{"id":5195,"date":"2026-01-29T00:50:56","date_gmt":"2026-01-28T23:50:56","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5195"},"modified":"2026-01-29T00:50:57","modified_gmt":"2026-01-28T23:50:57","slug":"die-alte-strassenlaterne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-alte-strassenlaterne\/","title":{"rendered":"Die alte Stra\u00dfenlaterne"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Die alte Stra\u00dfenlaterne<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Hans Christian Andersen<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Hast du die Geschichte von der alten Stra\u00dfenlaterne geh\u00f6rt? Sie ist gar nicht sehr belustigend, doch einmal kann man sie wohl h\u00f6ren. Es war eine gute, alte Stra\u00dfenlaterne, die viele, viele Jahre gedient hatte, aber jetzt entfernt werden sollte. Es war der letzte Abend, an dem sie auf dem Pfahle sa\u00df und in der Stra\u00dfe leuchtete, und es war ihr zumute wie einer alten T\u00e4nzerin, die den letzten Abend tanzt und wei\u00df, dass sie morgen vergessen in der Bodenkammer sitzt. Die Laterne hatte Furcht vor dem morgigen Tage, denn sie wusste, dass sie dann zum ersten Mal auf das Rathaus kommen und von dem hochl\u00f6blichen Rat beurteilt werden sollte, ob sie noch tauglich oder unbrauchbar sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Da sollte bestimmt werden, ob sie nach einer der Br\u00fccken hinausgeschickt werden k\u00f6nne, um dort zu leuchten, oder auf das Land in eine Fabrik; vielleicht sollte sie geradezu in eine Eisengie\u00dferei kommen und umgeschmolzen werden. Dann konnte freilich alles aus ihr werden, aber es peinigte sie, dass sie nicht wusste, ob sie dann die Erinnerung daran behalten w\u00fcrde, dass sie eine Stra\u00dfenlaterne gewesen war.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie es nun auch werden mochte, so werde sie doch vom W\u00e4chter und seiner Frau getrennt werden, die sie ganz wie ihre Familie betrachteten. Sie wurde zur Laterne, als er W\u00e4chter wurde. Damals war die Frau sehr vornehm, und wenn sie des Abends an der Laterne vor\u00fcberging, blickte sie diese an, am Tage aber nie. Dagegen in den letzten Jahren, als sie alle drei, der W\u00e4chter, seine Frau und die Laterne, alt geworden waren, hatte die Frau sie auch gepflegt, die Lampe abgeputzt und \u00d6l eingegossen. Es war ein ehrliches Ehepaar, sie hatten die Lampe um keinen Tropfen betrogen. Es war der letzte Abend auf der Stra\u00dfe, und morgen sollte sie auf das Rathaus; das waren zwei finstere Gedanken f\u00fcr die Laterne, und so kann man wohl denken, wie sie brannte. Aber es kamen ihr noch andere Gedanken; sie hatte vieles gesehen, vieles beleuchtet, vielleicht ebenso viel wie der &#8218;hochl\u00f6bliche Rat&#8216;, aber das sagte sie nicht, denn sie war eine alte, ehrliche Laterne, sie wollte niemand erz\u00fcrnen, am wenigsten ihre Obrigkeit. Es fiel ihr vieles ein, und mitunter flackerte die Flamme in ihr auf, es war, als ob ein Gef\u00fchl ihr sagte: &#8218;Ja, man wird sich auch meiner erinnern!&#8216; So war da der h\u00fcbsche, junge Mann \u2013 ja, das ist viele Jahre her; er kam mit einem Briefe, der war auf rosenrotem Papier, fein und mit goldenem Schnitt, er war niedlich geschrieben, es war eine Damenhand.<\/p>\n\n\n\n<p>Er las ihn zweimal und k\u00fcsste ihn und blickte mit seinen beiden Augen zu mir empor und sagte: \u00bbIch bin der gl\u00fccklichste Mensch! \u00ab \u2013 Nur er und ich wussten, was im ersten Brief von der Geliebten stand. \u2013 Ich entsinne mich auch zweier anderer Augen; es ist merkw\u00fcrdig, wie man mit den Gedanken springen kann! \u2013 Hier in der Stra\u00dfe fand ein pr\u00e4chtiges Begr\u00e4bnis statt, die junge, h\u00fcbsche Frau lag im Sarge auf dem mit Samt \u00fcberzogenen Leichenwagen. Da prangten so viele Blumen und Kr\u00e4nze, da leuchteten so viele Fackeln, dass ich dabei ganz verschwand. Der ganze B\u00fcrgersteig war mit Menschen angef\u00fcllt, sie folgten alle dem Leichenzug, als aber die Fackeln verschwunden waren und ich mich umsah, stand hier noch einer am Pfahl und weinte, ich vergesse nie die beiden Augen voll Trauer, die gegen mich aufblickten!<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Gedanken durchkreuzten so die alte Stra\u00dfenlaterne, die an diesem Abend zum letzten Mal leuchtete. Die Schildwache, die abgel\u00f6st wird, kennt doch ihren Nachfolger und kann ihm ein paar Worte sagen, aber die Laterne kannte den ihrigen nicht, und doch h\u00e4tte sie ihm einen oder den andern Wink \u00fcber Regen und Schnee, wie weit der Mondschein auf dem B\u00fcrgersteig gehe und von welcher Seite der Wind blies, geben k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Rinnsteinbrette standen drei, die sich der Laterne vorgestellt hatten, indem sie glaubten, dass diese es sei, die das Amt zu vergeben habe. Der eine davon war ein Heringskopf, denn auch ein solcher leuchtet im Dunkeln, und daher meinte er, es w\u00fcrde eine gro\u00dfe \u00d6lersparnis sein, wenn er auf den Laternenpfahl k\u00e4me. Der zweite war ein St\u00fcck faulen Holzes, das auch leuchtete, und \u00fcberdies war es das letzte St\u00fcck von einem Baume, der einst die Zierde des Waldes gewesen war. Der dritte war ein Johanniswurm. Woher der gekommen, begriff die Laterne nicht, aber der Wurm war da und leuchtete auch. Aber das faule Holz und der Heringskopf beschworen, dass er nur zu gewissen Zeiten leuchte und dass er deshalb nie ber\u00fccksichtigt werden k\u00f6nne.<\/p>\n\n\n\n<p>Die alte Laterne sagte, dass keiner von ihnen genug leuchte, um Stra\u00dfenlaterne zu sein, aber das glaubte nun keiner von ihnen, und als sie h\u00f6rten, dass die Laterne selbst die Anstellung nicht zu vergeben habe, so sagten sie, dass das h\u00f6chst erfreulich sei, denn sie sei schon gar zu hinf\u00e4llig, um noch w\u00e4hlen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig kam der Wind von der Stra\u00dfenecke, er sauste durch den Schornstein der alten Laterne. \u00bbWas h\u00f6re ich! \u00ab sagte er zu ihr, \u00bbdu willst morgen fort? Ist dieses der letzte Abend, an dem ich dich hier treffe? Ja, dann mache ich dir ein Geschenk; nun erfrische ich deinen Verstandeskasten, so dass du klar und deutlich dich nicht allein dessen entsinnen kannst, was du geh\u00f6rt und gesehen hast, sondern wenn etwas in deiner Gegenwart erz\u00e4hlt oder gelesen wird, so sollst du so hellsehend sein, dass du alles auch siehst!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDas ist viel! \u00ab sagte die alte Stra\u00dfenlaterne, \u00bbmeinen besten Dank! Wenn ich nur nicht umgegossen werde! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDas geschieht noch nicht! \u00ab sagte der Wind, \u00bbund nun erfrische ich dir dein Ged\u00e4chtnis. Kannst du mehr derartige Geschenke erhalten, so wirst du ein recht frohes Alter haben! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWenn ich nur nicht umgeschmolzen werde! \u00ab sagte die Laterne, \u00bbOder kannst du mir dann auch das Ged\u00e4chtnis sichern? \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbAlte Laterne, sei vern\u00fcnftig! \u00ab sagte der Wind, und dann wehte er. Gleichzeitig kam der Mond hervor.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWas geben Sie? \u00ab fragte der Wind.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbIch gebe gar nichts! \u00ab sagte dieser, \u00bbich bin ja am Abnehmen, und die Laternen haben mir nie, sondern ich habe den Laternen geleuchtet. \u00ab Darauf ging der Mond wieder hinter die Wolken, denn er mochte sich nicht qu\u00e4len lassen. Da fiel ein Wassertropfen wie von einer Dachtraufe gerade auf den Schornstein, aber der Tropfen sagte, er komme aus den grauen Wolken und sei auch ein Geschenk, vielleicht das allerbeste. \u00bbIch durchdringe dich so, dass du die F\u00e4higkeit erh\u00e4ltst, in einer Nacht, wenn du es w\u00fcnschest, dich in Rost zu verwandeln, so dass du ganz zusammenf\u00e4llst und zu Staub wirst. \u00ab Aber der Laterne schien das ein schlechtes Geschenk zu sein, und der Wind meinte es auch. \u00bbGibt es nichts Besseres, gibt es nichts Besseres?\u00ab blies er, so laut er konnte; da fiel eine gl\u00e4nzende Sternschnuppe, sie leuchtete in einem langen Streifen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWas war das? \u00ab rief der Heringskopf. \u00bbFiel da nicht ein Stein gerade herab? Ich glaube, er fuhr in die Laterne! \u2013 Nun, wird das Amt auch von so Hochstehenden gesucht, dann k\u00f6nnen wir uns zur Ruhe begeben! \u00ab Und das tat er und die andern mit. Aber die alte Laterne leuchtete auf einmal wunderbar stark. \u00bbDas war ein herrliches Geschenk! \u00ab sagte sie. \u00bbDie klaren Sterne, \u00fcber die ich mich immer so sehr gefreut habe und die so herrlich scheinen, wie ich eigentlich nie habe leuchten k\u00f6nnen, obgleich es mein ganzes Streben und Trachten war, haben mich arme Laterne beachtet! Sie schickten mir einen davon mit einem Geschenk herab, das in der F\u00e4higkeit besteht, dass alles, dessen ich mich entsinne und das ich recht deutlich erblicken auch von denjenigen gesehen werden kann, die ich liebe. Das ist erst das wahre Vergn\u00fcgen, denn wenn man es nicht mit andern teilen kann, so ist es nur eine halbe Freude! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDas ist recht ehrenwert gedacht! \u00ab sagte der Wind, \u00bbaber du wei\u00dft noch nicht, dass dazu Wachslichter geh\u00f6ren. Wenn nicht ein Wachslicht in dir angez\u00fcndet wird, kann keiner der andern etwas bei dir erblicken. Das haben die Sterne nicht gedacht, sie glauben, dass alles, was leuchtet, wenigstens ein Wachslicht in sich hat. Aber jetzt bin ich m\u00fcde\u00ab, sagte der Wind, \u00bbnun will ich mich legen! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann legte er sich.<\/p>\n\n\n\n<p>Am folgenden Tage \u2013 ja, den folgenden Tag k\u00f6nnen wir \u00fcberspringen \u2013 am folgenden Abend lag die Laterne im Lehnstuhl, und wo? \u2013 Bei dem alten W\u00e4chter. Vom hochl\u00f6blichen Rat hatte er sich f\u00fcr seine langen, treuen Dienste erbeten, die alte Laterne behalten zu d\u00fcrfen. Sie lachten \u00fcber ihn, und dann lie\u00dfen sie ihm den Willen, und dann lag die Laterne im Lehnstuhl dicht bei dem warmen Ofen. Es war, als ob sie dadurch gr\u00f6\u00dfer geworden w\u00e4re, sie f\u00fcllte fast den ganzen Stuhl aus. Die alten Leute sa\u00dfen schon beim Abendbrot und warfen der alten Laterne, der sie gern einen Platz am Tische einger\u00e4umt h\u00e4tten, freundliche Blicke zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie wohnten zwar in einem Keller, zwei Ellen tief unter der Erde, man musste \u00fcber einen gepflasterten Flur, um zur Stube zu gelangen, aber warm war es darin, denn sie hatten Tuchleisten um die T\u00fcr genagelt. Rein und niedlich sah es hier aus, Vorh\u00e4nge um die Bettstellen und \u00fcber den kleinen Fenstern, wo da oben auf dem Fensterbrette zwei sonderbare Blument\u00f6pfe standen. Der Matrose Christian hatte sie von Ost- und Westindien mit nach Hause gebracht; es waren zwei Elefanten von Ton, denen der R\u00fccken fehlte, aber an dessen Stelle wuchsen aus der Erde, die hineingelegt war, in dem einen der sch\u00f6nste Schnittlauch, das war der K\u00fcchengarten der alten Leute, und in dem anderen ein gro\u00dfes, bl\u00fchendes Geranium, das war ihr Blumengarten.<\/p>\n\n\n\n<p>An der Wand hing ein gro\u00dfes, buntes Bild, &#8218;Die F\u00fcrstenversammlung zu Wien&#8216;, da besa\u00dfen sie alle Kaiser und K\u00f6nige auf einmal! Eine Schwarzw\u00e4lder Uhr mit den schweren Bleigewichten &#8218;tick-tack!&#8216; ging immer zu schnell; aber das sei besser, als wenn sie zu langsam ginge, meinten die alten Leute. Sie verzehrten ihr Abendbrot, und die alte Stra\u00dfenlaterne lag, wie gesagt, im Lehnstuhl dicht bei dem warmen Ofen. Der Laterne kam es vor, als w\u00e4re die ganze Welt umgekehrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Als aber der W\u00e4chter sie anblickte und davon sprach, was sie beide miteinander erlebt hatten in Regen und Schneegest\u00f6ber, in den hellen, kurzen Sommern\u00e4chten und wenn der Schnee trieb, so dass es ihm wohltat, wieder in den Keller zu gelangen, da war f\u00fcr die alte Laterne wieder alles in Ordnung, denn wovon er sprach, das erblickte sie, als ob es noch immer da w\u00e4re. Ja, der Wind hatte sie inwendig wahrlich gut erleuchtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie waren flei\u00dfig und flink, die alten Leute, keine Stunde waren sie unt\u00e4tig. Am Sonntagnachmittag kam das eine oder andere Buch zum Vorschein, gew\u00f6hnlich eine Reisebeschreibung, und der alte Mann las laut von Afrika, von den gro\u00dfen W\u00e4ldern und Elefanten, die da wild umherliefen, und die alte Frau horchte auf und blickte dann verstohlen nach den Tonelefanten hin, die Blument\u00f6pfe waren!<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbIch kann es mir beinahe denken! \u00ab sagte sie. Die Laterne w\u00fcnschte dann sehnlichst, dass ein Wachslicht da w\u00e4re, damit es angez\u00fcndet werde und in ihr brenne, dann sollte die Frau alles genau so sehen, wie die Laterne es erblickte, die hohen B\u00e4ume, die dicht ineinander verschlungenen Zweige, die schwarzen Menschen zu Pferde und ganze Scharen von Elefanten, die mit ihren breiten F\u00fc\u00dfen Rohr und B\u00fcsche zermalmten.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWas helfen mir alle meine F\u00e4higkeiten, wenn kein Wachslicht da ist! \u00ab seufzte die Laterne, \u00bbSie haben nur \u00d6l und Talglichte, und das ist nicht genug! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Eines Tages kam ein ganzer Bund Wachslichtst\u00fcckchen in den Keller, die gr\u00f6\u00dften St\u00fccke wurden gebrannt, und die kleineren brauchte die alte Frau, um ihren Zwirn damit zu wachsen, wenn sie n\u00e4hte. Wachslicht war nun da, aber es fiel den beiden Alten nicht ein, davon ein St\u00fcck in die Laterne zu setzen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbHier stehe ich mit meinen seltenen F\u00e4higkeiten! \u00ab sagte die Laterne; \u00bbich habe alles in mir, aber ich kann es nicht mit ihnen teilen. Sie wissen nicht, dass ich die wei\u00dfen W\u00e4nde in die sch\u00f6nsten Tapeten, in reiche W\u00e4lder, in alles, was sie sich w\u00fcnschen wollen, verwandeln kann! \u2013 Sie wissen es nicht! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Die Laterne stand \u00fcbrigens gescheuert und sauber in einem Winkel, wo sie jederzeit in die Augen fiel; die Leute sagten zwar, dass es nur ein altes Ger\u00fcmpel sei, aber daran kehrten sich die Alten nicht, sie liebten die Laterne.<\/p>\n\n\n\n<p>Eines Tages, es war des alten W\u00e4chters Geburtstag, kam die alte Frau zur Laterne hin, l\u00e4chelte und sagte: \u00bbich will die Stube heute f\u00fcr ihn gl\u00e4nzend beleuchten! \u00ab Und die Laterne knarrte im Schornstein, denn sie dachte: &#8218;Jetzt wird ihnen ein Licht aufgehen!&#8216; Aber da kam \u00d6l und kein Wachslicht, sie brannte den ganzen Abend, wusste aber nun, dass die Gabe der Sterne, die beste Gabe von allen, f\u00fcr dieses Leben ein toter Schatz bleiben werde.<\/p>\n\n\n\n<p>Da tr\u00e4umte sie \u2013 und wenn man solche F\u00e4higkeiten hat, kann man wohl tr\u00e4umen \u2013, dass sie selbst zum Eisengie\u00dfer gekommen und umgeschmolzen werden sollte. Sie war ebenso in Furcht, als da sie auf das Rathaus kommen und von dem &#8218;hochl\u00f6blichen Rat&#8216; beurteilt werden sollte; aber obgleich sie die F\u00e4higkeit besa\u00df, in Rost und Staub zu zerfallen, sobald sie es w\u00fcnschte, so tat sie das doch nicht, und dann kam sie in den Schmelzofen und wurde zum sch\u00f6nsten eisernen Leuchter, in den man ein Wachslicht stellt; er hatte die Form eines Engels, der einen Blumenstrau\u00df trug. Mitten in den Strau\u00df wurde das Wachslicht gestellt, und der Leuchter erhielt seinen Platz auf einem gr\u00fcnen Schreibtisch. Das Zimmer war behaglich, da standen viele B\u00fccher, da hingen herrliche Bilder, es war die Wohnung eines Dichters, und alles, was er sagte und schrieb, zeigte sich ringsherum. Das Zimmer wurde zu tiefen, dunklen W\u00e4ldern, zu sonnenbeleuchteten Wiesen, wo der Storch umher stolzierte, und zum Schiffsverdeck hoch auf dem wogenden Meere!<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWelche F\u00e4higkeiten besitze ich! \u00ab sagte die alte Laterne, indem sie erwachte. \u00bbFast m\u00f6chte ich mich danach sehnen, umgeschmolzen zu werden! \u2013 Doch nein, das darf nicht geschehen, solange die alten Leute leben! Sie lieben mich meiner Person wegen! Ich bin ihnen ja an Kindes Statt, sie haben mich gescheuert und haben mir \u00d6l gegeben; und ich habe es ebenso gut wie das Bild, das doch so etwas Vornehmes ist! \u00ab Von dieser Zeit an hatte sie mehr innere Ruhe, und das verdiente die ehrliche, alte Stra\u00dfenlaterne.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hast du die Geschichte von der alten Stra\u00dfenlaterne geh\u00f6rt? 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