er gebe dir Ruhe im Gl\u00fcck und ein friedlicheres Herz, als ich an meiner Frau gefunden habe! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Kaum war diese Rede gesprochen, so schlug die Mutter einen L\u00e4rmen auf und schrie der Tochter nach: \u00bbVernimm auch mein Wort! Du sollst alle deine Lebetage deinem Mann untertan sein, so, wie ich dich gelehrt habe! \u00ab und die Tochter rief zur\u00fcck: \u00bbWohl, meine Mutter, so soll es geschehen nach deiner Lehre. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>So ritten nun die beiden ganz allein miteinander hin, aber der Ritter vermied die Stra\u00dfe, um der Braut Argheit willen, und ritt einen unbequemen, steilen und engen Seitenweg, wohl einer Meile lang, doch ritt er rasch, dass er in kurzer Zeit eine halbe Meile zur\u00fccklegte auf dem rauen, ungebahnten Steinpfad. Da kamen sie an einen umbuchten Werder, und der Falke begann nach seiner Art mit den Fl\u00fcgeln zu schlagen und von der Hand zu begehren, weil er auf Reiher sto\u00dfen wollte. Sprach der Ritter: \u00bbMit deinem Federschlagen lass es gut sein, oder ich rei\u00dfe dir den Kopf ab. \u00ab Bald darauf sah der Falke eine Kr\u00e4he fliegen, der wollte er nach; da sprach wiederum der Ritter: \u00bbDu bist betrogen, wenn du nach Ungemach strebst und nicht gern in Ruhe dich h\u00e4ltst, und so will ich dir gleich dein Recht tun. Stirb, da du nicht meinen Willen halten willst! \u00ab Und er erw\u00fcrgte den Falken wie ein Huhn.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Maid erschrak ob dieser Rede und der t\u00f6dlichen Tat und begann den Ritter zu f\u00fcrchten. Nun wurde der Pfad immer enger, steiniger und dorniger, und dem Windspiel schmerzten die F\u00fc\u00dfe, und es vermochte nicht mehr, sich an des Pferdes Seite zu halten. Der Ritter, der es an einem Riemen f\u00fchrte, musste es immer nachziehen, das war dem Ritter ungelegen, und er schalt das Windspiel: \u00bbDu b\u00f6ser Hofwart, hab acht, es kommt dir zum Unheil, dass du mir den Arm so zerziehst! \u00ab Der arme Hund vermochte aber nicht zu folgen, und da zog der Ritter sein Schwert und hieb ihn tot.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Maid unterdr\u00fcckte einen Schrei des Unwillens, aber das Herz in der Brust erschrak ihr, es ward ihr weh zumute, und sie dachte: Herr Gott, welch ein W\u00fcterich ist dieser Mann! Brachte mich denn der Teufel zu ihm!<\/p>\n\n\n\n<p>Der Ritter aber behielt das Schwert blank in der Hand und begann nun mit seinem Ross zu schelten: \u00bbWas schnaubst du? Warum gehst du nicht Pass oder Trab? Du willst wohl nur auf ebnem Plan gehen? Du musst sterben! \u00ab Da nun das arme Ross nicht Pass traben konnte, welcher Gang ihm nie gelehrt worden war, so sprach der Ritter: \u00bbFrau, steiget ab! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Sie sprach: \u00bbIch tue, was Ihr mich hei\u00dft. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Darauf stieg der Ritter auch ab und hieb dem Pferd das Haupt vom Rumpfe, sprechend: \u00bbW\u00e4rest du nach meinem Sinn gegangen, so w\u00e4re dir nicht der Tod geworden. Frau, dies ist geschehen, wie Ihr seht. Mir war das Pferd gar unlieb geworden, wie auch Windspiel und Falke. Nun aber ist mir ein ungewohnt und beschwerlich Ding, zu Fu\u00dfe zu gehen, und ich habe des keine \u00dcbung. Ich werde nun Euch reiten! \u00ab Und damit begann er, ihr Riemen und Bande anzulegen, und auch den Sattel wollte er ihr aufschnallen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie sprach: \u00bbHerr, ich tr\u00fcge schon genug an Euch, lasset den Sattel und die Seile, viel herzlieber Herre mein, ich trage Euch ja sanfter und besser ohne ihn. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbEi, Frau, wie st\u00e4nde mir das an, dass ich Euch ritte ohne Sattel und Zeug? \u00ab fragte der Ritter heftig. \u00bbIhr habt b\u00f6se Sitte, dass Ihr gegen meinen Willen zu reden Euch erk\u00fchnet! \u00ab Und da lie\u00df sie sich gefallen, dass er zur Stund sie sattelte und aufz\u00e4umte, wie ein Ross, und ihr Zaum und Gebiss in den Mund legte, und gab ihr den Steigb\u00fcgel in die H\u00e4nde, die stramm zu halten, sa\u00df dann auf und ritt sie so eine kleine Weile, etwa dreier Speerl\u00e4ngen weit, bis ihr die Ohnmacht zuging von der schweren Last.<\/p>\n\n\n\n<p>Da stieg der Ritter von ihr ab und sprach: \u00bbFrau, schnappt Ihr nach Luft? \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbO nein, Herr! \u00ab antwortete sie.<\/p>\n\n\n\n<p>Weiter sprach er: \u00bbDas ist ein sch\u00f6nes Feld, da k\u00f6nnt Ihr nun im Zelt (Schritt) gehen. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Sie sprach, indem sie auf H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen weiterkroch: \u00bbIch will es gern tun. Auf meines Vaters Hofe laufen viele Pferde, denen hab ich Zeltgang abgelernt. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbSo wollt Ihr alles tun, was ich will? \u00ab fragte der Ritter und sie gegen redete: \u00bbUnd wenn ich tausend Jahre leben sollte, so wollte ich tun, was Euch lieb ist! \u00ab Da hie\u00df er sie aufstehen und nahm sie sch\u00f6n an der Hand und f\u00fchrte sie sittsamlich heim in sein Schloss, wo seine Freunde versammelt waren, die gr\u00fc\u00dften sie ehrfurchtsvoll und geleiteten sie in ihr Zimmer. Das geschah mit gro\u00dfen Freuden, und die Frau war das allerliebste Weib, ehrbar und wohlerzogen, ohne List und Trug, treu, ruhig, mild, keine Tugend fehlte ihr. Ihre G\u00e4ste empfing sie freundlich und fr\u00f6hlich, und ohne Hass und Unwillen erf\u00fcllte sie, wie ein biederes Weib tun soll, die W\u00fcnsche ihres Eheherrn.<\/p>\n\n\n\n<p>Als nun sechs Wochen vergangen waren, fuhren der jungen Frau Vater und Mutter zu ihrer Tochter hin, zu sehn, wie es ihr ergehe und wie sie sich gehabe. Bald genug erfuhr die Mutter, was geschehen war, und wie ihre Tochter ihrem Manne gehorsamte, als sie diese zornig schalt und ihr zurief: \u00bbO \u00fcber dich unseliges Weib! Was ich sehen und h\u00f6ren muss, l\u00e4sst mich zweifeln, dass du mein Kind bist. Was? Du lassest deinen Mann deinen Meister sein? \u00ab Und dabei schlug die b\u00f6se Mutter die Tochter ins Gesicht und wo sie sonst hinkam und fiel ihr in die Haare und raufte sie, schlug und schalt und trieb einen schrecklichen Unfug.<\/p>\n\n\n\n<p>Die junge Frau weinte und schrie: \u00bbSeid Ihr hergekommen zu schelten, so wartet doch, bis Ihr die Ursache findet! Ich habe den allerbesten Mann, und er ist gut und bieder, wer aber seinen Willen nicht tut, dem geht er in seinem Zorn gleich ans Leben. Darum, Mutter, habt weisen Sinn und h\u00fctet Euch, Arges wider ihn zu sprechen, denn er ist so zornm\u00fctig, dass er alles, was seinem Willen entgegen ist, im Zorn richtet und vernichtet.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbHoho! Morgen ist auch noch ein Tag! \u00ab h\u00f6hnte die Mutter. \u00bbWie schlimm dein Mann sei, das macht mir den geringsten Kummer! Nicht ein Haar stark acht ich seiner! Du alberne Trine! Dir muss der Teufel durchs Hirn fahren, dass du wagst, mir, deiner Mutter, mit deinem Mann zu dr\u00e4uen! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbMutter, ich dr\u00e4ue Euch ja nicht! \u00ab verteidigte die Tochter sich. \u00bbIch sage Euch ja nur die Wahrheit; ich darf Euch doch wohl raten, meinen Mann zu gr\u00fc\u00dfen, denn wolltet Ihr ihm tun, wie meinem Vater, so zerbl\u00e4ut er Euch den R\u00fccken, und obschon Ihr nicht viel Haares mehr habt, ist&#8217;s dessen noch genug, dass er&#8217;s Euch ausrei\u00dft!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDas w\u00e4re ein Hauptwerk! \u00ab erwiderte b\u00f6se die Mutter. \u00bbIch f\u00fcrcht ihn nicht, und wenn er so gro\u00df wie ein Berg w\u00e4re; nicht mehr und nicht weniger f\u00fcrcht ich ihn wie deinen Vater! Was hat der ausgerichtet mit mir nun die zwanzig Jahre? Noch heute gebe ich ihm um kein Haar breit nach! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend dieser Schalkrede der \u00e4ltern Frau standen der Schw\u00e4her und der Tochtermann an einer heimlichen Stelle, wo sie jedes Wort h\u00f6rten, und der Alte sprach leise zu seinem Schwiegersohn: \u00bbIch bin inniglich froh, dass Ihr meiner Tochter starren Sinn bezwungen, und gern hinterlasse ich Euch und ihr mein Hab und Gut, wenn ich dahinfahre.\u00ab Der Schwiegersohn bedankte sich f\u00fcr die freundliche Gesinnung des Schw\u00e4hers, der dann wieder zu ihm sprach: \u00bbRatet mir doch, wie ich Eurer Schwieger tue, die mir allezeit widerstrebt und mir mein Leben so bitterlich verg\u00e4llt! W\u00e4re es nur zu machen, dass sie etwa ein Jahr vor ihrem Tode wenigstens von ihrer H\u00e4rte lie\u00dfe, so h\u00e4tte ich die sonderste Freude und all mein Leid ein Ende! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Darauf verhie\u00df der Schwiegersohn, die Schwiegermutter gut zu machen auf seine Weise, wenn der Schwiegervater ihm das nicht wehren wolle. Der sprach: \u00bbIch will Euch nichts verwehren, siedet oder bratet sie, so will ich noch Holz dazu tragen. \u00ab Der Ritter nahm alsbald heimlich vier flinke starke Knechte, verma\u00df sich gro\u00dfen Zorns und ging nach der Kemenate, wo noch die Alte sa\u00df und immerfort auf ihn und ihre Tochter schalt. Als sie ihn kommen sah, gr\u00fc\u00dfte sie ihn sp\u00f6ttisch: \u00bbSeid Gott willkommen, Herr Engelhart! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbSch\u00f6nsten Dank, Frau Schlechthart! \u00ab klang sein Gegengru\u00df, und dabei trat er fest an sie heran und sprach: \u00bbFrau, lasst Eure Unart, das bitt ich Euch, gegen Euern und meinen Herrn. Er sollte Euch ungez\u00e4hlte Schl\u00e4ge auf Euern R\u00fccken mit einer eichenen Elle zumessen, bis Euch so weh w\u00fcrde, dass Ihr ein gutes Weib w\u00fcrdet. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbEi! \u00ab sprach sie, \u00bbich h\u00f6re wohl, dass Ihr viele so erschlagen habt, lieber Herr Guguguk! Ich habe aber doch bisher noch Haut und Haar behalten, hoff es auch noch l\u00e4nger zu tragen! Was hab ich aber Euch getan? \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbIhr scheltet t\u00e4glich meinen Herrn, Euern Mann, und verleidet ihm sein eignes Haus! \u00ab antwortete der junge Ritter; sie war aber gleich mit der Gegenrede zur Hand: \u00bbIn meinem Hause hei\u00dfe ich Kratzmaus! Ich kann darin sein Meister sein, wie mein eigner, und es soll ihm Gott, so lang ich lebe, nun keinen einzigen guten Tag mehr geben! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbUnd gibt Gott mir Gl\u00fcck\u00ab, sprach der Schwiegersohn, \u00bbso acht ich, dass Ihr noch, ehe wir voneinander gehen, Eure b\u00f6sen R\u00e4nke und Schw\u00e4nke lasst. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDass es Euch nur nicht missgl\u00fccke! \u00ab rief sie, \u00bbsonst habt Ihr, so mir der gro\u00dfe Gott von Schaafhausen, nur Schande und Spott davon! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbIch wei\u00df, was Euch so irr und wirr und b\u00f6se macht\u00ab, nahm der Ritter wieder das Wort. \u00bbIhr habt zwei Zornbraten hier an jeder H\u00fcfte, davon kommt&#8217;s, dass Ihr so \u00fcble Sitte habt, wenn Euch die jemand ausschnitte, das w\u00e4re vortrefflich gut, denn Ihr w\u00fcrdet fr\u00f6hlicher als jemals eine Frau, und f\u00fcr Euern Mann w\u00e4r&#8217;s nicht minder gut.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbAch! Ich freue mich, dass Ihr so ein guter Arzt seid, lehrt doch Eure Kunst meiner Tochter! \u00ab war ihre Antwort. \u00bbHabt Ihr auch Bertram feil und Nieswurz? Ihr mischt wohl Beifuss zum Tranke? \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbHe! Euer Spott ist gro\u00df!\u00ab rief der Ritter, \u00bbaber er wird Euch gleich versalzen werden; sobald wir Eure Zornnieren und Zornbraten haben, so werdet Ihr besser und frommer als ein Kind werden!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbGenug mit Eurem Klaffen, Klaffer! \u00ab schalt die Frau. Da griffen aber die Knechte auf des Ritters Wink sie an, warfen sie nieder, und der Tochtermann wetzte ein gro\u00dfes scharfes Messer, das setzte er ihr an ihre H\u00fcfte und schnitt ihr durch Gewand und Hemde eine lange tiefe Wunde, dass ihr Hohnlachen ihr ganz verging; dann sprach er, indem er ein St\u00fcck Fleisch in ein Gef\u00e4\u00df warf: \u00bbSeht, Frau, Ihr seid manches Jahr ein schlimmes Weib gewesen, daran waren Eure Zornbraten Schuld, die kann ich Euch nicht l\u00e4nger lassen.\u00ab Sie aber lag traurig und schreiend: \u00bbDas wusste ich an mir selbst nicht, aber ich wei\u00df, welcher Teufel Ihr mich beraten habt! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbJa, Ihr habt noch einen Zornbraten\u00ab, sprach der Ritter, \u00bban Euerm andern Bein, der muss noch heraus! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbAch\u00ab, klagte sie fast weinend: \u00bbder ist ganz klein, der schadet mir nicht zu viel! Helfe mir Gott! Der, den Ihr schon ausgeschnitten habt, der war an allem Schaden Schuld. Ich bin alles Zornes ledig und will still sein, lasst nur den andern ungeschnitten. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da sprach die Tochter heiter zu ihrem Gatten: \u00bbBedenket wohl, was Ihr tut; ich f\u00fcrchte, wenn auch der andere Zornbraten nicht herf\u00fcrk\u00f6mmt, so ist die gro\u00dfe Arbeit an dem einen verloren, und am Ende bekommt der andere Zornbraten Junge, so Ihr den nicht auch ausschneidet.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbNein, nein, liebe Tochter! \u00ab rief die Mutter, \u00bbsprich ihm doch zu, dass er mich unversehrt lasse, ich will ja gut sein! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbFrau Mutter\u00ab, antwortete die junge Frau: \u00bbIhr gabt mir den Rat, wider meinen Mann zu streiten, ihm nicht untertan zu sein; darum und dass sie meinem Vater so \u00fcbel mitgespielt, schneidet nur ihren Zornbraten aus! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Und da griff der Ritter zum andere an, jene aber schrie\u00bbNein, nein! Es ist mehr als genug! Tochter, denke, dass ich dich unterm Herzen getragen, und gewinne mir Frieden von deinem Manne! Ich will beschw\u00f6ren, dass ich g\u00fctevoll leben will, und der milde und gerechte Gott beh\u00fcte mich vor Zorn. Den gro\u00dfen Zorn hat mir der Ritter schon genommen, und der kleine ist keines Eies wert zu achten! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWohl\u00ab, sprach der Ritter, \u00bbbegehrt sie Friedens, so lasse ich ab von ihr, doch gelobe sie zur Hand, dass, wenn sie den Zorn nicht meidet, sie sich aber will schneiden lassen. \u00ab Hierauf ward sie aufgehoben und ihre Wunde verbunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Und die Frau warf allen Krieg und Hader unter die F\u00fc\u00dfe, wurde ein gut sittig Weib, lie\u00df ab von ihrer b\u00f6sen Heftigkeit, und als der andere Tag kam, nahm sie Urlaub mit ihrem Mann von dem Schwiegersohn, und er w\u00fcnschte ihr, dass Gott sie bewahren m\u00f6ge vor allem \u00dcbel.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn sie nun nach der Hand dennoch noch manchmal etwa ein W\u00f6rtlein oder mehr zu ihrem Manne sprach, das ihm leid und unlieb war, so durfte er nur sagen: \u00bbIch kann mir nicht helfen, ich muss nach unserm Tochtermann senden\u00ab, so wurde sie rot vor Furcht und sprach: \u00bbEs ist nicht Not darum, sein Kommen w\u00e4re mir nicht zum Heile. Ich habe ja Mut und Sinn, zu tun, was Euch lieb ist, und rate auch allen Frauen, dass sie ihren M\u00e4nnern das entbieten, was ich jetzt dem meinen, so sie n\u00e4mlich in Frieden bestehen wollen. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Damit hat diese M\u00e4r ein Ende, und kann davon eine beliebige Nutzanwendung jeder Mann und jede Frau sich selbst machen. Der alte Dichter aber, der diese M\u00e4r erz\u00e4hlt, gibt noch folgenden Rat:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Wenn wer ein \u00fcbel Weib hat,<br>Der tu sich ihrer in Zeit ab,<br>Empfahl sie dem Ritter,<br>Und leg sie auf einen Schlitten,<br>Und kauf ihr ein B\u00e4stchen,<br>Und henk sie an ein \u00c4stchen.<br>Und henk dabei<br>Zwei W\u00f6lf oder drei.<br>Wer sah dann ein&#8217;n Galgen<br>Mit b\u00f6seren Balgen?<br>Es sei denn, dass wer den Teufel fing,<br>Und ihn auch dazwischen hing.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war einmal ein Ritter, der hatte neben vielem Geld und Gut ein b\u00f6ses Weib<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[90,85],"tags":[],"class_list":["post-5230","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ludwig-bechstein","category-maerchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5230","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5230"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5230\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5231,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5230\/revisions\/5231"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5230"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5230"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5230"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}