{"id":5150,"date":"2026-01-28T02:26:27","date_gmt":"2026-01-28T01:26:27","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5150"},"modified":"2026-01-28T02:26:28","modified_gmt":"2026-01-28T01:26:28","slug":"spindel-weberschiffchen-und-nadel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/spindel-weberschiffchen-und-nadel\/","title":{"rendered":"Spindel, Weberschiffchen und Nadel"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Spindel, Weberschiffchen und Nadel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gebr. Grimm<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es war einmal ein M\u00e4dchen, dem starben Vater und Mutter, als es noch ein kleines Kind war. Am Ende des Dorfes wohnte in einem H\u00e4uschen ganz allein seine Patin, die sich von Spinnen, Weben und N\u00e4hen ern\u00e4hrte. Die Alte nahm das verlassene Kind zu sich, hielt es zur Arbeit an und erzog es in aller Fr\u00f6mmigkeit. Als das M\u00e4dchen f\u00fcnfzehn Jahr alt war, erkrankte sie, rief das Kind an ihr Bett und sagte: &#8222;Liebe Tochter, ich f\u00fchle, dass mein Ende herannaht, ich hinterlasse dir das H\u00e4uschen, darin bist du vor Wind und Wetter gesch\u00fctzt, dazu Spindel, Weberschiffchen und Nadel, damit kannst du dir dein Brot verdienen.&#8220; Sie legte noch die H\u00e4nde auf seinen Kopf, segnete es und sprach: &#8222;Behalt&#8216; nur Gott im Herzen, so wird dir&#8217;s wohl gehen.&#8220; Darauf schloss sie die Augen, und als sie zur Erde bestattet wurde, ging das M\u00e4dchen bitterlich weinend hinter dem Sarge und erwies ihr die letzte Ehre.<\/p>\n\n\n\n<p>Das M\u00e4dchen lebte nun in dem kleinen Haus ganz allein, war flei\u00dfig, spann, webte und n\u00e4hte; und auf allem, was es tat, ruhte der Segen der guten Alten. Es war, als ob sich der Flachs in der Kammer von selbst mehrte; und wenn sie ein St\u00fcck Tuch oder einen Teppich geweht oder ein Hemd gen\u00e4ht hatte, so fand sich gleich ein K\u00e4ufer, der es reichlich bezahlte, so dass sie keine Not empfand und andern noch etwas mitteilen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Um diese Zeit zog der Sohn des K\u00f6nigs im Land umher und wollte sich eine Braut suchen. Eine arme sollte er nicht w\u00e4hlen, und eine reiche wollte er nicht. Da sprach er: &#8222;Die soll meine Frau werden, die zugleich die \u00c4rmste und die Reichste ist.&#8220; Als er in das Dorf kam, wo das M\u00e4dchen lebte, fragte er, wie er \u00fcberall tat, wer in dem Orte die Reichste und die \u00c4rmste w\u00e4re. Sie nannten ihm die Reichste zuerst, die \u00c4rmste, sagten sie, w\u00e4re das M\u00e4dchen, das in dem kleinen Hause ganz am Ende wohnte. Die Reiche sa\u00df vor der Haust\u00fcr in vollem Putz, und als sich der K\u00f6nigssohn n\u00e4herte, stand sie auf, ging ihm entgegen und neigte sich vor ihm. Er sah sie an, sprach kein Wort und ritt weiter. Als er zu dem Hause der Armen kam, stand das M\u00e4dchen nicht an der T\u00fcr, sondern sa\u00df in seinem St\u00fcbchen. Er hielt das Pferd an und sah durch das Fenster, durch das die helle Sonne schien, das M\u00e4dchen am Spinnrad sitzen und emsig spinnen. Es blickte auf, und als es bemerkte, dass der K\u00f6nigssohn hereinschaute, ward es \u00fcber und \u00fcber rot, schlug die Augen nieder und spann weiter; ob der Faden diesmal ganz gleich ward, wei\u00df ich nicht, aber es spann so lange, bis der K\u00f6nigssohn wieder weggeritten war. Dann trat es ans Fenster, \u00f6ffnete es und sprach: &#8222;Es ist so hei\u00df in der Stube&#8220;; aber es blickte ihm nach, solange es noch die wei\u00dfen Federn an seinem Hut erkennen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das M\u00e4dchen setzte sich wieder in seine Stube zur Arbeit und spann weiter. Da kam ihm ein Spruch in den Sinn, den die Alte manchmal gesagt hatte, wenn es bei der Arbeit sa\u00df, und es sang so vor sich hin:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Spindel, Spindel, geh&#8216; du aus,<\/p>\n\n\n\n<p>Bring&#8216; den Freier in mein Haus.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Was geschah? Die Spindel sprang ihm augenblicklich aus der Hand und zur T\u00fcr hinaus; und als es vor Verwunderung aufstand und ihr nachbuckte, so sah es, dass sie lustig in das Feld hinein Mozte und einen gl\u00e4nzenden goldenen Faden hinter sich herzog. Nicht lange, so war sie ihm aus den Augen entschwunden. Das M\u00e4dchen, da es keine Spindel mehr hatte, nahm das Weberschiffchen in die Hand, setzte sich an den Webstuhl und fing an zu weben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Spindel aber tanzte immer weiter, und eben als der Faden zu Ende war, hatte sie den K\u00f6nigssohn erreicht. &#8222;Was sehe ich?&#8220; rief er, &#8222;die Spindel will mir wohl den Weg zeigen?&#8220; drehte sein Pferd um und ritt an dem goldenen Faden zur\u00fcck. Das M\u00e4dchen aber sa\u00df an seiner Arbeit und sang:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Schiffchen, Schiffchen, webe Jein,<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fchr&#8216; den Freier mir herein.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Alsbald sprang ihr das Schiffchen aus der Hand und sprang zur T\u00fcr hinaus. Vor der T\u00fcrschwelle aber fing es an, einen Teppich zu weben, sch\u00f6ner, als man je einen gesehen hat. Auf beiden Seiten bl\u00fchten Rosen und Lilien, und in der Mitte auf goldenem Grunde-stiegen gr\u00fcne Ranken herauf, darin sprangen Hasen und Kaninchen; Hirsche und Rehe streckten die K\u00f6pfe dazwischen, oben in den Zweigen sa\u00dfen bunte V\u00f6gel; es fehlte nichts, als dass sie gesungen h\u00e4tten. Das Schiffchen sprang hin und her, und es war, als w\u00fcchse alles von selber.<\/p>\n\n\n\n<p>Weil das Schiffchen fortgelaufen war, hatte sich das M\u00e4dchen zum N\u00e4hen hingesetzt. Es hielt die Nadel in der Hand und sang:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Nadel, Nadel, spitz und fein,<\/p>\n\n\n\n<p>Mach&#8216; das Haus dem Freier rein.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Da sprang ihr die Nadel aus den Fingern und flog in der Stube hin und her, so schnell wie der Blitz. Es war nicht anders, als wenn unsichtbare Geister arbeiteten. Alsbald \u00fcberzogen sich Tisch und B\u00e4nke mit gr\u00fcnem Tuch, die St\u00fchle mit Samt, und an den Fenstern hingen seidene Vorh\u00e4nge herab. Kaum hatte die Nadel den letzten Stich getan, so sah das M\u00e4dchen schon durch das Fenster die wei\u00dfen Federn von dem Tinte des K\u00f6nigssohns, den die Spindel an dem goldenen Faden herbeigeholt hatte. Er stieg ab, schritt \u00fcber den Teppich in das Haus hinein, und als er in die Stube trat, stand das M\u00e4dchen da in seinem \u00e4rmlichen Kleid, aber es gl\u00fchte darin wie eine Rose im Busch. &#8222;Du bist die \u00c4rmste und auch die Reichste&#8220;, sprach er zu ihr, &#8222;komm&#8216; mit mir, du sollst meine Braut sein.&#8220; Sie schwieg, aber sie reichte ihm die Hand. Da gab er ihr einen Kuss, f\u00fchrte sie hinaus, hob sie auf sein Pferd und brachte sie in das k\u00f6nigliche Schloss, wo die Hochzeit mit gro\u00dfer Freude gefeiert ward. Spindel, Weberschiffchen und Nadel wurden in der Schatzkammer verwahrt und in gro\u00dfen Ehren gehalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war einmal ein M\u00e4dchen, dem starben Vater und Mutter, als es noch ein kleines Kind war. 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