{"id":5179,"date":"2026-01-28T03:13:39","date_gmt":"2026-01-28T02:13:39","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5179"},"modified":"2026-01-28T03:20:29","modified_gmt":"2026-01-28T02:20:29","slug":"die-stiefel-von-bueffelleder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-stiefel-von-bueffelleder\/","title":{"rendered":"Die Stiefel von B\u00fcffelleder"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Die Stiefel von B\u00fcffelleder<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gebr. Grimm<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Ein Soldat, der sich vor nichts f\u00fcrchtet, k\u00fcmmert sich auch um nichts. So einer hatte seinen Abschied erhalten, und da er nichts gelernt hatte und nichts verdienen konnte, so zog er umher und bat gute Leute um ein Almosen. Auf seinen Schultern hing ein alter Wettermantel, und ein Paar Reiterstiefel von B\u00fcffelleder waren ihm auch noch geblieben. Eines Tages ging er, ohne auf Weg und Steg zu achten, immer ins Feld hinein und gelangte endlich in einen Wald. Er wusste nicht, wo er war, sah aber auf einem abgehauenen Baumstamm einen Mann sitzen, der gut gekleidet war und einen gr\u00fcnen J\u00e4gerrock trug. Der Soldat reichte ihm die Hand, lie\u00df sich neben ihm auf das Gras nieder und streckte seine Beine aus. &#8222;Ich sehe, du hast feine Stiefel an, die gl\u00e4nzend gewichst sind,&#8220; sagte er zu dem J\u00e4ger, &#8222;wenn du aber herumziehen m\u00fcsstest wie ich, so w\u00fcrden sie nicht lange halten. Schau die meinigen an, die sind von B\u00fcffelleder und haben schon lange gedient, gehen aber durch dick und d\u00fcnn.&#8220; Nach einer Weile stand der Soldat auf und sprach: &#8222;Ich kann nicht l\u00e4nger bleiben, der Hunger treibt mich fort. Aber, Bruder Wichsstiefel, wohinaus geht der Weg?&#8220; &#8211; &#8222;Ich wei\u00df es selber nicht&#8220;, antwortete der J\u00e4ger, &#8222;ich habe mich in dem Wald verirrt.&#8220; &#8211; &#8222;So geht dir&#8217;s ja wie mir&#8220;, sprach der Soldat, &#8222;gleich und gleich gesellt sich gern, wir wollen beieinander bleiben und den Weg suchen.&#8220; Der J\u00e4ger l\u00e4chelte ein wenig, und sie gingen zusammen fort immer weiter, bis die Nacht einbrach. &#8222;Wir kommen aus dem Wald nicht heraus&#8220;, sprach der Soldat, &#8222;aber ich sehe dort in der Ferne ein Licht schimmern, da wird&#8217;s etwas zu essen geben.&#8220; Sie fanden ein Steinhaus, klopften an die T\u00fcre, und ein altes Weib \u00f6ffnete. &#8222;Wir suchen ein Nachtquartier&#8220;&#8218; sprach der Soldat, &#8222;und etwas Unterfutter f\u00fcr den Magen; denn der meinige ist so leer wie ein alter Tornister.&#8220; &#8211; &#8222;Hier k\u00f6nnt ihr nicht bleiben&#8220;, antwortete die Alte, &#8222;das ist ein R\u00e4uberhaus, und ihr tut am kl\u00fcgsten, dass ihr euch fortmacht&#8216; bevor sie heimkommen; denn finden sie euch, so seid ihr verloren.&#8220; &#8211; &#8222;Es wird so schlimm nicht sein&#8220;, antwortete der Soldat, &#8222;ich habe seit zwei Tagen keinen Bissen genossen, und es ist mir einerlei, ob ich hier umkomme oder im Wald vor Hunger sterbe. Ich gehe herein.&#8220; Der J\u00e4ger wollte nicht folgen, aber der Soldat zog ihn am \u00c4rmel mit sich: &#8222;Komm, Bruderherz&#8216; es wird nicht gleich an den Kragen gehen.&#8220; Die Alte hatte Mitleid und sagte: &#8222;Kriecht hinter den Ofen, wenn sie etwas \u00fcbrig lassen und eingeschlafen sind, so will ich&#8217;s euch zustecken.&#8220; Kaum sa\u00dfen sie in der Ecke, so kamen zw\u00f6lf R\u00e4uber hereingest\u00fcrmt&#8216; setzten sich an den Tisch, der schon gedeckt war, und forderten mit Ungest\u00fcm das Essen. Die Alte trug einen gro\u00dfen Braten herein, und die R\u00e4uber lie\u00dfen sich&#8217;s wohl schmecken. Als der Geruch von der Speise dem Soldaten in die Nase stieg, sagte er zum J\u00e4ger: &#8222;Ich halt&#8217;s nicht l\u00e4nger aus, ich setze mich an den Tisch und esse mit.&#8220; &#8222;Du bringst uns ums Leben&#8220;, sprach der J\u00e4ger und hielt ihn am Arm. Aber der Soldat fing an, laut zu husten. Als die R\u00e4uber das h\u00f6rten, warfen sie Messer und Gabel hin, sprangen auf und entdeckten die beiden hinter dem Ofen. &#8222;Aha&#8216; ihr Herrn&#8220;, riefen sie, &#8222;sitzt ihr in der Ecke? Was wollt ihr hier? Seid ihr als Kundschafter ausgeschickt? Wartet, ihr sollt an einem d\u00fcrren Ast das Fliegen lernen!&#8220; &#8222;Nur manierlich&#8220;, sprach der Soldat, &#8222;mich hungert, gebt mir zu essen, hernach k\u00f6nnt ihr mit mir machen, was ihr wollt.&#8220; Die R\u00e4uber stutzten, und der Anf\u00fchrer sprach: &#8222;Ich sehe, du f\u00fcrchtest dich nicht, gut, Essen sollst du haben, aber hernach musst du sterben.&#8220; &#8211; &#8222;Das wird sich finden&#8220;, sagte der Soldat, setzte sich an den Tisch und fing an, tapfer in den Braten einzuhauen. &#8222;Bruder Wichsstiefel&#8216; komm und iss&#8220;&#8218; rief er dem J\u00e4ger zu, &#8222;du wirst hungrig sein, so gut als ich, und einen bessern Braten kannst du zu Hause nicht haben&#8220;; aber der J\u00e4ger wollte nicht essen. Die R\u00e4uber sahen dem Soldaten mit Erstaunen zu und sagten: &#8222;Der Kerl macht keine Umst\u00e4nde.&#8220; Hernach sprach er: &#8222;Das Essen w\u00e4re schon gut, nun schafft auch einen guten Trunk herbei.&#8220; Der Anf\u00fchrer war in der Laune, sich das auch noch gefallen zu lassen, und rief der Alten zu:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Hol eine Flasche aus dem Keller und zwar eine von dem besten.&#8220; Der Soldat zog den Pfropfen heraus, dass es knallte, ging mit der Flasche zu dem J\u00e4ger und sprach: &#8222;Gib acht, Bruder, du sollst dein blaues Wunder sehen: jetzt will ich eine Gesundheit auf die ganze Sippschaft ausbringen.&#8220; Dann schwenkte er die Flasche \u00fcber den K\u00f6pfen der R\u00e4uber, rief: &#8222;Ihr sollt alle leben, aber das Maul auf und die rechte Hand in die H\u00f6he!&#8220; und tat einen herzhaften Zug. Kaum waren die Worte heraus, so sa\u00dfen sie alle bewegungslos, als w\u00e4ren sie von Stein, hatten das Maul offen und streckten den rechten Arm in die H\u00f6he. Der J\u00e4ger sprach zu dem Soldaten: &#8222;Ich sehe, du kannst noch andere Kunstst\u00fccke, aber nun komm und lass uns heimgehen.&#8220; &#8211; &#8222;Oho, Bruderherz, das w\u00e4re zu fr\u00fch abmarschiert, wir haben den Feind geschlagen und wollen erst Beute machen. Die sitzen da fest und sperren das Maul vor Verwunderung auf, sie d\u00fcrfen sich aber nicht r\u00fchren, bis ich es erlaube. Komm, iss und trink!&#8220; Die Alte musste noch eine Flasche von dem besten holen, und der Soldat stand nicht eher auf, als bis er wieder f\u00fcr drei Tage gegessen hatte. Endlich, als der Tag kam, sagte er: &#8222;Nun ist es Zeit, dass wir das Zelt abbrechen, und damit wir einen kurzen Marsch haben, so soll die Alte uns den n\u00e4chsten Weg nach der Stadt zeigen.&#8220; Als sie dort angelangt waren, ging er zu seinen alten Kameraden und sprach: &#8222;Ich habe drau\u00dfen im Wald ein Nest voll Galgenv\u00f6gel aufgefunden, kommt mit, wir wollen es ausheben.&#8220; Der Soldat f\u00fchrte sie an und sprach zu dem J\u00e4ger: &#8222;Du musst wieder mit zur\u00fcck und zusehen, wie sie flattern, wenn wir sie an den Fu\u00dfen packen.&#8220; Er stellte die Mannschaft rings um die R\u00e4uber herum, dann nahm er die Flasche, trank einen Schluck, schwenkte sie \u00fcber ihnen her und rief: &#8222;Ihr sollt alle leben!&#8220; Augenblicklich hatten sie ihre Bewegung wieder, wurden aber niedergeworfen und an H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen mit Stricken gebunden. Dann hie\u00df sie der Soldat wie S\u00e4cke auf einen Wagen werfen und sagte: &#8222;Fahrt nur gleich vor das Gef\u00e4ngnis.&#8220; Der J\u00e4ger aber nahm einen von der Mannschaft beiseite und gab ihm noch eine Bestellung mit.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Bruder Wichsstiefel&#8220;, sprach der Soldat, &#8222;wir haben den Feind gl\u00fccklich \u00fcberrumpelt und uns wohl gen\u00e4hrt, jetzt wollen wir als Nachz\u00fcgler in aller Ruhe hinterher marschieren.&#8220; Als sie sich der Stadt n\u00e4herten, so sah der Soldat, wie sich eine Menge Menschen aus dem Stadttor dr\u00e4ngten, lautes Freudengeschrei erhuben und gr\u00fcne Zweige in der Luft schwangen. Dann sah er, dass die ganze Leibwache herangezogen kam. &#8222;Was soll das hei\u00dfen?&#8220; sprach er ganz verwundert zu dem J\u00e4ger. &#8222;Wei\u00dft du nicht&#8220;, antwortete er, &#8222;dass der K\u00f6nig lange Zeit aus seinem Reich entfernt war? Heute kehrt er zur\u00fcck, und da gehen ihm alle entgegen.&#8220; &#8211; &#8222;Aber wo ist der K\u00f6nig?&#8220; sprach der Soldat, &#8222;ich sehe ihn nicht.&#8220; -&#8222;hier ist er&#8220;, antwortete der J\u00e4ger, &#8222;ich bin der K\u00f6nig und habe meine Ankunft melden lassen.&#8220; Dann \u00f6ffnete er seinen J\u00e4gerrock, dass man die k\u00f6niglichen Kleider sehen konnte. Der Soldat erschrak, fiel auf die Knie und bat ihn um Vergebung, dass er ihn in der Unwissenheit wie seinesgleichen behandelt und ihn mit<\/p>\n\n\n\n<p>solchem Namen angeredet habe. Der K\u00f6nig aber reichte ihm die Hand und sprach:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Du bist ein braver Soldat und hast mir das Leben gerettet. Du sollst keine Not leiden, ich will schon f\u00fcr dich sorgen. Und wenn du einmal ein St\u00fcck guten Braten essen willst, so gut als in dem R\u00e4uberhaus, so komm nur in die k\u00f6nigliche K\u00fcche. Willst du aber eine Gesundheit ausbringen&#8216; so sollst du erst bei mir Erlaubnis dazu holen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Stiefel von B\u00fcffelleder Gebr. Grimm Ein Soldat, der sich vor nichts f\u00fcrchtet, k\u00fcmmert sich auch um nichts. So einer hatte seinen Abschied erhalten, und da er nichts gelernt hatte und nichts verdienen konnte, so zog er umher und bat gute Leute um ein Almosen. 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