{"id":5184,"date":"2026-01-28T03:27:00","date_gmt":"2026-01-28T02:27:00","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5184"},"modified":"2026-01-28T03:27:15","modified_gmt":"2026-01-28T02:27:15","slug":"die-stopfnadel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-stopfnadel\/","title":{"rendered":"Die Stopfnadel"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Die Stopfnadel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Hans Christian Andersen<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es war einmal eine Stopfnadel, die sich so fein d\u00fcnkte, dass sie sich einbildete, eine N\u00e4hnadel zu sein.<br>&#8222;Seht nur darauf, dass ihr mich haltet!&#8220; sagte die Stopfnadel zu den Fingern, die sie hervornahmen. &#8222;Verliert mich nicht! Falle ich hinunter, so ist es sehr die Frage, ob ich wieder gefunden werde, so fein bin ich!&#8220;<br>&#8222;Das geht noch an!&#8220; sagten die Finger und fassten sie um den Leib.<br>&#8222;Seht ihr, ich komme mit Gefolge!&#8220; sagte die Stopfnadel, und dann zog sie einen langen Faden nach sich, der aber keinen Knoten hatte.<br>Die Finger richteten die Stopfnadel gerade gegen den Pantoffel der K\u00f6chin, an dem das Oberleder abgeplatzt war und jetzt wieder zusammengen\u00e4ht werden sollte.<br>&#8222;Das ist eine gemeine Arbeit!&#8220; sagte die Stopfnadel, &#8222;ich komme nie hindurch, ich breche, ich breche!&#8220; \u2013 und da brach sie. &#8222;Habe ich es nicht gesagt?&#8220; seufzte die Stopfnadel, &#8222;ich bin zu fein!&#8220;<br>&#8222;Nun taugt sie nichts mehr&#8220;, meinten die Finger, aber sie mussten sie festhalten; die K\u00f6chin betr\u00f6pfelte sie mit Siegellack und steckte sie dann vorn in ihr Tuch.<br>&#8222;Sieh, jetzt bin ich eine Busennadel!&#8220; sagte die Stopfnadel. &#8222;lch wusste wohl, dass ich zu Ehren kommen werde; wenn man etwas wert ist, so wird man auch anerkannt.&#8220; Dann lachte sie innerlich, denn von au\u00dfen kann man es einer Stopfnadel niemals ansehen, dass sie lacht; da sa\u00df sie nun so stolz, als ob sie in einer Kutsche f\u00fchre, und sah sich nach allen Seiten um.<br>&#8222;Sind Sie von Gold?&#8220; fragte die Stecknadel, die ihre Nachbarin war. &#8222;Sie haben ein herrliches \u00c4u\u00dferes und Ihren eigenen Kopf, aber klein ist er! Sie m\u00fcssen danach trachten, dass er w\u00e4chst!&#8220; Und darauf hob sich die Stopfnadel so stolz in die H\u00f6he, dass sie aus dem Tuch in die Gosse fiel, gerade als die K\u00f6chin sp\u00fclte. &#8222;Nun gehen wir auf Reisen&#8220;, sagte die Stopfnadel; &#8222;wenn ich nur nicht dabei verlorengehe!&#8220;<br>Aber sie ging verloren. &#8222;Ich bin zu fein f\u00fcr diese Welt!&#8220; sagte sie, als sie im Rinnstein sa\u00df. &#8222;Ich habe ein gutes Bewusstsein, und das ist immer ein kleines Verm\u00f6gen!&#8220; Die Stopfnadel behielt Haltung und verlor ihre gute Laune nicht.<br>Es schwamm allerlei \u00fcber sie hin, Sp\u00e4ne, Stroh und St\u00fccke von Zeitungen. &#8222;Sieh, wie sie segeln!&#8220; sagte die Stopfnadel. &#8222;Sie wissen nicht, was unter ihnen steckt. Ich stecke, ich sitze hier. Sieh, da geht nun ein Span, der denkt an nichts in der Welt, ausgenommen an einen Span&#8220;, und das ist er selbst; da schwimmt ein Strohhalm, siehe, wie der sich schwenkt, wie der sich dreht! Denke nicht so viel an dich selbst, du k\u00f6nntest dich an einem Stein sto\u00dfen. Da schwimmt eine Zeitung! Vergessen ist, was darin steht, und doch macht sie sich breit! Ich sitze geduldig und still; ich wei\u00df, was ich bin, und das bleibe ich!&#8220;<br>Eines Tages lag etwas dicht neben ihr, was herrlich gl\u00e4nzte, und da glaubte die Stopfnadel, dass es ein Diamant sei, aber es war ein Glasscherben, und weil er gl\u00e4nzte, so redete die Stopfnadel ihn an und gab sich als Busennadel zu erkennen. &#8222;Sie sind wohl ein Diamant?&#8220; \u2013 &#8222;Ja, ich bin etwas der Art!&#8220; Und so glaubte eins vom andern, dass sie recht kostbar seien, und dann sprachen sie dar\u00fcber, wie hochm\u00fctig die Welt sei.<br>&#8222;Ja, ich habe in einer Schachtel bei einer Jungfrau gewohnt&#8220;, sagte die Stopfnadel, &#8222;und die Jungfrau war K\u00f6chin; sie hatte an jeder Hand f\u00fcnf Finger, aber etwas so Eingebildetes wie diese f\u00fcnf Finger habe ich noch nicht gekannt, und doch waren sie nur da, um mich zu halten, mich aus der Schachtel zu nehmen und mich in die Schachtel zu legen.&#8220;<br>&#8222;Gl\u00e4nzten sie denn?&#8220; fragte der Glasscherben.<br>&#8222;Gl\u00e4nzen!&#8220; sagte die Stopfnadel, &#8222;nein, aber hochm\u00fctig waren sie! Es waren f\u00fcnf Br\u00fcder, alle geborene Finger&#8220;, sie hielten sich stolz nebeneinander, obgleich sie von verschiedener L\u00e4nge waren. Der \u00e4u\u00dferste, der D\u00e4umling, war kurz und dick, er ging au\u00dfen vor dem Gliede her, und dann hatte er nur ein Gelenk im R\u00fccken, er konnte nur eine Verbeugung machen, aber er sagte, dass, wenn er von einem Menschen abgehauen w\u00fcrde, der dann zum Kriegsdienste untauglich sei. Der Topflecker kam in S\u00fc\u00dfes und Saures, zeigte nach Sonne und Mond, und er verursachte den Druck, wenn sie schrieben; der Langemann sah den andern \u00fcber den Kopf; der Goldrand ging mit einem Goldreif um den Leib, und der kleine Peter Spielmann tat gar nichts, und darauf war er stolz. Prahlerei war es, und Prahlerei blieb es! Und deshalb ging ich in die Gosse.&#8220;<br>&#8222;Nun sitzen wir hier und gl\u00e4nzen!&#8220; sagte der Glasscherben. Gleichzeitig kam mehr Wasser in den Rinnstein, es str\u00f6mte \u00fcber die Grenzen und riss den Glasscherben mit sich fort.<br>&#8222;Sieh, nun wurde der bef\u00f6rdert!&#8220; sagte die Stopfnadel. Ich bleibe sitzen, ich bin zu fein, aber das ist mein Stolz, und der ist achtungswert!&#8220; So sa\u00df sie stolz da und hatte viele Gedanken.<br>&#8222;Ich m\u00f6chte fast glauben, dass ich von einem Sonnenstrahl geboren bin, so fein bin ich! Kommt es mir doch auch vor, als ob die Sonne mich immer unter dem Wasser aufsuche. Ach, ich bin so fein, dass meine Mutter mich nicht auffinden kann. H\u00e4tte ich mein altes Auge, das leider abbrach, so glaube ich, ich k\u00f6nnte weinen; \u2013 aber ich w\u00fcrde es nicht tun \u2013 es ist nicht fein, zu weinen!&#8220;<br>Eines Tages kamen einige Stra\u00dfenjungen und w\u00fchlten im Rinnstein, wo sie alte N\u00e4gel, Pfennige und dergleichen fanden. Das war kein sch\u00f6nes Gesch\u00e4ft, und doch machte es ihnen Vergn\u00fcgen.<br>&#8222;Au!&#8220; sagte der eine, er stach sich an der Stopfnadel. &#8222;Das ist auch ein Kerl!&#8220;<br>&#8222;Ich bin kein Kerl, ich bin ein Fr\u00e4ulein!&#8220; sagte die Stopfnadel, aber niemand h\u00f6rte es; der Siegellack war von ihr abgegangen, und sie war schwarz und d\u00fcnn geworden, darum glaubte sie, dass sie noch feiner sei, als sie fr\u00fcher war.<br>&#8222;Da kommt eine Eierschale angesegelt!&#8220; sagten die Jungen und steckten die Stopfnadel in die Schale.<br>&#8222;Wei\u00dfe W\u00e4nde und selbst schwarz&#8220;, sagte die Stopfnadel, &#8222;das kleidet gut! Nun kann man mich doch sehen! \u2013 Wenn ich nur nicht seekrank werde!&#8220; Aber sie wurde nicht seekrank. &#8222;Es ist gut gegen die Seekrankheit, einen Stahlmagen zu haben und immer daran zu denken, dass man etwas mehr als ein Mensch ist! Nun ist es bei mir vorbei. je feiner man ist, desto mehr kann man aushalten.&#8220;<br>&#8222;Krach!&#8220; Da lag die Eierschale, es ging ein Lastwagen \u00fcber sie hin. &#8222;Au, wie das dr\u00fcckt!&#8220; sagte die Stopfnadel. &#8222;Jetzt werde ich doch seekrank!&#8220; Aber sie wurde es nicht, obgleich ein Lastwagen \u00fcber sie wegfuhr, sie lag der L\u00e4nge nach \u2013 und da mag sie liegenbleiben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Stopfnadel Hans Christian Andersen Es war einmal eine Stopfnadel, die sich so fein d\u00fcnkte, dass sie sich einbildete, eine N\u00e4hnadel zu sein.&#8222;Seht nur darauf, dass ihr mich haltet!&#8220; sagte die Stopfnadel zu den Fingern, die sie hervornahmen. &#8222;Verliert mich nicht! 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