{"id":5182,"date":"2026-01-28T03:23:22","date_gmt":"2026-01-28T02:23:22","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5182"},"modified":"2026-01-28T03:24:06","modified_gmt":"2026-01-28T02:24:06","slug":"die-stiefmutter-und-der-prinz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-stiefmutter-und-der-prinz\/","title":{"rendered":"Die Stiefmutter und der Prinz"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Die Stiefmutter und der Prinz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es waren einmal ein K\u00f6nig und eine K\u00f6nigin, die hatten einen Sohn. Eines Tages wurde die K\u00f6nigin krank. Als sie wusste, dass ihre Stunden nur noch gez\u00e4hlt waren, sagte sie zum K\u00f6nig: &#8222;Versprich mir, dass du dich erst dann wieder verheiratest, wenn unser Sohn gro\u00df genug ist, f\u00fcr sich selbst zu entscheiden.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Der K\u00f6nig versprach es, und am selben Abend starb die K\u00f6nigin.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Jahr nach dem andern verging, der K\u00f6nigssohn wuchs zu einem stattlichen J\u00fcngling heran, und der K\u00f6nig lebte noch immer allein.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber die Untertanen murrten, sie wollten eine neue K\u00f6nigin haben. In den Gasth\u00e4usern und auf den M\u00e4rkten, in den Werkst\u00e4tten und auf den Dorfpl\u00e4tzen sprach man bald von nichts anderem mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ein K\u00f6nigreich ohne K\u00f6nigin, das ist wie der Taghimmel ohne die Sonne&#8220;, sagten die einen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und die anderen, die von solchen Vergleichen nichts hielten, sagten: &#8222;Ein K\u00f6nigreich ohne K\u00f6nigin hat keinerlei Bedeutung.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, so war das.<\/p>\n\n\n\n<p>Und als die Stimmen, die dies miteinander sprachen, immer lauter wurden, beschloss der K\u00f6nig eines Morgens \u00e4rgerlich, die Erstbeste, die ihm an diesem Tag \u00fcber den Weg k\u00e4me, zu heiraten.<\/p>\n\n\n\n<p>Davon wollten seine R\u00e4te nichts wissen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Die Erstbeste &#8211; wie stellt ihr euch das vor? Es k\u00f6nnte ja eben sogut eine Prinzessin wie eine K\u00fcchenmagd sein. Und eine K\u00fcchenmagd wollt Ihr doch gewiss nicht heiraten.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Der K\u00f6nig besann sich. Seine R\u00e4te hatten recht. Aber was ist das f\u00fcr ein K\u00f6nig, der seinen Worten untreu wird, der beschlie\u00dft und seine Beschl\u00fcsse nicht ausf\u00fchrt? Und der K\u00f6nig blieb dabei: die erst beste Frau, die ihm \u00fcber den Weg k\u00e4me, wollte er heiraten. Damit ihm aber nicht etwa tats\u00e4chlich eine der M\u00e4gde \u00fcber den Weg liefe, verlie\u00df der K\u00f6nig das Schloss durch einen Geheimgang. Auf seinen morgendlichen Ausritt wollte er selbst an diesem Tag nicht verzichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch kaum hatte sich das gro\u00dfe Tor in der Mauer hinter ihm geschlossen, da stand vor ihm ein Weib, das war so h\u00e4sslich, wie altes, ungereinigtes Tongeschirr.<br>&#8222;Ich warte hier schon seit dem fr\u00fchen Morgen auf Euch&#8220;, sagte es und zeigte dabei den einzigen krummen Zahn, den es im Mund hatte. &#8222;Sagt, wann wollen wir Hochzeit halten? Der Winter naht und da m\u00f6chte ich gern meine F\u00fc\u00dfe am Kamin im k\u00f6niglichen Palast erw\u00e4rmen.&#8220;<br>Der K\u00f6nig machte eine Handbewegung, als wollte er eine l\u00e4stige Fliege verjagen, und sprach: &#8222;Was f\u00e4llt dir ein, du Ungl\u00fcckliche. Da hast du zehn Goldst\u00fccke&#8216; wenn du sie gut einteilst, wirst du zehn Winter keine kalten F\u00fc\u00dfe bekommen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Aber das Weib warf den Beutel mit den Goldst\u00fccken auf den Boden, stemmte die H\u00e4nde in die H\u00fcften und schrie: &#8222;Was ist das f\u00fcr ein K\u00f6nig, der sein Wort nicht h\u00e4lt! Habt Ihr nicht erkl\u00e4rt, Ihr werdet die erstbeste Frau heiraten, die Euch begegnet? Bin ich es nicht? Und w\u00e4re ich nicht \u00fcberaus dumm, wenn ich einen solchen Tausch machen wollte!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Was sollte der K\u00f6nig machen?<\/p>\n\n\n\n<p>Er hob die Alte auf sein Pferd, brachte sie ins Schloss und weihte dort nur seinen treuesten Diener ein. Der erschrak, als er sah, was f\u00fcr ein gew\u00f6hnliches Weib die neue K\u00f6nigin werden sollte. Aber er tat, was ihm befohlen war, er brachte die Braut in das Turmgemach und richtete dem Hofschneider aus, er m\u00f6ge binnen drei Tagen ein Hochzeitskleid n\u00e4hen und ja nicht vergessen, nur den dichtesten Schleier, den er in der Stadt f\u00e4nde, zu ums\u00e4umen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Schneider schickte gleich zwei seiner Gesellen aus, die auf allen M\u00e4rkten der Stadt nach dem rechten Schleier suchten. Und sie fanden einen, der so dicht war, dass nicht einmal eine Eintagsfliege h\u00e4tte erkennen k\u00f6nnen, was er verbarg.<\/p>\n\n\n\n<p>So sah auch am Tag der Hochzeit niemand, was f\u00fcr ein gew\u00f6hnliches Weib die neue K\u00f6nigin war. Und damit es auch gewiss niemand erf\u00fchre, hatte der K\u00f6nig verlangt, dass sie an niemanden das Wort richte und auf jedwede Frage nur nicken oder den Kopf sch\u00fctteln d\u00fcrfe.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Alte wusste wohl selbst, dass sie ein Tratschweib war, das allerlei und doch nichts Rechtes zu sagen wusste. Und so tat sie, was der K\u00f6nig verlangt hatte: sie schwieg und nickte oder sch\u00fcttelte nur dann und wann den Kopf.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem Prinzen kam das Verhalten der Stiefmutter sehr merkw\u00fcrdig vor, und als diese auch nach der Hochzeit den Schleier nicht ablegte, beschloss er, herauszufinden, was es mit dem merkw\u00fcrdigen Verhalten auf sich habe. Er ging hin und bat die Stiefmutter, mit ihm eine Partie Schach zu spielen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Alte nickte, und das hie\u00df, dass sie einverstanden war.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Prinz wollte sie jedoch zum Sprechen bringen, und er wusste auch, wie das geschehen sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ich bin es gewohnt, jede Partie zu gewinnen. Sollte es dieses Mal aber wider Erwarten anders sein, so habt Ihr einen Wunsch offen&#8220;, sagte er. Da schlug die Alte sich auf die Knie und rief:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ein achtbeiniges H\u00fchnchen w\u00fcnsche ich mir!&#8220; Da wusste der Prinz genug, und er lie\u00df die Stiefmutter die Schachpartie gewinnen.<br>&#8222;Also&#8220;, sagte er dann, &#8222;ich bringe Euch ein achtbeiniges H\u00fchnchen. Damit Ihr mich aber als erste von allen erblickt, wenn ich heimkomme, steigt auf den h\u00f6chsten Schlossturm und erwartet mich.&#8220;<br>Die Alte war einverstanden. Sogleich kletterte sie auf den h\u00f6chsten Turm, und der Prinz, nicht faul, zog die Leiter unter ihr fort.<br>Dann machte er sich auf und zog in die Welt hinaus. Und die Alte sitzt noch immer auf dem Schlossturm und h\u00e4lt Ausschau, ob der Prinz mit einem achtbeinigen H\u00fchnchen nach Hause kommt.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Stiefmutter und der Prinz Es waren einmal ein K\u00f6nig und eine K\u00f6nigin, die hatten einen Sohn. 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