{"id":5169,"date":"2026-01-28T02:49:00","date_gmt":"2026-01-28T01:49:00","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5169"},"modified":"2026-01-28T02:49:00","modified_gmt":"2026-01-28T01:49:00","slug":"star-und-badewaennlein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/star-und-badewaennlein\/","title":{"rendered":"Star und Badew\u00e4nnlein"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Star und Badew\u00e4nnlein<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ludwig Bechstein<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Vor einem Wirtshaus im Walde hielt ein junger stattlicher Reitersmann, da trat eine feine Maid aus der T\u00fcre, gr\u00fc\u00dfte ihn z\u00fcchtig und fragte, was er begehre. Da heischte er einen Becher k\u00fchlen Weins, den brachte ihm die Jungfrau. Der Reitersmann trank aber nicht eher, bis die Maid mit ihren roten Lippen von dem Weine genippt und den Trunk ihm kredenzt hatte. W\u00e4hrend er nun trank, trat die Wirtin aus der T\u00fcre, ein h\u00e4ssliches Weib von brauner Gesichtsfarbe und widrigem Ansehen. Die fragte der Reitersmann: \u00bbHolla, Frau Wirtin! Ihr habt f\u00fcrwahr ein feines T\u00f6chterlein! Nicht also?\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbNein, Herr! \u00ab antwortete die Wirtin, \u00bbdiese Dirne da ist nicht meine Tochter, sie ist nur meine angenommene Magd, hat nicht Eltern und Heimat mehr. Habe sie angenommen aus Barmherzigkeit. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Der Reitersmann f\u00fchlte Liebe zu der sch\u00f6nen Maid, stieg ab vom Ross, begehrte ein Nachtquartier und dass ihm die Magd ein Fu\u00dfbad r\u00fcste, weil er gern mit ihr reden wollte. Die Wirtin gebot der Magd, in den Garten zu gehen und Rosmarin, Thymian und Majoran f\u00fcr das Bad zu pfl\u00fccken. Dies tat sie gern und freudig, ging und brach die Kr\u00e4uter, da flog ein Star auf ein Str\u00e4uchelein neben ihr und sang und sprach: \u00bb0 weh, du Braut! Du sollst dem Junker die F\u00fc\u00dfe zwangen in dem Badew\u00e4nnelein, darin du hierher getragen worden! Dein Vater ist vor Herzeleid gestorben, und deine Mutter hat sich schier um dich zu Tode gegr\u00e4mt.<\/p>\n\n\n\n<p>O weh, du Braut, du Findelkind!<br>Wei\u00dft nicht, wer dein Vater und Mutter sind! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da erschrak die fromme Maid und gr\u00e4mte sich, r\u00fcstete das Bad unter Tr\u00e4nen in dem kleinen W\u00e4nnelein und trug es hinauf in die Stube, wo der junge Ritter ihrer harrte. Als der sie weinen sah, fragte er: \u00bbWarum weinest du, Sch\u00f6nste? Willst du nicht lieber mit mir fr\u00f6hlich sein? \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWie kann ich mit Euch fr\u00f6hlich sein? \u00ab fragte sie weinend zur\u00fcck. \u00bbIch weine \u00fcber das, was mir der Star sang, da ich drunten im Garten die Kr\u00e4uter pfl\u00fcckte in Euer Bad. Der Star, der sang: \u00bbO weh, du Braut! Du sollst dem Junker die F\u00fc\u00dfe zwangen in dem Badew\u00e4nnelein, darin du hergetragen bist. Dein Vater ist vor Herzeleid gestorben, und deine Mutter hat sich schier um dich zu Tode gegr\u00e4mt!<\/p>\n\n\n\n<p>O weh, du Braut, du Findelkind!<br>Wei\u00dft nicht, wer dein Vater und Mutter sind! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da betrachtete der Herr das Badew\u00e4nnelein und sah daran das Wappen des K\u00f6nigs am Rhein, verwunderte sich \u00fcber alle Ma\u00dfen und rief: \u00bbDas ist meines Vaters Wappenschild! Wie kommt dies W\u00e4nnelein in dies schlechte Wirtshaus? \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da schlug ein Vogel drau\u00dfen ans Fenster, das war wieder der Star, der sang: \u00bbIn dem Badew\u00e4nnelein ist sie hergetragen!<\/p>\n\n\n\n<p>O weh, du Braut, du Findelkind!<br>Wei\u00dft nicht, wer dein Vater und Mutter sind! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt sah der junge Herr am Hals der Maid ein Muttermal und rief freudig aus; \u00bbGr\u00fc\u00df dich Gott, du Sch\u00f6nste! Du bist meine liebe Schwester! Dein Vater war der K\u00f6nig am Rhein! Christine hei\u00dft deine Mutter! Konrad hei\u00dfe ich, dein Zwillingsbruder bin ich. Darum empfand mein Herz nach dir, gleich als ich dich zum ersten sah, solch ein heftiges Verlangen! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da fielen sie einander um den Hals und weinten beide, knieten nieder und dankten Gott und sprachen liebreich miteinander die ganze Nacht. Wie nun der Morgen graute, rief die Wirtin vor der T\u00fcr mit lauter Stimme und voll Hohn: \u00bbSteh auf, steh auf, du junge Braut, und kehre deiner Frauen die Stube aus! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da antwortete aber die Stimme Herrn Konrads: \u00bbWeder ist sie eine junge Braut, noch kehrt sie der Wirtin die Stube aus! Bringet uns nur selbst den Morgenwein! \u00ab Als die Wirtin mit dem Morgenwein hereingetreten war, fragte sie Herr Konrad: \u00bbVon wem und von wannen habt Ihr diese edle Jungfrau? Sie ist eines K\u00f6nigs Tochter und meine Schwester! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wirtin ward wei\u00df wie eine Wand und fiel zitternd auf ihre Knie, brachte aber kein Wort hervor, des es auch nicht bedurfte, denn der Star war schon wieder am Fenster und verriet der Wirtin b\u00f6se Tat, indem er sang: \u00bbIn einem Lustgarten im gr\u00fcnen Gras sa\u00df ein zartes Kind in einem Badew\u00e4nnelein, und wie die W\u00e4rterin nur einen Augenblick zur Seite gegangen war, da kam die b\u00f6se Zigeunerin und trug das Kind samt dem W\u00e4nnelein von dannen!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber wurde Herr Konrad so entr\u00fcstet, dass er das Schwert z\u00fcckte und es der Wirtin durch die Ohren spie\u00dfte, zu einem hinein, zum andern heraus. Dann k\u00fcsste er z\u00fcchtig seine allersch\u00f6nste Schwester, nahm das Badew\u00e4nnelein, f\u00fchrte sie an ihrer schneewei\u00dfen Hand aus dem Hause, hob sie auf den Sattel, und sie musste das Badew\u00e4nnelein vor sich auf dem Scho\u00df tragen. Auf ihre Schulter setzte sich der Star. So ritten sie vor das K\u00f6nigsschloss am Rhein, darin die Mutter, die K\u00f6nigin, herrschte, und als sie in das Tor einritten, kam ihnen die Mutter gerade entgegen gegangen. Die fragte verwundert: \u00bbAch, mein liebster Sohn! Was f\u00fcr eine Dirne bringst du da herein! Sie f\u00fchrt ja ein Badew\u00e4nnelein mit sich, als ob sie mit einem Kinde ginge! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbOh, meine liebste Mutter! \u00ab antwortete der junge K\u00f6nigssohn, \u00bbsie ist drum keine Dirne, sondern ist eure Tochter Gertraud, die in diesem W\u00e4nnelein Euch geraubt wurde! \u00ab Und da stieg die Prinzessin aus dem Sattel, die K\u00f6nigin aber fiel vor Freuden in eine Ohnmacht, aus der sie in den Armen ihrer Kinder wieder erwachte.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Star sang: \u00bbHeut sind es gerade achtzehn Jahre, seit die K\u00f6nigstochter geraubt und in dem W\u00e4nnelein \u00fcber den Rhein getragen worden ist! \u00ab Das sang der Star, und auch noch dies:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDer Zigeunerin tun die Ohren so weh,<br>Sie wird keine Kinder stehlen mehr! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Die Prinzessin aber lie\u00df einen Goldschmied rufen, der musste ein goldnes Gitterlein vor das Badew\u00e4nnelein schmieden, da hinein tat sie den Star und pflegte sein, bis an sein Ende.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor einem Wirtshaus im Walde hielt ein junger stattlicher Reitersmann, da trat eine feine Maid aus der T\u00fcre, gr\u00fc\u00dfte ihn z\u00fcchtig und fragte, was er begehre. <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3653,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[90,85],"tags":[],"class_list":["post-5169","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-ludwig-bechstein","category-maerchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5169","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5169"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5169\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5170,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5169\/revisions\/5170"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3653"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5169"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5169"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5169"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}