{"id":5203,"date":"2026-01-29T01:09:28","date_gmt":"2026-01-29T00:09:28","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5203"},"modified":"2026-01-29T01:10:13","modified_gmt":"2026-01-29T00:10:13","slug":"das-wunderschiff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/das-wunderschiff\/","title":{"rendered":"Das Wunderschiff"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Das Wunderschiff<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es war einmal ein reicher K\u00f6nig, der hatte die seltsamsten W\u00fcnsche. Eines Morgens befahl er: &#8222;Man baue mir ein Schiff, mit dem ich zu Wasser und zu Lande fahren kann!&#8220; Noch am selben Tage lie\u00df sein Kanzler im ganzen Reich durch Herolde verk\u00fcnden: &#8222;Wer es vermag, dem K\u00f6nig ein Schiff zu bauen, mit dem er zu Wasser und zu Lande fahren kann, der bekommt seine Tochter zur Frau und soll nach ihm K\u00f6nig werden!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Kunde h\u00f6rte auch ein reicher S\u00e4gm\u00fcller, der drei S\u00f6hne hatte. Er rief sie zu sich und sagte: &#8222;Ich will gern alles aufwenden, was ich habe. Versucht&#8217;s, ob einer von euch ein solches Schiff zuwege bringt!&#8220; Die S\u00f6hne waren gleich bereit dazu; als sie sich aber darum stritten, wer es mit dem Bau zuerst versuchen d\u00fcrfe, bestimmte der Vater, dass der \u00e4lteste den Anfang machen solle.<\/p>\n\n\n\n<p>Der zog auch gleich mit den Knechten hinaus in den Wald, um das n\u00f6tige Holz zum Schiffsbau zu f\u00e4llen. Sie hatten schon eine stattliche Anzahl Tannen gehauen, da kam ein alter Mann den Waldweg daher und bat um ein St\u00fcck Brot. Der junge S\u00e4gm\u00fcller aber sagte: &#8222;Ich habe nur Brot f\u00fcr mich und meine Leute und kann dir nichts abgeben!&#8220; &#8222;Was willst du denn da mit deinen Leuten machen?&#8220; fragte der Alte. &#8211; &#8222;Ein Schiff mit dem man zu Wasser und zu Lande fahren kann!&#8220; schnarrte ihn der Junge an. &#8211; &#8222;Das werdet ihr wohl bleiben lassen !&#8220; entgegnete der Mann und ging weiter. Und wie er gesagt hatte, so geschah es auch. Sie arbeiteten lange und konnten das Schiff doch nicht zustande bringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der \u00e4lteste Sohn unverrichteter Dinge nach Hause kam, zog der zweite aus. Die Sonne sank, und er wollte mit den Knechten gerade Feierabend machen, als wieder der alte Mann dahergestockt kam und um ein St\u00fcck Brot bat. &#8222;F\u00fcr fremde Leute haben wir kein Brot!&#8220; bekam er zur Antwort. Darauf fragte der Mann: &#8222;Was wollt ihr denn hier machen?&#8220; &#8211; &#8222;Ein Schiff das zu Wasser und zu Lande fahren kann!&#8220; &#8211; &#8222;Das werdet ihr wohl bleiben lassen!&#8220; sagte der Alte und ging weiter. Und er behielt recht. Auch der zweite Sohn musste nach vergeblicher M\u00fche wieder umkehren.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt kam die Reihe an Hans, den j\u00fcngsten. Er rief die Arbeiter zusammen, zog in den Wald hinaus und legte hurtig Hand ans Werk. Gegen Abend kam auch zu ihm der alte Mann und bat um ein St\u00fcckchen Brot. &#8211; &#8222;Gerne&#8220;, sagte Hans. &#8222;Setzt Euch nur her zu mir.&#8220; Und er reichte ihm Brot und K\u00e4se und f\u00fcllte ihm einen Becher mit Wein. Der Alte bedankte sich und fragte nach einer Weile : &#8222;Was wollt ihr denn da machen?&#8220; &#8211; &#8222;Ein Schiff, mit dem man zu Wasser und zu Lande fahren kann&#8220;, antwortete Hans. &#8211; &#8222;So, so&#8220;, sagte der Mann. &#8211; &#8222;Meine zwei Br\u00fcder haben es schon vor mir versucht, aber es ist ihnen nicht gelungen&#8220;, erz\u00e4hlte Hans. Der Alte nickte: &#8222;Ich wei\u00df es. Auch du w\u00fcrdest es nicht zuwege bringen. Weil du aber der beste von euch drei Br\u00fcdern bist, sollst du das Gl\u00fcck haben, die sch\u00f6ne K\u00f6nigstochter zu freien. Komm zu dieser Stunde \u00fcber drei Tage hierher an diesen Platz, so will ich dir das Schiff mitbringen. P\u00fcnktlich zur ausgemachten Stunde erschien der Alte und \u00fcbergab dem Hans das Wunderschiff, das zu Wasser und zu Lande fahren konnte. Wie staunte da der junge Bursche und kannte sich fast nicht mehr vor Freude. &#8222;Nun, steig ein!&#8220; sagte der Mann. &#8222;Und fahr mit Gl\u00fcck!&#8220; &#8211; Ehe Hans sich aber umsah, seinem Helfer zu danken, war der Fremde verschwunden. Da stieg er ins Schiff und machte sich ohne Aufenthalt auf den Weg in die Hauptstadt und zum Palaste des K\u00f6nigs.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie er so mit seinem Schiff \u00fcber Land und Wasser dahinsegelte, sah er vor einem Wald einen J\u00e4ger stehen. Der hatte das Gewehr angelegt und zielte ins Blaue hinein. Da hielt Hans sein Schiff an und fragte: &#8222;Wonach zielst du denn?&#8220; &#8211; Der J\u00e4ger sagte: &#8222;Ich will den Spatzen schie\u00dfen, der in dem Dorf hinterm Wald auf der Kirchturmspitze sitzt.&#8220; &#8211; Hans meinte: &#8222;Das ist doch nicht m\u00f6glich!&#8220; &#8211; Der Sch\u00fctze aber behauptete: &#8222;Mit diesem Gewehr kann ich auf vierhundert Stunden weit jeden Vogel treffen!&#8220; &#8211; &#8222;Willst du nicht mitfahren?&#8220; fragte Hans. &#8211; &#8222;Das m\u00f6chte ich schon gerne; aber ich habe kein Geld.&#8220; &#8211; &#8222;Das tut nichts!&#8220; sagte Hans. Da setzte sich der J\u00e4ger zu ihm in das Schiff und sie fuhren miteinander weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie waren noch nicht lange unterwegs, da trafen sie einen Mann, der hatte auf der rechten Seite ein ungeheuer langes Ohr. Es reichte bis auf den Boden. Hans hielt sein Schiff an und fragte den Mann: &#8222;Was f\u00e4ngst du denn mit deinem langen Ohr an?&#8220; &#8211; &#8222;Damit kann ich auf vierhundert Stunden weit alles h\u00f6ren, was gesprochen wird&#8220;, entgegnete er. &#8211; &#8222;Ei, so horeh einmal, was man im K\u00f6nigsschloss spricht!&#8220; sagte Hans. Da horchte der Langohr ein Weilchen hin und sagte: &#8222;Man spricht dort gerade von dem Wunsch des K\u00f6nigs, der ein Schiff haben will, das zu Wasser und zu Lande fahren kann. Aber die Minister sagen, es sei nicht m\u00f6glich, ein solches zu bauen.&#8220; &#8211; &#8222;Willst du nicht mitfahren?&#8220; fragte Hans. &#8222;Ja, das m\u00f6chte ich schon gerne, aber ich habe kein Geld.&#8220; &#8211; &#8222;Das tut nichts!&#8220; sagte Hans, lie\u00df ihn einsteigen und fuhr weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Bald begegneten sie wieder einem Mann; der hatte ganz gewaltig gro\u00dfe Stiefel an den F\u00fc\u00dfen. Hans hielt sein Schiff an und fragte ihn: &#8222;Was machst du denn mit den gro\u00dfen Stiefeln?&#8220; &#8211; Der Mann antwortete: &#8222;In diesen Stiefeln komme ich schneller voran als der Wind!&#8220; &#8211; &#8222;Ei, willst du nicht mitfahren?&#8220; fragte Hans. &#8211; &#8222;Dazu h\u00e4tte ich schon Lust, aber ich habe kein Geld, um die Fahrt zu bezahlen.&#8220; &#8211; &#8222;Das tut nichts!&#8220; sagte Hans, und so fuhr der Schnell-L\u00e4ufer auch mit.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber eine Weile sahen sie noch einen vierten Mann am Wege stehen. Dem ragte ein gro\u00dfer Holzzapfen aus seinem Hosenboden. Dar\u00fcber wunderte sich Hans sehr und hielt darum sein Schiff an. Er fragte den Mann: &#8222;Warum hast du dahinten einen Zapfen stecken?&#8220; &#8211; &#8222;Das hat seinen guten Grund&#8220;, antwortete der Mann; &#8222;denn wenn ich den Zapfen herausziehen w\u00fcrde, k\u00f6nnte ich das ganze K\u00f6nigreich voll machen!&#8220; &#8211; &#8222;Ei!&#8220; sagte Hans, &#8222;willst du nicht mitfahren?&#8220; &#8211; &#8222;Ich m\u00f6chte schon&#8220;, antwortete der Mann, &#8222;aber ich habe kein Geld und ich brauche auch sehr viel zu essen.&#8220; &#8211; &#8222;Das tut nichts!&#8220; sagte Hans. &#8222;Fahr nur mit!&#8220; So stieg auch der Zapfenmann ins Schiff und fuhr mit an den K\u00f6nigshof.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Hans vor dem Schloss ankam, \u00fcbergab er das Schiff mit den vier M\u00e4nnern der Obhut der Wache und ging geradeswegs zum K\u00f6nig. Er verbeugte sich h\u00f6flich und sprach: &#8222;Herr K\u00f6nig, drunten habe ich ein Schiff, das zu Wasser und zu Lande fahren kann!&#8220; Da fragte der K\u00f6nig: &#8222;Hast du es auch selbst gemacht?&#8220; &#8211; &#8222;Ja!&#8220; sagte Hans. &#8222;So s\u00e4ge einmal ein St\u00fcck aus dem Schiff heraus und setze es dann wieder ein!&#8220; gebot der K\u00f6nig. Da sagte Hans: &#8222;Ich habe ein ganzes und heiles Schiff gebaut; warum soll ich`s mutwillig zerst\u00f6ren und hernach wieder flicken? Das tu ich nicht!&#8220; Als der K\u00f6nig den Hans auf diese Art nicht loswerden konnte, lie\u00df er seinen Kanzler kommen und beriet mit ihm, was hier zu machen sei. Denn er meinte, diesem dummen Burschen k\u00f6nne er doch nicht seine Tochter zur Frau geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Der schlug ihm vor: &#8222;Stellt ihm eine unl\u00f6sbare Aufgabe; sagt, dass Ihr ihm Tochter und Reich erst abtreten k\u00f6nnt, wenn er auch diesen Auftrag erf\u00fcllt habe.&#8220; &#8211; &#8222;Und welches, meinst du, w\u00e4re diese unl\u00f6sbare Aufgabe?&#8220; fragte der K\u00f6nig. &#8211; &#8222;Schickt ihn nach dem Brunnen, der dreihundertf\u00fcnfzig Stunden von hier liegt, er soll daraus binnen drei Stunden einen Krug Wasser holen. Ich denke, das wird der Hans wohl bleiben lassen!&#8220; Dieser Rat gefiel dem K\u00f6nig. Er lie\u00df Hans zu sich rufen und sagte: &#8222;H\u00f6re einmal, du musst mir erst noch einen Krug Wasser aus dem Brunnen an der Grenze meines Reiches holen. Bist du in drei Stunden wieder hier, so sollst du meine Tochter bekommen und K\u00f6nig werden.&#8220; &#8211; &#8222;Soll geschehen!&#8220; sagte Hans und eilte zu seinem Schiff und seinen Leuten.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Zieh schnell deine gro\u00dfen Stiefel an!&#8220; rief er dem Schnell-L\u00e4ufer zu und fuhr ihn \u00fcbers Wasser. Der Schnelll\u00e4ufer flog wie der Wind zum Brunnen, f\u00fcllte daraus den Krug und wollte sich gleich wieder auf den R\u00fcckweg machen. Dann dachte er aber: &#8222;Du hast ja noch Zeit und kannst dich erst ein wenig ausruhen&#8220;, legte sich unter einen Baum und schlief ein. Zwei Stunden waren schon vergangen, und Hans stand auf seinem Schiff und wartete und wartete; doch der L\u00e4ufer kam nicht. Da sagte Hans zu dem Langohr: &#8222;Horch doch einmal hin, wo der L\u00e4ufer steckt!&#8220; Der Langohr legte sein Ohr an die Erde und lauschte eine Weile. &#8222;Der ist bei dem Brunnen eingeschlafen, ich h\u00f6re ihn dort schnarchen!&#8220; sagte er. Da nahm der Scharfsch\u00fctze seine B\u00fcchse, lud einen Kieselstein hinein und schoss ihn dem Schl\u00e4fer so dicht am Kopf vorbei, dass es nur so pfiff. Davon erwachte der Schnell-L\u00e4ufer, lief weiter und kam gerade noch zur rechten Zeit mit seinem Krug Wasser an.<\/p>\n\n\n\n<p>Hans brachte ihn dem K\u00f6nig und verlangte nun seine Tochter und das K\u00f6nigreich. Nun war der K\u00f6nig wieder in Not, denn er hatte nicht gedacht, dass Hans das Wasser aus dem fernen Brunnen so schnell herbeischaffen k\u00f6nnte. Weil er aber gar keinen Ausweg mehr wusste, fragte er endlich den Hans: &#8222;Ist es dir nicht einerlei, wenn ich dir anstatt der Prinzessin und meinem Reich Gold gebe?&#8220; Hans sagte: &#8222;Mir kann es gleich sein. Aber ich will so viel Gold, als mein Schiff tragen kann.&#8220; Der K\u00f6nig sagte ihm dies zu, lie\u00df aber sogleich wieder seinen Kanzler rufen und sprach: &#8222;Sobald der Hans weggefahren ist, soll ihm ein halbes Regiment roter Husaren nachreiten und ihm das Gold wieder abnehmen!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Nun wurde von den Dienern des K\u00f6nigs eine Tonne Gold nach der andern auf das Schiff gebracht. Als es voll beladen war, trat Hans mit seinen Gehilfen die R\u00fcckreise an. W\u00e4hrend sie zum Stadttor hinausfuhren, sagte Hans zum Langohr: &#8222;Horche einmal, was sie jetzt im Schloss sprechen!&#8220; Da horchte er auf und sagte: &#8222;Der K\u00f6nig schickt soeben ein halbes Regiment rote Husaren aus, die sollen dir das Gold wieder abnehmen und dem K\u00f6nig zur\u00fcckbringen. &#8220; Es dauerte auch nicht lange, da kamen die Rotjacken dahergesprengt. Als sie nahe genug waren, sagte Hans zum Zapfenmann: &#8222;Was meinst du, nun k\u00f6nntest du einmal den Husaren deine hintere Seite zeigen und den Zapfen herausziehen!&#8220; Der war mit Freuden bereit dazu. Er zog den Zapfen heraus &#8211; und da ging`s wie aus einer Feuerspritze auf die roten Husaren los, dass sie gar nicht wussten, was ihnen geschah. Als sie aber alle so \u00fcbel zugerichtet waren, dass sie`s nicht mehr l\u00e4nger aushalten konnten, wandten sie ihre Pferde um und ritten so schnell sie konnten aufs Schloss zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der K\u00f6nig sie zur\u00fcckkommen sah und h\u00f6rte, dass sie dem Hans das Gold nicht abgenommen hatten, wurde er sehr zornig und sprach: &#8222;Das habe ich schon zum voraus gewusst, dass die gelben Husaren nichts ausrichten w\u00fcrden! Deshalb habe ich ausdr\u00fccklich die roten dazu bestimmt! Aber so geht`s, wenn meine Befehle nicht p\u00fcnktlich ausgef\u00fchrt werden!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Unterdessen segelte Hans mit seinen Gef\u00e4hrten ungest\u00f6rt der Heimat zu und gab jedem seinen Teil von dem Golde, so dass sie alle mehr bekamen, als sie jemals in ihrem Leben verbrauchen konnten.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war einmal ein reicher K\u00f6nig, der hatte die seltsamsten W\u00fcnsche. 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