{"id":519,"date":"2015-10-13T00:36:27","date_gmt":"2015-10-12T22:36:27","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=519"},"modified":"2025-12-28T03:53:20","modified_gmt":"2025-12-28T02:53:20","slug":"vogel-holgott-und-vogel-mosam","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/vogel-holgott-und-vogel-mosam\/","title":{"rendered":"Vogel Holgott und Vogel Mosam"},"content":{"rendered":"<p>Ludwig Bechstein<br \/>\n<!--more--><br \/>\nIn einen See str\u00f6mten lustige B\u00e4che, und er war voll Fische und war gelegen in einsamer Gegend, dahin weder Menschen kamen noch Fischreiher und andere Fische fressende V\u00f6gel vom Meere her. Diesen See entdeckte ein bejahrter Vogel, der hie\u00df Holgott und war vom Geschlecht der Fischadler, und es gefiel ihm die angenehme Lage, die friedsame Stille rings um den See und die Reichlichkeit der Nahrung. Da gedachte er bei sich selbst: hierher willst du ziehen mit deinem Weib und allen den Deinen, denn hier finden wir genug an allem, was wir bed\u00fcrfen, hier ist niemand mir widerw\u00e4rtig und entgegen, und meine Kinder m\u00f6gen dies Gebiet, wenn wir tot sind, als ein sch\u00f6nes Erbe innehaben. Nun hatte Vogel Holgott ein Weib, die sa\u00df daheim im Nest auf ihren Eiern, die nahe daran waren ausgebr\u00fctet zu sein, und dieses Weibchen hatte einen lieben Freund, auch einen Vogel, der hie\u00df Mosam. Dieser Freund war ihr so lieb, da\u00df ihr nicht Trank und nicht Speise schmeckte, wenn er nicht um sie war, und ohne ihn hatte sie kein Vergn\u00fcgen oder Kurzweile.<br \/>\nAls nun ihr Mann seinen Ratschlag und Beschluss entdeckte, in jene sch\u00f6ne Gegend zu ziehen, aber ihr hart verbot, dem Freund Mosam davon zu sagen, so war das ihr au\u00dferordentlich leid, und sie sann auf F\u00fcnde und R\u00e4nke, wie sie diesem ihres Mannes Vorhaben heimlich stecken k\u00f6nne, ohne da\u00df dieser es merke. Und da sagte sie zu ihrem Mann: &#8222;Siehe, mein teurer Holgott, nun werden unsere Jungen bald ausschl\u00fcpfen, und da ist mir eine Arznei verraten worden, sie f\u00fcr die Jungen zu brauchen, wenn sie auskriechen, da\u00df ihnen ihr Gefieder stark und fest w\u00e4chst: auch beh\u00fctet diese Arznei sie lebensl\u00e4nglich vor b\u00f6sen Zuf\u00e4llen, diese Arznei nun m\u00f6chte ich gern holen, so du mir das gestattest und es dir gef\u00e4llig w\u00e4re!&#8220; &#8222;Was ist das f\u00fcr ein Arcanum?&#8220; fragte Vogel Holgott, und die Frau erwiderte: &#8222;Das ist ein Fisch in einem See, der um eine Insel flie\u00dft, den niemand wei\u00df als ich und der, welcher es mir verraten. Darum rate und bitte ich dich, setze dich an meiner Statt auf die Eier und br\u00fcte, so will ich indes den Fisch holen oder zwei, und wir wollen sie dann mitnehmen in den neuen Aufenthalt, den du uns erw\u00e4hlt hast.&#8220;<br \/>\nDarauf entgegnete der Mann: &#8222;Nicht ziemt es den Vern\u00fcnftigen, alles zu versuchen, was der erste beste Arzt ihm r\u00e4t; denn manche raten Dinge uns an, die zu erlangen unm\u00f6glich sind. Was frommt das Unschlitt des L\u00f6wen wohl dem Kranken oder der Nattern Gift? Soll einer darum den L\u00f6wen bestehen und die Nattern in ihrer H\u00f6hle besuchen und in die Gefahr selbsteigenen Todes sich wagen, auf eines Arztes Rat? Lass ab, o Frau, von deinem t\u00f6richten Vorhaben und las uns an jenen Ort ziehen, w\u00e4hrend unsere Jungen hier bleiben; dort findet du Fische mancherlei Art, vielleicht auch jene heilsamen, und die wei\u00df niemand dann, au\u00dfer uns. Wer an besorglicher gefahrvoller St\u00e4tte sein Heilkraut sucht, dem m\u00f6chte es ergehen, wie es dem alten Affen erging.&#8220; &#8211; &#8222;Wie erging es diesem?&#8220; fragte das Vogelweibchen, und Vogel Holgott erz\u00e4hlte:<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ludwig Bechstein<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[90,85],"tags":[],"class_list":["post-519","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ludwig-bechstein","category-maerchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/519","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=519"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/519\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":520,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/519\/revisions\/520"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=519"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=519"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=519"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}